Hongshiit
| Hongshiit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1988-xxx ?<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Hng<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel | PtCu<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Elemente |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
I/A.14 I/A.14-090 1.AG.45 01.02.03.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | trigonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditrigonal-skalenoedrisch; 32/m |
| Raumgruppe | R3m (Nr. 166) |
| Gitterparameter | a = 10,71 Å; c = 13,19 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 48<ref name="StrunzNickel" /> |
| Zwillingsbildung | nach {1121}<ref name="YuZuxiang" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | ≈ 4 (VHN50 = 204,3 ∥ a; VHN50 = 276,8 ∥ c)<ref name="YuZuxiang" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 15,71; berechnet: 15,63<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | nach {1011}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | spröde, gelegentlich biegsam und plastisch verformbar<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | bleigrau bis stahlgrau<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | schwarz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Transparenz | undurchsichtig (opak) |
| Glanz | Metallglanz |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | unlöslich in HCl und HNO3 |
Hongshiit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente (einschließlich natürliche Legierungen, intermetallische Verbindungen, Carbide, Nitride, Phosphide und Silicide)“ mit der chemischen Zusammensetzung PtCu<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen eine natürliche Legierung, genauer eine Intermetallische Verbindung aus Platin und Kupfer im Verhältnis von 1 : 1.
Hongshiit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur selten mikrokristalline, tafelige Kristalle. Meist findet er sich in Form von derben, unregelmäßigen Körnern bis etwa 1,5 mm Größe oder dendritischen Aggregaten. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der blei- bis stahlgrauen Körner einen metallischen Glanz. Seine Strichfarbe ist dagegen schwarz.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Erstmals entdeckt wurde Hongshiit in einer Platinmetallhaltigen Erzlagerstätte nahe Hongshi, einem Dorf in der Großgemeinde Yangzi in der chinesischen Provinz Hubei. Beschrieben wurde das Mineral 1974 von Yu Zuxiang, Lin Shujen, Chao Pao, Fang Chingsung und Huang Chishun, die es nach dessen Typlokalität benannten.
Das Typmaterial des Minerals wird im geologischen Institut der Chinesischen Universität für Geowissenschaften in Peking aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Klassifikation[Bearbeiten]
Da der Hongshiit erst 1988 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/A.14-090. Dies entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“, wo Hongshiit zusammen mit Damiaoit, Iridium, Kitagohait, Palladium, Platin, Rhodium, Skaergaardit und Yixunit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/A.14 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hongshiit ebenfalls in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „PGE-Metall-Legierungen“ zu finden, wo es zusammen mit Skaergaardit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.AG.45 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hongshiit die System- und Mineralnummer 01.02.03.01. Auch das entspricht der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Platingruppenmetalle und -legierungen“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 01.02.03.
Chemismus[Bearbeiten]
In der Erstbeschreibung des Minerals wird dessen Zusammensetzung, analysiert mithilfe der Elektronenmikrosonde, zunächst mit 61,0 Gew.-% Platin, 15,7 Gew.-% Kupfer und 23,0 Gew.-% Arsen angegeben, was der empirischen Formel Pt1,02Cu0,81As1,00 beziehungsweise der idealisierten Formel PtCuAs entspricht.<ref name="Fleischer-et-al" />
Bei einer acht Jahre später erfolgten Neuanalyse an vier Körnern mit Pt-Cu-Legierungen wurde eine durchschnittliche Zusammensetzung von 74,93 Gew.-% Platin und 24,52 Gew.-% Kupfer ermittelt. Der in der ersten Analyse festgestellte hohe Arsengehalt ließ sich auf Einlagerungen von Sperrylith zurückführen. Die Formel wurde daher entsprechend korrigiert und wird nun mit Pt0,499Cu0,501 oder idealisiert CuPt angegeben.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Hongshiit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 166) mit den Gitterparametern a = 10,71 Å und c = 13,19 Å sowie 48 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
An seiner Typlokalität und bisher einzigem Fundort Hongshi in China bildete sich Hongshiit in apatithaltigen aktinolithisierten Diopsidit-Platin-Lagerstätten<ref name="YuZuxiang" /> wo er den zuvor entstandenen Cooperit (PtS) ersetzte. Hongshiit selbst wird wiederum im Lauf der Zeit durch Isomertieit ersetzt.<ref name="Cabri" /> Weitere bekannte Paragenesen aus diesem Fundort sind Bornit, Diopsid, Epidot, Magnetit, Polydymit, Sperrylith und Vysotskit auftritt.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Des Weiteren fand sich Hongshiit in hochgradig hämatitischen Gängen in Itabirit und typischerweise umrandet von Platin, aus dem Kupfer ausgelaugt wurde wie unter anderem in den Gold- und Eisengruben Conceição und Cauê bei Itabira im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Hier trat das Mineral neben den bereits benannten Vergesellschaftungen noch mit Atheneit, Sudovikovit, palladiumhaltiges Gold und Tetra-Auricuprid als weitere Begleitminerale auf.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Auch in alpinen Mafisch-ultramafischen Intrusionen und verwandten Seifenlagerstätten wie beispielsweise im zentralen Gebirgskomplex auf der Insel Rùm in Schottland kann Hongshiit entstehen.
Weitere bisher bekannte Fundorte (Stand: März 2018) sind unter anderem verschiedene Seifenlagerstätten am Fluss Kitagoha in der Region Nord-Kivu im Kongo, am Santiago River in der ecuadorianischen Provinz Esmeraldas, an den Flüssen Miessijoki und Sotajoki in der finnischen Region Lappland sowie am Oulankajoki in der angrenzenden russischen Republik Karelien, am Fluss Pustaya auf der Halbinsel Kamtschatka und am Kondjor-Massiv im Aldanhochland in der Region Chabarowsk am Fluss Miass nahe Tscheljabinsk im Ural in Russland, am Salmon River in der Goodnews Bay im US-Bundesstaat Alaska sowie einer alluvialen Seifenlagerstätte nahe Vestřev in der tschechischen Region Böhmen.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Yu Zuxiang, Lin Shujen, Chao Pao, Fang Chingsung, Huang Chishun: A preliminary study of some new minerals of the platinum group and another associated new one in platinum-bearing intrusion in a region in China. In: Acta Geologica Sinica. Band 48, Nr. 2, 1974, S. 202–218.
- Michael Fleischer, Adolf Pabst, Joseph Anthony Mandarino, George Y. Chao, Louis J. Cabri: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 61, 1976, S. 174–186 (minsocam.org [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 12. Februar 2018] Hongshiite ab S. 12 mit der Formel PtCuAs).
- K. Ding: Further studies of the minerals “isoplatincopper” and “hongshiite”. In: Scientia Geologica Sinica. Band 2, 1980, S. 168–171.
- Yu Zuxiang: New data on hongshiite. In: Bulletin of the Institute of Geology, Chinese Academy of Sciences. Band 4, 1982, S. 75–81 (Chinesisch mit Kurzbeschreibung in Englisch).
- Pete J. Dunn, Louis J. Cabri, George Y. Chao, Michael Fleischer, Carl A. Francis, Joel D. Grice, John L Jambor, Adolf Pabst: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 69, 1984, S. 406–412 (minsocam.org [PDF; 836 kB; abgerufen am 12. Februar 2018]).
- Yu Zuxiang: New Data of Daomanite and Honghiite. In: Acta Geologica Sinica. Band 75, Nr. 4, Dezember 2001, S. 458–466.
- Rogerio Kwitko, Alexandre R. Cabral, Bernd Lehmann, J.H. Gilles Laflamme, Louis J. Cabri, Alan J. Criddle, Henry F. Galbiatti: Hongshiite, PtCu, from itabirite-hosted Au-Pd-Pt mineralization (jacutinga), Itabira district, Minas Gerais, Brazil. In: Canadian Mineralogist. Band 40, Nr. 2, 2002, S. 711–723, doi:10.2113/gscanmin.40.2.711.
Weblinks[Bearbeiten]
- Hongshiit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Hongshiite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- David Barthelmy: Hongshiite Mineral Data. In: webmineral.com. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Hongshiite. In: rruff.net. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Cabri"> Louis J. Cabri: Platinum group elements: mineralogy, geology, recovery. In: Canadian Institute of Mining, Metallurgy and Petroleum. Band 54, 1981, S. 109. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Hongshiite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 49 kB; abgerufen am 30. März 2026]). </ref> <ref name="Fleischer-et-al"> Michael Fleischer, Adolf Pabst, Joseph Anthony Mandarino, George Y. Chao, Louis J. Cabri: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 61, 1976, S. 174–186 (minsocam.org [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 30. März 2026] Hongshiite ab S. 12 mit der Formel PtCuAs). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Hongshiit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 30. März 2026. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="YuZuxiang"> Yu Zuxiang: New Data of Daomanite and Honghiite. In: Acta Geologica Sinica. Band 75, Nr. 4, Dezember 2001, S. 458–466. </ref> </references>