Kauliflorie
Als Kauliflorie (auch Cauliflorie) wird die Stammblütigkeit und -früchtigkeit von Pflanzen bezeichnet. Die Bezeichnung stammt aus dem griechischen καυλός für „Stängel, Schaft, Stamm“ und vom lateinischen flos, floris für „Blume, Blüte“.
Die Blüten oder Blütenstände entstehen an verholzten Pflanzenteilen. Dies ermöglicht auch schwereren Tieren, etwa kleinen Säugern, die Bestäubung, und auch für Vögel oder Fledermäuse sind die Blüten besser erreichbar.<ref name="Pendrigh">Dean Pendrigh (2008): Cauliflory and ramiflory in New Zealand plants. Canterbury Botanical Society Journal 41: 34–42.</ref> Die danach entstehenden Früchte befinden sich oft direkt am verholzten Stamm oder an dicken Ästen, um die teils schweren Früchte besser zu halten, dabei kann es sein, dass die Früchte längere Stiele haben. Kauliflore Pflanzen gibt es fast nur bei tropischen Pflanzenfamilien. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass Blüten unterhalb des, sehr hoch emporgehobenen, Kronendachs des tropischen Regenwalds für einige Bestäuber leichter erreichbar sein könnten.<ref name="Pendrigh" /> Ausnahme in der mitteleuropäischen Flora ist der Seidelbast, der ein Relikt aus wärmeren Zeiten in der mitteleuropäischen Flora ist.
Knospen von Blüten entstehen normalerweise immer in Blattachseln („achselständig“). Dies ist soweit bekannt bei kaulifloren Arten genauso. Hier werden dann entweder dormante („schlafende“) Knospen ausgebildet, die erst lange Zeit später, wenn die Pflanze schon weitergewachsen ist, Blütenstände oder Blüten ausbilden, oder das hier gebildete Meristem der Knospenanlage bleibt länger erhalten und bildet später eine neue Knospe aus. Beiden Fällen gemeinsam ist, dass die Blüte aus tieferen Schichten des Pflanzengewebes hervorgeht und zunächst das darüber gebildete Gewebe durchstoßen muss.<ref>Peter K. Endress (2010): Disentangling confusions in inflorescence morphology: Patterns and diversity of reproductive shoot ramification in angiosperms. Journal of Systematics and Evolution 48 (4): 225–239. doi:10.1111/j.1759-6831.2010.00087.x</ref>
Ramiflorie[Bearbeiten]
Bei der Ramiflorie („Astblütigkeit“, von lateinisch ramus: Ast) werden die Blüten oder Blütenstände nicht am Stamm, sondern an älteren (verholzten) Ästen gebildet. Sie stehen also immer unterhalb der Blätter.<ref> Henk Beentje: The Kew Plant Glossary, an illustrated dictionary of plant terms. Royal Botanic Gardens, Kew 2010. ISBN 978-1-84246-422-9. S. 98.</ref> Ramiflorie ist also von Kauliflorie nicht prinzipiell verschieden und wird oft als ein Spezialfall davon aufgefasst,<ref>Michael Hickey, Clive King: The Cambridge Illustrated Glossary of Botanical Terms. Cambridge University Press 2000. ISBN 0 521 79080 8. S. 35.</ref> als eine Variante desselben betrachtet,<ref name="Pendrigh" /> oder gar nicht davon unterschieden.<ref>Joachim W. Kadereit, Christian Körner, Peter Nick, Uwe Sonnewald: Strasburger – Lehrbuch der Pflanzenwissenschaften. Springer Spektrum, 38. Auflage. Berlin/Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-61942-1, Kapitel 3.2.5.4: Metatopie, Cauliflorie, Brutknospen, Adventivsprosse, S. 161.</ref>
Beispiele[Bearbeiten]
- Brotfruchtbaum (Artocarpus altitis)
- Jackfrucht (Artocarpus heterophyllus)
- Papaya (Carica papaya)
- Australische Kastanie (Castanospermum australe)
- Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua)
- Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)
- Kalebassenbaum (Crescentia cujete)
- Froschfrucht (Cynometra cauliflora)
- Echter Seidelbast (Daphne mezereum)
- einige Feigen-Arten (Ficus)
- Herrania-Arten
- Jaboticaba, Baumstammkirsche (Myrciaria cauliflora)
- Guajilote (Parmentiera edulis)
- Plinia-Arten
- Wasserapfel (Syzygium malaccense)
- Kakao (Theobroma cacao)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Literatur[Bearbeiten]
- Joachim W. Kadereit, Christian Körner, Peter Nick, Uwe Sonnewald: Strasburger – Lehrbuch der Pflanzenwissenschaften. Springer Spektrum, 38. Auflage. Berlin/Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-61942-1, Kapitel 3.2.5.4: Metatopie, Cauliflorie, Brutknospen, Adventivsprosse, S. 161.