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Kameradschaft IV

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Gedenktafel gefallener (Waffen-SS)-Soldaten am Ulrichsberg, Österreich, aufgestellt 1984 von der Kameradschaft IV

Die Kameradschaft IV der Waffen-SS (K IV) ist ein österreichischer Soldaten- und Traditionsverband, der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft wird. Sie besteht aus ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS sowie deren Familienangehörigen und Freunden und gliedert sich in Ortsgruppen und Landesverbände.<ref>Kranz mit SS-Spruch: Zwei Männer angezeigt. In: ORF.at. 11. Dezember 2008, abgerufen am 24. November 2017.</ref> Die Bezeichnung Kameradschaft IV soll den Eindruck erwecken, dass die Waffen-SS eine vierte Waffengattung der Wehrmacht neben Heer, Luftwaffe und Marine und deswegen keine verbrecherische Organisation gewesen sei. Dieser Selbstdarstellung widerspricht die Verurteilung der SS im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Damals wurde die SS als verbrecherisch eingestuft, der Generalstab und das Oberkommando der Wehrmacht aber nicht.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorlage:Hinweisbaustein Noch in der Besatzungszeit wurde 1954 die Gründung der Kameradschaft behördlich genehmigt. Im Jahre 1992 leitete das Bundesministerium für Inneres unter Minister Franz Löschnak eine Überprüfung der Tätigkeit der Kameradschaft ein. Als Folge dieser Überprüfung wurde Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Verbotsgesetz gegen den Herausgeber der Vereinszeitschrift Die Kameradschaft erstattet und eine Auflösung der Kameradschaft vom Ausgang der anhängigen Gerichtsverfahren abhängig gemacht. Das Verfahren endete mit einem Freispruch des Herausgebers und das Vereinsauflösungsverfahren wurde ruhend gestellt. Das Innenministerium stellte fest, dass die Kameradschaft weiter beobachtet und das Vereinsauflösungsverfahren bei Auftauchen neuer Indizien wieder aufgenommen werde. Der Bundesverband der Kameradschaft IV beschloss im Oktober 1995 die freiwillige Selbstauflösung, um damit etwaigen vereinsrechtlichen Schritten zuvorzukommen.<ref>Kameradschaft IV beim Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, abgerufen am 7. Mai 2026.</ref> Landesverbände bestehen jedoch weiterhin, wenn auch die Mitgliederzahl wegen des Alters der Mitglieder mit jedem Jahr schwindet. 2005 wurde schließlich auch die von der Kameradschaft IV lange Jahre herausgegebene Zeitschrift „Die Kameradschaft“ eingestellt. Hauptinhalt dieser Publikation war die Darstellung der Waffen-SS als normale kämpfende Truppe und Militärnostalgie; daneben fanden sich auch geschichtsrevisionistische Artikel, die nicht allein die Geschichte der Waffen-SS betrafen. Ende Oktober 2008 löste sich der Landesverband der Kameradschaft IV in Salzburg wegen der sehr gering gewordenen Mitgliederzahl auf.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.ORF Salzburg: Umstrittene "Kameradschaft IV" aufgelöst (Memento vom 6. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref>

Die Hauptaufgaben der Kameradschaft IV sind die Pflege der Kameradschaft (Heimkehrertreffen), die Pflege und Erhaltung von Kriegsgräbern und Gedenkstätten sowie das Abhalten von Gedenkfeiern für die Gefallenen und Vermissten. Die Kameradschaft ist Mitglied der Ulrichsberggemeinschaft. Sie veranstaltet traditionell einen Tag vor dem Ulrichsbergtreffen in Kärnten einen Kameradschaftsabend in Krumpendorf unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der 1995 durch den Auftritt Jörg Haiders in die Schlagzeilen geriet.

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Kranzniederlegung des K IV Landesverbandes Steiermark – Südburgenland im Rahmen der Ulrichsbergfeier 2008

Bekannte (frühere) Mitglieder der Kameradschaft IV waren u. a. Sylvester Stadler, Erich Kern, Rudolf Heinz Fischer, Otto Kumm (Ehrenmitglied) und Friedrich Peter.<ref>Österreichischer Soldatenverband Kameradschaft IV (Hrsg.): Jugend, die nicht wählen durfte. Eine Dokumentation. Perchtoldsdorf, o. J. [ca. 1995], S. 132 und S. 265</ref>

Rechtsextremismus[Bearbeiten]

Die Kameradschaft IV arbeitete eng mit der deutschen HIAG, aber auch mit anderen rechtsextremen Organisationen zusammen.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes stuft die Kameradschaft IV als rechtsextreme, Waffen-SS glorifizierende und NS-Herrschaft verharmlosende Organisation ein.<ref>Kameradschaft IV (K IV). In: doew.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Januar 2016; abgerufen am 21. Januar 2016.</ref> Neben den Verbindungen zu anderen Traditionsvereinen und rechtsextremen Gruppen bestehen enge personelle und organisatorische Kontakte der Kameradschaft IV zur FPÖ. Mitglieder und Funktionäre dieser Partei bekleiden Funktionen in der Kameradschaft IV.<ref> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Archivlink (Memento des Vorlage:IconExternal vom 21. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.doew.at</ref> Unter anderem ist Gerhard Kurzmann, ehemaliger Obmann der FPÖ Steiermark und Landesrat, ein Mitglied der Kameradschaft IV.<ref>Mitglied bei "rechtsextremer Vereinigung". In: ORF.at. 8. Juli 2006, abgerufen am 24. November 2017.</ref>

Im Jahr 1979 plante der Landesverband Kärnten der Kameradschaft IV, sich geschlossen dem Österreichischen Kameradschaftsbund in Kärnten anzuschließen. Der damalige Präsident des ÖKB Kärnten, Anton Holzinger, äußerte sich ablehnend: „Bei den Mitgliedern der Waffen-SS handelt es sich um sogenannte politische Soldaten. Der Kärntner Kameradschaftsbund versteht sich als unpolitischer Verein zur Pflege österreichischen Soldatentums und daher passt die Waffen-SS überhaupt nicht zu uns.“<ref>N.N.: Alarm bei den Kärntner Militärs. In: Kärntner Echo - Unabhängige Wochenzeitung. 7. August 1979, S. 1 f.</ref>

Trotz einiger offizieller Landesvereinsauflösungen wurde im November 2008 in Rechnitz im Rahmen einer Gedenkfeier des Österreichischen Kameradschaftsbundes Burgenland ein Gedenkkranz mit der Aufschrift Österr. Soldatenverband / Kameradschaft IV / Bez. Gr. Südburgenland und dem abgewandelten Motto der SS Seine Ehre hieß Treue niedergelegt. Friedrich Scheubrein, Präsident des Österreichischen Kameradschaftsbunds Burgenland, distanzierte sich von der Kameradschaft IV und dem Kranz.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/burgenland.orf.atORF Burgenland: Wirbel um Kranz mit SS-Spruch (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2026. Suche im Internet Archive) (Aufschriften auf dem Foto erkennbar)</ref> Im Dezember 2008 wurden im Zusammenhang mit dem Text auf dem Kranz vom Amt für Verfassungsschutz zwei Männer ausgeforscht und nach dem Verbotsgesetz angezeigt.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/burgenland.orf.atORF Burgenland: Kranz mit SS-Spruch: Zwei Männer angezeigt (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2026. Suche im Internet Archive)</ref>

Im April 2011 distanzierte sich der Landesverband Steiermark des Österreichischen Kameradschaftsbundes ausdrücklich von der Kameradschaft IV und stellte fest: „Eine Organisation, die das Andenken an die SS hochhält, hat im Kameradschaftsbund nichts verloren.“<ref>Kleine Zeitung: Eklat beim Kameradschaftsbund. In: Kleine Zeitung. 23. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. August 2011; abgerufen am 15. Juni 2020.</ref> Auch der burgenländische ÖKB-Vorsitzende Scheubrein stellte im Jahr 2008 im Zusammenhang mit der oben erwähnten Kranzniederlegung klar, dass die Kameradschaft IV nicht Teil des Österreichischen Kameradschaftsbundes ist.<ref>Der Standard: Wirbel um Kranz mit SS-Spruch</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Österreichischer Soldatenverband Kameradschaft IV (Hrsg.): Jugend, die nicht wählen durfte. Eine Dokumentation. Perchtoldsdorf, o. J. [ca. 1995].
  • Norbert Rencher: Ulrichsberg-Dokumentation. Nr. 1, 1999.
  • Walter Fanta, Valentin Sima (Hrsg.): „Stehst mitten drin im Land“. Das europäische Kameradentreffen auf dem Kärntner Ulrichsberg von den Anfängen bis heute. Drava, Klagenfurt 2003, ISBN 3-85435-417-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />