Jens Baas
Jens Christian Baas (* 1967 in Aalen)<ref>Timot Szent-Ivanyi: Techniker Krankenkassen-Chef Jens Baas: „Transparenz will in Wirklichkeit niemand“. In: Berliner Zeitung. 15. August 2014, abgerufen am 20. April 2016.</ref> ist ein deutscher Krankenkassenmanager. Seit 2012 ist er Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.
Werdegang[Bearbeiten]
Baas studierte Humanmedizin an der Universität Heidelberg und der University of Minnesota (USA). 1996 wurde er mit der Arbeit Die Funktion des retikuloendothelialen Systems nach bilio-pankreatischen Obstruktionen im Opossummodell an der Universität Heidelberg zum Dr. med. promoviert.<ref>Steffen Habit: Falsche Anreize, überflüssige Operationen. Münchner Merkur, 6. Juli 2013, abgerufen am 21. Juli 2014.</ref> Anschließend war er als Transplantationsarzt an den chirurgischen Universitätskliniken Heidelberg und Münster tätig.<ref>Tobias Kaiser: „Ich habe gelernt, dass Schmerz manchmal sein muss“. Die Welt, 15. Mai 2015, abgerufen am 21. Juli 2015.</ref> Ab 1999 arbeitete Baas als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group und wurde dort 2007 Partner. In dieser Funktion betreute er zunächst vorwiegend Klienten aus dem Bankensektor und der Automobilindustrie; erst später wandte er sich mit seinem medizinischen Hintergrund dem Gesundheits- und Krankenkassenwesen zu. Nach eigenen Angaben hatte er sich während seiner Zeit als Arzt kaum mit Krankenkassen befasst.<ref name=":0">Lisa Becke: Der Krankenkassen-Chef, den die Politiker fürchten. In: Stern. 11. April 2026, abgerufen am 9. Juni 2026.</ref>
Seit dem 1. Januar 2011 gehört Baas zum Vorstand der Techniker Krankenkasse. Diesem steht er seit dem 1. Juli 2012 als Vorstandsvorsitzender vor, als Nachfolger von Norbert Klusen.<ref>Birgit Hibbeler: Jens Baas: Arzt an der Spitze der Techniker-Krankenkasse. Deutsches Ärzteblatt, 2012, abgerufen am 21. Juli 2014.</ref> Er ist für die Unternehmensbereiche Marke und Marketing, Finanzen und Controlling, Informationstechnologie, Unternehmensentwicklung, Politik und Kommunikation sowie Verwaltungsrat/Vorstand verantwortlich. Zudem gehört auch die Interne Revision zu seinem Verantwortungsbereich.<ref>Birte Schäffler: TK-Chef Dr. Jens Baas bleibt im Amt. In: Healthcare Marketing. Abgerufen am 9. Juni 2026.</ref> Unter Baas’ Leitung wuchs die Techniker Krankenkasse zwischen 2012 und 2026 um 54 % zur größten deutschen Kasse mit rund 12,3 Millionen Versicherten an.<ref name=":0" />
Baas ist außerdem Herausgeber und Mitautor mehrerer medizin- und gesundheitspolitischer Fachbücher.<ref>Mirella Cacace: Perspektive Gesundheit 2030. In: Socialnet. Abgerufen am 9. Juni 2026.</ref> Er ist seit seiner Tätigkeit als junger Arzt privat versichert und darf aus rechtlichen Gründen nicht mehr Mitglied der TK werden.<ref>Chef der TK ist privat versichert – und kritisiert das Zwei-Klassen-System scharf. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 12. Oktober 2025, abgerufen am 9. Juni 2026.</ref><ref>Wiebke Hollersen: Chef der Techniker Krankenkasse ist privat versichert: „Man muss die Systemfrage stellen“. In: Berliner Zeitung. 12. Oktober 2025, abgerufen am 9. Juni 2026.</ref>
Positionen[Bearbeiten]
Baas setzt sich öffentlich und gegenüber der Politik für gesellschaftlich vertretbare Arzneimittelpreise sowie eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung ein.<ref>Jens Baas: Arzneimittelpreise: Wie Medikamente bezahlbar und für alle zugänglich bleiben. In: Observer Gesundheit. Abgerufen am 9. Juni 2026.</ref><ref>Bastian Brinkmann: TK-Chef Jens Baas warnt vor 20 Prozent Beitrag für Krankenkasse. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 9. Juni 2026.</ref> Lisa Becke schrieb 2026 im Stern, Baas sei durch viele Medienauftritte der „öffentlichkeitswirksamste Chef aller Krankenkassen“ und dränge „vehement auf Reformen“ im Gesundheitssystem.<ref name=":0" /> Wiederholt kritisierte er gesundheitspolitische Fehlentscheidungen als wesentliche Ursache für den Ausgabenanstieg im Gesundheitswesen.<ref>Michael Pohl: Interview: "Die Krankenversicherten zahlen jetzt die Zeche für die Politik". In: Augsburger Allgemeine. Abgerufen am 9. Juni 2026.</ref> Darüber hinaus engagiert er sich für eine Reform der Versorgungsstruktur in Richtung eines Primärversorgungssystems nach dem Prinzip „digital vor ambulant vor stationär“, das Patientinnen und Patienten einen schnelleren Zugang zu den jeweils geeigneten Versorgungsangeboten ermöglichen soll.<ref>Carla Neuhaus, Karsten Polke-Majewski: Jens Baas: "Krebsmittel sind kein Luxusgut". In: Die Zeit. Abgerufen am 9. Juni 2026.</ref>
Schriften[Bearbeiten]
- Die Funktion des retikuloendothelialen Systems nach bilio-pankreatischen Obstruktionen im Opossummodell. Dissertation. Universität Heidelberg, 1996.
- mit N. Senninger: Therapeutische Optionen bei der akuten Pankreatitis. In: N. Senninger, M. Colombo-Benkmann (Hrsg.): Chirurgie von Leber, Gallenwegen und Pankreas. Aktuelle Diagnostik und Therapiekonzepte. Logos, Berlin 2001, ISBN 3-89722-717-7.
- Zukunft der Gesundheit: vernetzt, digital, menschlich. (Hrsg.) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2019, ISBN 978-3-95466-467-2.
- Digitale Gesundheit in Europa: menschlich, vernetzt, nachhaltig. (Hrsg.) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2020, ISBN 978-3-95466-531-0.
- Perspektive Gesundheit 2030: Gesellschaft, Politik, Transformation. (Hrsg.) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2021, ISBN 978-3-95466-605-8.
- Gesundheit im Zeitalter der Plattformökonomie: Ziele. Herausforderungen. Handlungsoptionen. (Hrsg.) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2022, ISBN 978-3-95466-690-4.
- Resilienz: Für ein krisenfestes Gesundheitssystem (Hrsg.) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2023, ISBN 978-3-95466-802-1.
- Wissensexplosion: KI & Co. für mehr Gesundheit (Hrsg.) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2024, ISBN 978-3-95466-899-1.
- Unser Gesundheitssystem: Stabilitätsanker für die Demokratie (Hrsg.) Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2025, ISBN 978-3-95466-948-6.
Weblinks[Bearbeiten]
- Biografie auf tk.de
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Baas, Jens |
| ALTERNATIVNAMEN | Baas, Jens Christian (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Krankenkassenmanager |
| GEBURTSDATUM | 1967 |
| GEBURTSORT | Aalen |