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Joinville (Adelsgeschlecht)

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Das Haus Joinville war eine Familie des Feudaladels der hochmittelalterlichen Champagne in Frankreich, deren namensgebende Stammburg bei der Gemeinde Joinville im heutigen Département Haute-Marne lag.

Datei:Jean de Joinville Louis X.jpeg
Johann von Joinville übergibt dem König von Navarra und nachmaligen König Ludwig X. von Frankreich seine vollendete Vita zu Ludwig IX. dem Heiligen. Miniatur vom Dedikationsblatt der ältesten Abschrift von Joinvilles Heiligen-Vita, 14. Jahrhundert; Bibliothèque nationale de France, MS français 13568.
Datei:Pierre tombale de Guy de Sailly-Musée barrois (1).jpg
Die Deckplatte vom Grab Guidos I. von Joinville († 1259), Herr von Sailly, im Museum von Bar-le-Duc. Das Grab befand sich ursprünglich in der Abtei von Écurey.<ref>Vgl. Maxe-Werly, Leon, Tombeau d’un sire de Sailly de la maison de Joinville conservé au Musée de Bar-le-Duc. Paris, 1890.</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Am Anfang der Familie stand Stephan, welcher aus der bei der Abtei Saint-Urbain gelegenen Ortschaft Vaux stammte und noch vor dem Jahr 1018 mit der Unterstützung seines Schwiegervaters, Graf Engelbert II. von Brienne, eine „neue Burg“ auf einem Hügel am linken Ufer der oberen Marne an der Grenze zu Lothringen errichtet hat. Im besagten Jahr ist Stephano Novi-Castelli domino vom Bischof von Toul wegen Übergriffe auf religiöse Einrichtungen exkommuniziert worden.<ref>Vgl. Variorum Epistolæ IX, in: Recueil des Historiens des Gaules et de la France, Bd. 10 (1874), S. 495.</ref> Im Schutz dieser Burg scheint sich ihr zu Füßen schnell eine Siedlung gebildet zu haben, die schon im Jahr 1027 dem König Robert II. namentlich bekannt war, als dieser Stephanus de Junci-villa zur Restitution geraubten Guts an die Abtei Montier-en-Der aufgefordert hat.<ref>Vgl. Variorum Epistolæ XLII, in: Recueil des Historiens des Gaules et de la France, Bd. 10 (1874), S. 613.</ref> Das aus dieser Korrespondenz zu zeichnende Charakterbild Stephans weist ihn als einen Akteur jener feudalen Anarchie aus, die Frankreich in jener Zeit beherrschte, in denen unzählige Raubritter sich mittels Gewalt zu behaupten und durch Burgenbau eine dauerhafte Machtbasis zu sichern suchten. Mit der Kontrolle über die obere Marne und als Schutzherren der Abtei Saint-Urbain hatten sich die ersten Joinville erfolgreich im Burgadel der Champagne etabliert und ihre Position durch Versippung mit den ihnen benachbarten Familien von Brienne und Reynel gesichert. Der mittelalterliche Autor Alberich von Trois-Fontaines hat die ersten drei Vertreter der Familie mit den frühen Grafen von Joigny gleichgesetzt, was allerdings weder durch das Urkundenwesen der Familie noch durch anderweitige erzählende Chroniken bestätigt werden kann, weshalb diese Behauptung in der modernen Geschichtswissenschaft als unzureichend begründet gilt.<ref>Vgl. Delaborde, Henri-François, Recherches critiques sur les premiers seigneurs de Joinville, in: Bibliothèque de l’école des chartes, Bd. 51 (1890). S. 618–629.</ref> Tatsächlich waren jene von Joinville mit dem Haus Joigny über die Schwiegermutter Stephans von Vaux miteinander versippt und hatten sich im 11. Jahrhundert gegeneinander befehdet.

Begünstigt durch ihre Grenzlage zu Lothringen, welches zum heiligen römischen Reich gehörte, hatten die Joinville durch den Bau der Burg von Vaucouleurs an der Maas ihre Macht bis jenseits der Grenze Frankreichs ausdehnen können. Zugehörig aber hatte sich die Familie zur Feudalordnung der Champagne gesehen und am Hof des regierenden Grafenhauses um Macht und Einfluss gerungen. Gottfried III. war der erste der Familie, der mit dem Amt des Seneschalls betraut wurde, was einer Position des obersten Verwaltungsministers des Grafen entsprach. Im frühen 13. Jahrhundert hatte Simon die Wirren des Erbfolgekrieges in der Champagne genutzt und sich erfolgreich die Erblichkeit des Seneschallats für seine Familie von Graf Theobald IV. erstritten. Nachdem die Champagne zur Mitte des 13. Jahrhunderts immer stärker von der königlichen Verwaltung ergriffen und durch die Ehe ihrer letzten Erbin Johanna mit König Philipp IV. gänzlich in die Krondomäne eingegangen ist, hatte das gräfliche Seneschallat zunehmend an Bedeutung verloren und ist für die Joinville zu einer bloßen Ehrtitulatur verkommen, die nach dem Erlöschen ihrer Hauptlinie im frühen 15. Jahrhundert von ihren Erben nicht weitergeführt wurde.

Mit seiner Teilnahme am zweiten Kreuzzug hat Gottfried III. die lange Kreuzfahrertradition seiner Familie begründet, die nahezu jede Feudalfamilie der Champagne auszeichnete. Gottfried IV. ist 1190 auf dem dritten Kreuzzug während der Belagerung von Akkon (1189–1191) gestorben, ebenso wie Gottfried V. 1204/05 als Kreuzritter in „Übersee“ (Outremer) gestorben ist. Simon kämpfte 1218 auf dem Kreuzzug von Damiette an der Seite seines Vetters Johann von Brienne, König von Jerusalem. Sein Sohn Johann hat am sechsten Kreuzzug (1248–1254) teilgenommen, auf dem er sich der Gefolgschaft König Ludwigs IX. (Saint Louis) angeschlossen hat. Seine Autorenschaft zu einer der bekanntesten Viten über diesen heiliggesprochenen König hat Johann von Joinville zu dem heute prominentesten Vertreter seiner Familie gemacht. Der jüngere Bruder des Biographen, Gottfried von Vaucouleurs, hat mit seiner Teilnahme am Kreuzzug des Prinzen Eduard (1270–1272) die Kreuzfahrergeschichte derer von Joinville abgeschlossen.

Die Hauptlinie der Familie Joinville ist mit Margarete, Gräfin von Vaudémont, im Jahr 1418 erloschen. Die Familienstammburg ist an deren Nachkommen aus dritter Ehe in das Haus Lothringen-Guise übergegangen, welche im 16. Jahrhundert die Burg zugunsten eines Palais haben abreisen lassen. Der Bruder des Biographen, Gottfried († 1314), hatte die Burg Vaucouleurs übernommen und am englischen Königshof Karriere gemacht, wo er als „Baron Geneville“ in die englische Nobilität naturalisiert wurde. Seine Güter in England und Irland waren durch die Ehe seiner Enkelin Joan de Geneville († 1356) an die Familie Mortimer gefallen. Vaucouleurs wurde von einem anderen Enkel gegen 1335 im Tausch für andere Güter an die französische Krone abgetreten.

Neapolitanische Linie[Bearbeiten]

Auch an einem weiteren bedeutenden Feldzug der französischen Ritterschaft des 13. Jahrhunderts war die Familie beteiligt. Der älteste Sohn des Biografen, Gottfried von Joinville, und zwei seiner Söhne gehörten der Gefolgschaft des Prinzen Karl von Anjou bei der Eroberung des Königreichs Sizilien gegen die Staufer an. Seine Frau war eine Enkelin des Geschichtsschreibers Gottfried von Villehardouin und in der Heimat hatte er die vergleichsweise kleine Grundherrschaft Briquenay besessen. Für seine Dienste für den Anjou wurde er in Unteritalien nun mit der Herrschaft über Calvi und Rocca di Mondragone in der Terra di Lavoro belohnt. Hier dauerhaft sesshaft geworden, hatte er so einen italienischen Zweig der Familie (ital. Jamvilla) begründet, der sich in der Folge der sizilianischen Vesper 1282 an der Seite der Anjou-Könige von Neapel im Kampf gegen die Aragonesen engagierte. Daran beteiligt hatte sich auch einer der Neffen des Biografen, Nikolaus von Joinville, der erstmals 1294 in Unteritalien erwähnt wird und 1300 für seine Dienste mehrere Lehen erhielt. Doch ist er bis spätestens 1315 in die französische Heimat zurückgekehrt, wo er nach 1336 verstarb.

Goffredo I. di Jamvilla war mit dem Prinzen Karl von Salerno in die Gefangenschaft der Aragonesen gefallen, in der er verstarb. Dem älteren Sohn Goffredo II. di Jamvilla wurde während der Regentschaft des Robert von Artois das väterliche Erbe von diesem beschlagnahmt. Vor dem mittlerweile freigelassenen König Karl II. dagegen appellierend, erhielt er 1291 als Entschädigung umfangreiche Lehen in Apulien und Kalabrien mit Sant’Angelo dei Lombardi als Hauptsitz. Auch er fiel im Krieg gegen die Aragonesen. Der jüngere Sohn Giovanni di Jamvilla hatte 1280 das Amt des königlichen Connetablé bekleidet, also des obersten Feldherrn des Königreichs, und wurde danach von König Karl II. als „unser Verwandter“ (consanguineus noster) gewürdigt.

Ein bekannter Angehöriger dieses Zweiges war Niccolò I. di Jamvilla, der unter König Karl II. eine steile Ämterlaufbahn aufnahm.<ref>Vgl. Chiàntera, Raffaele, Intorno alla regalis curia e al reggente Niccolò de Jamvilla, in: Archivio storico pugliese, Bd. 5 (1952), S. 251–264.</ref> 1304 war er Justiziar der Terra d’Otranto, von 1306 bis 1307 war er in Neapel Regent der Curia regia iustitiæ, König Robert ernannte ihn 1310 zum magister marescallarum und 1315 war er Justiziar der Terra di Lavoro. Zuvor war er am 23. Dezember 1314 in Trapani einer der Unterhändler und Garanten des Hofes von Neapel für den Waffenstillstand mit Friedrich II. von Aragón. Im September 1317 wurde er als Vikar in Florenz eingesetzt, doch nach nur wenigen Wochen von diesem Posten enthoben, nachdem er sich mit seinen Maßnahmen bei der Stadtbevölkerung unbeliebt gemacht hatte. Dafür wurde er im November desselben Jahres zum Vikar in Rom ernannt. Zuletzt amtierte er ab 1323 für Johann von Anjou-Gravina als Vikar im Fürstentum Achaia, wo er 1325 verstarb und im Dominikanerkloster von Clarentsa (heute Kyllini) bestattet wurde. Verheiratet war er mit einer Tochter des aragonesischen Admirals Ruggiero di Lauria. Wohl in seinem Besitz befunden hatte sich eine pro-staufisch gefärbte Chronik über die Herrschaft Kaiser Friedrichs II. und seiner Söhne in Unteritalien (Historia de rebus gestis Friderici II. eiusque filiorum Conradi et Manfredi Apuliæ et Siciliæ Regum), deren Autorenschaft von der älteren Geschichtsforschung (siehe Muratori) deshalb einem gewissen Nicolai de Jamsilla zugeschrieben wurde.<ref>Vgl. Rerum Italicarum scriptores, Bd. 8 (1726), S. 489–616.</ref> Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurde erkannt, dass diese Chronik noch vor 1266 und der Ankunft der Franzosen im Königreich Sizilien vollendet wurde.<ref>Vgl. Karst, August, Ueber den sogenannten Jamsilla, in: Historisches Jahrbuch, Bd. 19 (1898), S. 1–28.</ref> Weil aber der wahre Autor dieser Chronik bis heute nicht ermittelt werden konnte, wird sie weiterhin unter diesen Namen betitelt.<ref>Vgl. Nitschke, August, Die Handschriften des sog. Nikolaus von Jamsilla, in: Deutsches Archiv für die Erforschung des Mittelalters, Bd. 11 (1954/55), S. 233–237.</ref>

Filippo I. di Jamvilla wurde 1313 von König Robert die erbliche Grafenwürde für Sant’Angelo dei Lombardi verliehen. Auch er gehörte 1314 zu den Unterzeichnern des Waffenstillstandes von Trapani. Seine Frau, die „herrliche und vortreffliche“ (magnifica et egregia) Ilaria di Sus, war die Tochter von einem der engsten Vertrauten Karls von Anjou und eine der begehrtesten Erbinnen des Königreichs Neapel.<ref>Vgl. Bridges, S. F., Langue D’Oïl to Volgare Siciliano: Three Followers of Charles of Anjou, in: Papers of the British School at Rome, Bd. 23 (1955), S. 169–197.</ref> Ihr Sohn Niccolò II. bekleidete in Neapel zeitweilig das Amt des königlichen Kammerherrn. Er wurde am 29. Juni 1335 während eines Ritts im Tal des Fortore vermutlich von eigenen Gefolgsleuten ermordet. Seine Söhne Niccolò III. und Amelio haben nacheinander dem weltlichen Leben entsagt und waren als Mönche dem Augustinerorden beigetreten. Der unehelich geborene, aber legitimierte Giovanni Nicola di Jamvilla, Signore di San Giorgio e di Montefusco, amtierte für die Königin Johanna II. als Kapitän des Königreichs. 1443 gehörte er jener Versammlung neapolitanischer Großer an, welche die Übernahme des Thrones durch den Aragonesen Alfons V. unterstützte. Mit seinen Töchtern erlosch der italienische Zweig derer von Joinville im frühen 15. Jahrhundert.

Wappen[Bearbeiten]

Die Familie Joinville führte ursprünglich dasselbe Wappenmotiv (Bild 1) wie das Haus Broyes (Dept. Marne). Es zeigt drei goldene Rossbremsen (franz.: Morailles, auch Broyes genannt) auf blauem Schild. Es geht vermutlich auf Gottfried IV. zurück, dessen älterer Halbbruder mütterlicherseits Hugo III. von Broyes war. In ihrem Wappen scheinen sich beide Familien auf ihre gemeinsame Herkunft besonnen zu haben.

In den Siegeln Johanns von Joinville ist erstmals eine Erweiterung des ursprünglichen Motivs festzustellen, und zwar in Form einer Löwendarstellung in einem silbernen Schildhaupt (franz.: chef) über den drei Rossbremsen (Bild 2). In einer von ihm angebrachten Inschrift am Grab seines Ahn Gottfried III. in der Abtei Clairvaux hat Johann den Hintergrund dazu erläutert. Demnach habe einst sein Onkel Gottfried V. Trouillard den Respekt des berühmten Kreuzritters Richard Löwenherz, wohl während des dritten Kreuzzugs, dank seiner Waffentaten gegen die Heiden erworben. Der englische König habe ihm darauf das Privileg zur Ergänzung des eigenen Wappens mit seinem Löwenmotiv gewährt. Johann wiederum habe den Wappenschild während seines Aufenthalts im Heiligen Land während des sechsten Kreuzzug am Grab des Onkels im Krak des Chevaliers geborgen und mit in die Heimat geführt, um ihn dort in der Kapelle Saint-Laurent auf Burg Joinville zu verwahren.<ref>Vgl. Wailly, S. 544–547.</ref> Dieses Wappen wird heute von der Commune Joinville geführt.

Stammliste[Bearbeiten]

Von Stephan von Vaux bis Simon von Joinville[Bearbeiten]

Vorlage:Stammbaumliste

Die Nachkommen Johanns von Joinville[Bearbeiten]

Vorlage:Stammbaumliste

Die Nachkommen Gottfrieds von Joinville / Geoffrey de Geneville[Bearbeiten]

Vorlage:Stammbaumliste

Literatur[Bearbeiten]

  • Natalis de Wailly: Jean sire de Joinville: Histoire de Saint Louis, Credo et lettre à Louis X. Paris, 1874.
  • Henri-François Delaborde: Jean de Joinville et les seigneurs de Joinville suivi d’un catalogue de leurs actes. Paris, 1894.

Anmerkungen[Bearbeiten]

<references />

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]