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Klassische Musik

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Der Begriff der klassischen Musik hat im deutschen Sprachraum je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen: Im musikwissenschaftlich engeren Sinn wird unter „klassischer Musik“ die europäische Kunstmusik der als „Klassik“ bezeichneten musikgeschichtlichen Epoche von etwa 1730 bis 1830 verstanden.<ref>Ulrich Michels: dtv-Atlas Musik. 1. Auflage. dtv, München 2001, ISBN 978-3-7618-2120-6, S. 333 ff. (6. Auflage 2012, ISBN 978-3-423-08599-1)</ref> Im umgangssprachlichen Sinn wird die Bezeichnungen epochenübergreifend für die gesamte Tradition der europäischen Kunstmusik, oftmals aber auch für im Stil klassischer Werke komponierte neuere Unterhaltungsmusik („populäre Klassik“) verwendet. Als „klassisch“ werden auch außereuropäische (z. B. Klassische indische Musik) oder populäre Musiktraditionen mit einem historisch bereits etablierten Repertoirekanon (z. B. „klassischer Jazz“) bezeichnet.

Merkmale[Bearbeiten]

Für die westliche klassische Musikausübung typisch ist die Trennung der Rollen vom Komponisten, dem ein besonderes Maß an Inspiration zugeschrieben wird, dem vergleichsweise handwerklichen Aufführenden und dem gesitteten Zuhörer. Die musikalischen Produkte sind dabei vorrangig von Komponisten notierte Werke, die Grundlage einer in Epochen und Gattungen gegliederten Musikgeschichte sind.<ref>Jonathan Chenoweth: An Outsider's Guide to Classical Music: Teaching the Western Canon as "Other". In: College Music Symposium, 49/50 (2009/2010), S. 129–139, hier 132.</ref>

Angesichts der großen Bandbreite an Stilen in der europäischen klassischen Musik, vom mittelalterlichen, von Mönchen gesungenen Gregorianischen Choral über klassische und romantische Symphonien für Orchester aus dem 18. und 19. Jahrhundert bis hin zu avantgardistischen atonalen Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert, ist es schwierig, Merkmale aufzulisten, die jeder Musik dieser Art zugeschrieben werden können. Die europäische Kunstmusik unterscheidet sich weitgehend von vielen anderen außereuropäischen klassischen und einigen populären Musikformen durch ihr Notensystem, das etwa seit dem 11. Jahrhundert verwendet wird.<ref>musical notation | Description, Systems, & Note Symbols. Abgerufen am 24. Februar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Neume, Staff: Harvard Dictionary of Music (2nd edition, 1972).</ref> Katholische Mönche entwickelten die ersten Formen moderner europäischer Musiknotation, um die Liturgie in der gesamten Kirche zu vereinheitlichen. Ein universelles Merkmal der seit dem späten 13. Jahrhundert entstandenen klassischen Musik<ref>Michael Kennedy: The Oxford Dictionary of Music. 2006, 985 pages, ISBN 0-19-861459-4, S. 178.</ref> ist die unveränderliche Anwendung eines standardisierten Systems präziser Mensuralnotation für alle Kompositionen und ihre genaue Aufführung,<ref>Willi Apel: The notation of polyphonic music, 900–1600. Mediaeval Academy of America. Cambridge, Massachusetts, abgerufen am 20. Mai 2019.</ref> auf die allerdings seit dem 20. Jahrhundert mitunter wieder verzichtet wird. Die europäische Kunstmusik entwickelte ab dem 12. Jahrhundert die Polyphonie, in der mehrere Stimmen zugleich erklingen, dabei aber eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Für außereuropäische Musik wird diese Bezeichnung von Musikethnologen oft vermieden.<ref>Peter Cooke: Polyphony, II. Non-Western, 1. General. In: Grove music online, aufgerufen am 30. August 2023.</ref> „Klassische Musik“ wird somit auch als Synonym für „mehrstimmige Kunstmusik, wie sie vor 1000 Jahren im Mittelalter entstanden ist“, verwendet.<ref>Bernd Asmus, Claus-Steffen Mahnkopf, Johannes Menke: Schlüsselwerke der Musik. Reclam, Ditzingen 2020, ISBN 978-3-15-014025-3, S. 557.</ref>

Im Gegensatz zu den meisten populären Stilen, die die (strophische) Form des Liedes oder eine Ableitung dieser Form annahmen, entwickelte die klassische Musik eigenständige Formen der Instrumentalmusik wie Symphonie, Konzert, Fuge, Sonate und gemischte vokal-instrumentale Stile wie Oper, Kantate und Messe.<ref>Julian Johnson: Who Needs Classical Music?: Cultural Choice and Musical Value. Oxford University Press, 2002.</ref> Die ersten Sinfonien entstanden während der Epoche der eigentlichen Klassik ab Mitte des 18. Jahrhunderts; das Sinfonie-Ensemble und die Kompositionen wurden zu ihren herausragenden Merkmalen.<ref>Laurence Elliot Libin: Symphony, music. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 20. Mai 2019.</ref>

Der Begriff „klassische Musik“ tauchte erst Anfang des 19. Jahrhunderts auf, um die Zeit von Johann Sebastian Bach bis Ludwig van Beethoven eindeutig als goldenes Zeitalter zu kanonisieren.<ref>Rushton, Julian, Classical Music, (London, 1994), 10</ref> Der früheste Hinweis auf „klassische Musik“, der vom Oxford English Dictionary aufgenommen wurde, stammt von etwa 1829.<ref>Michael Kennedy: The Oxford Dictionary of Music. 2006, 985 pages, ISBN 0-19-861459-4.</ref><ref>The Oxford English Dictionary (2007). „classical, a.“ The OED Online. Abgerufen am 10. Mai 2007.1829 V. Novello Diary 26 July in V. Novello & M. Novello Mozart Pilgrimage (1955) 181 This is the place I should come to every Sunday when I wished to hear classical music correctly and judiciously performed.</ref>

Für klassische Musik wird in der Regel angenommen, dass sie einer gebildeten sozialen Gruppe angehört.<ref>Juan Wang: Classical Music: a Norm of "Common" Culture Embedded in Cultural Consumption and Cultural Diversity. In: International Review of the Aesthetics and Sociology of Music, 47/2 (Dezember 2016), S. 195–205, hier 197.</ref>

Instrumente und Gesang[Bearbeiten]

Die Instrumente, die in den meisten Werken der klassischen Musik verwendet werden, wurden weitgehend vor der Mitte des 19. Jahrhunderts, oft schon viel früher, erfunden und im 18. und 19. Jahrhundert systematisiert. Sie bestehen aus den Instrumenten eines Sinfonieorchesters sowie anderen Soloinstrumenten (wie Klavier, Cembalo oder Orgel). Zum Sinfonieorchester gehören Mitglieder der Familien der Streichinstrumente, Holz- und Blechblasinstrumente sowie der Schlaginstrumente. Aus einzelnen Instrumentengruppen oder Instrumenten können kleinere Klangkörper wie ein Kammerorchester, ein Harmonieorchester oder ein Ensemble gebildet werden. Vor allem in der Alten Musik kommen jedoch auch nicht-sinfonische Einzelinstrumente, wie z. B. Theorben oder Gamben, zum Einsatz.

Die Praktiken des Gesangs änderten sich im Laufe der Zeit vom einzeiligen, monophonen Gregorianischen Gesang der Mönche im Mittelalter bis hin zu den komplexen, polyphonen Chorwerken der Renaissance und späterer Epochen, in denen mehrere selbständige Gesangsmelodien gleichzeitig verwendet wurden.

Weitere Bedeutungen[Bearbeiten]

Auch bei nicht-westlichen (präziser aus westlicher Sicht: bei von außerhalb der eigenen Kultur stammenden<ref>Bruno Nettl: The Study of Ethnomusicology. Twenty-nine Issues and Concepts. University of Illinois Press, Urbana und Chicago 1983, ISBN 0-252-01039-6, S. 304 und 350.</ref>) Musikkulturen spricht man von klassischer Musik, um ältere Traditionen von der modernen Popularmusik abzugrenzen, zum Beispiel klassische arabische Musik, klassische türkische Musik, klassische indische Musik oder klassische chinesische Musik.

Mit klassisch kann im Unterschied zur elektronisch verstärkten Popmusik auch das klassische Instrumentarium gemeint sein. In diesem Fall werden auch populäre Formen wie Tanzmusik, Blasmusik, Sinfonik in der Filmmusik oder die gehobene Unterhaltungsmusik zur klassischen Musik gerechnet.

Auch andere, etwa populäre, Musikstile werden als klassisch bezeichnet, wenn sie sich an den Ursprüngen einer bestimmten Musiktradition orientieren (z. B. klassischer Rock ’n’ Roll, klassischer New-Orleans-Jazz).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Portal: Klassische Musik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Klassische Musik
Wiktionary: klassische Musik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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