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Ibn-Rushd-Goethe-Moschee

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Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee ist ein überkonfessionelles islamisches Gebetshaus im Berliner Ortsteil Moabit des Bezirks Mitte. Die Moschee vertritt einen progressiven Islam. Frauen und Männer werden als gleichberechtigt angesehen und beten gemeinsam. Das Gleiche gilt für LGBTQI-Muslime.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Moschee wurde am 16. Juni 2017 eröffnet.<ref name=":0">Uta Keseling: In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beten alle gemeinsam. In: Morgenpost Online. 17. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.</ref> Ihre Gründung geht maßgeblich auf die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş zurück. Weitere Gründer sind der Arzt und Schriftsteller Mimoun Azizi, die Menschenrechtsaktivistin Saïda Keller-Messahli, die Politologin Elham Manea und der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi.<ref name=":1">Frauke Oppenberg: „Ich will in der Moschee Mensch sein“. In: rbb-online.de. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 16. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.</ref>

Bis Oktober 2020 nutzten die Gläubigen ein Nebengebäude der evangelischen Kirche St. Johannis. Anschließend zogen sie in ein anderes Gebäude im gleichen Berliner Ortsteil.

Ende Oktober 2023 wurde die Moschee wegen Warnungen vor einem islamistischen Terroranschlag bis auf Weiteres geschlossen, die Wiedereröffnung erfolgte 2025.<ref>Ibn-Rushd-Goethe-Moschee bleibt geschlossen. In: Die Zeit, 26. Oktober 2023, abgerufen am 7. März 2026. </ref><ref>„Es ist so frustrierend – ich gefährde mein Leben mit diesem Job.“ Bei: Spiegel Online, 27. Dezember 2023</ref><ref>Berlin Mosque Welcomes Queer Muslims After Yearlong Closure. Abgerufen am 17. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Hintergründe[Bearbeiten]

In einem Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit begründete Seyran Ateş die Moscheengründung wie folgt: „Am Freitag, dem 16. Juni, eröffnen wir in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, weil wir den Islam von innen heraus reformieren wollen. […] Die neue Moschee in Berlin soll eine spirituelle Heimat sein vor allem für jene Frauen und Männer, die sich in traditionellen Moscheen nicht wohlfühlen und die sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Religion zu leben haben. Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sollen im Vordergrund stehen.“<ref>Seyran Ateş: Islam: Grüß Gott, Frau Imamin! In: Die Zeit. 17. Juni 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 20. August 2017]).</ref>

Name[Bearbeiten]

Die Benennung der Moschee erfolgte nach dem andalusischen Arzt und Philosophen Averroes (arabisch: Ibn Ruschd, 1126–1198), der im Mittelalter für seine Kommentare zum Werk von Aristoteles bekannt war, sowie nach dem deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) in Würdigung seiner Auseinandersetzung mit dem Islam, z. B. im West-östlichen Divan.<ref>Matthias Drobinski: Ein Gebetshaus namens Goethe. In: sueddeutsche.de. 16. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.</ref>

Theologische Ausrichtung[Bearbeiten]

In der Moschee soll ein liberaler Islam praktiziert werden. So sollen Frauen und Männer gemeinsam beten, auch die Predigt soll von Frauen gesprochen werden können. Homosexuelle Männer und Frauen seien ausdrücklich willkommen. Seit 2021 gibt es hier die Muslimische Seelsorge für Menschen aus der LGBTQI+ Community <ref>Muslimische Seelsorge für Menschen aus der LGBTQI+ Community</ref> im Rahmen der Aktion „Liebe ist halal“.<ref>Liebe ist halal</ref> Ferner soll die Moschee verschiedenen islamischen Konfessionen offenstehen, darunter Sunniten, Schiiten, Aleviten und Sufis.<ref>Sabine Kinkartz: Ibn-Rushd-Goethe: Eine Moschee für alle. In: dw.com. 16. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.</ref>

Finanzen[Bearbeiten]

Die Moschee hat die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH.<ref name=":1" />

Rücktritt von Mimoun Azizi[Bearbeiten]

Das Gründungsmitglied Mimoun Azizi erklärte über Facebook – einen Tag nach Eröffnung der Moschee –, er wolle sich „aus persönlichen Gründen“ aus dem politischen Diskurs zurückziehen. Am 21. Juni 2017 gab er ebenfalls über Facebook bekannt, er habe sich in den letzten Jahren nur als Tarnung unter die „selbsterklärten Reformmuslime“ gemischt, um eine politikwissenschaftliche Untersuchung über „Islamkritik, Islamhass und Islamophobie“ durchzuführen, die er für einen „antimuslimischen Faschismus“ halte.<ref name="JPB_taz">Jean-Philippe Baeck: Was ist passiert, Herr Dr. Azizi? In: Die Tageszeitung, 26. Juni 2017</ref><ref>„Spion“ in neuer Moschee soll gehen. In: Der Tagesspiegel, 29. Juni 2017, S. 7; online auf pressreader.com</ref> Eine Sprecherin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee erklärte, sie habe seit den Erklärungen keinen Kontakt mehr zu Azizi. Kurz vor der Eröffnung der Moschee habe er Seyran Ateş telefonisch seinen Rückzug mitgeteilt und sei auch nicht bei den Eröffnungsfeierlichkeiten anwesend gewesen. Da Azizi und seine Familie in der Vergangenheit schon mehrfach von islamischen Fundamentalisten bedroht worden waren, gab es Spekulationen, dass dieser Widerruf unter Zwang erfolgte.<ref name="JPB_taz"/>

Terrorbedrohung und Schließung 2023–2024[Bearbeiten]

Im Oktober 2023 wurde die Ibn-Rushd-Goethe Moschee wegen konkreter Hinweise auf islamistische Anschlagspläne vorübergehend geschlossen. Hintergrund waren Ermittlungen gegen eine mutmaßliche Terrorzelle mit Verbindung zum afghanischen Ableger der IS, dem sogenannten "Islamischen Staat Provinz Khorasan", bei der sieben Menschen festgenommen wurden. Neben der Moschee soll es auch Anschlagspläne gegen jüdische Einrichtungen gegeben haben.<ref>Terrorismus: Islamisten wollten liberale Moschee in Berlin angreifen. In: Die Welt. Abgerufen am 17. März 2026.</ref> In einem Newsletter erklärte die Gemeinde, die Gefahrenlage habe eine "neue Dimension" erreicht, weshalb ein regulärer Betrieb nicht mehr möglich wäre.<ref>Von IS-Terror bedroht: Liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin kündigt Schließung an. In: Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 17. März 2026]).</ref> Bis Ende 2024 blieb die Moschee geschlossen, Online-Angebote und mehrere Bildungsangebote liefen allerdings fort. 2025 wurde die Moschee wieder eröffnet.<ref>Berlin Mosque Welcomes Queer Muslims After Yearlong Closure. Abgerufen am 17. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Kontroversen[Bearbeiten]

Die Eröffnung der Moschee rief ein großes nationales und internationales Medienecho hervor.<ref name=":0" /> Neben vielen positiven Stimmen kam aber auch Kritik aus den Reihen konservativer Muslime.<ref>Kemal Hür: Liberaler Islam – „Ein geniales Projekt“. In: deutschlandfunk.de. 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.</ref><ref name="tagesspiegel">Sebastian Leber: Berliner Moschee für liberale Muslime – „Der Islam gehört nicht den Fanatikern“. In: Tagesspiegel Online. 16. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.</ref> Ein Bericht im arabischen Fernsehprogramm der Deutschen Welle führte zu überwiegend negativen Kommentaren im Internet, es kam sogar zu einer Morddrohung.<ref>Ibn Rushd-Goethe-Moschee: Morddrohungen wegen liberaler Moschee in Berlin. In: berliner-kurier.de. 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.</ref>

Der Vorsitzende der Gülen-nahen Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, erhielt Morddrohungen, nachdem er fälschlicherweise in einem türkischen Fernsehsender mit der Moschee in Verbindung gebracht worden war.<ref name=":2">Jürgen Stryjak et al.: Diyanet wettert gegen neue Berliner Moschee. In: tagesschau.de. 21. Juni 2017, abgerufen am 21. Juni 2017.</ref>

Die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet brachte die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee mit der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen in Verbindung. Sie teilte mit: „Es ist offensichtlich, dass das ein Projekt des Religionsumbaus ist, das seit Jahren unter der Federführung von FETÖ<ref>Von türkischen staatlichen Stellen verwendete Bezeichnung für die Gülen-Bewegung</ref> und ähnlichen unheilvollen Organisationen durchgeführt wird.“ Dabei handele es sich laut Diyanet um Bemühungen, die Religion „zu untergraben und zu zerstören“. Gläubige sollten sich von der liberalen Auslegung des Islam nicht provozieren lassen.<ref name=":2" /><ref name=":3">Diyanet bringt neue Berliner Moschee mit Gülen in Verbindung. In: Welt Online. 21. Juni 2017, abgerufen am 21. Juni 2017.</ref> Seyran Ateş wies jede Verbindung zwischen der Moschee und der Gülen-Bewegung zurück.<ref name=":2" />

Das Ägyptische Fatwa-Amt kritisierte die Moschee und schrieb auf Facebook: „Nein zu liberalen Moscheen“. Frauen könnten nicht in einer Reihe neben Männern beten, und es sei ihnen nicht erlaubt, ohne Schleier zu beten. Auch einen weiblichen Imam lehnt die Behörde ab, sollten Männer anwesend sein.<ref name=":3" />

Die Moscheegründer beklagen aufgrund der eingegangenen Drohungen die massive Gefährdung von liberalen Muslimen, wenn diese an die Öffentlichkeit treten. Sie erbitten Akzeptanz, Respekt und Toleranz für ihre moderne, geschlechtergerechte Lesart des Koran.<ref>Andrea Schwyzer: Seyran Ateş: „Die Reaktionen überraschen mich“. In: ndr.de. 21. Juni 2017, abgerufen am 21. Juni 2017.</ref> Ateş selbst erhielt viele, nach Gefährdungsanalyse des Landeskriminalamtes ernstzunehmende Morddrohungen und steht seitdem unter Polizeischutz.<ref>Andrea Schwyzer: 100 Morddrohungen gegen liberale Moschee-Gründerin. In: Welt Online. 1. Juli 2017, abgerufen am 2. Juli 2017.</ref>

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

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Koordinaten: 52° 31′ 29″ N, 13° 20′ 57″ O

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