Isobel Kuhn
Isobel Kuhn, geb. Isobel Selina Miller, privat auch „Belle“ genannt, (* 17. Dezember 1901 in Toronto; † 20. März 1957 in Wheaton, Illinois) war eine kanadische Lehrerin und evangelische Missionarin unter dem Volk der Lisu in der chinesischen Provinz Yunnan und in den Bergen im Norden Thailands<ref>1901—1957, Isobel Miller Kuhn, Missionary to Lisu tribes; wife of John Kuhn; writer, Biographical Dictionary of Chinese Christianity, Website bdcconline.net (2005–2026, englisch, abgerufen am 22. Juni 2026)</ref> von 1928 bis 1954.<ref>Karen McCauley: Life Lessons From Women Of Faith: Isobel Kuhn, Website understandingthegospel.org (30. Januar 2026, englisch, abgerufen am 22. Juni 2026)</ref> Als Mitarbeiterin der China Inland Mission arbeitete sie zusammen mit ihrem Mann, John Kuhn, als Bibelübersetzerin, Bibellehrerin und Gemeindegründerin. Im deutschen Sprachraum wurde sie durch ihre Bücher bekannt, in denen sie das Leben der Missionare und der Einheimischen in China schildert.
Kindheit und Jugend[Bearbeiten]
Der Vater Samuel Persse Miller (1866–1944) war Röntgenologe und Laienprediger in einer presbyterianischen Kirchengemeinde, und ihre Mutter Alice Gertrude Irish (1872–1924)<ref>Isobel Kuhn, Website evangelical-times.org (1. März 2007, englisch, abgerufen am 21. Juni 2026)</ref> war viele Jahre Vorsitzende der Missionsgesellschaft der Frauen in der presbyterianischen Kirche in Kanada. Ihr Großvater war ein ordinierter presbyterianischer Geistlicher.<ref>Canfield: One Vision Only. 1959, S. 17–22.</ref> Als Brüder sind Murray Persse Miller (1899–1978) und Russell Gregy Miller (* 1910) bekannt.<ref>Isobel Selina Miller, Female, 17 December 1901–20 March 1957, L19Y-NWW. Website ancestors.familysearch.org (2026), amerikanisches Englisch, abgerufen am 22. Juni 2026</ref>
Als sie 11 Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Vancouver in British Columbia. Sie studierte englische Sprache und Literatur auf der Universität von British Columbia. Obwohl sie in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen war, entschloss sie sich, den Glauben ihrer Eltern aufzugeben, nachdem sie unter den Einfluss eines skeptischen Universitätsprofessors geraten war. Obwohl sie innerlich eine Agnostikerin war, galt sie nach außen als eine gute Christin, da sie im Gegensatz zu ihren Freunden nicht rauchte und keinen Alkohol trank. Sie hatte sich heimlich mit einem ihrer Kommilitonen verlobt, merkte dann aber, dass er auch zu einer anderen Studentin eine engere Beziehung pflegte und dies auch nach der Heirat nicht aufzugeben beabsichtigte. Sie geriet dadurch in eine tiefe Krise und wollte sich eines Nachts das Leben nehmen. Doch bevor sie ihren Entschluss, eine Flasche mit Gift zu trinken, ausführen konnte, hörte sie aus dem Schlafzimmer der Eltern ihren Vater im Schlaf seufzen. Sie dachte an den Kummer, den er haben würde, wenn sie tot wäre und wollte dies ihrem lieben Vater nicht antun. Zurück in ihrem Zimmer dachte sie an ein lateinisches Zitat von Dante, dessen Übersetzung „In Seinem Willen ist unser Friede“ (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dante Alighieri: Göttliche Komödie, Paradies, 3,85) lautete. Dies veranlasste sie trotz ihrer Zweifel, zu beten: „Wenn du mich erfahren läßt, dass du existierst, und wenn du mir Frieden schenken willst, will ich dir mein Leben übergeben.“<ref>Kuhn: Die mich suchen. 1998, S. 11–13.</ref> Dieser innere Friede erfüllte sie dann tatsächlich, so dass sie nach langer Zeit wieder ruhig schlafen konnte.
Nach ihrem Universitätsabschluss im Jahr 1922 absolvierte sie für fünf Monate eine Schule für die Ausbildung von Lehrern. Danach arbeitete sie über ein Jahr als Lehrerin an der Cecil Rhodes Schule in Vancouver. Im Sommer 1924 besuchte sie zum zweiten Mal eine christliche Missionskonferenz im Föhrenwald in Bellingham, Washington. Einer der Redner war der unter den Lisu arbeitende Missionar James O. Fraser, der einen großen geistlichen Einfluss auf sie ausübte. Durch ihn sah sie sich von Gott gerufen, auch als Missionarin unter den Lisu zu arbeiten. Zur Vorbereitung auf die Mission absolvierte sie das Moody Bible Institute in Chicago, das sie als eine der besten abschloss. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann John Kuhn kennen, der aber noch vor ihrer Heirat nach China ausgesandt wurde.<ref>Kuhn: Die mich suchen. 1998, S. 50ff.</ref>
Während ihrer Ausbildung am Bibelinstitut starb ihre Mutter, die lange dagegen gewesen war, dass ihre Tochter Missionarin werden wollte. Kurz vor ihrem Tod konnte sie aber diese Entscheidung akzeptieren, und Isobel hatte den Eindruck, ihren Weg mit dem Segen ihrer Mutter gehen zu können.<ref>Kuhn: Menschen der zweiten Meile. 1988, S. 27.</ref> Nach ihrem Abschluss am Bibelinstitut bewarb sie sich bei der China Inland Mission. Sie wurde aber nicht sofort angenommen, da sie von einer Person wegen angeblich negativer Charaktereigenschaften nicht empfohlen wurde. Auch als diese Bedenken ausgeräumt wurden, musste sie wegen der problematischen politischen Situation in China sowie wegen einer durch Überarbeitung verursachten Krankheit noch zwei Jahre in Vancouver verbringen. Während dieser Zeit arbeitete sie als Leiterin des „Vancouver-Eckklubs für Mädchen“, eines evangelistischen Vereins, der sich um junge, berufstätige Mädchen und Frauen kümmerte.<ref>Kuhn: Die mich suchen. 1998, S. 85ff.</ref>
Missionsdienst, Rückkehr und Lebensende[Bearbeiten]
Am 11. Oktober 1928 begann Isobel Kuhn ihre Schiffsreise nach China.<ref>Kuhn: Die mich suchen. 1998, S. 113.</ref> Am 4. November 1929 heiratete sie John Kuhn in Kunming, der Hauptstadt der Provinz Yunnan. Sie begannen ihren gemeinsamen Dienst in Chengchiang, Yunnan. In den Jahren 1930–1932 arbeiteten sie in Tali, Yunnan. Im April 1931 wurde ihre Tochter Kathryn geboren. In den Jahren 1932–1934 arbeiteten sie in Yongping. Im Jahr 1934 begannen sie ihre Arbeit unter den Lisu in der schwer zugänglichen Schlucht des Salween-Flusses. Der englische Missionar und Bibelübersetzer James O. Fraser wurde ihr Berater und Mentor.<ref>Ross Paterson: Isobel Kuhn – A Extraordinary Missionary, Website fieldpartner.org (25. September 2023, englisch, abgerufen am 22. Juni 2026)</ref> Im Jahr 1936 trat das Ehepaar den ersten Heimaturlaub an. Im August 1943 wurde ihr Sohn Daniel im Land der Lisu geboren.
Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei in China im Jahre 1949 wurden die Arbeitsbedingungen für Missionare immer schwieriger und alle Missionare der China Inland Mission mussten mit der Zeit das Land verlassen. Isobel Kuhn reiste im März 1950 mit ihrem Sohn nach Wheaton in Illinois, wo ihre Tochter am Wheaton College studierte, und ihr Mann folgte ihr 18 Monate später.<ref>Canfield: One Vision Only. 1959, S. 162ff.</ref>
Weil China für Missionare verschlossen blieb, setzte das Ehepaar seinen Dienst ab 1952 unter den Lisu im Norden Thailands fort. Im Jahre 1954 traten sie in den Ruhestand, und in diesem Jahr wurde bei Isobel Kuhn eine Krebskrankheit diagnostiziert. Ihre letzten Jahre verbrachte sie mit ihrem Mann in Wheaton, wo sie am 20. März 1957 an den Folgen ihrer Krankheit starb.<ref>1901—1957, Isobel Miller Kuhn, Missionary to Lisu tribes; wife of John Kuhn; writer, Biographical Dictionary of Chinese Christianity, Website bdcconline.net (2005–2026, englisch, abgerufen am 21. Juni 2026)</ref> Der Beerdigungsgottesdienst fand in der Kirche von Wheaton College statt.<ref>Canfield: One Vision Only. 1959, S. 190–191.</ref>
Missionsmethoden[Bearbeiten]
Die Missionare versuchten sich so weit wie möglich den Lebensbedingungen und der Kultur der Lisu anzupassen, was ein Leben unter primitivsten Verhältnissen bedeutete. Gleichzeitig versuchten sie aber auch, diese Verhältnisse zu verbessern, z. B. durch eine veränderte Einstellung zu Sauberkeit und Hygiene oder durch die Ablehnung des Konsums und Anbaus von Opium.
Sie verkündeten das Evangelium in der Form, dass sie zu einer persönlichen Entscheidung des Einzelnen für Jesus Christus aufforderten. Wer diese Entscheidung getroffen hatte, konnte sich taufen lassen. Nach ihrer Bekehrung wurden die Konvertiten ermutigt, das Evangelium innerhalb ihres Volksstammes weiter zu verbreiten. In den verschiedenen Orten wurden christliche Gemeinden gegründet, die ihre Entscheidungen selbständig, ohne Einmischung der ausländischen Missionare, treffen sollten. Ein Beispiel dafür ist die Entscheidung darüber, wer im Sonntagsgottesdienst die Predigt halten sollte. Diese Entscheidung wurde von den einheimischen Gemeindeleitern getroffen. Die Missionare beanspruchten dabei keinen Vorrang und ordneten sich diesen Entscheidungen unter.<ref>Kuhn: Nester über dem Abgrund. 1950, S. 115–116.</ref>
Isobel Kuhn und ihr Mann hatten an der Ausbreitung des christlichen Glaubens unter den Lisu einen erheblichen Einfluss. Dazu trug besonders ihre Organisation von sogenannten „Regenzeit-Bibelschulen“ bei. Da in der Regenzeit keine landwirtschaftliche Tätigkeit möglich war, konnten sich die Lisu in dieser Zeit für den Unterricht frei nehmen. Die ausgebildeten Schüler wurden dann nach dem Vorbild der Apostel ausgesandt, um die christliche Botschaft in Gegenden zu verbreiten, in denen sie noch nicht bekannt war.<ref>Kuhn: Nester über dem Abgrund. 1950, S. 157 ff.</ref>
Schriftstellerische Tätigkeit[Bearbeiten]
Isobel Kuhn schrieb einige Bücher über ihr Leben und ihre Arbeit. Als Grundlage konnte sie dabei auf die regelmäßigen Rundbriefe zurückgreifen, die sie und andere Missionare an die Unterstützer der Missionsarbeit geschrieben hatten. Die Bücher von Isobel Kuhn machten sie und die Missionsarbeit in China nicht nur im englischen, sondern auch im deutschen Sprachraum bekannt. Auch Jahrzehnte nach ihrem Tod wurden ihre Bücher immer wieder neu aufgelegt.
Familie[Bearbeiten]
Isobel Miller heiratete 1929 John Becker Kuhn (1906–1966). Als Kinder sind Kathryn Alice-Ann Kuhn Rulison (1931–2000) und Daniel Kreadman Kuhn (1943–2022) bekannt.<ref>Isobel Kuhn in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum (1. Februar 2009, englisch, abgerufen am 22. Juni 2026)</ref><ref>Isobel Selina Miller, Female, 17 December 1901–20 March 1957, L19Y-NWW. Website ancestors.familysearch.org (2026), amerikanisches Englisch, abgerufen am 22. Juni 2026</ref>
Siehe auch[Bearbeiten]
Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]
- By Searching: My Journey Through Doubt into Faith. In the Arena.
- Die mich suchen – In der Arena. Brunnen, Gießen und Basel 1998, ISBN 3-7655-3984-8. Doppelband mit erstem und zweitem Teil ihrer Autobiographie.
- Stones of Fire. China Inland Mission, London 1951.
- Feurige Steine. Brunnen, Gießen und Basel 1953.
- Nests Above The Abyss.
- Nester über dem Abgrund. Verlag der China Inland Mission, Merligen 1950.
- Ascent to the Tribes. Pioneering in North Thailand. China Inland Mission, London 1956.
- By Searching. China Inland Mission, London 1957.
- In the Arena. China Inland Mission, London 1959.
- Green Leaf in Draught.
- Grüne Blätter in der Dürre. Brunnen, Gießen und Basel 1968.
- Precious Things of the Lasting Hills. Später: Children of the Hills.
- Am Ende der Welt mit Gott. Schweickhardt, Lahr-Dinglingen 1984, ISBN 3-501-00279-3.
- Second-Mile People.
- Menschen der zweiten Meile. Schweickhardt, Lahr-Dinglingen 1988, ISBN 3-501-00373-0.
- The Vision Pursued. In: Carolyn L. Canfield: One Vision Only. Moody Press, Chicago 1959, S. 49–131.
Literatur[Bearbeiten]
- Carolyn L. Canfield: One Vision Only. Biography of Isobel Kuhn. Moody Press, Chicago 1959. Neuauflage unter dem Titel The story of Isobel Kuhn. One vision only. Overseas Missionary Fellowship, London 1975, ISBN 0-85363-092-5.
- Ralph R. Covell: Kuhn, Isobel (Miller). In: Gerald H. Anderson (Hrsg.): Biographical Dictionary of Christian Missions. Eerdmans, Grand Rapids / Cambridge 1988, ISBN 0-8028-4680-7.
- Lois Hedley Dick: Isobel Kuhn. Highland Books, 1989, ISBN 0-946616-51-5.
- Lauren Pfister: Kuhn, Isobel. In: A. Scott Moreau: Evangelical Dictionary of Christian Missions. Baker, Grand Rapids 2000, ISBN 0-8010-2074-3.
- Joyce Reason: Searcher for God. The Story of Isobel Kuhn. Lutterworth Press, London 1963.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Isobel Kuhn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Isobel Selina Miller, Female, 17 December 1901–20 March 1957, L19Y-NWW. Website ancestors.familysearch.org (2026, amerikanisches Englisch).
- 1901—1957, Isobel Miller Kuhn, Missionary to Lisu tribes; wife of John Kuhn; writer, Biographical Dictionary of Chinese Christianity, Website bdcconline.net (2005–2026, englisch).
- Ross Paterson: Isobel Kuhn – A Extraordinary Missionary, Website fieldpartner.org (25. September 2023, englisch).
- Isobel Kuhn in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum (1. Februar 2009, englisch).
- Karen McCauley: Life Lessons From Women Of Faith: Isobel Kuhn, Website understandingthegospel.org (30. Januar 2026, englisch).
- Letters from Lisuland: The Ministry of Isobel Kuhn, From the Vault: Voices from Wheaton Archives & Special Collections, Website fromthevault.wheaton.edu (1. März 2021, englisch).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kuhn, Isobel |
| ALTERNATIVNAMEN | Kuhn, Isobel Selina (wirklicher Name); Miller, Isobel Selina (Geburtsname); Belle (privater Rufname) |
| KURZBESCHREIBUNG | kanadische Lehrerin und evangelische Missionarin in China und Thailand |
| GEBURTSDATUM | 17. Dezember 1901 |
| GEBURTSORT | Toronto, Ontario, Kanada |
| STERBEDATUM | 20. März 1957 |
| STERBEORT | Wheaton, Illinois, USA |