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Jo Jastram

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Jo Jastram, 1990
Datei:Bundesarchiv Bild 183-1985-1107-315, Rostock, Bildhauer Prof. Jo Jastram.jpg
Jo Jastram bei der Arbeit, 1985
Datei:Rostock Reisende.jpg
Skulptur „Große afrikanische Reise“ am Rostocker Stadthafen
Datei:Ribnitz am Saaler Bodden Der Zirkus kommt 2009 ca 4 m hohe Skulptur Prof Jo Jastram - Foto 2018 Wolfgang Pehlemann P1260598.jpg
Skulptur „Der Zirkus kommt“ am Saaler Bodden in Ribnitz
Datei:Die Rast.jpg
Skulptur „Die Rast“ vor dem Museum Kleinstes Haus in Wernigerode
Datei:Rostock Schreiender Hengst3 2020-05-29.jpg
Skulptur „Schreiender Hengst“ vor dem Kröpeliner Tor in Rostock
Sandsteinrelief "Denkmal für die Opfer der Todesmärsche 1945" von 1960
Das Sandsteinrelief Denkmal für die Opfer der Todesmärsche 1945 ist eine frühe Arbeit Jastrams. Das Denkmal wurde 1960 eingeweiht und steht am Ehrenfriedhof für die Opfer des KZ Wöbbelin unweit der Gedenkstätte.

Joachim Hans-Jürgen „Jo“ Jastram<ref>Kirchenbuch der Rostocker Heiligen-Geist-Kirche, Taufeintrag Nr. 579 vom 18. November 1928.</ref> (* 4. September 1928 in Rostock; † 7. Januar 2011 in Ribnitz-Damgarten<ref name="fam">Bildhauer Jo Jastram gestorben. In: Weser Kurier. 9. Januar 2011.</ref>) war ein deutscher Bildhauer und ein Kulturfunktionär in der DDR.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Joachim Jastram wurde als Sohn einer Lehrerfamilie in Rostock geboren. Er besuchte gemeinsam mit Walter Kempowski die St.-Georg-Schule in Rostock.<ref>Dirk Hempel: Walter Kempowski – eine bürgerliche Biographie. btb, München 2004, ISBN 3-442-73208-5, S. 41.</ref> Früh begann er zu zeichnen und wurde darin durch seinen Lehrer Thuro Balzer gefördert. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde er zum Volkssturm eingezogen und geriet in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg arbeitete er als Waldarbeiter und begann danach eine Lehre zum Brunnenbauer, später zum Holzbildhauer. 1949 trat er der National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD) bei.<ref>Anke Scharnhorst: Jastram, Jo (Joachim). In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).</ref> Es folgte der Besuch der Fachschule für Holzkunst in Empfertshausen/Rhön.<ref>Dieser Abschnitt nach dem Katalog: Jo Jastram – Plastik – Eine Ausstellung des Landesverbandes Rheinland des Rheinischen Museumsamtes und des Freundeskreises Brauweiler</ref>

Jastram studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Walter Arnold und danach an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee bei Heinrich Drake. Er beendete 1956 das Studium in Berlin mit dem Diplom als Bildhauer. Nach dem Studium lebte er Jastram als freischaffender Bildhauer in Rostock, ab 1973 war Kneese (jetzt Ortsteil von Marlow) sein Schaffens- und Lebensmittelpunkt.

1964 erhielt Jastram einen Lehrauftrag an der Universität Greifswald, von 1980 bis 1986 hatte er einen Lehrauftrag und die Professur für Plastik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee inne. Studenten in dieser Zeit waren unter anderen die Bildhauer Gerti Bauer, Daniel Hillert (* 1954), sein Sohn Michael Jastram, Rainer Kessel (* 1955), Peter Lewandowski, Michael Mohns, Uwe-Jens Raddatz, seine Tochter Susanne Rast, Hans-Albert Schlegel (* 1956), Anne Sewcz und als Meisterschüler der Maler Martin Colden (* 1955) und der Zeichner Michael Reich (* 1949).

Von 1956 bis 1990 gehörte Jastram dem Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) an, wurde 1974 dessen Vorsitzender im Bezirk Rostock, war 1975 bei der letzten Ostseewoche Präsident des Internationalen Komitees der Biennale der Ostseeländer und 1990 der letzte Vorsitzende des Arbeitskreises Ernst Barlach im Kulturbund der DDR. Von 1983 bis 1993 gehörte Jastram der „Akademie der Künste der DDR“ (1990 bis 1993 „Akademie der Künste zu Berlin“) an. Ab 1990 war er Mitglied des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern e. V. im Bundesverband Bildender Künstler. Aus der 1993 vereinigten „Akademie der Künste“ trat er 1995 aus.<ref>Kurzbiographie @1@2Vorlage:Toter Link/www.adk.deAkademie der Künste (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2020. Suche im Internet Archive)</ref>

Jastram hinterließ ein umfangreiches Lebenswerk mit einer Fülle von Porträtplastiken, figürlichen Darstellungen von Mensch und Tier, Werken für den öffentlichen Raum und architekturbezogenen Werken wie Brunnen, Kirchentüren, Reliefs, Friese und Denkmäler.

1977 waren auf der documenta 6 in Kassel „Ringer“ zu sehen.<ref>Volker Wehdeking: Mentalitätswandel in der deutschen Literatur zur Einheit (1990–2000). Erich Schmidt Verlag, 2000, ISBN 3-503-04974-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. Mai 2023]).</ref> Als Geschenk der DDR an den äthiopischen Diktator Mengistu Haile Mariam schuf Jastram ein Denkmal für Karl Marx in Addis Abeba,<ref>Eckhart Gillen: Arno Breker. Dekorateur der Macht und Sündenbock der Deutschen. Kunsthaus Dahlem, Berlin 2015, ISBN 978-3-9816615-2-1, S. 3 f.</ref> das 1984 anlässlich des Staatsbesuchs von Erich Honecker dort aufgestellt wurde.<ref>Karl-Marx-Denkmal in Addis Abeba. Reference: DY 30/ 18725. In: Archives Portal Europe. Abgerufen am 18. Mai 2023.</ref><ref>Karl Marx in Addis Abeba. In: Solino Coffee. 29. Januar 2012, abgerufen am 18. Mai 2023.</ref> 1991 schuf er für das Leipziger Gewandhaus die Statue Felix Mendelssohn Bartholdys.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen der „Brunnen der Lebensfreude“ auf dem Universitätsplatz in Rostock (1978, gemeinsam mit Reinhard Dietrich) und die „Große afrikanische Reise“ (seit 1983), aufgestellt 2008 am Rostocker Stadthafen. Seine letzte große Arbeit im öffentlichen Raum war die 2009 an der Ribnitzer Uferpromenade aufgestellte Figurengruppe „Der Zirkus kommt“ (in Zusammenarbeit mit Susanne Rast). Ein weiteres Stahlrelief steht seit dem 9. November 2017 am Schweriner Ziegelinnensee vor dem Speicherhotel neben dem Bootsanleger. In der Berlinischen Galerie befindet sich seine Bronze-Skulptur „Kauernder Usbeke“ (1982; 46 cm hoch).

Drei Jahre nach Jastrams Tod wurde im September 2014 an zentraler Stelle in Rostock vor dem Kröpeliner Tor die Bronzeskulptur „Schreiender Hengst“ aufgestellt.<ref>Schreiender Hengst von Jo Jastram eingeweiht. In: Rostock-Heute.de. Abgerufen am 18. Januar 2021.</ref>

Jastram stellte seine Werke auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen aus. In der Zeit der DDR war er u. a. von 1958 bis 1988, außer 1962/1963, auf allen Kunstausstellungen der DDR in Dresden vertreten.

Jastram war verheiratet mit der Grafikerin Inge Jastram. Er hatte eine Tochter, die Bildhauerin Susanne Rast und drei Söhne, den Designer Matthias Jastram und die beiden Bildhauer Michael und Jan Jastram. Der Bildhauer Thomas Jastram war sein Neffe.

Weitere Werkbeispiele[Bearbeiten]

Plastik[Bearbeiten]

  • Akt (1967; Bronze, Höhe: 1,80 m; Guss durch Bildgießerei Seiler & Siebert, Schöneiche; Rostock, Innenhof des damaligen „Interhotels Warnow“)<ref>Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam, Magdeburg, Schwerin, Rostock, Neubrandenburg. Deutsche Bauakademie, Berlin 1972. Hier: Rostock, S. 120/121.</ref>

Architekturbezogene Werke und Werke im öffentlichen Raum[Bearbeiten]

  • Der Mensch und das Wasser (1962; Brunnen mit Durchbruchrelief; Postelwitzer Sandstein, 8,00 × 2,00 × 0,45 m; Rostock, Lange Straße)<ref>Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam, Magdeburg, Schwerin, Rostock, Neubrandenburg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, Rostock, S. 122.</ref>
  • Antifaschismus – Befreiung – Aufbau (1965; Tür, Bronze, 3,15 × 2,00 m; Guss in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer; Greifswald, Rathaus)<ref>Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam, Magdeburg, Schwerin, Rostock, Neubrandenburg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, Rostock, S. 126/127</ref>
  • Folter – Solidarität – Illegalität – Befreiung (1966; vier Reliefs, Bronze, Guss in Lauchhammer; Barth, Mahnmal KZ-Außenlager Barth)<ref>Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam, Magdeburg, Schwerin, Rostock, Neubrandenburg. Deutsche Bauakademie, Berlin 1972. Hier: Rostock, S. 145–148.</ref><ref>Margret Ott: Gedenkstätte des Monats Juli 2024 – Pommerscher Greif e. V. 11. August 2024, abgerufen am 13. Juli 2026.</ref>
  • Die Vielfalt unseres Lebens (1970; Entwurf für Relieffries, Beton, 14,00 × 12,80 m; technische Ausführung durch VEB Bau- und Montagekombinat Guben; Guben, Fassade der damaligen Poliklinik des VEB Chemiefaserwerk Guben)<ref>Ruth Pape et al. (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 5, Dresden, Cottbus, Frankfurt. Deutsche Bauakademie, Berlin 1973, S. 128.</ref>
  • Entwicklungsgeschichte der Menschheit (1974/1975; Wandfries, Bronze, 3,5 × 15 m; Berlin, Palast der Republik)<ref>Dazu: Hannelore Gärtner: Menschheitsgeschichte. Zu einem Relief von Jo Jastram. In: Bildende Kunst, Berlin, 4/1976, S. 175–179.</ref>

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Jo Jastram – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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