Karl Habicht
Karl Habicht (* 15. April 1868 in Elberfeld<ref>Geburtsort nach Festschrift zum dreihundertjährigen Jubiläum des Königlichen Joachimsthalschen Gymnasiums am 24. August 1907. Berlin 1907, S. 11</ref>; † 17. Mai 1937 in Berlin)<ref name="Lennhoff">Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon. Sonderproduktion 1. Aufl., Herbig Verlag, München 2006, ISBN 978-3-7766-5036-5, S. 373.</ref> war ein deutscher evangelischer Pfarrer und einer der bekanntesten deutschen Freimaurer seiner Zeit. Während der Weimarer Republik wandte er sich gegen Bestrebungen in der deutschen Freimaurerei, sich mit dem aufkommenden Nationalsozialismus zu arrangieren.
Leben und Wirken[Bearbeiten]
Nach dem Schulbesuch am Joachimsthalschen Gymnasium studierte Habicht Evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen und Berlin. Nach seinem Examen war er zunächst Archidiaconus (2. Pfarrer) in Luckau, 1897 wurde er Pfarrer an der St.-Pauls-Kirche (Berlin) in Berlin-Mitte.<ref>Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. 1897, S. 388.</ref>
Theologe[Bearbeiten]
1920 nahm Karl Habicht eine Stelle als Pfarrer an in der St. Petrigemeinde in Berlin-Mitte an. Bereits 1921 war er daneben im Allgemeinen Evangelischen Missionsverein (heute Deutsche Ostasienmission) aktiv, dessen Präsident er 1932 wurde.<ref>Carsten Nicolaisen, Ruth Pabst: Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe – Ämter – Verbände – Personen. Bd. 1: Überregionale Einrichtungen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, ISBN 3-647-55784-6</ref> Im September 1933 mit Beginn des Kirchenkampfes, bei dem es zum Konflikt zwischen evangelischen Christen der Bekennenden Kirche und den nationalen Deutschen Christen kam, schloss er sich dem Pfarrernotbund um Pfarrer Martin Niemöller an. Aufgrund seines Eintretens für die Bekennende Kirche wurde Habicht durch die Deutsche Christen zur Pensionierung gedrängt und zum 1. Oktober 1934 emeritiert.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Manfred Gailus: Die traditionsreichen Kirchengemeinden von Berlin-Mitte in der Zeit des Nationalsozialismus ( des Vorlage:IconExternal vom 18. Oktober 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 4. Juni 2014.</ref>
Freimaurer[Bearbeiten]
Habicht wurde 1896 in die Freimaurerloge „Zu den drei Seraphim“, einer Tochterloge der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ (GNML „3WK“), in Berlin aufgenommen. Zuletzt war er deren stellvertretender Meister vom Stuhl. Als am 9. März 1912 wegen der stark steigenden Mitgliederzahlen gleich drei Logen neu gegründet wurden, übernahm Habicht die Leitung der Loge „Friedrich der Große“.<ref>Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“: Festschrift zum 225. jährigen Bestehen der Großen National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln". Gestiftet am 13. September 1740, Berlin 1965, S. 49, 113</ref> Er stand dieser bis 1929<ref>Alexander Geipel: JL Friedrich der Große/Prometheus Unsere Geschichte. JL Friedrich der Große/Prometheus, 4. Mai 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. August 2015; abgerufen am 20. Dezember 2015. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> als deren Meister vom Stuhl vor. Von 1920 bis 1933 war er Nationalgroßmeister der GNML „3WK“.<ref name="Lennhoff"/>
Unter seiner Leitung trat die GNML „3WK“ 1922 mit den übrigen beiden altpreußischen Großlogen aus dem Deutschen Großlogenbund aus, weil sie mit der pazifistischen, auf Versöhnung und internationale Kooperation ausgelegte Haltung des Deutschen Großlogenbundes nicht übereinstimmten.<ref>Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon. Sonderproduktion 1. Aufl., Herbig Verlag, München 2006, ISBN 978-3-7766-5036-5, S. 216.</ref> Damit war Habicht ein Vertreter der national gesinnten deutschen Freimaurer. Auch war er Mitunterzeichner der gemeinsamen Erklärung der drei altpreußischen Großlogen vom 16. Februar 1924. Darin wurde festgestellt, dass nur Christen in einer Freimaurerloge aufgenommen werden können und die Logen keine Beziehungen zu Logen der Siegermächte des Ersten Weltkrieges unterhalten dürfen. Eine Streichung des Wortes Freimaurer aus dem Namen der Großloge lehnte er ab.<ref> Royal York: „Am rauhen Stein“ Maurische Zeitschrift für die Grosse Landesloge, Berlin Jg. 1924, Heft 3 S. 33/34</ref> Gleichwohl war er einer der wenigen deutschen Freimaurer, die sich trotz seiner Zugehörigkeit zur eher preußisch-konservativen GNML „3WK“ dem aufkommenden Nationalsozialismus entgegenstellte. Habicht erkannte jedoch bald, dass er der überwiegend christlich-nationalen, stellenweise „völkischen“ Haltung der Freimaurer der GNML „3WK“ nicht mehr entgegentreten konnte. Am 10. März 1933 trat er als Nationalgroßmeister zurück. Zur Begründung gab er an, nicht mehr das Vertrauen der Mitgliedslogen zu genießen. Dies war sein Bruch mit der Freimaurerei.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Eric Howe: Freemasonry in Germany, Part II ( des Vorlage:IconExternal vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (englisch) abgerufen am 2. Juni 2014</ref> Die Änderung des Namens der GNML „3WK“ in Nationaler Christlicher Orden Friedrich der Große besorgte sein Amtsnachfolger Otto Bordes, ohne dass dies ein Verbot der Freimaurerlogen verhindern konnte.
Habicht gehörte zu den engen Vertrauten seines Logenbruders Gustav Stresemann, der nach späterer Darstellung seines Privatsekretärs Henry Bernhard von Habicht „beeindruckt“ war.<ref>Henry Bernhard: Gustav Stresemann. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Freimaurer, Krefeld 1948, S. 7. Siehe auch Reinhard Markner: Der Freimaurer Stresemann im Visier der Nationalsozialisten. In: Quatuor-Coronati-Jahrbuch 42 (2005), S. 67–75.</ref>
Habicht verstarb im Alter von 69 Jahren am 17. Mai 1937 in Berlin. Er liegt auf dem 1838 angelegten Friedhof der St.-Petri-Gemeinde begraben.<ref>Friedhof der St.-Petri-Gemeinde. Verwaltung Ev. Friedhöfe Friedrichshain / Prenzlauer Berg, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juni 2014; abgerufen am 7. Oktober 2014. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Ralf Melzer: Konflikt und Anpassung. Freimaurerei in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus, Braumüller Verlag, Wien 1999. ISBN 978-3-7003-1245-1
- Helmut Neuberger: Freimaurerei und Nationalsozialismus, Band 1. Bauhütten Verlag, Hamburg 1980, ISBN 978-3-8705-0152-5.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Habicht, Karl |
| ALTERNATIVNAMEN | Habicht, Andreas Friedrich Karl (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Freimaurer |
| GEBURTSDATUM | 15. April 1868 |
| GEBURTSORT | Elberfeld |
| STERBEDATUM | 17. Mai 1937 |
| STERBEORT | Berlin |
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