Josef Wiessalla
Josef Wiessalla (* 15. Dezember 1898 in Beuthen, Provinz Schlesien; † März 1945 in Breslau, Provinz Niederschlesien) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. In der Zwischenkriegszeit galt er als eines der vielversprechendsten Talente in Oberschlesien.<ref>Horst Denkler: Werkruinen, Lebenstrümmer. Literarische Spuren der verlorenen Generation des Dritten Reiches. Niemeyer, Tübingen 2006, S. 165.</ref>
Leben[Bearbeiten]
Josef Wiessalla wurde als eines von acht Kindern eines Bahnwärters geboren.<ref name="Horst Denkler">Horst Denkler: Werkruinen, Lebenstrümmer. Literarische Spuren der verlorenen Generation des Dritten Reiches. Niemeyer, Tübingen 2006, S. 164.</ref> Trotz seiner Begabung konnte er infolge der Armut der Familie keine weiterführende Schule besuchen, so dass er sich nach der Volksschule als Hüttenarbeiter verdingte.<ref name="Arno Lubos">Arno Lubos: Ein Arbeiterdichter. Vor 60 Jahren starb Josef Wiessalla. In: Oberschlesien. ISSN 0343-5113. 55. Jg. (2005), Heft 8, S. 15.</ref>
Nach dem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg versuchte er sich in Oppeln in einer Vielzahl von Berufen und Tätigkeiten, unter anderem als Bergmann, als Maschinist, als Buchhalter und als Reporter. Zeitweise war er arbeitslos.<ref>Hans Ludwig Oeser: Unser neuer Roman „Die Empörer“. In: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Bd. 7 des Jg. 1935, S. 70–71, hier S. 70.</ref> Während der Aufstände in Oberschlesien von 1919 bis 1921 war Wiessalla „Grenzschutzkämpfer gegen aufständische Polen“, so seine Selbstauskunft.<ref name="Arno Lubos" /> Zugleich litt er darunter, dass die oberschlesische Kultur nach 1918 von beiden Seiten bedrängt wurde, durch Germanisierung oder durch Polonisierung. Er war zeitweilig Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; ob er auch der KPD angehörte, ist ungewiss.<ref name="Horst Denkler" />
1928 begann Wiessalla für die von Karl Schodrok herausgegebene Zeitschrift Der Oberschlesier zu schreiben; daraufhin entdeckte ihn der ebenfalls aus Beuthen stammende Max Tau für den Verlag von Bruno Cassirer.<ref name="Horst Denkler" /> Wiessallas Romane und Erzählungen stellen die „einfachen Leute“ Schlesiens in den Mittelpunkt, sie sind heimatverbunden und sozialkritisch. Das Schicksal der Bergleute, die im Januar 1932 bei einem schweren Grubenunglück im Steinkohlenbergwerk Karsten-Centrum in Beuthen verschüttet worden waren, und ihrer hinterbliebenen Familien ging ihm nach. Von ihnen handelt das Schauspiel Die Front unter Tage. Ein Bergwerksstück in drei Akten.<ref>Josef Wiessalla: Die Front unter Tage. Ein Bergwerksstück in drei Akten, als Bühnen-Manuskript 1934 vom Arcadia-Verlag in Berlin veröffentlicht.</ref> Als Hörspiel wurde es vom Deutschlandsender ausgestrahlt.<ref>Hans Ludwig Oeser: Unser neuer Roman „Die Empörer“. In: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Bd. 7 des Jg. 1935, S. 70–71, hier S. 71.</ref> Daraus entstand auch die lange Erzählung (deshalb zuweilen auch als Roman bezeichnet) Unter Tage (1937).
Mit seinen Romanen, Erzählungen und Dramen „schrieb er gegen den deutschen und polnischen Nationalismus an“.<ref>Horst Denkler: Werkruinen, Lebenstrümmer. Literarische Spuren der verlorenen Generation des Dritten Reiches. Niemeyer, Tübingen 2006, S. 163.</ref> Sein Roman Die Empörer erschien 1935 als Fortsetzungsroman in der damals viel gelesenen Reihe „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens“ der Union Deutsche Verlagsgesellschaft.
Im Zweiten Weltkrieg musste Wiessalla wiederum Kriegsdienst leisten. Seit der Schlacht um Breslau ist er verschollen; später wurde er für tot erklärt.
Nachleben[Bearbeiten]
Wiessallas deutschsprachiges Werk wird seit einigen Jahren in dem inzwischen polnischen Schlesien wiederentdeckt.<ref>Piotr Jelitto: Legenda o bitwie pod Jemielnicą (über die Erzählung Die Schlacht von Himmelwitz). In: Strzelec Opolski. 2014, Nr. 773 (22), abgerufen am 28. Juni 2014.</ref><ref>Eugeniusz Klin: Wiessalla Josef (1898–1945), pisarz-górnik. In: Jan Drabina (Hrsg.): Bytomski Słownik Biograficzny. Towarzystwo Miłośników Bytomia, Bytom 2004, ISBN 83-908018-6-8, S. 277.</ref><ref>Tomasz Nowak: Opowieść o bytomianinie, który napisał Śląski Potop (über Josef Wiessalla und die polnischsprachige Herausgabe von „Die Schlacht von Himmelwitz“). In: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Życie Bytomskie ( des Vorlage:IconExternal vom 4. Juli 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. 2017, Nr. 39 (3143), S. 12.</ref> Die Germanistin Nina Nowara-Matusik erforschte die Biographie und das Werk Josef Wiessallas und erschloss die zeitgeschichtlichen Hintergründe seiner Erzählung Unter Tage,<ref>Josef Wiessalla: Na dole. Opowiadanie bytomskie (in der Reihe Kairos – Humanistyka Środowiskowa). Übersetzt und herausgegeben von Nina Nowara-Matusik. Wydawnictwo Uniwersytetu Śląskiego, Katowice 2026, ISBN 978-83-226-4562-8.</ref> die sie ins Polnische übersetzte bzw. deren Dialoge aus der deutsch-schlesischen Mundart ins (polnische) Schlesische.<ref>Na dole. Opowiadanie bytomskie, abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
Werke[Bearbeiten]
Erzählungen:
- Unter Tage (1937)<ref>Die Erzählung wurde post mortem 1961 von Walter Schmähling herausgegeben, mit einem Nachwort.</ref>
- Gowin sucht das Genie (1938)
- Niemands Land (1942)
- Die Schlacht von Himmelwitz (1943)
Romane:
- Die Empörer (1935)
- Udyta (1939)
- Zwischen Tag und Traum (1941)
- Der Orpheusbecher (1942)
Theaterstücke:
- Volk auf Vorposten. Drama in fünf Aufzügen (1928)
- Krise: Arbeitslosentragödie (1929)
- Hochspannung. Komödie in sechs Bildern. Ua 8. März 1931, Theater am Nollendorfplatz, Berlin.
- Die Front unter Tage. Ein Bergwerksstück in drei Akten (1934). Ua 10. Februar 1935, Kammerspiele des Deutschen Theaters Berlin.
- Die Brunnenkomödie. Ein Spiel in drei Akten (1937)
Übersetzungen von Wiessalas Werken in andere Sprachen:
- Tschechisch: Buřiči (1941) – Die Empörer
- Norwegisch: Opprørerne på Gorek (1942) – Die Empörer
- Niederländisch: Niemands land (1943) – Niemands Land
- Polnisch: Bitwa pod Jemielnicą (2017) – Die Schlacht von Himmelwitz
- Polnisch: Na dole. Opowiadanie bytomskie (2026) – Unter Tage
Literatur[Bearbeiten]
- Horst Denkler: Werkruinen, Lebenstrümmer. Literarische Spuren der verlorenen Generation des Dritten Reiches. Niemeyer, Tübingen 2006 (dort vor allem S. 155–165).
- Olaf Haas: Max Tau und sein Kreis. Zur Ideologiegeschichte „oberschlesischer“ Literatur in der Weimarer Republik. Schöningh, Paderborn 1988, ISBN 3-506-78114-6 (darin S. 72–81 zu Josef Wiessalla).
- Eugeniusz Klin: Wiessalla Josef (1898–1945), pisarz-górnik. In: Jan Drabina (Hrsg.): Bytomski Słownik Biograficzny. Towarzystwo Miłośników Bytomia, Bytom 2004, ISBN 83-908018-6-8, S. 277.
- Arno Lubos: Die schlesische Dichtung im 20. Jahrhundert. Bergstadtverlag, München 1961.
- Arno Lubos: Geschichte der Literatur Schlesiens. Band 2, Bergstadtverlag, München 1967.
- Arno Lubos: Ein Arbeiterdichter. Vor 60 Jahren starb Josef Wiessalla. In: Oberschlesien. ISSN 0343-5113. 55. Jg. (2005), Heft 8, S. 15.
Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]
<references />
Weblinks[Bearbeiten]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wiessalla, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schriftsteller und Journalist |
| GEBURTSDATUM | 15. Dezember 1898 |
| GEBURTSORT | Beuthen, Provinz Schlesien |
| STERBEDATUM | März 1945 |
| STERBEORT | Breslau, Provinz Niederschlesien |