John Haswell
(Döblinger Friedhof)
John Haswell (* 20. März 1812 in Lancefield, Glasgow, Schottland, Großbritannien; † 8. Juni 1897 in Wien, Österreich-Ungarn) war ein britisch-österreichischer Ingenieur und Lokomotiv-Konstrukteur.
Leben und Wirken[Bearbeiten]
John Haswell studierte an der Andersonian University in Glasgow Maschinenbau und trat mit 22 Jahren als Konstrukteur bei William Fairbairn & Co in Manchester ein.<ref>John Haswell. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. Oktober 2025; abgerufen am 31. Juli 2026.</ref>
Dort wurde er mit dem Entwurf der maschinellen Ausrüstung für die Reparaturwerkstätte der Wien-Raaber Bahn, später die Lokomotivfabrik der StEG, betraut. Dies geschah auf Veranlassung von Matthias Schönerer, der auch bei der Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden maßgeblich beteiligt war, und der mit Fairbairn & Co. einen Vertrag zur Konzeption und Fertigung der Werkstättenanlagen abgeschlossen hatte. Haswell wurde im Juni 1838 zur Ausführung dieser Pläne an der Seite des Mechanikers Kraft nach Wien entsendet.<ref name=":0">Alfred Horn: Eisenbahn Bilderalbum 16 – Die k.k. privilegierte österreichisch-ungarische Staats-Eisenbahn-Gesellschaft. Bohmann Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-99015-020-7. S. 264 f.</ref>
Als die Werkstätte fertiggestellt war, übernahm er selbständig deren Leitung und führte neben Reparaturarbeiten sofort auch den Neubau von rollendem Eisenbahnmaterial ein. Damit begründete Haswell den österreichischen Lokomotivbau.
Unter anderem zeichnet er verantwortlich für:
- erste rein österreichische Lokomotive "WIEN" gemeinsam mit Franz Fischer von Röslerstamm (1840)
- erste dreifach gekuppelte Dampflokomotive Österreichs „FAHRAFELD“ (1846)
- Beteiligung am Semmering-Wettbewerb 1851 mit der ersten vierfach gekuppelten Lokomotive „VINDOBONA“, die beispielgebend für die späteren Engerth-Gebirgslokomotiven war
- erste vierfach gekuppelte Dampflokomotive Österreichs mit seitenverschiebbarer vierter Kuppelachse „WIEN–RAAB“ (1855)
- Dampfbremse erstmals ausgeführt an der Engerth-Fink-Stütztenderlokomotive „STEYERDORF“, zugleich erste fünffach gekuppelte Dampflokomotive der Welt (1861)<ref name=":0" />
- erste Vierzylinder-Dampflokomotive in Österreich, "DUPLEX" (1862)
- dampfhydraulische Schmiedepresse (1862), die erstmals das Pressen schwerer Maschinenteile in Gesenken ermöglichte (heute im Technischen Museum Wien)
- Wellblech-Feuerbüchse (1872)
1873 entwirft Haswell die erste fünffach gekuppelte Dampflokomotive mit Spurkranzschwächung am 1. und 5. Kuppelradsatz. Aufgrund des Gründerkrachs wird dieses Projekt nicht weiter verfolgt und erst im Jahr 1900 von Karl Gölsdorf, dessen Vater Louis Adolf Gölsdorf schon mit Haswell zusammenarbeitete, in Form der kkStB 180 umgesetzt.<ref name=":0" />
Unter Haswells umsichtiger Führung entwickelte sich die anfänglich nur als Reparaturwerkstätte konzipierte Fabrik zur ersten modernen Maschinen- und Lokomotivfabrik in Wien. Als geradezu "epochal" wird ihm die Aufstellung des ersten, koksgefeuerten Gußschmelzofens zugeschrieben.<ref name=":0" />
Mit Wilhelm von Engerth, dem Konstrukteur der gleichnamigen Lokomotiven, hegte John Haswell eine erbitterte Feindschaft, da von Engerth als Ministerialbeamter Haswell zur Umkonstruktion seiner "VINDOBONA" in eine Stütztenderlokomotive zwang. Angeblich verbot der streitbare Haswell daraufhin Engerth, seine Fabrik jemals wieder zu betreten.<ref name=":0" />
1882 legte Haswell seine Stelle nieder und trat in den Ruhestand.
Er ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Döblinger Friedhof (Gruppe 10, Nummer 1) in Wien. Im Jahr 1936 wurde in Wien-Floridsdorf (21. Bezirk) die Hasswellgasse nach ihm benannt.<ref>Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Wundergarten Verlag, Wien 2022, ISBN 978-3-903070-17-2, S. 134.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Erhard Born: Haswell, John. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Haswell John. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 206 f. (Direktlinks auf S. 206, S. 207).
- Karl Gölsdorf: Lokomotivbau in Alt-Österreich 1837–1918. Verlag Slezak, Wien 1978, ISBN 3-900134-40-5.
- Bernd Rohr und Herbert Wiele: Lexikon der Technik – 3., überarb. Aufl. Leipzig Bibliographisches Institut, 1986 Verlagslizenz-Nr. 433-130/203/86 Haswell John S. 257
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references /> Vorlage:Hinweisbaustein
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Haswell, John |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Ingenieur und Lokomotiv-Konstrukteur |
| GEBURTSDATUM | 20. März 1812 |
| GEBURTSORT | Glasgow |
| STERBEDATUM | 8. Juni 1897 |
| STERBEORT | Wien |