Julius von Rotenhan

Julius Hermann Ernst Freiherr von Rotenhan (* 16. August 1805 auf Schloss Rentweinsdorf; † 30. Mai 1882 auf Schloss Eyrichshof) war ein bayerischer Gutsherr sowie königlich bayerischer Regierungsbeamter und Politiker.
Herkunft[Bearbeiten]
Julius von Rotenhan war der Sohn des Gutsherrn Sigmund von Rotenhan (1761–1826) auf Rentweinsdorf und der Antoinette, geborene von Lenthe (1778–1806).<ref>Bernhard Peter: Schloß Eyrichshof bei Ebern. (Digitalisat)</ref> Rotenhan war Majoratsherr auf Eyrichshof bei Ebern, wo er auch auf seinem Schloss lebte, Gutsherr auf Ebelsbach und Rentweinsdorf sowie seit 1830 königlicher Kammerherr.<ref>Das Inland vom 13. August 1830, S. 914. (Digitalisat)</ref> Seine Schwester Hedwig (1796–1864) war mit dem preußischen General Karl von Grolman verheiratet.
Leben[Bearbeiten]
Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Erlangen, Berlin, Göttingen, Würzburg und München absolvierte er den üblichen Vorbereitungsdienst für die Beamtenlaufbahn.<ref>Olaf Karl Friedrich Koglin: Die Briefe Friedrich Julius Stahls. 1975, S. 493.</ref> Bis zum Sommer 1838 war er Regierungsassessor an der Kammer des Innern bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth,<ref>Süddeutsche Zeitung für innere Politik, Literatur, Kunst, Gewerbe und Landwirthschaft. Nr. 7 vom 11. September 1838 (Digitalisat)</ref> zuletzt als Leiter des Statistischen Büros.<ref>Adressen- und Handbuch für Oberfranken im Königreiche Bayern. 1838, S. 30 (Digitalisat)</ref>
Von Herbst 1838 bis 1841 war Rotenhan als Amtsnachfolger von Hans Carl Freiherr von Thüngen Landrichter in Bad Kissingen und zugleich Badkommissar des dortigen Staatsbades, für dessen infrastrukturellen Ausbau er sorgte. Unter anderem ließ er am verfallenen Kaskadental am Waldweg zum Forsthaus Klaushof und an der Burgruine Botenlauben Restaurants für wanderfreudige Kurgäste bauen.<ref>J. B. Niedergesees: Kissingen und seine Heilquellen, 1840, S. 51. (Digitalisat)</ref> 1840 ließ er eine „Molkenanstalt“ zum Trinken der „Kurmolke“ gründen.<ref>Franz Anton Balling: Die Heil-Quellen und Bäder zu Kissingen, 1842, S. 88. (Digitalisat). - Die „Bad Kissinger Kurmolke“ wurde noch bis zum Jahr 2011 produziert.</ref> Die in der Vergangenheit vernachlässigten Promenaden und Wanderwege ließ er wieder ausbauen.<ref>Heinrich Carl Welsch: Kissingen mit seinen Heilquellen und Bädern in mehreren Beziehungen dargestellt. 1839, S. 314 (Digitalisat)</ref> Als sein Nachfolger kam 1841 Philipp Freiherr von Zu Rhein nach Bad Kissingen.
Im Jahr 1841 wurde Rotenhan als Regierungsrat an die Kammer des Innern der Regierung von Mittelfranken in Ansbach versetzt.<ref>Fürther Tagblatt Nr. 99 vom 22. Juni 1841, Seite 603 (Digitalisat)</ref> Ab 1. Dezember 1847<ref>Donau-Zeitung. Nr. 334 vom 4. Dezember 1847 (Digitalisat)</ref> war er als Regierungsdirektor wieder in Bayreuth bei der Regierung von Oberfranken. Dort war er gleichzeitig im Vorstand des protestantischen Konsistoriums. Zum Jahresende 1857<ref>Bayreuther Zeitung. Nr. 13 vom 13. Januar 1858 (Digitalisat)</ref> schied er wegen politischer Differenzen auf eigenen Wunsch aus dem bayerischen Staatsdienst aus. Als früherer Burschenschafter, er wurde 1824 Mitglied der Alten Erlanger Burschenschaft, 1826 der Alten Göttinger Burschenschaft und 1827 der Burschenschaft Germania / Amicitia Würzburg,<ref>Friedrich Reuter: Die Erlanger Burschenschaft 1816-1833. 1896, S. 299.</ref><ref>Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 5: R–S. Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1256-9, S. 118.</ref> und Anhänger freiheitlicher Ideen der Deutschen Revolution 1848/1849 war er eher ein Verfechter eines ganzheitlichen Deutschland, weshalb Bayerns neuer König Maximilian II. und dessen Minister Rotenhan als „einen Gegner Bayerns“ ansahen.<ref>Dorothea Minkels: 1848 gezeichnet. Der Berliner Polizeipräsident Julius von Minutoli. DeMi-Verlag (Eigenverlag), Berlin 2003, ISBN 3-8334-0096-X, S. 225, (Digitalisat)</ref>
Am 14. Dezember 1858 wurde er in Haßfurt mit 171 Stimmen zum bayerischen Landtagsabgeordneten gewählt,<ref>Neue Münchener Zeitung vom 17. Dezember 1858, S. 1497. (Digitalisat)</ref> was er bis 1861 blieb. Am 6. März 1860 unterstützte er einen öffentlichen Aufruf im „Verein deutscher Adeligen zur Wiederherstellung der Ritterkapelle zu Haßfurt“.<ref>Würzburger Anzeiger Nr. 67 vom 7. März 1860. (Digitalisat)</ref>
Von 1869 bis 1880 war er Landratspräsident (heute: Bezirkstagspräsident) von Oberfranken.
Mitgliedschaften[Bearbeiten]
Er war (mindestens seit 1840) Mitglied im „Polytechnischen Verein für das Königreich Bayern“<ref>Kunst- und Gewerbe-Blatt, Band 26, Polytechnischer Verein für das Königreich Bayern, 1840, Spalte 26 (Digitalisat)</ref> und (um 1851) auch Mitglied im „Historischen Verein für Oberfranken“.<ref>Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken, Band 5, Hrsg. Historischer Verein für Oberfranken, 1851, S. 90. (Digitalisat)</ref>
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 1849: Ehrendoktor der Rechtswissenschaften durch die juristische Fakultät der Universität Erlangen
- Ritterkreuz (1852)<ref>Regierungsblatt für das Königreich Bayern, 1852, Spalte 43. (Digitalisat)</ref> und Komturkreuz (1858) des Verdienstordens vom Heiligen Michael<ref>Bayreuther Zeitung. Nr. 13 vom 13. Januar 1858 (Digitalisat)</ref>
- 1857: Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone<ref>Regierungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1857, Spalte 29. (Digitalisat)</ref>
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
- Darstellung der christlichen Religionslehre vom Standpunkte des Confirmanden-Unterrichts. Verlag Deichert, Erlangen 1861.
- Die staatliche und sociale Gestaltung Franken's von der Urzeit an bis jetzt. Verlag Th. Burger, Bayreuth 1863.
- Geschichte der Familie Rotenhan älterer Linie. 2 Bände, Verlag Thein, Würzburg 1865. Digitalisat
- Manuskript der Selbstbiographie Dr. Julius Frhr. von Rotenhan, Kämmerer und Regierungsdirektor a. D. zu Eyrichshof: Beendigt im Jahre 1878. Verlag Fahner, Lauf an der Pegnitz 1995.
Familie[Bearbeiten]
Er heiratete am 18. Januar 1833 in Lausanne Justine de Gentils de Langalerie (* 1. April 1809 in Lausanne; † 30. April 1867 in Bad Cannstatt).<ref>Justine de Gentils Marquise de Langalerie 1809–1867., In: Hermann Freih. von Rotenhan: Philippe de Gentils Marquis de Langalerie, französ. Generallieutnant, öster. General der Cavalerie, angeblich Kaiser von Madagaskar polnischer General der Cavalerie etc, 1661 bis 1717 und Geschichte der Familie Gentils de Langalerie. Verlag Hafner, München 1895, S. 78 f.</ref> Das Ehepaar hatte die drei Kinder Hermann (1836–1914), genannt Hermann IV., Oberst und Genealoge, Si(e)gmund (1837–1916), Pauline (1840–1916) und Ludwig (1850–1922), der zuletzt kgl. bayr. Generalleutnant war. Freiherr Julius von Rotenhan war von 1863 bis zu seinem Tod der Obmann seiner Familie (Familienältester). 1846–1847 hatte er das Familienschloss Eyrichshof restaurieren lassen und lebte dort bis zu seinem Tod. Sein älterer Bruder war Hermann Freiherr von Rotenhan, Präsident der Bayerischen Abgeordnetenkammer. Rotenhans Schwager war der preußische Polizeidirektor Julius Freiherr von Minutoli (1804–1860).<ref>Dorothea Minkels: 1848 gezeichnet. Der Berliner Polizeipräsident Julius von Minutoli. DeMi-Verlag (Eigenverlag), Berlin 2003, ISBN 3-8334-0096-X, S. 65. (Teil-Digitalisat)</ref> Wolfram Freiherr von Rotenhan ist sein Enkel.
Literatur[Bearbeiten]
- Otto-Karl Tröger: Rotenhan, Hermann Ernst. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de). (stichwortartige Kurzbiografie im genealogischen Teil am Anfang des Artikels)
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1959. Band III, Band 21 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1959, S. 413 f.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1894. Vierundvierzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1893, S. 758.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rotenhan, Julius von |
| ALTERNATIVNAMEN | Rotenhan, Julius Hermann Ernst Freiherr von |
| KURZBESCHREIBUNG | königlich bayerischer Regierungsbeamter und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 16. August 1805 |
| GEBURTSORT | Schloss Rentweinsdorf |
| STERBEDATUM | 30. Mai 1882 |
| STERBEORT | Schloss Eyrichshof |
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- Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer
- Beamter (Bayern)
- Badkommissar und Kurdirektor von Bad Kissingen
- Jurist in der Kommunalverwaltung
- Ritter II. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael
- Träger des Verdienstordens der Bayerischen Krone (Ritter)
- Burschenschafter (19. Jahrhundert)
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Rotenhan
- Freiherr (Rotenhan)
- Deutscher
- Geboren 1805
- Gestorben 1882
- Mann