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IchundIch

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Vorlage:Hinweisbaustein IchundIch (auch: Ich und Ich) ist eine Tragödie in sechs Akten von Else Lasker-Schüler, die vermutlich 1940 entworfen wurde und im Winter auf das Jahr 1941 in Jerusalem geschrieben wurde. Das Fragment aus dem Nachlass der Autorin wurde am 10. November 1979 von Michael Gruner in Düsseldorf uraufgeführt. Margarete Kupper gab das Schauspiel ein Jahr darauf im Kösel-Verlag in Buchform heraus.<ref>anno 1980: Nachwort von Margarete Kupper zum Theaterstück in der verwendeten Ausgabe, S. 303, 11. Z.v.o. sowie Editorische Notiz zur verwendeten Ausgabe, S. 350, 8. Z.v.u.</ref> Henri-Alexis Baatsch<ref>frz. Henri-Alexis Baatsch</ref> übertrug dieses letzte Bühnenstück der Autorin 1990 ins Französische,<ref>Eintrag bei viaf.org</ref> Virginia Bezzola 1992 ins Italienische<ref>Eintrag bei viaf.org</ref> und Jane Curtis 2005 ins Englische.<ref>Eintrag bei WorldCat</ref>

Hintergrund[Bearbeiten]

Ihre letzten sechs Lebensjahre – vom Frühjahr 1939<ref>Bauschinger, S. 411, 3. Z.v.o.</ref> bis zum 22. Januar 1945 – verbrachte die Dichterin im palästinensischen Exil. Die „Verzweiflung über die Abwesenheit Gottes“<ref>Feßmann, S. 264, 6. Z.v.o. und S. 268 Mitte</ref> brachte die Autorin auf die Idee, sich mit dem Bösen zu identifizieren.<ref>Feßmann, S. 266 oben</ref>

Inhalt[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Ort der Handlung ist Jerusalem – im letzten Akt der Garten eines Augenarztes und sonst die Hölle; genauer, der Höllengrund<ref group="A" name="A3" /> nahe beim Jerusalemer Davidsturm. Über die ersten fünf Akte hinweg wird die tiefer greifende Dialogführung hauptsächlich von Mephisto und Dr. Faust in Anlehnung an Goethe bestritten.

Im ersten Akt gibt „die Dichterin der Tragödie“ – als Else Lasker-Schüler gut vorstellbar – dem Zuschauer als dramatis persona Fingerzeige zum Verständnis des titelgebenden IchundIch. Es handelt sich – für die Aufführdauer der Tragödie nur – um eine Ichspaltung der Dichterin in „Tugenden und Sünden“. „Das eigentliche Spiel beginnt.“

Im zweiten Akt treten von Schirach, Goebbels, Heß und Göring im Höllenpalast auf. Göring und Heß machen den Besuchsgrund der Nazis in der Hölle klar; bitten um Petroleum für Deutschland. Mephisto geht auf den „Wirtschaftspakt“ ein und fordert im Gegenzug ein „Städtchen an der Eifel“.

Im dritten Akt möchte die schwerhörige Frau Marthe Schwerdtlein<ref group="A" name="A2" /> liebend gerne mit Goebbels anbandeln.

Faust fragt im vierten Akt den Teufel – also Mephisto – ein wenig unsicher, ob er den „Störenfried aus Braunau“ holen könne. Der Teufel meint, das könne er schon. Nazisoldaten, Ley und Göring marschieren in die Hölle ein; versinken mit einem „Heil Hitler!“<ref>Verwendete Ausgabe, S. 273, 9. Z.v.u.</ref> in der Lava.

Göring taucht im fünften Akt noch einmal auf und hat eine letzte Kontroverse mit Goebbels. Als weitere „Naziheere“ nahen, will Faust die deutschen Landsleute vor der die Besucher verschlingenden Lava warnen, wird jedoch von Mephisto daran gehindert. So erscheint Hitler in Begleitung von Ribbentrop, Himmler sowie Rosenberg. Die Nazis werden allesamt zum Teufel gejagt; also, sie sterben in zischender, brodelnder, qualmender Lava. Nach getaner Arbeit – alle Besucher sind gestorben – deutet Mephisto als väterlicher Freund dem staunenden Doktor Faust das Wunder seiner Unsterblichkeit via geteiltes Ich –

„...durch das wiederum Entfalten
Des IchundIch
Komm ich geklärt und pfingstgeläutert ich zu mir!“<ref>Verwendete Ausgabe, S. 288, 9. Z.v.u.</ref>

Das Publikum im Parkett, so Mephisto, möge sich daran ein Beispiel nehmen.

Faust, der gerne moralisiert, fügt schließlich eine dritte Deutung des Werktitels hinzu. Demnach repräsentiert wohl er die Tugenden und sein Widerpart die Sünden: „Uns beide – stillvereint im Leibe: IchundIch.“<ref>Verwendete Ausgabe, S. 289, 2. Z.v.u.</ref>

Nebendinge[Bearbeiten]

Max Reinhardt tritt als Regisseur des Stücks auf. Aribert Wäscher und Karl Hannemann spielen Hauptrollen. Marinus van der Lubbe streicht irrsinnig trällernd zwischen den Kulissen einher.

Der Baal, die biblischen Könige Saul, David und Salomo erscheinen auf der Bühne, tragen aber keine wesentliche Handlung. Höchstens der Baal spielt eine Nebenrolle, als es gilt, Hitler in die todbringende Lava zu locken.

Else Lasker-Schüler kann langjährige Theaterpraxis nicht abgesprochen werden. Ein Attentäter – Herschel Grynszpan und sogar eine dreiköpfige Komikertruppe dürfen nicht fehlen – die Ritz Brothers.

Andere Premieren[Bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten]

  • 20. Juli 1941<ref>Bauschinger, S. 425, 9. Z.v.u.</ref>: Erich Gottgetreu: „Mitte Juli 1941 las sie [Else Lasker-Schüler] das praktisch unaufführbare Werk zum ersten Mal im Berger-Club in Jerusalem einem von ihr persönlich eingeladenen Freundeskreis vor.“<ref>Gottgetreu, zitiert bei Kupper anno 1980, S. 304, 6. Z.v.o in der verwendeten Ausgabe</ref>
  • 1958 Bonn: Karl Josef Höltgen in seiner Dissertation über Else Lasker-Schülers Lyrik: In IchundIch wolle die Autorin sowohl das Rätsel des eigenen Ich ergründen und die Zeitgeschichte deuten.<ref>Kupper anno 1980, S. 311, Mitte in der verwendeten Ausgabe</ref>
  • Februar 1960: Hans Rudolf Hilty sieht Parallelen zu Frischs Chinesischer Mauer.<ref>Kupper anno 1980, S. 312, 9. Z.v.o. in der verwendeten Ausgabe</ref>
  • 1961: Herman Meyer geht auf die Zitatklitterung ein.<ref>Kupper anno 1980, S. 320 Mitte in der verwendeten Ausgabe</ref>
  • 1962: Otto Köhler in den Frankfurter Heften: Die zwei Ichs Mephisto und Faust stünden für Macht und Geist.<ref>Kupper anno 1980, S. 312 unten in der verwendeten Ausgabe</ref>
  • 1969: Zum Fragmentcharakter des Stücks bemerkt Heinz Thiel, die Autorin hätte die Unzulänglichkeiten sicher noch ausgemerzt.<ref>Kupper anno 1980, S. 310, 8. Z.v.u in der verwendeten Ausgabe</ref> Mephisto und Faust stünden im Sinne eines Dualismus für die zwei Seiten einer Medaille.<ref>Kupper anno 1980, S. 313 oben in der verwendeten Ausgabe</ref>
  • 1980: Margarete Kupper: „Die erste Lektüre des Schauspiels hinterläßt den Eindruck eines kaleidoskopartigen Bildes aus heterogenen Elementen.“ Das „Chaos“ bestehe jedoch „aus einem kunstvoll gefügten Grundmuster“.<ref>Kupper anno 1980, S. 314, 4. Z.v.o. in der verwendeten Ausgabe</ref> Außer der Dialogpaarung Faust-Mephisto ist noch die Paarbildung Dichterin-Vogelscheuche aus dem letzten Akt betrachtenswert.<ref>Kupper anno 1980, S. 325 unten in der verwendeten Ausgabe</ref> Thiel interpretiert die Vogelscheuche als sterbliche Hülle, die nach dem Tod der Dichterin am Ende des Stücks übrigbleibt.<ref>Kupper anno 1980, S. 323 Mitte in der verwendeten Ausgabe</ref> Das Paar Mephisto-Goebbels gehöre des Pferdefußes wegen auch noch dazu.<ref>Kupper anno 1980, S. 326 oben in der verwendeten Ausgabe</ref> Kupper meint, Faust und Mephisto seine keine Gegenspieler im Sinne von Protagonist und Antagonist.<ref>Kupper anno 1980, S. 335 oben in der verwendeten Ausgabe</ref> Vorbild für den „spaltbaren“ Menschen könnte auch Adam Qadmon gewesen sein.
Neuere Äußerungen
  • Für Feßmann<ref>Feßmann, S. 261–272</ref> ist Mephisto die Hauptfigur. Wenn das Geschehen grotesk wird, ist das eine Notlösung der Autorin.
  • Bauschinger erkennt in Mephisto mühelos das Sprachrohr der Autorin<ref>Bauschinger, S. 421 Mitte</ref> und charakterisiert kurz die Zeichnung der Nazis, die sich – zerstritten – nur in einem einig sind: ihrem Antisemitismus. „Faust, der sentimentale ‚Dichtersohn‘ der Deutschen“, kommt nicht gut weg.<ref>Bauschinger, S. 423 oben</ref>

Literatur[Bearbeiten]

Textausgaben[Bearbeiten]

Erstausgabe

  • Else Lasker-Schüler: Ichundich. Eine theatralische Tragödie. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Margarete Kupper. 118 Seiten. Kösel, München 1980, ISBN 3-466-10061-5

Andere Ausgaben

  • IchundIch. Eine theatralische Tragödie in sechs Akten, einem Vor- und einem Nachspiel und dem Nachwort von Margarete Kupper aus dem Jahr 1980 (S. 227–300 und S. 301–343) in: Else Lasker-Schüler: Die Wupper und andere Dramen. dtv 10647, München 1986, ISBN 3-423-10647-6 (verwendete Ausgabe)
  • Else Lasker-Schüler: IchundIch. Herausgegeben von Karl Jürgen Skrodzki und Kevin Vennemann. Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 2009. ISBN 978-3-633-54241-3

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Margarete Kupper: „Die Weltanschauung Else Lasker-Schülers in ihren poetischen Selbstzeugnissen.“ Diss. Würzburg 1963
  • Dieter Bänsch: Else Lasker-Schüler. Zur Kritik eines etablierten Bildes. Diss. Universität Marburg 1969. 271 Seiten
  • Herman Meyer: Das Zitat in der Erzählkunst. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-596-26883-4
  • Meike Feßmann: Spielfiguren. Die Ich-Figurationen Else Lasker-Schülers als Spiel mit der Autorrolle. Ein Beitrag zur Poetologie des modernen Autors. (Diss. FU Berlin 1991) M & P, Verlag für Wissenschaft und Forschung, Stuttgart 1992, ISBN 3-476-45019-8 (Lizenzgeber: Metzler, Stuttgart 1992)
  • Sigrid Bauschinger: Else Lasker-Schüler. Biographie. suhrkamp taschenbuch 3777, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2006 (Lizenzgeber: Wallstein, Göttingen 2004), ISBN 3-518-45777-2

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

<references group="A"> <ref group="A" name="A2">Gretchen tritt bei Else Lasker-Schüler nicht in persona auf.</ref> <ref group="A" name="A3">Bauschinger (S. 420): Höllental oder Höllengrund nennt Else Lasker-Schüler das Hinnomtal.</ref> </references>

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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