C5H5E (E = N, P, As, Sb, Bi)<ref name="Ebroich"></ref> oder
C5H6E (E = Si, Ge, Sn)
Erstere leiten sich vom Benzol (C6H6) ab, indem eine Methingruppe (CH) durch ein (isoelektronisches) Heteroatom der 15. Gruppe des Periodensystems (PSE) ersetzt wurde. Letztere enthalten – wie Benzol – sechs Wasserstoffatome jedoch ein Kohlenstoffatom weniger, dieses ist durch ein anderes Element aus der 14. Gruppe des PSE ersetzt worden.
Allen Heterobenzolen ist ihre Aromatizität gemeinsam. Die Stabilität nimmt mit steigender Ordnungszahl des Heteroatoms ab. Nachfolgend sind die Bindungslängen und -winkel der Heterobenzole der 15. Gruppe des Periodensystems dargestellt (von links nach rechts: Pyridin, Phosphabenzol, Arsabenzol, Stibabenzol und Bismabenzol):<ref>Christoph Elschenbroich: Organometallchemie. 6. Auflage. Teubner Verlag, Wiesbaden 2008, S.218 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 25. Februar 2010]).</ref>
Eine Zusammenstellung von Eigenschaften, Synthesen und Reaktionen der Pyridin-Homologen Phosphabenzol und Arsabenzol lieferte Gottfried Märkl 1982.<ref name="Maerkl">Gottfried Märkl: Phosphabenzol und Arsabenzol. Die höheren Elementhomologen des Pyridins.Chemie in unserer Zeit 16 (1982), S. 139–148, doi:10.1002/ciuz.19820160503.</ref>
Silabenzol, Germabenzol und Stannabenzol sind aromatische Heterobenzole, die im Sechsring je ein Heteroatom (Si, Ge oder Sn) aus der 14. Gruppe des PSE enthalten.
Von geschichtlicher Bedeutung ist die Gewinnung von Pyridin aus Steinkohlenteer, in dem es zu etwa 0,1 % enthalten ist.<ref>A. Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomoleküle. Wiley-VCH, Weinheim 2006, ISBN 3-906390-29-2, S. 488.</ref>
Es sind nur wenige natürliche Vorkommen freien Pyridins bekannt. Es konnte jedoch in den flüchtigen Bestandteilen des Eibischs<ref>A. Täufel, W. Ternes, L. Tunger, M. Zobel: Lebensmittel-Lexikon. 4. Auflage, S. 450, Behr Verlag, 2005, ISBN 3-89947-165-2.</ref> sowie den Blättern und Wurzeln der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna)<ref>G. A. Burdock (Hrsg.): Fenaroli’s Handbook of Flavor Ingredients. Band II, 3. Auflage, CRC Press, Boca Raton, 1995, ISBN 0-8493-2710-5.</ref> nachgewiesen werden.
Phosphabenzol, Arsabenzol, Stibabenzol und Bismabenzol werden nicht im technischen Maßstab hergestellt. Sie besitzen jedoch ein beträchtliches akademisches Interesse.
Die Übertragung der Diltheyschen Pyridinsynthese aus Pyriliumsalzen und Ammoniak gelang – unter variierenden Reaktionsbedingungen – auch auf die Darstellung von 2,4,6-trisubstituierten Phosphabenzolen aus Phosphorwasserstoff (PH3).<ref name="Maerkl" />
Die erste Synthese eines substituierten Arsabenzols – genauer 9-Arsaanthracen – wurde von Peter Jutzi und Friedrich Bickelhaupt beschrieben.<ref name="Ashe">A. J. Ashe: The Group 5 Heterobenzenes. In: Accounts of Chemical Research. Band11, Nr.4, 1978, S.153–157, doi:10.1021/ar50124a005.</ref>
Eine Synthese für die Grundkörper mehrerer Heterobenzole wurde – ausgehend von Trihalogeniden (X = Cl, Br) der Elemente der 15. Gruppe des Periodensystems (E = P, As, Sb, Bi) – von Arthur J. Ashe III beschrieben:<ref name="Ebroich" /> Dabei wird 1,4-Pentadiin zunächst mit Dibutylzinnhydrid zu Dibutylstannacyclohexadien umgesetzt. Nach Austausch von Zinn gegen ein anderes Atom und Eliminierung ergeben sich die Heterobenzole.<ref>Arthur J. Ashe: The Route to Phosphabenzene and Beyond. In: European Journal of Inorganic Chemistry. Band2016, Nr.5, Februar 2016, ISSN1434-1948, S.572–574, doi:10.1002/ejic.201600007 (wiley.com [abgerufen am 28. Februar 2026]).</ref>
Phosphabenzol (E = P) und Arsabenzol (E = As) konnten so als destillierbare Flüssigkeiten erhalten werden. Auch Stibabenzol (E = Sb) wurde erhalten, es ist jedoch eine labile Substanz, die bei Raumtemperatur schnell polymerisiert. Hingegen konnte Bismabenzol (E = Bi) nicht in Substanz isoliert, jedoch spektroskopisch und durch gezielte Derivatisierung nachgewiesen werden.<ref name="Ashe" />
2-Silanaphthalin 1 wurde von einer japanischen Gruppe 1997 als erstes Silabenzol-Derivat hergestellt.<ref name="DOI10.1021/ja9710924">Norihiro Tokitoh, Keiji Wakita, Renji Okazaki, Shigeru Nagase, Paul von Ragué Schleyer, Haijun Jiao: A Stable Neutral Silaaromatic Compound, 2-{2,4,6-Tris[bis(trimethylsilyl)methyl]phenyl}-2-silanaphthalene. In: Journal of the American Chemical Society. 119, 1997, S. 6951–6952, doi:10.1021/ja9710924.</ref><ref name="DOI10.1021/ja992024f">Keiji Wakita, Norihiro Tokitoh, Renji Okazaki, Shigeru Nagase, Paul von Ragué Schleyer, Haijun Jiao: Synthesis of Stable 2-Silanaphthalenes and Their Aromaticity. In: Journal of the American Chemical Society. 121, 1999, S. 11336–11344, doi:10.1021/ja992024f.</ref> Die Autoren Norihiro Tokitoh und Renji Okazaki berichteten danach auch über die Synthese eines thermisch stabilen Silabenzols 2, das durch einen sterisch anspruchsvollen Substituenten stabilisiert ist.<ref name="DOI10.1021/ja000309i">Keiji Wakita, Norihiro Tokitoh, Renji Okazaki, Nozomi Takagi, Shigeru Nagase: Crystal Structure of a Stable Silabenzene and Its Photochemical Valence Isomerization into the Corresponding Silabenzvalene. In: Journal of the American Chemical Society. 122, 2000, S. 5648–5649, doi:10.1021/ja000309i.</ref>
Der Grundkörper Germabenzol wurde theoretisch betrachtet,<ref>Ebrahimi, A. A.; Ghiasi, R.; Foroutan-Nejad, C.: Topological Characteristics of the Ring Critical Points and the Aromaticity of Groups IIIa to VIa Hetero-Benzenes. In: Journal of Molecular Structure: THEOCHEM. Band941, Nr.1–3, 2010, S.47–52, doi:10.1016/j.theochem.2009.10.038.</ref> jedoch bisher nicht synthetisiert. Hingegen ist eine 2-Germanaphthalin-abgeleitete stabile Substanz 3 hergestellt worden.<ref>N. Nakata, N. Takeda, N. Tokitoh: Synthesis and Structure of a Kinetically Stabilized 2-Germanaphthalene: The First Stable Neutral Germaaromatic Compound. In: Organometallics. Band20, Nr.26, 2001, S.5507–5509, doi:10.1021/om010881y.</ref>