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Hydroxylamin

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Strukturformel
Datei:Hydroxylamin.svg
Allgemeines
Name Hydroxylamin
Andere Namen

Oxyammoniak

Summenformel NH2OH (Hydroxylamin)<ref name="brauer">Georg Brauer (Hrsg.), unter Mitarbeit von Marianne Baudler u. a.: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearbeitete Auflage. Band I. Ferdinand Enke, Stuttgart 1975, ISBN 3-432-02328-6, S. 464.</ref>
Kurzbeschreibung

hygroskopische, geruch- und farblose Plättchen oder Nadeln<ref name="roempp">Eintrag zu Hydroxylamin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN (Hydroxylamin)
EG-Nummer 232-259-2
ECHA-InfoCard 100.029.327
PubChem 787
ChemSpider 766
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 33,03 g·mol−1 (Hydroxylamin)
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,22 g·cm−3 (14 °C)<ref name="GESTIS" /><ref name="CRC" />

Schmelzpunkt
  • 33 °C (Hydroxylamin)<ref name="GESTIS" /><ref name="CRC" />
  • 151 °C (Hydroxylamin-Hydrochlorid)<ref name="MerckIndex">The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage. 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 837.</ref>
  • 159 °C (Hydroxylamin-Hydrochlorid, Zersetzung)<ref name="CRC" />
Siedepunkt

58 °C (29 mbar)<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

29,33 hPa (57 °C, Hydroxylamin)<ref name="GESTIS" />

pKS-Wert
Löslichkeit
  • löslich in Wasser (560 g·l−1, Hydroxylamin-Hydrochlorid)<ref name="Thermofisher">Vorlage:Thermofisher</ref> und Ethanol<ref name="roempp" />
  • sehr gut löslich in Wasser,<ref name="CRC" /> löslich in Methanol<ref name="CRC">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Properties of the Elements and Inorganic Compounds, S. 4-66.</ref>
  • nahezu unlöslich in Benzol und Chloroform<ref name="roempp" />
Sicherheitshinweise
GHS-GefahrstoffkennzeichnungVorlage:CLH-ECHA<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 208​‐​290​‐​302​‐​315​‐​317​‐​318​‐​335​‐​351​‐​373​‐​400
P: 210​‐​212​‐​230​‐​280​‐​305+351+338​‐​371+380+375<ref name="GESTIS" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Hydroxylamin ist eine farblose, kristalline anorganische chemische Verbindung. Die Verbindung ist thermisch instabil und wird deshalb nur in wässriger Lösung vertrieben und verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Hydroxylamin wurde im Jahr 1865 vom deutschen Chemiker Wilhelm Lossen durch die Reduktion von Ethylnitrat mittels Zinngranulat in Gegenwart von Salzsäure entdeckt.<ref name="Lossen">W. Lossen: Ueber das Hydroxylamin. In: J. prakt. Chem., 1865, 96, S. 462–465; doi:10.1002/prac.18650960176.</ref> Die Reindarstellung gelang 1891 dem niederländischen Chemiker Cornelis Adriaan Lobry van Troostenburg de Bruyn.<ref name="Bruyn">C. A. Lobry de Bruyn: Sur l’hydroxylamine libre in Recueil des travaux chimiques des Pays-Bas 10 (1891) 100-112.</ref><ref name="Soukup_anorg">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten anorganischer Substanzen. Version 2020. S. 36; rudolf-werner-soukup.at (PDF; 2,6 MB).</ref>

Synthese[Bearbeiten]

Hydroxylamin lässt sich durch Reduktion höherer Oxidationsstufen des Stickstoffs (NO, NO2−, NO3−) mit Wasserstoff, Schwefliger Säure oder elektrischem Strom herstellen. Technisch wird es durch Einleiten eines Gemisches aus Stickstoffmonoxid und Wasserstoff in eine schwefelsaure Suspension eines Katalysators (Palladium oder Platin) auf Aktivkohle hergestellt,<ref>M. Binnewies et alii: Allgemeine und Anorganische Chemie. 2. Auflage. Spektrum, 2010, ISBN 3-8274-2533-6. S. 484.</ref> die Ausbeute beträgt dabei 90 %.

<chem>2 NO + 3 H2 -> 2 NH2OH</chem>

Eine andere technische Methode ist das Einleiten von Schwefeldioxid in eine Lösung von Ammoniumnitrit in Schwefelsäure bei 0 bis 5 °C. Hierbei entsteht erst Diammoniumhydroxylaminbis(sulfonat) N(SO3NH4)2OH, das sich bei 100 °C durch Wasser langsam in Hydroxylamin und Hydrogensulfat spaltet. Auch bei dieser Methode beträgt die Ausbeute etwa 90 %.

Eine weitere technische Methode ist die elektrochemische Reduktion von Salpetersäure in 50%iger Schwefelsäure.

<chem>HNO3 + 6 H+ + 6 e- -> NH2OH + 2 H2O</chem>

Eigenschaften[Bearbeiten]

Hydroxylamin und seine N-substituierten Derivate sind am Stickstoff pyramidenförmig. Die Konformation von Hydroxylamin platziert die NOH-Gruppe anti zum freien Elektronenpaar am Stickstoff, wodurch die Wechselwirkungen zwischen freien Elektronenpaaren offenbar minimiert werden.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>

Datei:Hydroxylamine-dimensions-2D.png
Winkel und Bindungslängen

Die Kristallstruktur von Hydroxylamin wurde erstmals 1955 unter der Leitung des Nobelpreisträgers William Lipscomb bestimmt, wobei die Positionen der Wasserstoffatome aufgrund methodischer Einschränkungen damals nicht lokalisiert werden konnten. Es kristallisiert in einer orthorhombischen Kristallstruktur mit der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19 und den Gitterparametern a = 7,29 Å, b = 4,39 Å und c = 4,88 Å.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Im Jahr 2026 wurde unter der Leitung von M. A. Navasardyan eine hochpräzise Kristallstruktur von Hydroxylamin mit einer eindeutigen anisotropen Verfeinerung aller Wasserstoffatome erhalten. Dabei konnte gezeigt werden, dass in der Struktur NH2OH-Moleküle und keine zwitterionische Struktur vorliegt. Zudem konnte ein cyclisches Dimer in einem Solvat mit 15-Krone-5 beobachtet werden.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Reaktionsverhalten[Bearbeiten]

Unter Luftausschluss ist Hydroxylamin einige Wochen haltbar. In wässriger Lösung ist es unter Luftausschluss ziemlich stabil. Bei Anwesenheit von Luftsauerstoff zersetzt sich Hydroxylamin sowohl als Reinstoff als auch in Lösung sehr schnell, oberhalb von 70 °C erfolgt die Zersetzung explosionsartig.<ref name="GESTIS" /> Doch selbst konzentrierte Lösungen können heftig explodieren, wie Unglücksfälle in Japan und den USA gezeigt haben.<ref>Hiroshi Koseki, Mitsuo Kobayashi, Masamitsu Tamura: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. (PDF) In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Association for the Study of Failure, abgerufen am 20. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Explosion bei Allentown, Pennsylvania, USA. (PDF; 0,6 MB) safetymanagementeducation.com</ref>

<chem>3 NH2OH -> NH3 + N2 + 3 H2O</chem>

Wegen seiner Instabilität wird Hydroxylamin meist in seine Salze (beispielsweise Hydroxylaminhydrochlorid, Hydroxylammoniumsulfat) umgewandelt.

Die vergleichsweise hohen Schmelz- und Siedetemperaturen von Hydroxylamin lassen sich zum einen durch H-Brückenbildung, andererseits durch die teilweise Tautomerisierung zum Aminoxid, das ionische Ladungen trägt, erklären. Außerdem wirkt Hydroxylamin leicht als Ampholyt.

Mutagene Wirkung[Bearbeiten]

Hydroxylamin wandelt Cytosin durch Hydrolyse zu Uracil um. Uracil paart aber im Gegensatz zu Cytosin mit Adenin, sodass sich das Basenpaar C-G nach zwei Replikationen zu T-A umwandelt. Da Uracil jedoch in der DNA nicht vorkommt, werden solche Fehler leicht erkannt und korrigiert.

Verwendung[Bearbeiten]

Der größte Teil des industriell hergestellten Hydroxylamins wird mit Aldehyden oder Ketonen zu Oximen umgesetzt. 97 % der Weltjahresproduktion von Hydroxylamin wird zur Gewinnung von Cyclohexanonoxim aus Cyclohexanon verwendet, das über Caprolactam in Polyamid 6 umgewandelt wird (siehe Beckmann-Umlagerung). Außerdem findet es auch Verwendung in der Neber-Umlagerung.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hydroxylamine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />