Kaffer
Kaffer (Plural Kaffern) ist ein vom arabischen Kāfir („Ungläubiger“) abgeleiteter Name, den zuerst die Muslime zwei nichtmuslimischen Völkern beilegten, nämlich den Nuristani (Kafiren) in Zentralasien und den Xhosa im südlichen Afrika.<ref>Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon. Band 2. Leipzig 1838, S. 526 f.</ref>
Davon unabhängig steht die Bezeichnung Kaffer für „dummer Kerl“<ref name=Kluge25>Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., v. Elmar Seebold durchgesehene u. erw. Aufl. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 463.</ref>. Sie wurde im Rotwelschen (seit 1714 bezeugt) als Schimpfwort gebraucht und stammt aus jiddisch Kaf(f)er, „Bauer, Dörfler“, dieses wiederum ursprünglich aus dem Hebräischen kāfri „dörflich“.<ref name=Kluge25/> Aus dem Rotwelschen wanderte das Wort in die Mundarten und gegen 1831 in die deutsche Standardsprache.<ref name=Kluge21>Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Aufl., bearb. v. Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin 1960, S. 337.</ref><ref>Wolfgang Pfeifer (Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Deutscher Taschenbuchverlag: München 1995, S. 607.) diskutiert noch eine weitere Etymologie, nämlich die Ableitung von Kaffer aus Kaff, nach dessen getrennter Entwicklung aus romani gāw.</ref>
Während der Name Kaffer für die Nuristani bald obsolet wurde, verwandten ihn auch die Christen für südafrikanische Völker, zunächst nur für die Xhosa,<ref name=Ploetz>Der Große Ploetz. Begr. v. Carl Ploetz. 33., neubearb. Aufl. Lizenzausg. f. d. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt [ca. 1998], S. 1169.</ref> später auch für andere Bantu-Völker. Sie nannten sie cafre (portugiesisch und spanisch für „Barbar“).<ref name=Kluge21/> Bei den Sprechern wurden bald die Bedeutungen „dummer Kerl“ und „Barbar“ gleichgesetzt.<ref name=Kluge25/>
Weitere seltenere Bedeutungen von Kaffer nennt das Deutsche Wörterbuch.<ref>Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Lemma Kaffer; online http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GK00205#XGK00205</ref>
Weitere Begriffsverwendungen[Bearbeiten]
Namensgebungen wie Kaffernbüffel, Kaffernhornrabe, Kaffernlimette, Kaffernkriege,<ref name=Ploetz/> Britisch-Kaffraria, Kaffrarian Museum oder Kaffir Express (Zeitschriftentitel einer Missionsschule im 19. Jahrhundert) lassen erkennen, dass der Ausdruck anfangs weniger wertend gebraucht wurde. Im 20. Jahrhundert,<ref>Vgl. „Zulukaffer“ in: Kurt Tucholsky, Werke 1919, Eisner: http://www.zeno.org/Literatur/M/Tucholsky,+Kurt/Werke/1919/Eisner?hl=zulukaffer</ref> in der späten Kolonialphase und während der Apartheid wurde er dagegen als Schimpfwort verwendet und eine Assimilation an die indigene Bevölkerung als „Verkafferung“ bezeichnet.
Am 3. Juni 1976 stellte der Gerichtspräsident der Provinz Natal fest, dass die Verwendung dieses Begriffes beleidigend sei, und verurteilte einen Schwarzen zu einer Geldstrafe in Höhe von 150 Rand, weil dieser das Wort auf den damaligen Polizeiminister und einen Polizeibeamten bezogen hatte.<ref>SAIRR: Survey of Race Relations in South Africa 1976. South African Institute of Race Relations, Johannesburg 1977, S. 34.</ref> Heute ist der Gebrauch des Wortes in Südafrika als Hate Speech verboten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/WaybackSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden.</ref>
In Sri Lanka hingegen hat der abgeleitete Begriff Kaffir keine diskriminierende Bedeutung.<ref>Where kaffir is no Insult. telegraph.co.uk.</ref> Dort bezeichnet er eine von afrikanischen Sklaven der Portugiesen abstammende Ethnie. Ihr populärer Tanzmusikstil Kaffirinna ist eine in den 1970er Jahren entstandene Variante des afrikanisch-portugiesischen Baila.
Literatur[Bearbeiten]
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.
- Heinrich Schnee: Deutsches Koloniallexikon. 1920, S. 141f, s. v. „Kaffern“.
Weblinks[Bearbeiten]
- Kaffer, der. DWDS
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />