Hohlwulst
Der Hohlwulst (auch Hohlwulstring) ist eine Erscheinung der Bronze- und Eisenzeit. Er wird in Depots zwischen der Ems und Westpreußen, Dänemark, Böhmen und Oberösterreich (hier auch hallstattzeitlich) gefunden, kommt in Skandinavien aber spärlicher vor.
Die Ringe haben einen ovalen, runden oder D-förmigen, in Einzelfällen auch dreieckigen Querschnitt. Im Allgemeinen liegt ihr Durchmesser etwa bei 15 cm. Die Entwicklung dieser wulstartigen Ringe aus Bronze, die eine hohe technische Fertigkeit des Gießens und Treibens voraussetzen, ist weitestgehend ungeklärt. Es könnte sich bei den meisten Exemplaren um das Resultat eines Schmelzverfahrens mit verlorener Form handeln.
Auch bei den Funktionen sind sich Forschende bisher unsicher, man geht aber aufgrund des Fundkontextes davon aus, dass es sich um weiblich-konnotierte Schmuckelemente handelt. Am Beispiel der Traunkirchner und Mitterkirchner Hohlwulstringe lässt sich beispielsweise eine Lokalisierung der Hohlwulstringe im Bereich der Hüften am Skelett in Gräbern dokumentieren. Die „Traunkirchnerin“ trägt ihre Hohlwulstringe somit paarweise auf Höhe des Beckens an der Vorderseite. Je nach Region sind Unterschiede in der Verzierung nachweisbar.
Datierung[Bearbeiten]
Der Hohlwulstring ist eine Erscheinung der Bronzeverarbeitung, deren zeitliche Eingrenzung auf die Bronze- und Ältere Eisenzeit (Hallstattzeit) vermutet wird.<ref name=":0">Lisa Lauhsegger: Die hallstattzeitlichen Hohlwulstringe aus Oberösterreich. Untersuchungen zur Herstellung und Gebrauch. Hrsg.: Universität Innsbruck. Innsbruck 2024, S. 20.</ref>
Technik und Herstellung[Bearbeiten]
Die Entwicklung dieser wurstartigen vorzeitlichen Ringe aus Bronze, die eine hohe technische Fertigkeit des Gießens und Treibens voraussetzen, ist bislang ungeklärt. Ihre Gussformen finden sich im großen Teilen des Verbreitungsgebiets.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Herstellung dieser Ringe zu deuten. Sie könnten etwa mit einer einmaligen Gussformen nach ausgeschmolzenen Modell gefertigt worden sein. Dabei kommt das Verfahren der „verlorenen Form“ oder auch Wachsausschmelzverfahren genannt, zum Einsatz. Zuerst wird ein Modell aus Ton angefertigt, das bereits die Verzierungen des Endproduktes trägt. Um den Tonkern wird eine Wachsschicht gelegt. Das entstandene Grundmodell wird danach mit einer feinen Schicht aus einer Art feinen Sand oder gemagerten Feinlehm benetzt, wobei Kern und Mantel durch kleine Eisenstifte verbunden bleiben. Beim Gießen der Bronze schmolz das Wachs und ließ so den gewünschten Hohlraum mit einer dünnen Bronzebeschichtung zurück.
Bei dem Fundort Traunkirchen in Oberösterreich weisen die dort gefundenen Ringe ein reiches Dekor an Kreisaugen und Riefen (aus der Gruppierung rillenförmiger Vertiefungen) auf. Allgemein werden die Elemente der Würfelaugen und der vierteiligen Riefengruppen als regionale Besonderheit für den oberösterreichischen Raum interpretiert.<ref name=":0" />
Funktion[Bearbeiten]
Die Forschung konnte sich bisher nicht über die Funktionen und Bedeutung der Hohlwulstringe einigen. Da diese Ringe meist keine groben Gebrauchsspuren aufweisen und in Frauengräber auf Höhe des Hüftbereichs auflagen, vermutet man sie als Teil einer weiblichen Tracht und als Repräsentationsmittel. Es wird angenommen, dass mit dem Tragen dieser Hohlwulstringe eine hohe, soziale Stellung der Besitzerin einherging. Da die Ringe aber zu viel Abwetzung- und Nutzspuren aufweisen, ist auszuschließen, dass sie rein als Grabbeigaben gefertigt wurden und nie in aktiver Verwendung waren.
Die meisten Hohlwulste wurden paarweise aufgefunden, daher ist nicht geklärt, ob sie auch alleine in Verwendung waren oder nur als Teil eines Sets bestanden.<ref>Archekult Traunkirchen: Die Hohlwulstringe. Abgerufen am 17. August 2026.</ref>
Typologie[Bearbeiten]
Verzierungen[Bearbeiten]
Die Ringe haben einen ovalen, runden oder D-förmigen, in Einzelfällen auch dreieckigen Querschnitt. Im Allgemeinen liegt ihr Durchmesser etwa bei 15 cm.
Typisch für die Verzierungen auf den Hohlwulstringen ist ein Motiv mit umlaufenden Würfelaugengruppen. Teilweise umfassen sie dazu noch drei oder vier parallel umlaufende Liniengruppen.
Als Besonderheit aus dem Fundort Traunkirchen in Oberösterreich weisen die dort gefundenen Ringe ein reiches Dekor an Kreisaugen und Riefen (aus der Gruppierung rillenförmiger Vertiefungen) auf.
Vorkommen[Bearbeiten]
Einer der ältesten Funde wurde 1856 in Schlöben, Thüringen gemacht. Die beiden Armringpaare von Handorf bei Münster sind aufwändig verziert und mit Rippen versehen. Sie wurden um 1870 gefunden. Der Fund von Jatznick, Landkreis Vorpommern-Greifswald hat einen Durchmesser von 30 cm. Ein kaum verzierter Fund wurde 2007 gemacht und stammt aus Stolpe auf der Insel Usedom.
Fundaufkommen in Oberösterreich[Bearbeiten]
Traunkirchen
In der Gemeine Traunkirchen im politischen Bezirk Gmunden wurde ein besonders dichtes Fundaufkommen der Hohlwulstringe festgestellt. Diese wurden im Zuge von Ausgrabungen in Traunkirchen, etwa auf der „Klettenwiese“, im Hof und im Hof des dort ansässigen Klosters Traunkirchen als Grabbeigaben entdeckt. Der kleine Ort weist zwei Gräberfelder auf, die geographisch voneinander getrennt waren, jedoch aber in zeitlicher Hinsicht immer wieder als Bestattungs Stellen verwendet wurden. Insgesamt wurden dort bisher 16 Exemplare gefunden, was die Möglichkeit einer Fertigungsstelle in Traunkirchen möglich macht-dies konnte bisher aber nicht nachgewiesen werden.
Der große Hohlwulstring – ein Unikat[Bearbeiten]
Ebenfalls in Traunkirchen befindet sich ein besonderes Stück der Gatten Hohlwulstring. Ein besonders großer Fund mit einem äußeren Durchmesser von 22 cm und einem innerem von 11,7 cm. Der gesamte Umfang des abgerollten Ringes beträgt 71 cm und macht dieses Exemplar zu einem der bisher größten, bekannten Funde. Die beiden Hälften des Ringes wurden 2023 zusammengeführt, nachdem sich zuvor ein Teil im Museum der Stadt Gmunden, der andere im Heimathaus Vöcklabruck befunden hat. Im Zuge der Zusammenführung wurde der Ring als ganzes an den Verein Archekult in Traunkirchen übergeben. Heute befindet sich das Stück im archäologischen Museum Traunkirchen und wird dort im Schauraum ausgestellt.
Mitterkirchen
Auch in Mitterkirchen in Oberösterreich lässt sich ein relativ hohes Fundvorkommen von Hohlwulstringen mit Würfelaugenverzierungen feststellen. In vier Gräbern des Hügelgräberfeldes wurden Hohlwulstringe gefunden. Davon sind zwei fragmentiert, die anderen beiden vollständig.<ref>Jutta Leskovar, Robert Schumann: Das älterhallstattzeitliche Gräberfeld von Mitterkirchen. In: OÖ Landes-Kultur GmbH (Hrsg.): Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich. Band 53, 2023.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Sigrid Schacht: Die Nordischen Hohlwulste der frühen Eisenzeit. Wissenschaftliche Beiträge der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 68, Halle 1982.
- Lisa Lauhsegger: Die hallstattzeitlichen Hohlwulstringe aus Oberösterreich. Untersuchungen zu Herstellung und Gebrauch. Masterarbeit eingereicht an der Universität Innsbruck, Innsbruck 2024
- Jutta Leskovar, Robert Schumann, Das älterhallstattzeitliche Gräberfeld von Mitterkirchen. Ein Beitrag zur frühen Eisenzeit (Ha C) im oberösterreichischen Donau. In: Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich 53., Linz 2023
Weblinks[Bearbeiten]
- Hohlwulst in situ gefunden auf kulturwerte-mv.de
- Hohlwulstbild
- Hohlwulstringe Bild
- Virtuelles Museum Archekult Traunkirchen
- Die Hohlwulstringe aus Traunkirchen
- Die Erforschung der Hohlwulstringe
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />