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Kloster Denkendorf

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Datei:Kloster Denkendorf 2010.JPG
Kloster Denkendorf (Südostansicht)

Das Kloster Denkendorf war ein dem heiligen Pelagius geweihtes Stift des Ordens der Chorherren vom Heiligen Grab in Denkendorf im Landkreis Esslingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Datei:KlosterDenkendorf-pjt1.jpg
Kircheninneres

Das Kloster Denkendorf geht zurück auf ein Stift der Chorherren vom Heiligen Grab. Dieses wurde von einem urkundlich bezeugten Bertholdus nach 1128 mit der Pelagiuskirche gestiftet. Am 22. April 1142 übertrug dieser Stifter den Chorherren das Gut nach seinem Tod endgültig. Um 1130 stellte Papst Honorius II. die Propstei unter päpstlichen Schutz und sicherte ihr die freie Wahl des Propstes zu. König Konrad III. gewährte dem Stift 1139 das Recht, einen eigenen Vogt zu wählen und stellte es unter den Schutz des Königs. Dieser Schutz wurde von weiteren Herrschern bestätigt, so 1181 durch Friedrich I., 1226 und 1228 durch Friedrich II., 1291 durch Rudolf I. und 1299 durch Albrecht.<ref>Kaspar Elm: St. Pelagius in Denkendorf, Die älteste deutsche Propstei des Kapitels vom Hlg. Grab in Geschichte und Geschichtsschreibung. Festschrift für Otto Herding zum 65. Geburtstag. In: Kaspar Elm, Eberhard Gönner, Eugen Hillenbrand (Hrsg.): Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B Forschungen. Band, Nr. 92. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1977, S. 80 ff.</ref>

Im Jahr 1252 verpfändete Wilhelm von Holland die Schirmherrschaft über Denkendorf an Graf Ulrich I. von Württemberg. In der Folge versuchten die Grafen von Württemberg, die Propstei zu einem Teil ihres Herrschaftsgebiets zu machen. Das Stift wehrte sich und versuchte, seine reichsunmittelbaren Privilegien wiederholt zu erneuern.

Im Jahr 1377 wurde das Stift im Krieg zwischen Württemberg und dem Schwäbischen Städtebund niedergebrannt. Dabei spielte besonders der Zwist zwischen dem Stift und der nahegelegenen Reichsstadt Esslingen am Neckar eine Rolle, da der Propst des Stifts, bevollmächtigt durch den Papst, ein Interdikt gegen die Esslinger Stadtkirche und Esslinger Geistliche verhängt hatte. Einige Jahre später glättete das Stift seine Beziehungen zu Esslingen und trat in das Esslinger Bürgerrecht ein. Für etwa 40 Jahre war das Stift danach eng an Esslingen gebunden. Diese Beziehung endete im Jahr 1424, als Denkendorf unter die Schirmherrschaft Württembergs kam.

Die Zeit der Chorherren vom Heiligen Grabe endete 1535, als Ambrosius Blarer im Auftrag des Herzogs Ulrich von Württemberg die Reformation einführte. Die (nun evangelische) Propstei mit den ihr unterstellten Pfarreien und weltlichen Gütern blieb weiterhin bestehen. Von 1599 bis 1804 war der Propst von Denkendorf zusammen mit den Äbten von Adelberg, Bebenhausen und Maulbronn einer der vier Generalsuperintendenten bzw. Prälaten der Württembergischen Landeskirche. Viele der Pröpste waren gleichzeitig Hofprediger in Stuttgart und hielten sich nur zeitweise in Denkendorf auf, wo ein ständiger Verwalter eingesetzt war. Im Jahr 1553 wurde in den Gebäuden des Stifts eine evangelische Klosterschule eröffnet,<ref>Reinhard Mauz: Die Klosterschulen in Denkendorf - Geschichte und Schüler der Klosterschulen; Koblenz 2022 - ISBN 978-3-86424-575-6</ref> die bis 1584 bestand. Im Jahr 1713 wurde eine solche Klosterschule erneut eingerichtet, welche unter dem Pietisten Johann Albrecht Bengel großes Ansehen gewann. Diese zweite Schule bestand bis 1810. Ein besonders namhafter Schüler war Friedrich Hölderlin. Zu den Lehrern zählte Johann Georg Hutten.

Nach Auflösung der Schule war das Kloster in Privatbesitz und diente unter anderem als Senfmanufaktur. Im Jahr 1907 wurde es erneut vom Land Württemberg gekauft und war bis 1920 Sitz einer Ausbildungsanstalt für Lehrer. Von 1921 bis 1934 beherbergte es ein Volkshochschulheim für Mädchen. Ab 1934 war es ein sogenanntes Frauenschullager sowie ein Kindergarten der NSDAP. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war das Kloster bis 1949 Auffangstätte für Vertriebene, und 1950 wurde hier ein Evangelisches Diakonieseminar eingerichtet. Im Jahr 1972 wurde es schließlich zu einer Fortbildungsstätte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.<ref>Andrea Denke: Stift der Chorherren vom Heiligen Grab in Denkendorf - Geschichte, auf kloester-bw.de</ref><ref>HavGK: Geschichte des Klosters Denkendorf</ref><ref>Gemeinde Denkendorf: Geschichte</ref> Die Fortbildungsstätte bestand bis zum 15. Dezember 2009. Ihre einzelnen Einrichtungen wurden in die Evangelische Akademie Bad Boll (Bereich "Gespräch zwischen Christen und Juden") beziehungsweise in das "Evangelische Bildungszentrum Haus Birkach" verlegt.<ref>Denkendorfer Erklärung 1980 | Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf - einst und jetzt, auf denkendorfer-kreis.de; aus der Zeit des Klosters Denkendorf als Fortbildungsstätte der Evangelischen Landeskirche kann die damalige Website noch über das Internetarchiv besucht werden (Stand 2007): Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Herzlich willkommen im Kloster Denkendorf | Fortbildungsstätte für Gemeinde und Diakonie und Pastoralkolleg Württemberg (Memento vom 6. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref> Auch das Pastoralkolleg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, das 1997 von Freudenstadt in das Kloster Denkendorf verlegt worden war, wechselte wiederum seinen Standort und ist seit 2009 in der Evangelischen Tagungsstätte Stift Urach untergebracht.<ref>Geschichte, auf pastoralkolleg-wue.de</ref>

Von 1207 bis zum Verkauf im Jahre 1585 war das Heilig-Grab-Kloster Speyer ein Filialkonvent von Denkendorf.

Materielles Erbe[Bearbeiten]

Erhalten ist ein als Patriarchenkreuz gestaltetes Reliquiar, bestehend aus einem Holzkern, der mit vergoldetem Silberblech überzogen ist. Der Jerusalempilger und vermutliche Klosterstifter Bertold II. von Hohenberg<ref>Hessische Biografie : Erweiterte Suche : LAGIS Hessen. Abgerufen am 14. Januar 2025.</ref><ref>Berthold. leo-bw.de, abgerufen am 21. Januar 2025.</ref>, Graf von Lindenfels, übergab es nach 1120 an das Chorherrenstift Denkendorf, wo es wegen der eingelegten Reliquien vom Kreuz und vom Grab Christi hohe Verehrung erfuhr. Nach der Auflösung des Denkendorfer Stifts gelangte das Kreuz 1598 in den Besitz Herzog Friedrichs I. (reg. 1593–1608). In der Kunstkammer, wo das Kreuz erst im 18. Jahrhundert nachweisbar ist, wurden nicht seine Herkunft aus dem Heiligen Land und sein Reliquieninhalt verzeichnet. Vielmehr waren die besondere Form des Doppelkreuzes und die Ausführung in Edelmetall mit Edelsteinbesatz Gegenstand der Wahrnehmung. Heute befindet es sich im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart (Inv. Nr. KK grün 131).<ref>Staurothek aus Kloster Denkendorf. In: Sammlung Online. Landesmuseum Württemberg, abgerufen am 13. April 2024.</ref>

Ebenfalls in den Sammlungen in Stuttgart wird eine Pluvialschließe (um 1470, Oberrhein) aufbewahrt, die nach der Auflösung des Stifts und der Konfiskation kirchlicher Schätze 1598 aus dem Chorherrenstift Denkendorf in den Besitz Herzog Friedrichs I. gelangte; ab 1686 wurde sie in der herzoglichen Kunstkammer ausgestellt.<ref>Pluvialschließe aus dem Denkendorfer Chorherrenstift. In: Sammlung Online. Landesmuseum Württemberg, abgerufen am 13. April 2024.</ref>

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Datei:Bengelstüble.JPG
„Bengelstüble“ in der ehemaligen Amtsstube

An den früheren Präzeptor, den Theologen und Schriftsteller Johann Albrecht Bengel, erinnert im Klostergebäude eine kleine literarische Gedenkstätte, das sogenannte Bengelstüble. Gezeigt werden Ausgaben von Bengels Werken, Porträtbilder und verschiedene persönliche Dokumente. Seit Aufgabe der Landeskirchlichen Fortbildungsstätte stehen die Vitrinen leer.

Im Kloster wurde der Kunstschriftsteller Fritz Alexander Kauffmann geboren. Seinem Vater gehörte die Firma Kauffmann, die den Denkendorfer Klostersenf herstellte. Sein Bildungsroman Leonhard – Chronik einer Kindheit (1947) erzählt von seiner Kindheit im Kloster Denkendorf.

2015 wurde auf dem Platz vor dem Westportal eine Stauferstele errichtet. Sie erinnert u. a. daran, dass König Konrad III. und Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Kloster 1139 bzw. 1181 unter ihren Schutz nahmen.<ref> Denkendorf auf stauferstelen.net. Abgerufen am 26. April 2015.</ref>

Jüngste Bauvorhaben[Bearbeiten]

Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass die Klostergebäude für eine Einrichtung der Altenpflege genutzt werden sollten.<ref>Annette Mohl: Kein Platz für Asylbewerber: Kloster Denkendorf wird Seniorenheim - Esslingen. In: stuttgarter-nachrichten.de. 22. Oktober 2013, abgerufen am 5. März 2024.</ref> Trotz Kritik aus der örtlichen Bevölkerung und Kirchengemeinde bezüglich der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts<ref>Annette Mohl: Kloster Denkendorf: Aus Kloster wird so bald kein Altenheim - Esslingen. In: stuttgarter-nachrichten.de. 4. November 2013, abgerufen am 5. März 2024.</ref> wurde im November 2014 die Auslobung eines Neubaus anberaumt. Im Februar 2015 entschied eine Jury über die Architekturvorschläge; den ersten Preis erhielt ein Architekturbüro aus Stuttgart.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Meldung vom 07.02.2015 | Preisgericht hat über Architektenentwürfe für ein Wohn- und Pflegestift im Kloster Denkendorf entschieden (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive), auf elk-wue.de</ref> Als Betreiber konnten „Die Zieglerschen e. V.“ gewonnen werden, die als Einrichtung der Diakonie bereits das Seniorenzentrum „Martin-Luther-Heim“ in Denkendorf führen. Ursprünglich waren aus wirtschaftlichen Gründen 60 Pflegezimmer geplant. Aus städtebaulichen und denkmalpflegerischen Gründen wurde das Raumprogramm auf 45 Zimmer reduziert. Insgesamt soll für das Bauvorhaben ein Kostenrahmen von 6,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Künftig betreutes Wohnen und Pflegeheim im Kloster Denkendorf | Jury entscheidet im Februar über Architekturvorschläge (Memento vom 30. Juni 2015 im Internet Archive), auf hohengehren-evangelisch.de</ref> Die Finanzierung für den Bau des Pflegeheims soll mit Krediten über eine GmbH abgewickelt werden, die 100%ige Tochter der evangelischen Landeskirche ist.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Förmliche Anfrage Nr. 02/15: zur weiteren Nutzung des Kloster Denkendorf | Beantwortung in der Sitzung der 15. Landessynode am 26. November 2014 (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) (PDF), auf elk-wue.de</ref> Im Juni 2015 meldeten sich Denkendorfer Bürger mit Kritik und 20 Fragen an die Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zu Wort, die sich zu großen Teilen auf die Umbaumaßnahmen des Klosters bezogen.<ref>Eine Geldversenkungsanlage der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, auf klosterdenkendorf.com</ref> Im September 2015 gab die Evangelische Landeskirche bekannt, dass Teile des Klosters vorübergehend für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden.<ref>Kloster Denkendorf nimmt 57 Flüchtlinge auf</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Hussendörfer: Die wiederhergestellte Farbfassung an der ehemaligen Klosterkirche Denkendorf. Mit einem Untersuchungsbericht von Horst Wengerter. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 6. Jahrgang 1977, Heft 4, S. 137–143 online.
  • Heinrich Werner: Kloster Denkendorf. Ein Gang durch seine Bauten und seine Geschichte. 6. Auflage 2012, Ev. Kirchengemeinde Denkendorf.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Kloster Denkendorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 48° 41′ 31,2″ N, 9° 18′ 54,7″ O

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