Kanak (Volk)
Kanaken ist die von den besiedelnden Europäern eingeführte Sammelbezeichnung, jetzt auch Eigenbezeichnung, für die Angehörigen der melanesischen indigenen Volksgruppen in Neukaledonien. Sie machen etwa 41 % der heutigen Bevölkerung aus.<ref>Communautés isee.nc, 2020, abgerufen am 25. November 2022 (französisch)</ref>
Etymologie[Bearbeiten]
Das Wort kanaka geht auf das protopolynesische tangata<ref name="Haw">kanaka. In: Hawaiian Dictionaries.</ref> zurück und ist in verschiedenen Varianten bei polynesischen Ureinwohnern die Bezeichnung für „Mensch“ oder „Mann“.<ref name="Kol">Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 223</ref> So ist es im Hawaiischen als kanaka unter anderem für Mensch gebräuchlich.<ref name="Haw" />
Vor der europäischen Ankunft gab es keinen vereinten Staat in Neukaledonien und keine umfassende Selbstbezeichnung für die Einwohner. Seit der Zeit der Walfänger bürgerte sich Kanaka bei Europäern als Bezeichnung für Ureinwohner Ozeaniens ein.<ref name="Kol" />
In Frankreich, zu dem Neukaledonien als Überseegebiet gehört, bezeichnen sich aus Neukaledonien stammende Einwanderer ebenfalls als Kanak oder canaque und werden so bezeichnet.
Sprache[Bearbeiten]
Viele Kanaken pflegen in ihren Volksgruppen weiterhin ihre eigenen Sprachen und Gebräuche. Es werden noch etwa 28 gegenseitig unverständliche Kanak-Sprachen in den verschiedenen Volksgebieten benutzt.<ref>Language use and language attitudes in New Caledonia (PDF; 0,4 MB) University of Wollongong, 2018, S. 82 (englisch)</ref> Diese teilen sich dann nochmals in zahlreiche unterschiedliche Dialekte auf. Allein in der Gemeinde Voh werden von den acht ansässigen Stämmen acht verschiedene Kanakdialekte gesprochen. Die Jüngeren sprechen jedoch oft nur noch Französisch.<ref>À Voh, la lutte pour préserver le hmwaveke, langue de la tribu de Tieta la1ere.franceinfo.fr, 3. August 2025, abgerufen am 3. August 2025 (französisch)</ref>
Die Kanaksprachen des Nordens haben die Endkonsonanten erhalten und verfügen über sehr einfache Vokalsysteme, während die des Südens die Endkonsonanten verloren haben und komplexere Vokalsysteme aufweisen.<ref>Françoise Ozanne-Rivierre: Terminologie de parenté proto-océanienne : continuité et changement dans les langues kanak Éditions de la Maison des sciences de l’homme, S. 69–100 (französisch)</ref>
Kultur und Tradition[Bearbeiten]
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Vor Ankunft der Europäer benutzten sie aus mineralhaltigen Steinen geschliffene Werkzeuge wie das Nbouet.
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Eine Kanakin mit dem traditionellen Festessen Bougna
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Kanakinnen in von Missionaren eingeführten Kleidern
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Halskette, Flughund
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Männliche Statuetten
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Traditionelles Haus mit flèche faîtière (pfeil(artige) First(spitze)). Tjibaou cultural center, Nouméa
Völkerschau 1931[Bearbeiten]
Anfang 1931 wurde eine Gruppe von 111 Kanak im Vorfeld der Pariser Kolonialausstellung ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), die von Mai bis November 1931 im Bois de Vincennes im Südosten von Paris stattfand, nach Paris gebracht. Weil die Direktion der Pariser Kolonialausstellung 1931 kurzfristig beschlossen hatte, keine Völkerschauen auf dem Ausstellungsgelände im Bois de Vincennes zu dulden, wurden die Kanak ab Anfang April am anderen Ende der Stadt im Jardin d'Acclimatation zur Schau gestellt und als vermeintliche „Kannibalen“ beworben.
- Völkerschau der Kanak 1931
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Dorf der Kanak, Kolonialausstellung Paris
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Neukaledonischer Pavillon
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Zeitungsinserat vom 13. Mai 1931
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Porträt eines Kanak
Die Gruppe wurde Ende April aufgeteilt. 30 Kanak wurden nach Hamburg gebracht, um dort im Tierpark Hagenbeck aufzutreten, weitere 40 traten eine Tournee durch fünf weitere deutsche Städte (Straßburg, Leipzig, Köln, Frankfurt am Main und München) an. Einer der in Hamburg zur Schau gestellten Kanak war der Urgroßvater von Christian Karembeu.<ref>Christian Karembeu, Anne Pitoiset, Claudine Wéry: Christian Karembeu, Kanak. Don Quichotte éditions, Paris 2011, ISBN 978-2-35949-024-4, S. 109–119.</ref> Die übrigen etwa 40 verblieben in Paris. Die Kanak setzten sich gegen die Zurschaustellung zur Wehr und erwirkten die vorzeitige Rückkehr nach Neukaledonien am 11. November 1931.<ref>Joël Dauphiné: Canaques de la Nouvelle-Calédonie à Paris en 1931. De la case au zoo. L'Harmattan, Paris 1998, ISBN 2-7384-6384-3.</ref>
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
- Ataï († 1878), Stammesführer der Kanaken, führte Kanaken militärisch gegen franz. Kolonisten
- Jean-Marie Tjibaou (1936–1989), franz. Politiker, Unabhängigkeitsführer Neukaledoniens
- Déwé Gorodey (1949–2022), Politikerin und Schriftstellerin in Neukaledonien
- Louis Mapou (* 1958), Politiker in Neukaledonien
- Christian Karembeu (* 1970), franz. Fußballspieler
- Alcide Ponga (* 1975), Politiker in Neukaledonien
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />