Iris Wolff
Iris Wolff (* 28. Juli 1977 als Martina Iris Wolff in Hermannstadt, Rumänien) ist eine deutsche Schriftstellerin, siebenbürgisch-sächsischer Abstammung.<ref name="ADZ">Mark Jahr: Marieluise-Fleißer-Preis für Iris Wolff. Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ), 5. Dezember 2019.</ref>
Leben und Werk[Bearbeiten]
Ihre Kindheit verbrachte Iris Wolff als Tochter eines Pfarrers<ref>Stefan Seidel: Grenzgänge. Gespräche über das Gottsuchen. München 2022. S. 49.</ref> in Hermannstadt und in Semlak im Banat, bevor sie 1985 mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte. Später studierte sie Deutsche Sprache und Literatur, Religionswissenschaft sowie Grafik und Malerei an der Philipps-Universität Marburg. Heute lebt sie in Freiburg im Breisgau. Seit 2018 ist sie als freie Schriftstellerin tätig.
Von 2003 bis 2013 war sie Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach sowie Dozentin für Kunstvermittlung und von November 2013 bis März 2018 Koordinatorin des Netzwerks Kulturelle Bildung in Freiburg. Sie engagiert sich im Bereich der Literaturvermittlung: Von 2013 bis 2015 war sie als Jurorin des Schülerschreibwettbewerbs der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg tätig. Sie hält Schreibwerkstätten für den Büchereiverband Österreichs und andere Institutionen und ist im Beirat der Kunststiftung Baden-Württemberg. Wolff verfasst in erster Linie Romane und Kurzgeschichten. Im Jahr 2012 veröffentlichte sie im Otto Müller Verlag ihren Debütroman Halber Stein. 2020 veröffentlichte sie im Klett-Cotta Verlag Die Unschärfe der Welt.
Der Roman Lichtungen (2024) ist eine rückwärts erzählte Liebesgeschichte zwischen Kato und Lev, die aus einem kleinen rumänischen Dorf stammen und deren Lebenswege sich nach dem Ende des Warschauer Paktes trennen. Kato reist als Straßenmalerin durch Europa und hält den Kontakt zu Lev durch selbst gezeichnete Postkarten aufrecht, während Lev in der Heimat in einem Sägewerk arbeitet. Der Wendepunkt ihrer Beziehung erfolgt, als Lev eine Postkarte mit der Frage „Wann kommst du?“ erhält, woraufhin er Kato aufsucht und sie eine Zeit lang gemeinsam reisen. Der Roman beleuchtet die komplizierte Dynamik ihrer Beziehung vor dem Hintergrund des sich wandelnden Europas und der rumänischen Geschichte.<ref>Lichtungen von Iris Wolff bei buchhandel.de, abgerufen am 15. Januar 2024.</ref> Der Roman erreichte im Februar 2024 in der Spiegel-Bestsellerliste den zweiten Platz<ref>Spiegel-Bestsellerliste vom 17. Februar 2024 bei buchmarkt.de, abgerufen am 14. Februar 2024.</ref> und stand auf der Shortlist<ref>https://www.deutscher-buchpreis.de/news/eintrag/sechs-romane-im-finale-1/</ref> des Deutschen Buchpreises 2024.
Einzeltitel[Bearbeiten]
- Halber Stein. Roman. Otto Müller Verlag, Salzburg 2012, ISBN 978-3-7013-1197-2.
- Leuchtende Schatten. Roman. Otto Müller Verlag, Salzburg 2015, ISBN 978-3-7013-1228-3.
- So tun, als ob es regnet. Roman in vier Erzählungen. Otto Müller Verlag, Salzburg 2017, ISBN 978-3-7013-1250-4.
- Die Unschärfe der Welt. Roman. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-98326-5.
- Lichtungen. Roman. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-608-12285-5.
Anthologien und Zeitschriften (Auswahl)[Bearbeiten]
- Auf der Breite eines Schermessers. Schillers Arbeit am Piccolomini-Manuskript. In: Unterm Parnass. Das Schiller-Nationalmuseum, Stuttgart 2009.
- Literatur berührt. Kooperationen zwischen Schule und Museum am Beispiel der Marbacher Literaturschule LINA. Lernort Literaturmuseum. Beiträge zur kulturellen Bildung, Göttingen 2011.
- Kinderszenen. Schreiben und Erinnern mit Walter Benjamin. In: Deutschunterricht. Heft 6, 65. Jahrgang 2012.
- Blätterfall. Kurzgeschichte. In: Edition ErLesen. Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart 2013.
- Haus mit Himmelsleiter. Kurzgeschichte. In: Spiegelungen. Multikulturelles Banat, Regensburg 2015.
- Langsame Tage. Kurzgeschichte. In: Spiegelungen. Literaturen in Wendezeiten, Regensburg 2015.
- Blätterfall. Kurzgeschichte. Hermannstadt. In: Fakten, Bilder, Worte. Hermannstadt 2017.
- Drachenhaus. Kurzgeschichte. In: Wohnblockblues mit Hirtenflöte. Rumänien neu erzählen. Berlin 2018.
- Ein dritter Raum. Lesereise in Rumänien. In: Literatur & Kritik. Nr. 525 / 626, 2018.
- Grashüpfer im Grenzraum. In: Marbacher Magazin 147.148 LiteraturArchivDerZukunft, Marbach 2021.
- Das Maß innerer Freiheit. In: Hermann Hesse. Eine Hommage in Geschichten, Berlin 2022.
- Fische fangen – Unterwegs in der Sprache. In: „Der Augenblick nennt seinen Namen nicht“. Wartburg-Tagebücher: Texte aus dem Wartburg-Experiment, Salzburg 2022.
Ausstellungen · Vorträge (Auswahl)[Bearbeiten]
- Eiswelten an der Lahn. Foto-Ausstellung. KFZ, Marburg 2006.
- Literarisches Schreiben, Kalligrafie und Malerei. Akademie Schloss Rotenfels, Gaggenau 2007.
- Christian Jankowski. Videowerkstatt. Kunstmuseum, Stuttgart 2008/09.
- Kunst zu Kohle. Ausstellung. EnBW Kraftwerk, Affaltrach 2009.
- Fit fürs Abi in fünf Tagen. Kafkas Prozess und Stamms Agnes. Vortrag. Baden-Baden 2010–2016.
- Poesie als Optik, die die Welt formt. Warum Lesen Grenzen überwindet. Literarischer Eröffnungsvortrag auf dem Internationalen Bibliothekskongress, Graz 2018.
- Tu, was du willst! Rede an die Abiturient*innen des Jahrgangs 2022. Conte, Sankt Ingbert 2022, ISBN 978-3-95602-252-4.
- Einladung ins Ungewisse. Chamisso-Preis & Poetikdozentur. Thelem Verlag, Dresden und München 2024, ISBN 978-3-95908-715-5.
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 2013: Stipendium Kunststiftung Baden-Württemberg
- 2014: Ernst-Habermann-Preis
- 2018: Jahresstipendium für Schriftsteller des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst des Landes Baden-Württemberg
- 2018: Otto-Stoessl-Preis
- 2018: Literaturpreis Alpha für So tun, als ob es regnet<ref>orf.at: Iris Wolff erhält Literaturpreis Alpha 2018. Artikel vom 23. Oktober 2018, abgerufen am 24. Oktober 2018.</ref>
- 2019: Aufenthaltsstipendium Künstlerhaus Edenkoben
- 2019: Nominiert für den Alfred-Döblin-Preis
- 2019: Arbeitsstipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg<ref>Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg: Stipendiatinnen und Stipendiaten 2019. Abgerufen am 6. August 2019.</ref>
- 2019: Marieluise-Fleißer-Preis
- 2019: Thaddäus-Troll-Preis<ref>Thaddäus-Troll-Preis 2019 an Iris Wolff. In: omvs.at. 29. Oktober 2019, abgerufen am 29. Oktober 2019.</ref>
- 2020: Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis<ref>Reinhold Schneider Preis 2020</ref>
- 2020: Nominiert für den Deutschen Buchpreis<ref>Die nominierten Titel für den Deutschen Buchpreis 2020</ref>
- 2020: Nominiert für den Bayerischen Buchpreis<ref>Bayerischer Buchpreis 2020 - Die nominierten Bücher (Belletristik)</ref>
- 2020: Nominiert für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis<ref>Das sind die Shortlist-Nominierten für den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2020</ref>
- 2020: Nominiert für das Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020<ref>Fünf Titel sind im Rennen</ref>
- 2021: Marie Luise Kaschnitz-Preis für ihr bisheriges Roman-Gesamtwerk, insbes. für Die Unschärfe der Welt<ref>Marie Luise Kaschnitz-Preis für Iris Wolff, ev-akademie-tutzing.de, 7. Dezember 2020, abgerufen am 16. Februar 2021.</ref><ref>Marie Luise Kaschnitz-Preis 2021 geht an Iris Wolff. Die Zeit (dpa-Meldung), 7. Dezember 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020.</ref>
- 2021: Evangelischer Buchpreis für Die Unschärfe der Welt<ref>Evangelischer Buchpreis 2021, evangelischerbuchpreis.de, abgerufen am 16. Februar 2021.</ref>
- 2021: Preis der LiteraTour Nord für ihr bisheriges Werk wie auch für den Roman Die Unschärfe der Welt<ref>Preis der LiteraTour Nord 2021 – 15.000 Euro für Iris Wolff, boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 12. März 2021.</ref>
- 2021: Solothurner Literaturpreis für ihr Gesamtwerk<ref>Der Solothurner Literaturpreis 2021 geht an Iris Wolff, buchmarkt.de, erschienen und abgerufen am 9. April 2021.</ref>
- 2021: Eichendorff-Literaturpreis für ihr Gesamtwerk
- 2021: Literarischer Landgang – Reisestipendium durch das Oldenburger Land<ref>Literarischer Landgang: Iris Wolff ist neue Stipendiatin</ref>
- 2021: Das Wartburg Experiment – Schreibstipendium<ref>Das Wartburg-Experiment - Zwiesprache mit der Lutherbibel</ref>
- 2022: Zwei Raben – Literatur in Oberhessen, Stipendium<ref>Autorenstipendien vergeben an Paul-Henri Campbell und Iris Wolff</ref>
- 2022: Comburg Stipendium<ref>Iris Wolff ist Comburg-Stipendiatin 2022</ref>
- 2023: Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds<ref>Ergebnisse der Kuratoriumssitzung vom 13./14. Februar 2023</ref>
- 2023: Chamisso-Preis/Hellerau<ref>Chamisso-Preis/Hellerau vergeben, wdr.de, 14. April 2023, abgerufen am 15. April 2023.</ref>
- 2024: Spycher: Literaturpreis Leuk<ref>Spycher: Literaturpreis Leuk geht an Iris Wolff. In: boersenblatt.net. 24. Juli 2024, abgerufen am 27. Juli 2024.</ref>
- 2024: Uwe-Johnson-Preis für Lichtungen<ref>Iris Wolff erhält Uwe-Johnson-Preis. In: boersenblatt.net. 19. Juli 2024, abgerufen am 19. Juli 2024.</ref>
- 2024: Shortlist des Deutschen Buchpreises mit Lichtungen<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Die nominierten Titel für den Deutschen Buchpreis 2020 ( des Vorlage:IconExternal vom 30. Juli 2020 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
- 2025: Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung<ref> Lichtblicke in die Zeitgeschichte </ref>
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Iris Wolff im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Webpräsenz von Iris Wolff
- Interview mit Iris Wolff über ihren ersten Roman
- Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wolff, Iris |
| ALTERNATIVNAMEN | Wolff, Martina Iris (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 28. Juli 1977 |
| GEBURTSORT | Hermannstadt, Siebenbürgen |
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