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Hitzewelle

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Eine Hitzewelle ist in Meteorologie und Klimatologie eine ungewöhnlich lange Phase aufeinander folgender ungewöhnlich heißer Tage, auch Hitzeperiode genannt. Etwas abgeschwächt spricht man auch von Wärmewelle für Phasen abnorm hoher Temperaturen. Hitzewellen sind Extremwetterereignisse, die die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastruktur schädigen können.<ref>Glossar - Hitzewelle. Deutscher Wetterdienst, abgerufen am 16. Februar 2022.</ref>

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Zur Definition einer Hitzewelle[Bearbeiten]

Datei:2003 europe summer temperature anomaly.png
Karte der lokalen Temperatur­anomalie Sommer 2003 zu 1971–2000, als Maß einer Hitzewelle

Hitzewellen als solche sind ein relativ junges Forschungsgebiet, früher wurde primär auf Dürren fokussiert. Es gibt bisher keine einheitliche, international abgestimmte Definition einer Hitzewelle.<ref>Heatwaves – a brief introduction. Copernicus Climate Change Service, 18. Juli 2024, abgerufen am 28. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Christopher Polster: Sommerliche Hitzewellen der Nordhemisphäre: Ein Überblick und Fallstudien. Bachelorarbeit im Studienfach Meteorologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Physik der Atmosphäre, 2014, Kapitel 3 Definition einer Hitzewelle, S. 3 f.; Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.uni-mainz.de (Memento vom 8. Juli 2015 im Internet Archive)(PDF) dort S. 11 f).</ref><ref name="sciencemag">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Typische moderne Ansätze für die Quantifizierung einer Hitzewelle sind folgendermaßen aufgebaut:

  • Zuerst wird eine gewisse Schwelle für den Begriff anomaler Hitze festgelegt, entweder absolut (etwa über den Begriff des heißen Tages, Tageshöchsttemperatur ≥ 30 °C),<ref>In den USA: 90 °F, vgl. Heat Wave; Robert DeCourcy Ward: The Climates of the United States, 1925, S. 383–395; online in American Meteorological Society: Glossary of Meteorology.</ref><ref name="sv">So definiert der schwedische Wetterdienst etwa eine ‚Wärmewelle‘ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ab 25 °C; diese ist den nördlicheren Breiten angemessen, und kann auch im Winter auftreten; vgl. Värmebölja, schwedische Wikipedia.</ref> über die Temperaturanomalie (Schwelle einer Grad-Abweichung von einer spezielleren langjährigen Mitteltemperatur, etwa Mittel des jeweiligen Tages oder Monats der letzten 30 Jahre),<ref name="ZAMG 20150813">Hitzewellen: 2015 eines der extremsten Jahre der Messgeschichte. ZAMG Klimanews, 13. August 2015; Anomalieauswertung letzter Abschnitt 2015 unter den ungewöhnlichsten Sommern der Messgeschichte; Definition der Kysely-Tage wörtlich zitiert (Ende des Artikels).</ref> oder über eine Häufigkeit (etwa Standardabweichung 95-%-Perzentil einer solchen Bemessungsgrundlage).<ref name="Olas de calor">So etwa in AEMET: Olas de calor en España desde 1975. Área de Climatología y Aplicaciones Operativas, o. D. [Aktualisierung: 2015]; aemet.es (PDF; 354 kB).</ref><ref name="Brunner etal, 2017" /> Weitere Kriterien wären physiologische Werte<ref>Die Wichtigkeit gefühlter Werte als Bemessungsgrundlage betont schon P. J. Robinson: On the definition of a heat wave. In: J. Appl. Meteorol., 40(4), 2001, S. 762–775; Angabe nach Polster: Sommerliche Hitzewellen …, S. 3.</ref> wie Gefühlte Temperatur<ref>Z. B. auf Basis des Klima-Michel-Modells, vgl. Webseite des Deutschen Wetterdienstes. (DWD); Angabe nach Polster: Sommerliche Hitzewellen …, S. 3 (pdf S. 11).</ref> oder der Heat Index (eine Kombination aus Temperatur und Luftfeuchte).<ref>So der amerikanische National Weather Service (NWS), vgl. Heat Safety; Angabe nach Polster: Sommerliche Hitzewellen …, S. 3 (pdf S. 11).</ref>
  • Dann werden Kriterien für den Zeitumfang gewählt, die Episode (etwa eine Mindestdauer von drei oder fünf Tagen;<ref>Vgl. etwa Schwedischer Wetterdienst: Värmebölja, smhi.se, abgerufen am 11. Juli 2015.</ref><ref name="Brunner etal, 2017" /> auch indem ein einziger Tag unterhalb der Hitzeschwelle die Hitzewelle nicht unterbricht)<ref name="Olas de calor 3">Vgl. AEMET: Olas de calor en España …, Tercera etapa, S. 3.</ref> wie auch den Zeitraum, in dem man überhaupt von Hitzewelle sprechen will (etwa nur den meteorologischen Sommer für die gemäßigten Breiten)<ref name="Olas de calor 1">Vgl. AEMET: Olas de calor en España …, Primera etapa, S. 3.</ref><ref name="sv" /><ref name="Brunner etal, 2017" />
  • Es wird ein betroffenes Gebiet festgelegt, aus einer meteorologischen Analyse, in politischen Grenzen, rein messtechnisch über Stationen, oder ein Modellierungsraster<ref name="Brunner etal, 2017" /> – dabei müssen sich der Definitionsbereich der Hitzeschwelle und das Areal nicht decken (so könnte die Schwelle sich auf einzelne Messstationen beziehen, das Areal auf Verwaltungseinheiten).<ref name="Olas de calor 2">Vgl. AEMET: Olas de calor en España …, Segunda etapa, S. 3: Messen 10 % der Stationen im Areal abnorme Hitze, gilt der Tag als Tag der Hitzewelle.</ref>
  • Es werden Kriterien für die Intensität der Hitzewelle bestimmt, etwa die absolut höchste über die gesamte Periode gemessene Temperatur, die mittlere Maximaltemperatur über alle Messstationen des Gebiets,<ref name="Olas de calor 4">Vgl. AEMET: Olas de calor en España …, Primera etapa, S. 4.</ref> die maximale oder mittlere Anomalie,<ref name="ZAMG 20150813" /><ref name="Olas de calor 4" /> die Jährlichkeit des Ereignisses, oder Ähnliches.

Damit ergeben sich als Maße für das Ausmaß einer Hitzewelle:<ref name="Olas de calor 4" />

  • Dauer
  • Geographischer Umfang
  • Gewisse Werte der Intensität

Eine für Mitteleuropa verwendete Methode der Auswertung geht auf den tschechischen Meteorologen Jan Kysely zurück, diese Tage der Hitzewelle werden Kysely-Tag genannt:<ref name="ZAMG 20150813" />

„Eine Hitzewelle wird festgestellt, sobald an mindestens drei Tagen in Folge die Maximaltemperatur 30 °C überschreitet und hält so lange an, wie die mittlere Maximaltemperatur über die gesamte Periode über 30 °C bleibt und an keinem Tag eine Maximaltemperatur von 25 °C unterschritten wird.“

Für Wärmewellen – etwa für das Winterhalbjahr – sind ähnliche Kriterien mit abgeschwächteren Grenzwerten in Verwendung.<ref name="Brunner etal, 2017" />

Die zeitlichen und räumlichen Maße können zueinander in Bezug gesetzt werden, doch ist ein Ansatz, wie eine lokale kurze und heftige Hitzewelle mit einer lange andauernden und großräumigen zu vergleichen wäre, und das über verschiedene Klimaregionen, sehr komplex.<ref>Ein Maß wäre beispielsweise eine Flächensumme einer Gradtag-Zahl, etwa die Summe der Anomalien über die Tage der Hitzewelle, entsprechend den Heizgradtagen auf Basis der Temperaturdifferenz der Außen-Lufttemperatur in Bezug auf die gewünschte Raum-Innentemperatur. Die entsprechenden Kühlgradtage sind ein inzwischen etabliertes Maß für die allgemeine raumklimatische Hitzeexposition eines Ortes oder Gebäudes: auch die Anomalie der tatsächlichen Kühlgradtage in Bezug auf das langjährige Mittel wäre ein Maß für eine einzelne Hitzewelle.</ref> Diese Abschätzungen einer Vergleichbarkeit über Zeitreihen und Weltgegenden sind in der Meteorologie, der Wettermedizin und der Klimafolgenforschung heute in Entwicklung. Die Definitionen für 'Hitzewelle' können mit der Festlegung gewisser Unwetter-Warnstufen korrelieren.

Entstehung von Hitzewellen[Bearbeiten]

Hitzewellen haben je nach Weltgegend verschiedene Ursachen. Im Winter führen entsprechende Situationen entweder zu einem Warmlufteinbruch und Tauwetter, oder aber zu einer Kältewelle.

Mechanismen auf den mittleren Breiten[Bearbeiten]

Datei:Heat Wave.jpg
Klassisches kontinentales Hoch über Nordamerika

Die klassische sommerliche Hitzewelle der mittleren Breiten entsteht durch ein Hochdruckgebiet und Aufheizung durch lang anhaltenden Sonnenschein. Wärmeeinbrüche allgemein sind etwa für Mitteleuropa meist gut dokumentierte Singularitäten (regelhaft eintretende Ausnahmen), so eben die Hundstage des Hochsommers, aber auch im Winter etwa das Weihnachtstauwetter.

Datei:Air masses.svg
Reguläre Lagen der Herkunftsgebiete der Luftmassen (westlich von Europa Kaltluft, südlich Warmluft)

Es gibt einige weitgehend regulär vorhandene Hochdruckzonen, so das Azorenhoch oder das Sibirienhoch, die immer zu sommerlicher Hitze führen. Abnormale Hitzewellen können diese dann verursachen, wenn sie sich irregulär verlagern oder extrem stark ausgebildet sind: So kann das Azorenhoch bis vor Westeuropa liegen, und dann das Wetter des Kontinents direkt besonders beeinflussen (ein Beispiel: Spätsommer 1975). Oder es drängt die Atlantiktiefs übermäßig nach Norden, was zu zonaler Hitze im gesamten Mittelmeerraum führt (Juli 2015, zweite Phase). Weil diese Hochs selbst stabilisierend sind, können sich solche Hitzewellen über viele Wochen oder eine ganze Saison erstrecken, und auch zu Dürren führen. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn sich Hochdruckbrücken zwischen den Hochs ausbilden, dann werden diese Ereignisse auch recht großräumig.

Datei:Jetstreamconfig.jpg
Rossby-Wellen der Jet-Streams

Eine Ausnahmeerscheinung in den gemäßigten Breiten entsteht durch eine Blockade:<ref name="Brunner etal, 2017">Lukas Brunner, Gabriele C. Hegerl, Andrea K. Steiner: Connecting Atmospheric Blocking to European Temperature Extremes in Spring. In: Journal of Climate, Januar 2017, American Meteorological Society, doi:10.1175/JCLI-D-16-0518.1;
Definition dort (für Untersuchungen der Frühlingsperiode): 90-%-Perzentil von Tmax des Tages zum Durchschnittswert einer 36-Jahres-Vergleichsperiode mit 21-Tage-gleitendem Mittel; warm spell day (WSD, Wärmewellentag), wenn eine ganze 5°×5°-Region an 6 aufeinanderfolgenden Tagen dieses Kriterium erfüllt.</ref> In gewissen Abständen geht der Jetstream in eine besonders wellige Form über, die Westwinddrift bricht ab, die Tiefdrucksysteme kommen nicht voran, und die Hochs dazwischen bleiben ortsfest liegen. Das kann zu ein- bis mehrwöchigen Hitzeperioden führen. Diese Verlagerung der Polarfront führt auch jeweils zu starkem Wärmeaustausch von den Tropen in die polaren Gebiete und kann auch im höheren Norden zu abnormer Wärme führen.<ref name="DWD 20190811">Europa - (meteorologisch) zweigeteilt. DWD: Thema des Tages, 11. August 2019.</ref>

Datei:Cyclo 4.svg
Eine Zyklone (dynamisches Tief) als Warmluftpumpe: Warmfront und Warmsektor vor der Kaltfront

Eine weitere Ursache in den mittleren Breiten sind mächtige Tiefdrucksysteme (Zyklone). Diese können dann an ihrer südwärtigen Warmfront bis in die Subtropen greifen, und davor enorme Warmluftmassen nach Norden pumpen. Hierbei handelt es sich um kurzfristigere Warmlufteinbrüche bis zu einigen Tagen, solche Situationen können auch im Winter zu Wärmewellen führen. Für Europa typisch sind südwestliche Höhenströmungen nordafrikanischer Luft, oft mit Saharastaub-Ereignissen. Ein typisches Beispiel ist der Sommer 2013.

Datei:Omegalage Russland Pakistan 2010.svg
Überschlagender Jetstream mit extremer Omegalage (2010)

Extrem werden kann die Kombination dieser Situationen: Ist bei einer Blockade das Hoch östlich und westlich von kräftigen Tiefs flankiert, entsteht die Omegalage, entsprechend dem Zeichen <math>\Omega</math>, mit einer Kombination aus Blockade und südlichen Luftströmungen, wodurch sich die Hitze verstärkt. Typisch dafür sind die Tropennächte, weil auch die nächtliche Abkühlung durch nachströmende Warmluft kompensiert wird. In Europa entsteht durch trockene Saharaluft oder Föhn-Effekte an Pyrenäen und Alpen eine Kombination mit abnormer Trockenheit. Oft entfallen dann die typischen Wärmegewitter, die sonst für Sommerhitze charakteristisch sind, womit ein weiterer Abkühlungsfaktor entfällt. Charakteristisch war das etwa in den Jahrhundertsommern 2003 und 2015 (erste und dritte Phase).

Globale Mechanismen[Bearbeiten]

Datei:CPC-NWS-NOAA SST Anoms 08 JUL 2015.png
Meerestemperatur-Anomalie Juli 2015: El-Niño im Pazifik: Hitzewellen an der nordamerikanischen Westküste.

Eine weitere Ursache sind Schwankungen der warmen ozeanischen Strömungen in Intensität und Lage, was die Lagen der Aktionszentren und atmosphärischen Strömungen grundlegend beeinflusst. Bekanntestes Phänomen dieser Art ist das El-Niño-System, das an den Westküsten beider Amerikas zu Hitzewellen führen kann (und wohl auch das Wetter weltweit beeinflusst). Da dieses System gewisse regelmäßige Wiederkehr zeigt (El Niño-Southern Oscillation, ENSO), und auch andere globale Wetterzusammenhänge in Perioden ablaufen, zeigen auch Extremwetter wie Hitzewellen gewisse Häufungsphasen.

Einflüsse der globalen Erwärmung[Bearbeiten]

Datei:Shifting Distribution of Summer Temperature Anomalies2.png
Häufigkeit (senkrecht) zu Anomalie (waagrecht) hoher Sommertemperaturen der Nordhalbkugel, Mittel 1951–1980 und letzte drei Jahrzehnte: Anstieg des Medians, Abnahme der Häufigkeit, Zunahme hoher Anomalie (NASA-GISS)

Dass die globale Erwärmung regional eine veränderte Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen zur Folge hat, gilt heute als gesichert.<ref>Andrew D. King, David J Karoly: Climate extremes in Europe at 1.5 and 2 degrees of global warming. In: Environmental Research Letters. Band 12, 2017, S. 114031, doi:10.1088/1748-9326/aa8e2c.</ref> Gemäß Weltklimarat IPCC ist es praktisch sicher (99–100 % Wahrscheinlichkeit), dass Hitzewellen seit den 1950er Jahren in den meisten Regionen häufiger und intensiver wurden, wobei der anthropogene Klimawandel mit großer Sicherheit der Hauptfaktor für diese Entwicklung ist. Zudem hält der IPCC fest, dass das Auftreten einiger beobachteter Hitzeextreme der 2010er Jahre ohne menschengemachten Klimawandel extrem unwahrscheinlich gewesen wäre. Auch das Auftreten von Hitzewellen in den Meeren verdoppelte sich etwa seit den 1980er Jahren, wobei menschlicher Einfluss sehr wahrscheinlich zu den meisten von denjenigen, die seit 2006 aufgetreten sind, beigetragen hat. Mit jeder weiteren Erwärmung werden Hitzewellen gemäß IPCC zudem mit sehr großer Wahrscheinlichkeit intensiver werden und häufiger vorkommen.<ref>Summary for Policymakers. In: V. Masson-Delmotte, P. Zhai, A. Pirani, S. L. Connors, C. Péan, S. Berger, N. Caud, Y. Chen, L. Goldfarb, M. I. Gomis, M. Huang, K. Leitzell, E. Lonnoy, J.B.R. Matthews, T. K. Maycock, T. Waterfield, O. Yelekçi, R. Yu, B. Zhou (Hrsg.): Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. 6. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge UK 2021, S. 8, 15 (ipcc.ch [PDF; abgerufen am 18. Juni 2022]).</ref>

In der Schweiz erwärmen sich Hitzeextreme noch stärker als die Jahresmittelwerte. Während die landesweite Jahresmitteltemperatur zwischen 1971 und 2024 um 2,6 °C anstieg, wurde der heißeste Tag des Jahres im Durchschnitt 3,4 °C wärmer; die heißesten 3- bis 7-Tagesperioden eines Jahres erwärmten sich im landesweiten Mittel um 3,8 °C (im Flachland oft etwas stärker als in höheren Lagen). Ab einer Ereignisdauer von 10 Tagen war die Erwärmung zwischen 1971 und 2024 etwas weniger stark als bei kürzeren Hitzewellen: Bei 14 Tagen betrug sie 3,3 °C, bei 28 Tagen 2,8 °C.<ref>Hitzewellen erwärmen sich besonders stark. In: MeteoSchweiz-Blog. 19. Juni 2025, abgerufen am 17. Juni 2026.</ref>

Ökologische Folgen[Bearbeiten]

Datei:Nierstein- Rhein- Richtung Mainz (Nordost) 14.8.2015.JPG
Abnorme Trockenheit während der Hitzewelle in Europa 2015 am Oberrhein

Mit einer Hitzewelle kann eine Dürre verbunden sein. Es gibt aber auch schwül-feuchte, niederschlagsreiche Hitzeperioden, wobei Starkregen durch Hochwasser, Erdrutsche und Murgänge große Schäden verursachen kann.

Extreme Niedrigwasser verursachen erhebliche Probleme für die Schifffahrt und die Ökologie von Gewässern. Niedrigwasser während Hitzewellen mit gleichzeitig langsamen Fließbewegungen begünstigt aufgrund geringeren Sauerstoffgehalts des Wassers außerdem Fischsterben.

Gesundheitliche Folgen beim Menschen[Bearbeiten]

Hitze und Hitzewellen haben eine Vielzahl negativer Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen. Zu diesen zählen u. a. Erkrankungen und Sterblichkeit aufgrund von Hitzestress und Hitzeschlag oder die Verschlimmerung von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Ältere Menschen sind stärker betroffen als jüngere und Frauen sind stärker betroffen als Männer, jedoch ist bei Männern die hitzebedingte Sterblichkeit auch schon in jüngerem Alter (< 64) deutlicher erhöht.<ref name=":0" /> Am stärksten betroffen sind ältere Menschen über 65 Jahre, Menschen mit Vorerkrankungen, Menschen, die im Freien oder in ungekühlten Gebäuden arbeiten, und solche, die in Regionen der Erde leben, die bereits an der Grenze der menschlichen Bewohnbarkeit angekommen sind.<ref>Nick Watts et al.: The 2020 report of The Lancet Countdown on health and climate change: responding to converging crises. In: The Lancet. Band 397, Nr. 10269, 2021, S. P129–170, doi:10.1016/S0140-6736(20)32290-X.</ref>

Die Auswirkungen von Hitze können durch weitere Faktoren verstärkt werden. Beispielsweise belastet feuchte Hitze den Organismus stärker als trockene Hitze.<ref>Andreas Frey: Wie feuchte Hitze zum Killer wird. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Mai 2022, abgerufen am 17. Mai 2022.</ref> Es wird zudem vermutet, dass sich Belastungen durch Hitze und durch Ozon in ihrer Kombinationswirkung verstärken können.<ref>Gesundheitsrisiken durch Ozon. Umweltbundesamt, 7. Dezember 2018, abgerufen am 25. Juli 2019.</ref>

Auswirkungen der globalen Erwärmung[Bearbeiten]

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Hitzewellen zählen zu den gefährlichsten Naturgefahren und können u. a. mit einem Anstieg hitzebedingter Todesfälle erhebliche gesellschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen. Durch den Klimawandel nimmt die Hitzebelastung der Bevölkerung weiter zu.<ref>Heatwaves. Internetseite der Weltgesundheitsorganisation. Abgerufen am 18. Juni 2022.</ref> Der Weltklimarat IPCC stellte in seinem Sechsten Sachstandsbericht 2022 fest, dass steigende Temperaturen zusammen mit Hitzewellen bereits zu einem Anstieg von Mortalität und Morbidität geführt haben, wobei die genauen Auswirkungen abhängig sind von verschiedenen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Urbanisierungsgrad und weiteren sozioökonomischen Faktoren. Ein signifikanter Anteil der hitzebedingten Sterblichkeit in der warmen Jahreszeit in gemäßigten Regionen wird dabei auf den beobachteten menschengemachten Klimawandel zurückgeführt, während für tropische Regionen in Afrika weniger Daten verfügbar sind.<ref>H.-O Pörtner et al.: Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability – Technical Summary. TS.B.5, S. 17f. (ipcc.ch).</ref> Für die Zukunft wird infolge der globalen Erwärmung ein weiterer Anstieg der Mortalität erwartet.

Hitzetote in Deutschland und Europa[Bearbeiten]

In Europa sterben im Durchschnitt mehr als 28.000 Menschen pro Jahr infolge von Hitzewellen, davon ca. 5.600 Menschen in Deutschland. Prozentual treten die höchsten hitzebedingten Sterberaten in Italien, Portugal, Spanien, Griechenland und Frankreich auf. Auch in Deutschland liegen die Sterbefälle aufgrund von Hitze leicht über dem europäischen Durchschnitt.<ref>Steffen Merte: Estimating heat wave-related mortality in Europe using singular spectrum analysis. In: Climatic Change. 2017, doi:10.1007/s10584-017-1937-9.</ref>

Jüngst zurückliegende Hitzejahre verzeichnen zunehmende Todesfallzahlen durch Hitze. So gab es allein zwischen 2018 und 2020 in Deutschland zusammengefasst ca. 19.300 Hitzetote, wobei rund 8.700 Fälle auf das Extremjahr 2018 fallen.<ref>Claudia Winklmayr, Stefan Muthers, Hildegard Niemann, Hans-Guido Mücke, Matthias an der Heiden: Hitzebedingte Mortalität in Deutschland zwischen 1992 und 2021. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 119, Heft 26. 1. Juli 2022, abgerufen am 30. Mai 2026.</ref>

Aktuelle Daten für das Jahr 2022 gehen von ca. 62.000 hitzebedingten Todesfällen in Europa aus.<ref name=":0">Joan Ballester, Marcos Quijal-Zamorano, Raúl Fernando Méndez Turrubiates, Ferran Pegenaute, François R. Herrmann, Jean Marie Robine, Xavier Basagaña, Cathryn Tonne, Josep M. Antó, Hicham Achebak: Heat-related mortality in Europe during the summer of 2022. In: Nature Medicine. Band 29, Nr. 7, Juli 2023, ISSN 1078-8956, S. 1857–1866, doi:10.1038/s41591-023-02419-z, PMID 37429922.</ref> Im Jahr 2023 gab es europaweit ca. 47.000 Hitzetote. Dabei haben Hitzeschutz und Anpassungsmaßnahmen höhere Todeszahlen 2023 verhindert: Ohne die Maßnahmen hätte die Zahl von Hitzetoten um bis zu 80 Prozent höher gelegen.<ref>Elisa Gallo, Marcos Quijal-Zamorano, Raúl Fernando Méndez Turrubiates, Cathryn Tonne, Xavier Basagaña, Hicham Achebak, Joan Ballester: Heat-related mortality in Europe during 2023 and the role of adaptation in protecting health. In: Nature Medicine. Band 30, Nr. 11, November 2024, ISSN 1546-170X, S. 3101–3105, doi:10.1038/s41591-024-03186-1.</ref>

Hitze und psychische Gesundheit[Bearbeiten]

Oft übersehen werden die Auswirkungen von Hitze auf die psychische Gesundheit. Hohe Temperaturen können die kognitive Leistungsfähigkeit mindern. Eine Studie an jungen Erwachsenen während einer Hitzewelle ergab, dass Bewohner nicht klimatisierter Gebäude in Tests zu Reaktionszeit und Arbeitsgedächtnis schlechter abschnitten als Bewohner klimatisierter Gebäude.<ref>Jose Guillermo Cedeño Laurent, Augusta Williams, Youssef Oulhote et al.: Reduced cognitive function during a heat wave among residents of non-air-conditioned buildings: An observational study of young adults in the summer of 2016. In: PLOS Medicine. Band 15, Nr. 7, 7. Oktober 2018, ISSN 1549-1676, S. e1002605, doi:10.1371/journal.pmed.1002605, PMID 29990359, PMC 6039003 (freier Volltext) – (plos.org [abgerufen am 16. Juli 2026]).</ref> Hohe Temperaturen können zu vermehrtem Stress, Aggressionen, Ängsten und Depressionen führen;<ref>Medizinische Universität Wien: Die psychische Komponente einer Hitzewelle: Stress, Angst und Depression | MedUni Wien. Abgerufen am 16. Juli 2026.</ref> es zeigt sich sogar ein statistischer Zusammenhang zwischen höheren Temperaturen und Suizidalität. Laut einer Metaanalyse besteht pro Temperaturanstieg von 1 Grad Celsius ein 0,9 % höheres Risiko für psychische Erkrankungen.<ref>Frank Eisele, Erich Flammer, Tilman Steinert, Hans Knoblauch: Aggressive incidents in psychiatric hospitals on heat days. In: BJPsych Open. Band 7, Nr. 4, Juli 2021, ISSN 2056-4724, S. e99, doi:10.1192/bjo.2021.33 (cambridge.org [abgerufen am 16. Juli 2026]).</ref> Die Anstiege der Suizidrate scheinen sich dabei regional stark zu unterscheiden; für die USA wurde ein Anstieg der Suizidrate um 0,7 % je Grad Celsius höherer Monatsdurchschnittstemperatur berechnet, für Mexiko um 2,1 %.<ref>Marshall Burke, Felipe González, Patrick Baylis, Sam Heft-Neal, Ceren Baysan, Sanjay Basu, Solomon Hsiang: Higher temperatures increase suicide rates in the United States and Mexico. In: Nature Climate Change. Band 8, Nr. 8, August 2018, ISSN 1758-6798, S. 723–729, doi:10.1038/s41558-018-0222-x (nature.com [abgerufen am 16. Juli 2026]).</ref> Die Mechanismen sind nicht abschließend geklärt. Auch Luftverschmutzung steigert das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Suizidalität.<ref>Isobel Braithwaite, Shuo Zhang, James B. Kirkbride, David P. J. Osborn, Joseph F. Hayes: Air Pollution (Particulate Matter) Exposure and Associations with Depression, Anxiety, Bipolar, Psychosis and Suicide Risk: A Systematic Review and Meta-Analysis. In: Environmental Health Perspectives. Band 127, Nr. 12, Dezember 2019, ISSN 1552-9924, S. 126002, doi:10.1289/EHP4595, PMID 31850801, PMC 6957283 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 16. Juli 2026]).</ref>

In psychiatrischen Einrichtungen steigen bei Hitze die Aufnahmezahlen.<ref>R. Thompson, R. Hornigold, L. Page, T. Waite: Associations between high ambient temperatures and heat waves with mental health outcomes: a systematic review. In: Public Health. Band 161, August 2018, S. 171–191 (sciencedirect.com).</ref>

Hitze kann die Wirkung von Psychopharmaka beeinflussen, und manche Wirkstoffe vermindern das bei Hitze wichtige Schwitzen und damit die Abkühlung des Körpers.<ref>Medikamentenanpassung bei Hitze. KLUG - Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, Mai 2022, abgerufen am 7. Juli 2026.</ref>

Siehe auch: Hitzebelastung als Klimafolge in Deutschland

Historische Hitzewellen und ihre Opferzahlen[Bearbeiten]

Die folgende Liste (Stand 2015) gibt diejenigen zehn Hitzewellen an, die die meisten Todesopfer gefordert haben sollen. Dabei ist zu beachten, dass auch dieses Phänomen erst seit jüngsten Jahren quantifiziert wird: Es herrscht kein klarer Begriff, wer das Opfer einer Hitzeanomalie sei. Im Unterschied etwa zu unmittelbar durch Sturm- oder Hochwasserkatastrophen Verunglückten werden hierbei allenfalls hitzebedingte Sterbefälle durch Kreislauf- oder Herzversagen gemeldet – unberücksichtigt bleiben wohl beispielsweise Krankheitsfälle durch allgemeine Schwächung, Unfälle durch erhöhte Belastung oder gar Mangelernährungsopfer durch folgende Missernten aufgrund einer verbundenen Dürre. Moderne Ansätze rechnen die Opfer rein statistisch als Erhöhung aus der durchschnittlichen natürlichen Mortalität heraus (Übersterblichkeit).<ref>Etwa:
D. Oudin Åström, F. Bertil, R. Joacim: Heat wave impact on morbidity and mortality in the elderly population: a review of recent studies. In: Maturitas, 69(2), 2011, S. 99–105.
Jennifer F. Bobb, Roger D. Peng, Michelle L. Bell, Francesca Dominici: Heat-Related Mortality and Adaptation to Heat in the United States. In: Environ Health Perspect, Volume 122, Issue 8, August 2014, doi:10.1289/ehp.1307392.</ref> Die Berechnungsgrundlagen für die jüngeren Ereignisse Europas<ref>Vgl. etwa Climate change > Indicators-. European Commission: ec.europa.eu > Public health: Over mortality due to European heat wave in 2007 / 2006 / 2003 (abgerufen am 21. Juli 2015).</ref> und andere Weltgegenden dürften dabei durchaus unterschiedlich sein. Historische Daten und insbesondere Vergleichbarkeit bestehen kaum – für Indien, das alleine in den letzten 15 Jahren vier schwere Hitzewellen erlebte, dürften beispielsweise gar keine Zahlen über „reguläre“ Mortalität vorliegen. Angaben zu Hitzeopfern einzelner Ereignisse können je nach Quelle stark abweichen und sind insgesamt mit Vorbehalt zu sehen (Stand 2015).

Region Jahr Dauer in
Wochen
Tmax Opferzahl<ref>Jeff Masters: Unprecedented June Heat on Four Continents; Wimbledon Roasts in Record Heat. 1. Juni 2015, abgerufen am 20. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Europa 2003 2 47 °C 70.000
Russland 2010 8 >40 °C 55.000
Europa 2006 5 39 °C 3.500
Indien 1998 10 50 °C 2.500
Indien 2015 6 49 °C 2.500
USA, Kanada 1936 2 44 °C 1.700
USA 1980 ≈10 45 °C 1.300
Pakistan 2015 2 45 °C 1.300
Indien 2003 3 50 °C 1.200
Indien 2002 2 49 °C 1.000
Griechenland, Türkei 1987 2 50 °C 1.000

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Film[Bearbeiten]

  • Film-Dokumentation Europa glüht – Wie Hitzewellen unser Leben verändern; Mike Plitt (Regie und Drehbuch), Redaktion Gábor Toldy. 53 Minuten, SRF, 2024. Erstsendung in ARD-alpha vom BR-online am 3. deutschen Hitzeaktionstag am 4. Juni 2025. Mitwirkende: u. a. Erich Fischer, Jose-Maria Martin-Olalla, Karina von Schuckmann.<ref>IMDB</ref>

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary: Hitzewelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Hitzewelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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