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Hummerartige

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Hummerartige
Datei:Metanephrops japonicus edit.jpg

Japanischer Hummer (Metanephrops japonicus)

Systematik
Unterstamm: Krebstiere (Crustacea)
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Unterordnung: Pleocyemata
Teilordnung: Großkrebse (Astacidea)
Familie: Hummerartige
Wissenschaftlicher Name
Nephropidae
Dana, 1852

Die Hummerartigen (Nephropidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda). Alle Hummerartigen leben marin, sind Teil des Benthos, weltweit verbreitet und sowohl im Schelf als auch in der Tiefsee zu finden. Bekannteste Vertreter dieser 56 Arten umfassenden Krebsfamilie sind wohl die Hummer sowie der Kaisergranat. Gemeinsames Merkmal sind die Scheren an den ersten drei Beinpaaren, wovon das vorderste stark vergrößert ist. Die Abdomen und auch die Scheren gelten als Delikatesse, weshalb einige Arten befischt werden. Fossil sind Hummerartige seit dem Oberen Jura bekannt.

Merkmale[Bearbeiten]

Datei:Nephrops norvegicus.jpg
Kaisergranat
Datei:Bugre europeu.jpg
Europäischer Hummer mit beschnittenen Antennen

Der Körper der Hummerartigen ist wie bei allen Zehnfußkrebsen in Cephalothorax und Abdomen gegliedert, wobei der Körperbau im Gegensatz etwa zu den Krabben langgestreckt ist. Hummerartige bestehen aus insgesamt 20 Segmenten (Somite), die jeweils ein Gliedmaßenpaar besitzen.<ref name="HolthuisFAO" />

Der Cephalothorax ist bedeckt durch den sogenannten Carapax der nach vorne hin in einem Rostrum endet und seitlich sowohl die Ansätze der Gliedmaßen als auch die Kiemenkammer überdeckt. Das Vorkommen, die Art und Ausprägung von Spitzen, Dornen, Graten oder Vertiefungen auf dem Carapax oder dem Rostrum ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Arten der Hummerartigen.<ref name="HolthuisFAO" /><ref name="Holthuis" />

Augen sind vorhanden, pigmentiert und beweglich, können aber auch bei einigen Arten der Tiefsee klein, unbeweglich und nicht pigmentiert sein. Alle Hummerartigen besitzen zwei Paare von Antennen, die als Sinnesorgane dienen. Das erste Paar ist zweigliedrig und kürzer als die zuweilen die Körperlänge übertreffenden zweiten Antennen. Das zweite Paar kann im Gegensatz zum ersten in Endo- und Exopodit gegliedert sein und besitzt dann einen sog. Scaphocerit.<ref name="HolthuisFAO" />

An den letzten drei Segmenten des Kopfes (Cephalon) und den ersten drei des Thorax befinden sich die Mundgliedmaßen, mit denen die Nahrung zerkleinert und aufgenommen werden kann. Die Gliedmaßen sind von vorne nach hinten: ein Paar Mandibeln, zwei Paare Maxillen und an den Thoraxsegmenten drei Maxillipede. Am vierten bis achten Segment des Thorax befinden sich die Pereiopoden. Die ersten drei Beinpaare sind mit Scheren ausgerüstet, wovon das erste Pereiopodenpaar das große auffällige Scherenpaar trägt. Diese können entweder eine gleiche Form besitzen, oder, wie etwa bei Dinochelus ausubeli, ein sehr unterschiedliches Aussehen haben. Die Scheren können vollkommen glatt sein (Gattung Hummer) oder behaart (z. B. Nephropsis) sowie mit unzähligen Dornen versehen sein. Das vierte und fünfte Pereiopodenpaar besitzt stets keine Schere.<ref name="HolthuisFAO" /><ref name="Holthuis" />

Die sechs Segmente des Abdomens sind nicht wie die des Cephalothorax unbeweglich verbunden, sodass jedes einzelne Somit eine eigene Panzerung vorweist. Seitlich endet diese Panzerung in den sog. Pleura, die die Gliedmaßen des Abdomens, die Pleopoden, im Ansatz überdecken. Die Pleura können sich gegenseitig überlappen oder nicht und sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Form von taxonomischem Interesse. Die ersten beiden Pleopoden sind Bestandteil der Fortpflanzungsorgane (Gonopoden). Das erste Paar der Männchen ist verhärtet, während das der Weibchen zweigliedrig und beweglich ist. Am zweiten Pleopodenpaar der Männchen befindet sich ein Appendix masculina. Bei beiden Geschlechtern können die Appendices internae vorkommen oder fehlen.<ref name="HolthuisFAO" /><ref name="Holthuis" />

Das sechste abdominale Segment, also das 20. Körpersegment, trägt die Uropoden. Diese formen mit dem kaudal gelegenen Telson den Schwanzfächer. Die Uropoden sind stets voll ausgeprägt und in morphologisch gleiche Endo- und Exopoditen zu unterscheiden. An den Exopoden kann eine Diaeresis, eine quer verlaufenden Vertiefung, vorkommen oder fehlen.<ref name="HolthuisFAO" /><ref name="Holthuis" />

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die Arten der Hummerartigen sind wohl bis auf die Polarmeere in jedem Ozean weltweit verbreitet. Artabhängig leben sie entweder nur wenige Meter unterhalb des Meeresspiegels auf dem Kontinentalschelf oder in der Tiefsee, im Falle von Thymopsis nilenta, in bis zu 3000 m Tiefe.<ref name="HolthuisFAO" /><ref name="IUCNThymopsis" />

Bedingt durch die großen Tiefen der Lebensräume und bei einigen Arten aufgrund des mangelnden Interesses für die Fischerei ist für viele Hummerartigen der Lebensraum nicht näher bekannt. Vermutlich sind alle Hummerartigen Einzelgänger und Lebewesen des Benthos, die sich entweder wie der Amerikanische Hummer eine Art Unterschlupf suchen oder sich wie Acanthacaris selber eine kleine Höhle graben. Sofern Hummerartige im Epipelagial leben, also bei noch feststellbarem Tageszyklus, sind sie eher nachtaktiv.<ref name="HolthuisFAO" />

Nutzung[Bearbeiten]

Einige Arten der Hummerartigen sind von Interesse für die Fischerei. Im Jahr 2010 wurden weltweit ca. 190.000 t Hummerartige gefangen. Davon entfielen 115.651 t auf den Amerikanischen Hummer und 66.544 t auf den Kaisergranat. Außerdem werden vor allem Metanephrops mozambicus, Metanephrops challengeri, Europäischer Hummer und selten Thymops birsteini sowie Japanischer Hummer gefischt.<ref name="FAO" /> Hummerartige werden entweder mit Fallen oder von Trawlern mit Grundschleppnetzen gefangen.<ref name="FAOHa" /><ref name="FAON" />

Systematik[Bearbeiten]

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Die Hummerartigen sind Großkrebse und die einzige rezente Familie der Nephropoidea.<ref name="Grave" /> Sie unterscheiden sich von anderen Familien der Großkrebse durch eine nicht bewegliche Verbindung des vierten und fünften Segments des Thorax, die bei anderen Familien beweglich ist.<ref name="TshudyBab" />

Innerhalb der Großkrebse sind die Riffhummer die nächsten Verwandten der Hummerartigen.<ref name="Ahyong" /> Diese beiden Familien sind die einzigen rezenten marinen Großkrebse. Sie unterscheiden sich neben dem genannten Unterschied auch durch die kleinen Scheren an den Pereiopodenpaaren zwei und drei, die bei Riffhummern fehlen.<ref name="Laurent" />

Innere Systematik[Bearbeiten]

Die Familie der Hummerartigen umfasst die ehemals in die Familie der Thaumastochelidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Bate, 1888 gestellten Gattungen Thaumastocheles und Thaumastochelopsis. Sowohl morphologische als auch molekulare Untersuchungen stützen oder widersprechen dieser Einordnung, bestätigen aber stets die Monophylie der Thaumastochelidae.<ref name="Grave" /><ref name="Tshudy" />

Traditionell wurden die Hummerartigen in die Unterfamilien Neophoberinae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Glaessner, 1969, Thymopinae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Holthuis, 1974 und Nephropinae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dana, 1852 untergliedert.<ref name="Holthuis" /> Diese Unterteilung wird allerdings nicht durch molekulargenetische Untersuchungen gestützt, weshalb sie als veraltet gilt.<ref name="Tshudy" />

Die Gattung Acanthacaris scheint ein basales Taxon innerhalb der Hummerartigen zu sein. Die Arten von Homarus und Homarinus sowie von Nephrops und Metanephrops sind, obwohl sie einst jeweils zur gleichen Gattung zählten, keine Schwestergruppen (vgl. Kladogramm).<ref name="Tshudy" />

Phylogenie der Gattungen nach Tshudy et al. 2009<ref name="Tshudy" />

 Riffhummer (Enoplometopus)


  Hummerartige  




Dinochelus


   

Thaumastocheles


   

Thaumastochelopsis


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Hummer (Homarus)


   

Kaisergranat (Nephrops)


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Eunephrops


   

Nephropides


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Thymopides


   

Homarinus


   

Thymops


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Metanephrops


   

Nephropsis


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Acanthacaris


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Dinochelus nach Ahyong et al. 2010<ref name="AhyongChan" /> ergänzt; Gattung Thymopsis fehlt.

Die Hummerartigen umfassen rezent 13 Gattungen mit etwa 56 Arten:<ref name="Chan" /><ref name="WoRMS" />

Außerdem umfassen die Hummerartigen folgende ausgestorbene, somit nur fossil bekannte Gattungen:<ref name="WoRMS" /><ref name="Grave" />

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Debelius: Krebs-Führer. Garnelen, Krabben, Langusten, Hummer, Fangschreckenkrebse, weltweit. über 1000 Fotos aus dem natürlichen Lebensraum der Krustentiere. Jahr, Hamburg 2000, ISBN 3-86132-504-7.
  • H. Füller, H.-E. Gruner, G. Hartwich, R. Kilias, M. Moritz: Urania Tierreich. Wirbellose 2 (Annelida bis Chaetognatha). Urania, Berlin 1994, ISBN 3-332-00502-2.
  • Lipke B. Holthuis: Marine Lobsters of the World. An Annotated and Illustrated Catalogue of Species of Interest to Fisheries Known to Date. Hrsg.: Food and Agriculture Organization (= FAO Fisheries Synopsis. Band 125). Rom 1991, ISBN 978-92-5103027-1 (fao.org).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hummerartige – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Ahyong"> </ref> <ref name="AhyongChan"> </ref> <ref name="AhyongWebber"> </ref> <ref name="Chan"> </ref> <ref name="ChangChan"> </ref> <ref name="FAO"> </ref> <ref name="FAOHa"> Species Fact Sheets Homarus americanus. Food and Agriculture Organization of the United Nations, abgerufen am 24. Juli 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="FAON"> Species Fact Sheets Nephrops norvegicus. Food and Agriculture Organization of the United Nations, abgerufen am 24. Juli 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Grave"> </ref> <ref name="Holthuis"> </ref> <ref name="HolthuisFAO"> </ref> <ref name="IUCNThymopsis"> [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012. Eingestellt von: Wahle, R., 2011. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Laurent"> </ref> <ref name="Tshudy"> </ref> <ref name="TshudyBab"> </ref> <ref name="WoRMS">Nephropidae Dana, 1852. In: World Register of Marine Species. Abgerufen am 26. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> </references>