Jochen Kopp
Jochen Kopp (* 22. Februar 1966<ref>Handelsregisterblatt HRA 390319 des Amtsgerichts Stuttgart</ref>) ist ein deutscher Verleger. Er ist Geschäftsinhaber des Kopp Verlags, den er als eingetragener Kaufmann (e.K.) führt.
Leben[Bearbeiten]
Kopp, der nach Angaben des Schwäbischen Tagblatts aus Wurmlingen (Rottenburg) stammt, war elf Jahre lang Polizist und verließ 1994 den Staatsdienst, um einen Verlag zu gründen. Nach seinen Angaben hat der „Kopp-Verlag ganz klein, in einem Keller in Wurmlingen“ angefangen. Aus einer Bücherliste für Bekannte soll ein kleiner Prospekt mit Titeln entstanden sein, die er beschaffte und versandte. Schließlich verlegte er selbst Bücher, zunächst vor allem Übersetzungen aus dem amerikanischen Englisch. Der öffentliche Umgang mit dem Ufologen Erich von Däniken sei „Initialzündung“ für die Verlagsgründung gewesen.<ref name=Kontext /> Seitdem greife er gezielt Themen auf, „die im Mainstream tabuisiert werden“.<ref>Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht, Schwäbisches Tagblatt vom 15. August 2010.</ref>
Kopp äußert sich selten öffentlich und verweist darauf, dass die veröffentlichten Meinungen die der Autoren seien und er und sein Verlag nicht zwingend dieser Meinung sein müssten.<ref name=Tagblatt1>Hete Henning: SPD fordert Jochen Kopp nach einem Artikel auf Kopp Online zu eindeutiger Stellungnahme auf. In: tagblatt.de. 2. September 2014, abgerufen am 19. November 2015.</ref> Auch zu seinem Umsatz macht er keine näheren Angaben.<ref name="SPON-967704">Stefan Kaiser: Verschwörungstheorien: Das Geschäft mit der Angst. In: Spiegel Online. 22. Mai 2014, abgerufen am 3. November 2015.</ref> Die Wirtschaftsauskunftei Bürgel schätzte den Jahresumsatz des Verlages 2013 auf 5 bis 10 Millionen Euro.<ref>Johannes Pennekamp, Patrick Bernau: Die Angstindustrie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Januar 2015.</ref>
2014 erklärte Kopp, er verkaufe „unterdrückte Wahrheiten. [...] In jeder Meinung, und sei sie noch so abstrus, kann immer ein Körnchen Wahrheit stecken.“<ref name=Kontext>Anna Hunger: Brücke nach rechts. In: kontextwochenzeitung.de. 23. April 2014, abgerufen am 19. November 2015.</ref>
Kritiker werfen Kopp vor, er verbreite mit seinem Verlag Geschichtsrevisionismus und Nazipropaganda.<ref name=Kontext/> In seinem Verkaufsprogramm sind neben eigenen Büchern auch eine Vielzahl Publikationen aus rechten Verlagen wie dem Tübinger Grabert-Verlag, Ares, Arndt oder Pour le Mérite zu beziehen. Kopp unterhält geschäftliche Beziehungen zur Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH, dem Verlag der NPD. Auch der Deutsche-Stimme-Verlag vertreibt Kopp-Bücher.<ref>ZAPP Beitrag August 2013: Kopp-Verlag: Die „andere Sicht der Dinge“</ref>
Jochen Kopp selbst betonte, dass sich alle Verlagspublikationen im Rahmen der demokratischen Grundordnung bewegen würden.<ref>SWR2, SWR2: Hetze, Angst, Verschwörungsmythen – Der Kopp Verlag in Rottenburg. Abgerufen am 11. Januar 2023.</ref> Kopp zufolge sieht sich der Verlag keiner politischen Richtung verpflichtet und begreift sich lediglich als „Plattform für eine andere Sicht der Dinge“. Von extremen Parteien wie der NPD distanziert sich Kopp.<ref>Kopp-Verlag: Die „andere Sicht der Dinge“ - ZAPP. Abgerufen am 11. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg überprüfte 2015 den Verlag und fand bei dieser Prüfung keine hinreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für Bestrebungen des Verlags gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.<ref>Rita Haller-Haid: Verfassungsrechtlich bedenkliche Verlage im Kreis Tübingen. In: landtag-bw. Landtag BW, 2. Oktober 2015, abgerufen am 11. Januar 2023.</ref><ref>Anna Hunger (Text) und Martin Storz (Fotos): Der einsame Kampf des Albert B. Abgerufen am 11. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Lokalpolitische Auseinandersetzungen[Bearbeiten]
Der Umgang mit Kopp und seinem Verlag ist im Gemeinderat von Rottenburg am Neckar umstritten. So verwiesen einige Gemeinderäte anlässlich des Verkaufs von Grundstücken an Kopp auf das antisemitische und rechtsradikale Sortiment. Dennoch stimmte eine von CDU- und SPD-Fraktion getragene Mehrheit für den Verkauf.<ref name=Kontext /><ref>Zitiert nach Tübingen im Fokus (PDF; 9,7 MB), 8. März 2013 </ref>
Negativauszeichnungen[Bearbeiten]
2014 wurde Kopp das Goldene Brett vorm Kopf, der satirische Negativpreis der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zugesprochen. Ausgezeichnet wird durch eine Jury der „größte pseudowissenschaftliche Humbug“<ref>orf.at: Wissenschaftlicher Humbug gesucht, 24. September 2012</ref><ref>derStandard.at: Skeptiker küren Esoterik-Unfug des Jahres, 24. September 2012</ref> des Jahres im deutschsprachigen Raum. Kopp wurde mit dem Preis für sein „Lebenswerk“ ausgezeichnet; in der Begründung heißt es: „Jeder, der sich mit esoterischen und antiwissenschaftlichen Theorien auseinandersetzt, stößt ganz zwangsläufig auf den Kopp-Verlag, gegründet von Jochen Kopp. Egal ob Ufos oder Alternativmedizin, ob Pseudo-Physik oder Chemtrails: Der Kopp-Verlag ist praktisch in jedem Bereich des Paranormalen und Esoterischen ganz vorne mit dabei. [...] Die Skeptiker sind hingegen der Meinung, dass diese Bücher den Blick auf die Welt blockieren.“<ref>Das Goldene Brett 2023 - Der Negativpreis. Abgerufen am 15. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2015 wurde der Kopp-Verlag in der Kategorie Medien und Blogs mit Giulia Silberbergers Preis Der goldene Aluhut gewürdigt. In der Begründung hieß es, Verlagsgründer Kopp biete abseitigen Autoren eine Plattform.<ref>Sebastian Huld: Und der goldene Aluhut geht an..., tagesspiegel.de, 30. Oktober 2015, abgerufen am 16. Januar 2017.</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
- Hete Henning: Zugpferd Eva Herman - Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht Verlagsporträt, Schwäbisches Tagblatt, 15. August 2010
- Anna Hunger: Brücke nach rechts, Kontext: Wochenzeitung, 27. Mai 2014
- Judith Brosel, Moritz Kluthe, Christian Kretschmer, Thomas Simon: Der Kopp Verlag in Rottenburg – Hetze, Angst, Verschwörungsmythen. In: SWR2 Wissen, 9. Dezember 2019 (Multimedia, Audio 24.9 MB (MP3)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kopp, Jochen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Verleger |
| GEBURTSDATUM | 22. Februar 1966 |
| GEBURTSORT | Wurmlingen |