Imjaslavie
Imjaslavie<ref>Das Genus sollte wie im Russischen Neutrum sein: das Imjaslavie.</ref> ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), nach deutscher Transkription Imjaslawije, im Englischen auch imiaslavie oder imyaslavie transkribiert), oft auch als Onomatodoxie (Namensgläubigkeit) bezeichnet, heißt Verehrung des Namens Gottes. Hiermit bezeichnet man eine Bewegung, die stark dem russischen Mönchtum verbunden ist. Ihr Kernsatz lautet: „Der Name Gottes ist Gott selbst“ (Ioann von Kronstadt, 1829–1909).<ref>In seinem wohl bekanntesten Buch: Mein Leben in Christus (Moja zˇizn’ vo khriste, 1893), findet sich dieser Satz, der die Namen-Gottes-Verehrung auf den Punkt bringt „Der Name Gottes ist Gott selbst“. (Ilarion Alfejev. Le Nom grand et glorieux. La vénération du Nom de Dieu et la prière de Jésus dans la tradition orthodoxe. Traduction du russe par Claire Jounievy, Hiéromoine Alexandre (Siniakov) et Dom André Louf. Paris. Les éditions du Cerf. 2007, S. 231); diese Literaturangabe wurde in Nel Grillaert: What’s in God’s name: literary forerunners and philosophical allies of the imjaslavie debate. Stud. East Eur Thought (2012) 64: S. 163–181; doi:10.1007/s11212-012-9167-1 (kostenpflichtig) gefunden.</ref> Dieser Satz wurde so vom eigentlichen Begründer des Imjaslavie, dem Athos-Mönch Schimonach Ilarion, in seinem Buch Na gorach Kavkaza ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value))<ref>Das Buch ist online auf Russisch unter http://www.omolenko.com/biblio/kavkaz.htm zu lesen. Bibliographische Erläuterungen finden sich auch auf der Seite des „Christlich-orthodoxen Informationszentrums“. https://orthpedia.de/index.php/Auf_den_Bergen_des_Kaukasus</ref> wiederaufgenommen.
Geschichte[Bearbeiten]
Vorgeschichte – der „erste Athos-Streit“ (Hesychasmus-Streit, um 1350)[Bearbeiten]
Die Ursprünge der Imjaslavie-Bewegung liegen im Hesychasmus<ref>Eine ähnliche Darstellung von Wesen und Geschichte der Imjaslavie-Bewegung findet sich bei Wolfgang Eismann, Graz, der das Imjaslavie in seinem Bezug zu den Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.„Elementen und Konstanten eines russischen Kulturmodells“ ( des Vorlage:IconExternal vom 29. April 2011 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. darstellt. Eismann zeigt auch, dass eine Abgrenzung der Imjaslavcy von der jüdischen Theologie, die als rational empfunden wird, mit antisemitischen Tendenzen verbunden ist. S. 73 (PDF-Datei)</ref>, einer individuellen Gebets- und Meditationstechnik des byzantinischen und slawischen Mönchstums, durch die der Beter die innere Ruhe ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) erreichen und von dort zu einer ekstatischen Schau der Herrlichkeit Gottes im Taborlicht, dem Licht der Verklärung Christi,<ref>Vorlage:Bibel/Link; Vorlage:Bibel/Link; Vorlage:Bibel/Link.</ref> gelangen kann. Eine theologische Begründung dieser Techniken, die eng mit dem Jesusgebet verbunden sind, findet sich schon im 14. Jahrhundert bei Gregorios Palamas<ref>Michael Hagemeister: Imjaslavie – Imjadejstvie. Namensmystik und Namensmagie in Russland (1900–1930). In: Tatjana Petzer (Hrsg.): Namen – Benennung – Verehrung – Wirkung. Positionen der europäischen Moderne. Kadmos, Berlin 2009, S. 78–79. Zur Darstellung des Hesychasmusstreits siehe auch Loris Sturlese: Philosophie im Mittelalter. Von Boethius bis Cusanus. C. H. Beck, München 2013, hier vor allem S. 103–105.</ref>, der zeitweise Mönch auf dem Athos war, später Erzbischof von Thessalonike wurde und 1359 nach seinem Tode heiliggesprochen wurde. Der bestimmende Einfluss des Hesychasmus auf die russische orthodoxe religiöse Praxis und Theorie erfolgte nicht ohne zum Teil sehr heftig geführte Auseinandersetzungen, deren erste als Hesychasmus-Streit zwischen Hesychasten und byzantinischen Humanisten um 1350 ausgetragen wurde. Der Wortführer der hesychastischen Seite war Gregorios Palamas. Er verteidigte den Hesychasmus gegen Barlaam von Kalabrien, der im Sinne eines nominalistischen Humanismus Kritik an der mystischen Praxis und ihrer Begründung durch die Schriften von Gregorios Palamas übte. Die Vorstellung, Gott im Taborlicht wirklich sehen zu können, bezeichnete er als reinen Aberglauben<ref>Loris Sturlese: Philosophie im Mittelalter. Von Boethius bis Cusanus. C. H. Beck, München 2013, S. 104.</ref>. Auf mehreren Konzilien in Konstantinopel fiel im Zeitraum von 1341 bis 1351 die Entscheidung der byzantinischen Kirche, zunächst die Gegner des Hesychasmus zu verurteilen und dann die theoretische Begründung des Hesychasmus durch Gregorios Palamas („Palamismus“) zur verbindlichen Kirchenlehre zu erheben.
Der (zweite) „Athos-Streit“ (1907–1918) und das Imjaslavie[Bearbeiten]
Diese alte Debatte, die die orthodoxe Theologie beeinflusst hatte, flammte erneut zu Beginn des 20. Jahrhunderts als „Athos-Streit“ auf. Er begann 1907 mit der Veröffentlichung des Buches Na gorach Kavkaza („Auf den Bergen des Kaukasus“) des Athos-Mönchs Ilarion. Das Buch wurde zunächst positiv aufgenommen und erlebte 1910 und 1912 Neuauflagen. Erneut ging es um das „Jesusgebet“ (Iisusova molitva) und den Namen Gottes, der mit Gott gleichgesetzt wurde. Kritik kam dann aber von „offizieller“ russisch-orthodoxer Seite. Der theologische Streit wurde im Wortsinne militant, unter Einsatz von Truppen<ref>Vergleiche Nel Grillaert: What’s in God’s name: literary forerunners and philosophical allies of the imjaslavie debate. Stud. East Eur Thought (2012) 64, S. 163 (siehe Literaturverzeichnis).</ref> des russischen Heiligen Synod auf dem Berg Athos weitergeführt, die 1913 viele Hundert der russischen Mönche und Anhänger der Imjaslavie-Bewegung vom Athos vertrieben und auf russische Klöster verteilten.<ref>Vergleiche Holger Kuße, 2012 (siehe Literaturverzeichnis); S. 421.</ref> Die theologische und philosophische Begründung des Imjaslavie wurde insbesondere von Pawel Florenski (1882–1937), Sergei Bulgakow (1871–1944) und Alexei Lossew (1893–1988) geliefert. Das Moskauer Konzil von 1917/18 wollte eigentlich eine Stellungnahme zu diesem Streit abgeben, für die Bulgakow und Florenski die Vorarbeiten leisteten. Es kam durch die politischen Umstände der Oktoberrevolution jedoch nicht dazu. Bulgakow, Florenski und Lossew arbeiteten auf je eigene Weise an dem Thema weiter.
Von Florenski wurde ein Buch Namen<ref>Sieglinde Mierau, Fritz Mierau (Hrsg.) und Pawel Florenski(j) (Autor): Namen (Werke in zehn Lieferungen, Vierte Lieferung), Kontext Verlag, 2000.</ref> veröffentlicht, das eine symbolisch-psychologische Erklärung einiger Eigennamen enthält. In seiner Autobiographie stellt er den Kern seiner Weltanschauung so dar: „Aber ich habe damals den für meine spätere Weltanschauung grundlegenden Gedanken gefaßt, nämlich, daß im Namen das Genannte, im Symbol das Symbolisierte, in der Darstellung die Realität des Dargestellten anwesend ist und daß daher das Symbol das Symbolisierte ist.“<ref>Pawel Florenski: Meinen Kindern. Erinnerungen an eine Jugend im Kaukasus. Übersetzt von Fritz und Sieglinde Mierau. Urachhaus Verlag. Stuttgart 1993.</ref>
Theologische, literarische und philosophische Bezüge[Bearbeiten]
Der biblische Anknüpfungspunkt der Bewegung ist die Offenbarung des Namens Gottes (Ich-bin) am brennenden Dornbusch in Vorlage:Bibel/Link und das auf Jesus bezogene Wort der Vorlage:Bibel/Link: „Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“. Die Gegner der Imjaslavcy, wie man die Vertreter des Imjaslavie auch nennt, sehen die Gefahr, dass aus dem Namen Gottes ein magisches Zeichen wird. Die theologischen Vertreter des Imjaslavie können sich auf die breite Tradition des Jesusgebetes berufen, das ja ein Namen-Jesu-Gebet ist und, wie dargestellt, in der russischen Orthodoxie eine lange Tradition hat: Der anonyme Lebensbericht „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers“ erzählt von einem Pilger (russisch: Strannik) in Russland Mitte des 19. Jahrhunderts, der das Bibelwort „Betet ohne Unterlass!“ (Vorlage:Bibel/Link) zu verwirklichen sucht. Das Buch trug wesentlich zur weltweiten Verbreitung der Tradition des Jesusgebets bei. In der Übersetzung von Reinhold von Walter wurde es auch im deutschen Sprachraum rezipiert.<ref>Emmanuel Jungclaussen (Hrsg.): Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers. Die vollständige Ausgabe. Freiburg 1993.</ref>
Der reformierte Hagiograph (Heiligen-Biograph) Walter Nigg (1903–1988) hat in seiner Studie „Des Pilgers Wiederkehr“<ref>Walter Nigg: Des Pilger Wiederkehr. Drei Variationen über ein Thema. Artemis Verlag. Zürich 1954.</ref> die therapeutische Bedeutung des auch so genannten Herzensgebets des Strannik betont. Ziel des Herzensgebets sei die Verklärung, das Leben in Gott und das Durchdrungenwerden von seiner Gegenwart.<ref>Uwe Wolff: Das Geheimnis ist mein. Walter Nigg – Eine Biographie. Theologischer Verlag. Zürich 2009. S. 393ff.</ref>
Auch die literarische Rezeption dieser russischen Traditionen knüpft an die „Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers“ an. So beschäftigt sich beispielsweise die Protagonistin in J. D. Salingers (1919–2010) zweitem bedeutendem Roman Franny und Zooey (1961) intensiv mit dieser Gebetspraxis.
Die Praxis des Jesusgebets wie auch Florenskis theologische Überlegungen zur Namensverehrung zeigen deutlich esoterische Züge. Bulgakows Bemühungen um eine Sprachphilosophie, die in „Philosophie du Verbe et du Nom“<ref name="books-IzlNIV9uV60C-">La philosophie du verbe et du nom: Serge Boulgakov: Philosophie du verbe et du nom. L’AGE D’HOMME, 1991, ISBN 978-2-8251-0185-8, russ. Filosofia Imeni, YMCA-Press, Paris 1953; französisch publiziert im Verlag L’Age d’Homme, Lausanne 1991, übersetzt von Constantin Andronikof (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> seit 1991 auf Französisch vorliegt, zielen eher auf eine grundlegende philosophisch-theologische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Namen und Benanntem. Metropolit Hilarion Alfejew (* 1966) hat zu dieser Frage eine umfangreiche zweibändige Studie auf Russisch vorgelegt, die zum Teil ins Französische übersetzt ist und als seine Fribourger Habilitationsschrift am Institutum Studiorum Oecumenicorum der Universität Fribourg, Schweiz, veröffentlicht ist.<ref>Le mystère sacré de l’église. Introduction à l’histoire et à la problematique des débats athonites sur la vénération du nom de Dieu (= Studia Oecumenica Friburgensia 47), Fribourg 2007, 446 Seiten, ISBN 978-2-8271-0975-3.</ref>
Michael Hagemeister sieht in der Imjaslavie-Kontroverse ein Fortleben des Universalienstreits der Scholastik, wobei die Positionen der Imjaslavcy in ihrer Ablehnung des modernen Nominalismus auf der Seite der Universalien-Realisten zu sehen sind.<ref name="kontextv-michael ">michael hagemeister. florenskij rezeption. In: kontextverlag.de. Abgerufen am 17. Februar 2015.; Michael Hagemeister: Imjaslavie – Imjadejstvie. Namensmystik und Namensmagie in Rußland (1900–1930). In: Tatjana Petzer (Hrsg.): Namen – Benennung – Verehrung – Wirkung. Positionen der europäischen Moderne. Kadmos, Berlin 2009, hier S. 87.</ref>
Religiöse Praxis oder „semiotische“ Theorie?[Bearbeiten]
Die Formel, die dem Imjaslavie, der Verehrung des Namens Gottes, zu Grunde liegt, darf nicht im Sinne einer semiotischen Theorie-Aussage missverstanden werden. Holger Kuße<ref>Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik.Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, S. 409–428.</ref> weist darauf hin, dass dieser Satz nicht die faktische Identität von Gott und Gottes Namen „jenseits der persönlichen Erfahrung“ aussage. Nur die Praxis des immer wiederholten Gebetes, also des religiösen Tuns, gebe dem Satz Wahrheit und Sinn. Schon Ilarion habe, so Kuße, „den Wahrheitsanspruch seiner und Ioanns Behauptung auf deren ‚geistliches Verständnis‘ bezog[en]. Die Übereinstimmung ist eine geistliche Erfahrung und nur als solche wahr.“<ref>Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, insbesondere S. 419–421.</ref>
Kulturgeschichtliche Bedeutung[Bearbeiten]
Bei der Auseinandersetzung um das Imjaslavie<ref>Siehe dazu Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, hier vor allem S. 419–422.</ref> durchdringen sich religiöse Überlegungen, die an eine alte religiöse Praxis im orthodoxen Mönchtum anknüpfen, mit theoretischen, insbesondere sprachphilosophischen und semiotischen, also „zeichen-philosophischen“ Argumentationen. Die „Modernität der äußerlich vormodernen Mystik“<ref>Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, S. 420.</ref> ist nur scheinbar eine russische Besonderheit. Das sogenannte lange 19. Jahrhundert (von 1789 bis 1914) war nämlich in Russland ebenso wie im Westen keineswegs ein Zeitalter jenseits der Religion. Vielmehr gibt es, wie Jürgen Osterhammel ausführt,<ref>Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. C. H. Beck, München 2009, S. 1239 und Kapitel XVIII.</ref> „gute Gründe dafür, Religiosität, Religion und Religionen in den Mittelpunkt einer Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts zu stellen.“<ref>Allerdings erwähnt Osterhammel Russland in diesem Zusammenhang praktisch nur mit einem einzigen Satz, der auf den Untergang von Orthodoxer Kirche und Zarentum, die eine „Symbiose“ bildeten, in der Oktoberrevolution verweist. Siehe Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. C. H. Beck, München 2009, S. 1254.</ref>
Das Imjaslavie ist ein Beispiel dafür, wie in Russland theologische Diskurse scheinbar esoterischer Art unmittelbar, und das heißt hier sogar von denselben Gelehrten wie Florenski, Bulgakow, Lossew u. a., die Philosophie sprachlich und motivierend beeinflussen.<ref>Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, S. 421.</ref> Diese Philosophie weist, anders als die theologische orthodoxe Diskussion, von der sie ausgeht, „erstaunliche Parallelen“<ref>Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, S. 420.</ref> zur westlichen Philosophie, „zum Strukturalismus und zur analytischen Theorie des Eigennamens in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts auf“.<ref>Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, S. 420.</ref> Die Gegner der Imjaslavcy argumentieren streng „nominalistisch“<ref>So sagt Kuße und nennt hier Dimitrij Leskin</ref> und beharren auf der Saussureschen Unterscheidung und strikten Trennung von Signifikat, Signifikant und der Sache selbst. Sprichwörtlich wurde die Gegenposition in der Sentenz des Goetheschen Faust „Name ist Schall und Rauch“.<ref>Szene Marthens Garten</ref> Die russischen Sprachphilosophen in der Tradition des Imjaslavie hingegen nehmen Überlegungen auf und zum Teil vorweg, die im Westen mit Namen wie Ludwig Wittgenstein, John Searle und Saul Kripke verbunden sind.<ref>Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, S. 421.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Ilarion Alfejev (= Hilarion Alfejew): Le Nom grand et glorieux. La vénération du Nom de Dieu et la prière de Jésus dans la tradition orthodoxe. Traduction du russe par Claire Jounievy, Hiéromoine Alexandre (Siniakov) et Dom André Louf. Les éditions du Cerf, Paris 2007.
- Nel Grillaert: What’s in God’s name: literary forerunners and philosophical allies of the imjaslavie debate. In: Stud. East Eur Thought 64, 2012, S. 163–181; doi:10.1007/s11212-012-9167-1 (kostenpflichtig).
- Michael Hagemeister: Imjaslavie – Imjadejstvie. Namensmystik und Namensmagie in Rußland (1900–1930). In: Tatjana Petzer (Hrsg.): Namen – Benennung – Verehrung – Wirkung. Positionen der europäischen Moderne. Kadmos, Berlin 2009, S. 77–98.
- Holger Kuße: Metadiskursive Ausprägung des religiösen Diskurses in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Irina Podtergera (Hrsg.): Schnittpunkt Slavistik. Ost und West im wissenschaftlichen Dialog. Festgabe für Helmut Keipert zum 70. Geburtstag. Teil 1: Slavistik im Dialog – einst und jetzt. Bonn University Press, Bonn 2012, S. 409–428.
- Tatjana Petzer (Hrsg.): Namen – Benennung – Verehrung – Wirkung. Positionen der europäischen Moderne. Kadmos, Berlin 2009, ISBN 978-3-86599-077-8
Weblinks[Bearbeiten]
- Michael Hagemeister auf kontextverlag.de
- Forschungsstelle Sergij Bulgakov am Institut für Ökumenische Studien (Universität Freiburg Schweiz)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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