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Jean Gol

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Datei:Jean GOL 1994.jpg
Jean Gol (1994)

Jean Gol (* 8. Februar 1942 in Hammersmith, England; † 17. September 1995 in Lüttich, Provinz Lüttich, Belgien) war ein belgischer Politiker (PRL). Er war von 1981 bis 1988 Justizminister Belgiens.

Biografie[Bearbeiten]

Studium und berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Gol wurde als Sohn eines jüdischen Ärzteehepaares in England geboren, wo seine Eltern als Flüchtlinge während des Zweiten Weltkrieges lebten. Er selbst studierte zwischen 1959 und 1964 Rechtswissenschaft und war nach der Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften und der Zulassung zum Rechtsanwalt zunächst Forscher und anschließend zwischen 1965 und 1969 Anwärter beim Fonds national de la recherche scientifique (FNRS) des Interuniversitären Zentrums für Öffentliches Recht.

1969 erwarb er ein Diplom der Höheren Studien und Rechtswissenschaften der Universität Lüttich und trat anschließend eine Stellung als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für öffentliches Recht von François Perin an, dessen „geistiger Ziehsohn“ er wurde. Im Anschluss ließ er sich als Rechtsanwalt in Lüttich nieder und spezialisierte sich mit seiner Anwaltskanzlei auf Internationales Handelsrecht. Daneben wurde er 1974 Dozent an der Universität Lüttich.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

In seiner Studienzeit wurde Vol 1961 Mitglied des Mouvement populaire wallon. Zusammen mit seinem Professor François Perin beteiligte er sich 1965 an der Gründung der sozialistisch orientierten Parti wallon des travailleurs. Auf der Liste des Rassemblement wallon, das für eine größere Eigenständigkeit der wallonischen Region innerhalb eines föderalen Belgien eintrat, wurde Gold 1968 in den Rat der Provinz Lüttich gewählt. Ab 1971 vertrat er das RW und die Provinz Lüttich in der belgischen Abgeordnetenkammer.

1974 gehörte er als Staatssekretär für Wirtschaftsangelegenheiten von Wallonien kurze Zeit dem Kabinett von Premierminister Leo Tindemans (CVP) an.

Unter dem Vorsitz von Paul-Henry Gendebien (ab 1974) wandte sich das RW antikapitalistischen Positionen zu und trat für Arbeiterselbstverwaltung der Betriebe ein. Daraufhin verließ Gol 1976 zusammen mit François Perin, Philippe Monfils und Étienne Knoops das RW. Sie schlossen sich mit dem wallonischen Zweig der zuvor gesamtbelgischen liberalen Partei für Freiheit und Fortschritt (Parti de la Liberté et du Progrès, PLP) zur Parti pour les Réformes et la Liberté de Wallonie (PRLW) zusammen.

Die PRLW schloss sich 1979 mit dem französischsprachigen Teil der Brüsseler Liberalen Partei zusammen und benannte sich in Parti Réformateur Libéral (PRL) um. Als Nachfolger von André Damseaux war Jean Gol von 1979 bis 1981 Vorsitzender der PRL. Unter seiner Führung trat die PRL 1980 in die Regierung Martens III ein, die aus jeweils flämischen und wallonischen Christdemokraten, Sozialisten sowie Liberalen bestand. Diese Regierung beschloss die Zweite Staatsreform, wodurch die drei Sprach- und Kulturgemeinschaften Belgiens zu föderalen Einheiten mit je eigener Gesetzgebung und Regierung wurden.

Am 17. Dezember 1981 berief ihn Premierminister Wilfried Martens zum Vizepremierminister sowie Minister für Justiz und Institutionelle Reformen. Diese Funktion nahm Gol auch in der sechsten und siebten Regierung Martens bis zum 9. Mai 1988 wahr. Zuletzt war Didier Reynders, der spätere Vorsitzende der Mouvement Réformateur, von 1987 bis 1988 sein Kabinettschef (Leiter des Ministerbüros) im Justizministerium.

Als Nachfolger von Willy De Clercq, der Kommissar für Handel und Außenpolitik in der ersten EU-Kommission Delors wurde, war er außerdem zwischen dem 9. Januar und dem 28. November 1985 Minister für Außenhandel.

Jean Gol, der einer der frühen führenden politischen Persönlichkeiten der Wallonischen Region war, wurde für seine politischen Verdienste am 26. Mai 1992 mit dem Ehrentitel eines Staatsministers gewürdigt.

1992 kandidierte er außerdem erneut erfolgreich für das Amt des Vorsitzenden der PRL und wurde als Nachfolger der bisherigen Co-Vorsitzenden Antoine Duquesne und Daniel Ducarme neuer Parteivorsitzender. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode aus. Während dieser Zeit kam es 1992/93 zur Verabschiedung eines neuen Parteiprogramms sowie zu einer Attraktivierung der Partei durch ein Wahlbündnis mit der Front démocratique des francophones (FDF).<ref>Udo Zolleis: Zwischen Anarchie und Strategie: der Erfolg von Parteiorganisationen. 2005, ISBN 3-531-14578-9, S. 262, 274.</ref>

Ihm zu Ehren wurde der Parc Jean Gol in Chaudfontaine benannt. Außerdem trägt das Centre Jean Gol, das wissenschaftliche Zentrum der beiden liberalen Parteien Mouvement Réformateur und Open Vlaamse Liberalen en Democraten (Open VLD), seinen Namen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Homepage des Centre Jean Gol (Memento des Vorlage:IconExternal vom 16. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cjg.be</ref> Darüber hinaus trägt die Studienstiftung der Universität Lüttich seinen Namen.<ref>Fondation Jean Gol</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Jean Gol – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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