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Seidensticker (Unternehmen)

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(Weitergeleitet von Jacques Britt)
Textilkontor Walter Seidensticker

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Logo Seidensticker.png
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1919
Sitz Bielefeld, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Gerd Oliver Seidensticker
  • Silvia Bentzinger
  • Marc Barrantes
Mitarbeiterzahl 1900<ref name=":1" />
Umsatz 112 Mio. Euro (2024/2025)<ref name=":1" />
Branche Bekleidungsindustrie
Website seidensticker.com

Die Textilkontor Walter Seidensticker GmbH & Co. KG ist ein auf die Produktion und den weltweiten Vertrieb von Herrenhemden und Damenblusen spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Bielefeld.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründerjahre[Bearbeiten]

Der Firmengründer Walter Seidensticker sen. im Jahr 1919

1919 begann der damals 23-jährige Walter Seidensticker sen. im elterlichen Wohnhaus in Bielefeld mit 5000 geliehenen Goldmark seine erste Hemdenproduktion und erzielte in jenem Jahr einen Umsatz von 70.000 Mark. 1922 beschäftigte er im ersten gewerblichen Nähsaal 150 Näherinnen. 1930 führte er die ersten Taktfließbänder in der Produktion von Bekleidung ein und gehört damit zu den Pionieren der arbeitsteiligen Fertigung.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Walter Seidensticker war NSDAP-Mitglied und während der NS-Zeit leitend im Fachverband Wäscheindustrie tätig. 1938 wurden erstmals über eine Million Hemden pro Jahr gefertigt.<ref name="Bielefelder Stadtbuch">Andreas Beaugrand (Hrsg.): Bielefelder Wirtschafts- und Unternehmenschroniken: Stadtbuch Bielefeld. 2013, ISBN 978-3-87073-610-1, S. 958–961.</ref> Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion auf Arbeitskleidung und Uniformen, unter anderem für Lazarette, umgestellt und Zwangsarbeiter in der Fabrik eingesetzt. Das Unternehmen wurde vom NS-Regime mit der „Goldenen Fahne“ als nationalsozialistischer Musterbetrieb ausgezeichnet.<ref name="Herrenhemdenmacher">Der Herrenhemdenmacher. In: westfalen-blatt.de. 4. September 2019, abgerufen am 6. Juli 2023.</ref><ref name="Zeichen der Rose">Die bekannteste Hemdenmarke des Landes. In: faz.net. 5. Januar 2020, abgerufen am 6. Juli 2023.</ref>

Der 1934 bezogene Hauptsitz an der Herforder Straße in Bielefeld wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe schwer getroffen. Walter Seidensticker kam in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Walter Seidensticker wurde im Entnazifizierungsverfahren als "Entlasteter" eingestuft.<ref name="Zeichen der Rose" /> Nach dem Wiederaufbau erwarb das Unternehmen 1956 die Lizenz „Toplin“ und brachte darunter das erste „bügelfreie“ Baumwoll-Hemd auf dem Markt, das als erstes deutsches Markenhemd galt. Vier Jahre später kam das Nylonhemd „Matchtown“ auf den Markt, wodurch der Jahresumsatz die 100-Millionen-DM-Grenze überschritt. 1962 wurde erfolgreich die Eigenkreation „Londoner Kragen“ eingeführt, der etwas höher war als der übliche Kentkragen. Mitte der 1960er Jahre eröffnete das Unternehmen während der franquistischen Diktatur seinen ersten ausländischen Produktionsstandort in der katalanischen Stadt Tarragona.<ref name="Herrenhemdenmacher" /> 1968 wurde die Hemdenmarke „Schwarze Rose“ eingeführt, die erstmals aus dem Polyester-Mischgewebe „Diolen Star“ gefertigt wurde.<ref name="Bielefelder Stadtbuch" />

Stammsitz der Firma Seidensticker an der Herforder Straße in Bielefeld

Generationenwechsel Ende der 1960er Jahre[Bearbeiten]

1969 starb Walter Seidensticker sen., und seine beiden Söhne Gerd († 26. Juni 2017)<ref>Gerd Seidensticker gestorben. In: westfalen-blatt.de. 1. Juli 2017, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref> und Walter Seidensticker jun. († 6. April 2015)<ref>Unternehmer Walter Seidensticker ist tot. In: nw.de. 10. April 2015, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref> übernahmen die Leitung des Unternehmens. Im gleichen Jahr wurde die Marke „Jacques Britt“ eingeführt.<ref name="geschichte">Geschichte. In: corporate.seidensticker.com. 24. Oktober 2018, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref> Gerd Seidensticker widmete sich vorrangig dem Marketing.<ref>Der Herr über die feinen Hemden. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. Verlag Dierichs, 16. September 2011, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref><ref name="Bielefelder Stadtbuch" /> Die Produktion wurde ins Ausland verlagert: Seit 1964 bestanden erste Kontakte nach Hongkong, und in den Folgejahren wurde der Aufbau von Produktionsstandorten in Asien vorangetrieben. 1974 wurde die Seidensticker Overseas Ltd. gegründet.<ref>Florian Langenscheidt, Peter May (Hrsg.): Lexikon der deutschen Familienunternehmen. 2014, ISBN 978-3-86936-530-5, S. 921.</ref>

2000–2009[Bearbeiten]

Ab 2002 hielt die Seidensticker-Gruppe die Lizenzrechte an der Bekleidungs- und Lifestylemarke „Camel active“.<ref name="TW 2001">Martin Ott: Seidensticker mit Gesamtlizenz für Camel Active, textilwirtschaft.de, 6. Dezember 2001.</ref> 2004 übertrugen Gerd und Walter Seidensticker die Unternehmensleitung auf ihre Söhne Frank und Gerd Oliver Seidensticker. 2006 wurde ein Herrenhemd der Marke in einem Test der Stiftung Warentest als „mangelhaft“ bewertet.<ref>Um Knopf und Kragen. In: test.de. Stiftung Warentest, 27. Oktober 2006, abgerufen am 14. März 2019.</ref>

2007 wurde eine Produktionsstätte in Vietnam eröffnet, in der heute ein Großteil der Hemden hergestellt wird. Außerdem wurde die vertikale Integration des Unternehmens vorangetrieben: Seit 2007 ist das Unternehmen im Einzelhandel mit eigenen Läden im In- und Ausland vertreten und deckt in der Wertschöpfungskette die Arbeitsbereiche Entwicklung und Design, Rohstoffbeschaffung, Produktion, Logistik und Handel ab.<ref>Lieferkette. In: corporate.seidensticker.com. 5. Oktober 2018, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref>

2010 bis heute[Bearbeiten]

Im Jahr 2012 platzierte das Unternehmen eine Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro an der Börse Düsseldorf. Im selben Jahr erwarb die Unternehmensgruppe die Lizenz für die amerikanische Marke „Arrow“.<ref name="geschichte" /> 2014 eröffnete Seidensticker eine weitere Fertigungsstätte in Indonesien: In Semarang produzieren 400 Mitarbeiter Businesshemden für den internationalen Markt.<ref>Sanierung geglückt. In: westfalen-blatt.de. 15. September 2016, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref><ref name="geschichte" /> Anfang 2017 stellte das Unternehmen die Marken „Uno Super Slim“, „Schwarze Rose“ und „Splendesto“ ein. Die Marke tritt seitdem ausschließlich unter dem Eigennamen auf.<ref>Seidensticker lanciert Markenoffensive. In: fashionunited.de. 5. Juli 2016, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref>

Im Februar 2019 wurde bekannt, dass Seidensticker 120 Arbeitsplätze in der Unternehmenszentrale in Bielefeld abbauen und die Logistik auslagern will. Außerdem sollten vier Ladengeschäfte der Firma in Deutschland geschlossen werden.<ref>Seidensticker baut 120 Stellen ab, schließt vier Filialen in Deutschland. fashionunited.de, 21. Februar 2019, abgerufen am 12. März 2019.</ref> Ferner wurden die CMLC (Camel Active Master License Corporation) GmbH und die Dornbusch & Co. GmbH nicht mehr weiter von Seidensticker betrieben, weil die Masterlizenz der Marke „Camel Active“ 2020 an die Bültel Bekleidungswerke GmbH weitergegeben wurde.<ref>KO: Restrukturierung in der Seidensticker Group. In: owl-journal.de. 28. Februar 2019, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref><ref name="FU">Bültel ernennt Doppelspitze für Camel Active. In: fashionunited.de. 16. Juli 2019, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref>

Produkte und Marken[Bearbeiten]

„Seidensticker“ ist die Hauptmarke des Unternehmens für Hemden, Herren-Accessoires und Damenoberbekleidung. Die „Schwarze Rose“ ist das Markenzeichen und Signet der Marke.<ref>Unternehmen: Seidensticker bestätigt Wachstumskurs. In: textilwirtschaft.de. 9. Januar 2017, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref><ref>Die Rose steht für Seidensticker. In: nw.de. 17. Juni 2016, abgerufen am 20. Januar 2022.</ref> Zusätzlich wurden unter dem Label „Jacques Britt“ Herrenhemden, Damenblusen und ebenfalls Accessoires verkauft.

Von 2002 bis 2019 besaß Seidensticker die Markenrechte an „Camel active“ für Sportbekleidung, Leder, Taschen, Schuhe, Sonnenbrillen, Uhren, Tagwäsche und Accessoires.<ref name="TW 2001" /><ref name="FU" /> Anfang 2020 ging diese Lizenz vollständig an die Bültel-Gruppe mit Sitz in Salzbergen über.<ref>Neuer Lizenz-Master für Camel active. In: schuhmarkt-news.de. 30. November 2018, abgerufen am 12. März 2019.</ref><ref name="FU" />

Unternehmensdaten[Bearbeiten]

Seidensticker erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 112 Mio. Euro. Mit 1900 Mitarbeitern an fünf Standorten produziert das Unternehmen jährlich rund 6 Mio. Teile, die in 70 Ländern vertrieben werden. Dies entspricht einer Exportquote von 42 %.<ref name=":1">Unternehmen corporate.seidensticker.com, abgerufen am 30. Mai 2026.</ref> Die Seidensticker-Gruppe vertreibt ihre Produkte über Handelspartner sowie in 30 eigenen Ladengeschäften.<ref name=":1" />

Bis heute befindet sich das Bielefelder Unternehmen in Familienbesitz. Der geschäftsführende Gesellschafter Gerd Oliver Seidensticker leitet die Gruppe gemeinsam mit Silvia Bentzinger und Marc Barrantes.<ref name=":1" />

Literatur[Bearbeiten]

  • Roman Köster: Seidensticker. Eine Unternehmensgeschichte 1919-2019. Essen: Klartext Verlag, 2019, ISBN 978-3-8375-2109-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Seidensticker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 52° 2′ 10,1″ N, 8° 33′ 26,4″ O

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