Katharina Roth
Anna Katharina Roth, geborene Sehnert (* 26. Juni 1882 in Schaafheim; † 3. Juni 1967 in Darmstadt) war eine deutsche kommunistische Politikerin.
Leben[Bearbeiten]
Katharina Roth wurde als Tochter des Maurers Nikolaus Sehnert und dessen Frau Anna Katharina, geb.Kreh, in Schaafheim geboren. Sie war eine gute Schülerin, aber ihre Eltern hatten nicht die finanziellen Mittel, um sie auf eine weiterführende Schule zu schicken. Mit 14 Jahren wurde sie Dienstmädchen, zuerst in Schaafheim, später in Frankfurt, wo sie ihren späteren Ehemann Jakob Roth kennenlernte. 1907 schloss sie sich der SPD an. 1908 wurden sie gemeinsam mit ihrem Ehemann wegen der Verbreitung von anarchistischen Schriften in Frankfurt angeklagt<ref>Anarchistenprozeß. In: Vorwärts. Berliner Volksblatt. Band 25, Nr. 89, 14. April 1908, S. 4 (=https://collections.fes.de/historische-presse/periodical/zoom/66804 [abgerufen am 11. Juli 2026]).</ref>. Katharina und Jakob Roth zogen nach der Geburt ihrer zwei Kinder nach Sprendlingen (Dreieich). Während des Ersten Weltkrieges trat Katharina Roth zur USPD über, wo sie zum "linken Flügel" gehörte, der sich 1920 mit der KPD zusammenschloss. Auch in der KPD gehörte Roth zum „linken Flügel“ um Ruth Fischer und Arkadi Maslow und war unter anderem in der frauenpolitischen Arbeit aktiv. Sie rückte 1922 für den ausgeschiedenen Abgeordneten Aloys Rink in den Landtag des Volksstaates Hessen nach. 1924 zog sie als Spitzenkandidatin der KPD in den Wahlkampf und verteidigte ihr Landtagsmandat. Nach der Absetzung der Parteiführung um Fischer und Maslow im Herbst 1925 gehörte sie zur linken Opposition gegen die neue Parteiführung um Ernst Thälmann und wurde im Mai 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Sie nahm ihr Landtagsmandat bis zur Auflösung der Legislative im November 1927 als fraktionslose Abgeordnete wahr. Im Frühjahr 1928 gehörte sie zusammen mit ihrem Ehemann Jakob Roth zu den Gründungsmitgliedern des Leninbund. 1933 wurden Katharina und Jakob Roth verhaftet und wegen der Verbreitung von Flugblättern jeweils zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt<ref>Strafprozessakte, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: HStAD, G 27 Darmstadt, 216</ref>. Auch der Sohn wurde verhaftet und im KZ Osthofen interniert. 1938 zogen Katharina und Jakob Roth nach Langen (Hessen) zur Familie ihrer Tochter. Im August 1944 wurde Katharina Roth im Rahmen der Aktion Gitter erneut verhaftet. Ab 1945 engagierte sich Katharina Roth in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN).
Literatur[Bearbeiten]
- Antifaschistisches Aktionsbündnis (Hrsg.): Langen – wie es kaum noch jemand kennt und manche nicht mehr kennen wollen. antifaschistischer Stadtführer (komplett überarbeitete Neuauflage), Langen, Mai 1997 (Seite 60f.)
- Marcel Bois: Kommunisten gegen Hitler und Stalin. Die linke Opposition der KPD in der Weimarer Republik. Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1282-3 (Seite 27, 220, 235, 274, 426).
- Ingrid Langer: Zwölf vergessene Frauen. Die weiblichen Abgeordneten im Parlament des Volksstaates Hessen, ihre politische Arbeit – ihr Alltag – ihr Leben. dipa, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-7638-0451-X, S. 449–502.
- Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 315–316.
- Adolf Mirkes/Karl Schild: Zeugnisse: Offenbach 1933-1945. Verfolgung und Widerstand in Stadt und Landkreis Offenbach. Köln, Röderberg im Pahl-Rügenstein-Verlag, 1988. (ISBN 3-87682-842-2)
- Klaus-Dieter Rack, Bernd Vielsmeier: Hessische Abgeordnete 1820–1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820–1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919–1933 (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 19 = Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission. NF Bd. 29). Hessische Historische Kommission, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-88443-052-1, Nr. 728.
- Hans-Georg Ruppel und Birgit Groß: Hessische Abgeordnete 1820-1933. Darmstadt 1980, ISBN 3-92-2316-14X, S. 221.
- Kurzbiographie in: Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik. Band 2. Frankfurt/Main 1969, S. 264.
Weblinks[Bearbeiten]
- Roth, Katharina. In: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Dietz, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.
- Roth, Anna Katharina. Hessische Biografie. (Stand: 13. Juni 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Vorlage:Parlamente in Hessen
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Roth, Katharina |
| ALTERNATIVNAMEN | Roth, Anna Katharina (vollständiger Name); Sehnert, Anna Katharina (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche kommunistische Politikerin |
| GEBURTSDATUM | 26. Juni 1882 |
| GEBURTSORT | Schaafheim |
| STERBEDATUM | 3. Juni 1967 |
| STERBEORT | Darmstadt |