Josef Rissin
Josef Rissin (* 1944 in Riga) ist ein Geiger und Professor für Violine an der Hochschule für Musik Karlsruhe.
Leben[Bearbeiten]
Josef Rissin wuchs in Riga auf und erhielt seinen ersten Violinunterricht im Alter von fünf Jahren. 1953 wurde er in die „Zentrale Musikschule Emīla-Dārziņa“ am Konservatorium in Riga aufgenommen, eine Einrichtung für besonders begabte Kinder. 1959 wechselte er an die Zentrale Musikschule am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium in die Klasse von Professor Boris Belenkij, bei dem er auch 1962 sein Hochschulstudium am Tschaikowski-Konservatorium aufnahm und 1969 mit Konzertexamen abschloss. Bereits während seines Studiums wurde er Preisträger bedeutender Internationaler Violinwettbewerbe, 1967 beim Queen-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel und 1969 sowie 1974 beim Niccolo Paganini-Wettbewerb in Genua. Seine aktive Konzerttätigkeit, die er 1968 als Solist der Staatlichen Konzertorganisation in Moskau begann, führte ihn in die Musikzentren der ehemaligen Sowjetunion. Seit seiner Ausreise in den Westen 1974 lebt er in Deutschland und konzertiert weiterhin international solistisch in Recitals und Konzerten mit Orchestern, produziert Rundfunk-, Fernseh-, Schallplatten- und CD-Aufnahmen und wirkt bei Musikfestivals mit. Josef Rissin ist die Entdeckung der im Westen bis dahin wenig bekannten Avantgardistin Galina Ustwolskaja zuzuschreiben.<ref>Mit Herzblut: Russische Komponistin entdeckt. Frankfurter Rundschau, 2. Oktober 1989.</ref>
Lehrtätigkeit[Bearbeiten]
Seit 1976 leitet Josef Rissin eine Violinklasse an der Hochschule für Musik Karlsruhe / University of Music. 2002 wurde er an der Hochschule der Künste Zürich ebenfalls zum Professor für Violine berufen. Er gibt regelmäßig internationale Masterklassenkurse in Keshet Eilon sowie bei den Holland Music Sessions und wirkt als Jury-Mitglied bei nationalen und internationalen Violinwettbewerben mit. Aus seiner Schule gingen mehrere internationale Preisträger, Konzertsolisten, Orchestermusiker in führenden Positionen sowie Hochschulprofessoren hervor, etwa Albrecht Laurent Breuninger, Sergei Chatschatrjan, Farida Rustamova, Ilian Garnet, Elisso Gogibedaschwili, Koh Gabriel Kameda, Elin Kolev, Maria-Elisabeth Lott, Daniel Lozakovitj,<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.VC RISING STAR Daniel Lozakovitj, 13 – Postacchini and Menuhin Competition Prizes ( des Vorlage:IconExternal vom 6. April 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: The Violin Channel. Abgerufen am 18. März 2015.</ref> Andrea Cicalese und Linus Roth.
Formationen[Bearbeiten]
Bei seinen Recitals und Einspielungen wird er von der Pianistin und Hochschulprofessorin Olga Rissin-Morenova begleitet. Das Duo Josef und Olga Rissin ging aus der gemeinsamen Studienzeit in Moskau hervor. Im Bereich der Kammermusik ttritt er auch in anderen Formationen auf, so widmet er sich dem Triorepertoire zusammen mit den Solisten und Hochschulprofessoren Sontraud Speidel (Klavier) und Martin Ostertag (Violoncello), das regelmäßig Konzerte gibt und Einspielungen veröffentlicht.<ref>Josef Rissin (Violine), Martin Ostertag (Violoncello), Sontraud Speidel (Klavier): Johannes Brahms: Klaviertrio H-Dur op. 8, Arnold Schönberg: Verklärte Nacht (Transkription für Klavier, Violine und Violoncello von Eduard Steuermann). Aufgenommen im SDR Studio, Karlsruhe, April 1997, (30:07). Antes Edition, BM-CD 31.9127, stereo DDD, 1999.</ref>
Rezeption[Bearbeiten]
Joachim W. Hartnack charakterisiert Josef Rissin als einen Interpreten, „dessen Qualitäten ihn ohne Zweifel in die oberste Reihe der Spitzengeiger einordnen lassen“, und hebt ihn besonders wegen „seiner beispielhaften technischen Perfektion und seines profunden Künstlertums“ hervor.<ref>Hartnack, Joachim W: Große Geiger unserer Zeit. 4. Auflage. Zürich: Atlantis-Musikbuch-Verlag, 1993, ISBN 3-254-00171-0, S. 336.</ref> Sein Konzertrepertoire umfasst alle bedeutenden Werke der Violinliteratur vom Barock bis zur Moderne einschließlich der schwierigsten virtuosen Violinkompositionen. Bekannt sind seine zyklischen Konzertaufführungen von allen 6 Sonaten und Partiten für Violine solo von J.S. Bach (1979) sowie der gesamten Violinsonaten von L. v. Beethoven. Eine Vielzahl an Konzertkritiken bestätigt diese Einschätzung.<ref>Joachim Stiehr: Den „Teufelsgeiger“-Ruf voll bestätigt. In: Das Orchester. Schott, November 1997, S. 48.</ref><ref>Ingo Wackenhut: Geigerischer Teufelsbraten. In: Ludwigshafener Rundschau. 27. Januar 1989.</ref><ref>Gerd Döring: Ausgelassene, technisch brillante Geigen-Eskapaden. In: Main-Echo. 18. März 2000.</ref><ref>Grandioser Kammerspielabend: Ein Spiel ohne Grenzen. Riesenapplaus für das Duo Josef und Olga Rissin. In: Honnefer Volkszeitung. 20./21. April 1996.</ref><ref>Werner Brandt: Wie ein "Artist auf vier Saiten" - Reinstes Hörvergnügen mit dem Geiger Josef Rissin und der Pianistin Olga Rissin-Morenova. In: Binger Allgemeine Zeitung. 9. Juli 1998.</ref><ref>Weltklasse gezeigt. In: Binger Volksblatt. 9. Juli 1998.</ref><ref>Geiger von Weltformat beim Kammerkonzert in Dieburg. In: Main Echo. 25. Oktober 1990.</ref><ref>Geist und Virtuosität. In: Die Schallplatte, Süddeutsche Zeitung. Nr. 255, 4. November 1988, S. 73.</ref> „Ein phänomenal begabter Geigenkünstler“,<ref>Solist und Orchester begeistern. In: Solinger Morgenpost. Nr. 278 vom 1. Dezember 1983.</ref> „absolute Spitzenklasse“.<ref>Doppelkonzert war Höhepunkt: Kammerorchester und Solisten vom Publikum begeistert gefeiert. In: Papenburger General-Anzeiger. 2. April 1992.</ref> „Es ist nicht übertrieben, wenn man ihn zu den besten Geigern der Welt zählt.“<ref>Max Heinz Mannstaedt In: Grafschafter Nachrichten. 25. November 1983.</ref>
Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]
1989 erschien Josef Rissins Schallplatte mit Werken für Violine solo von Hindemith, Ysaÿe und Paganini,<ref>Bei: Sound-Star-Ton. SST 30187 - Cat. A.</ref> über die in der Fachpresse zu lesen war: „Diese Platte ist für jeden Violin-Fan ein Gewinn.“<ref>Walter Gieseler: Mit Spannung. In: Neue Musikzeitung. Dezember 1990 - Januar 1991.</ref><ref>Siehe auch: Plattentip: Eine Sternstunde für Freunde der Violine! In: gp magazin. März 1989, S. 36.</ref> Die Neuauflage auf CD fand das gleiche Medienecho: „Diese CD erscheint als ein absolutes ‚Muss’ für alle Violinisten. Das Risiko, dass die Aufnahme bei ihnen Minderwertigkeitskomplexe hervorrufen kann, muss man hinnehmen.“<ref>Solomon Volkov In: Luister. Luister BV, Eindhofen Niederlande August 1992.</ref>
1992 boten Josef Rissin und Olga Rissin-Morenova „große Musik in kleiner Besetzung“<ref>Christoph Scramek In: Das Orchester. April 1992.</ref> bei ihrer Einspielung von Schostakowitschs Sonate für Violine und Klavier op. 134 und der Sonate für Violine und Orchester von Galina Ustwolskaja.<ref>Sound-Star-Ton. SST 0211. Siehe auch: https://www.youtube.com/watch?v=9rd2vzZUCiQ.</ref>
2005 spielten Josef Rissin und Olga Rissin-Morenova die CD Fantasien in C ein,<ref>Bei: Organo phon. CD 90130, Podium WOW-020-2.</ref> die sich Werken von Schumann, Schubert und Milhaud widmet. Das Presseecho sprach von der „rundum geglückten Aufnahme … eines Ausnahmekalibers.“<ref>Ulrich Hartmann: Drei Kostbarkeiten. In: Badische Neuste Nachrichten, 7. Oktober 2005.</ref>
Neben diesen und weiteren Tonträgern finden Videomitschnitte zunehmend Verbreitung.<ref>N.Paganini - Concerto for Violin n*1 siehe auch: https://www.youtube.com/user/Orm1000 und https://www.youtube.com/watch?v=T59rPYWce4A&feature=youtu.be</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Joachim W. Hartnack: Große Geiger unserer Zeit. 4. Auflage. Atlantis-Musikbuch-Verlag, Zürich 1993, ISBN 3-254-00171-0.
Weblinks[Bearbeiten]
- Werke von und über Josef Rissin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Quellen[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rissin, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | europäischer Geiger und Pädagoge |
| GEBURTSDATUM | 1944 |
| GEBURTSORT | Riga |