Kloster Hane
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Kloster Hane | ||||||
| colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Daten | ||||||
| Ort | Bolanden | |||||
| Bauherr | Werner I. von Bolanden | |||||
| Baustil | Romanik, Gotik | |||||
| Baujahr | Baubeginn um 1125 | |||||
| Koordinaten | 49° 38′ 38″ N, 8° 0′ 50,5″ O
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| * profanierte Klosterkirche und die Konventsgebäude überdauerten bis in die Gegenwart * Kirche dient mittlerweile als Konzert- und Festsaal | ||||||
Kloster Hane war ein zeitweise gemischt-geschlechtliches Stift von Regularkanonikern in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Bolanden im Donnersbergkreis. Die profanierte Klosterkirche inklusive Konvents- und Wirtschaftsgebäuden ist als Ensemble erhalten. Die Kirche dient heute als Konzert- und Festsaal, die restlichen Gebäudeteile befinden sich in Privatbesitz. Das angeschlossene kleine Parkgelände (ehemaliger Friedhof) ist zudem ein beliebter Veranstaltungsort.
Geschichte[Bearbeiten]
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Gründung[Bearbeiten]
Der Konvent wurde 1129 von Werner I. von Bolanden, Ahnherr des gleichnamigen Adelsgeschlechtes, als Hauskloster gegründet.<ref name=":0" details="S. 43–45">J. Keddigkeit et al. (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Band 2. Kaiserslautern 2014.</ref> Spitzenzeuge der Urkunde war Adalbert von Hachenfels, gefolgt von mehreren Mitglieder der Mainzer Ministerialenfamilie Meingote mit dem Namen Dudo. Ein Hachenfelser war auch Spitzenzeuge, als der Vater von Hildegard v. Bingen beim Klostereintritt seiner Tochter an den Disibodenberg stiftete.<ref>Mainzer Urkundenbuch 1, Nr. 558, S. 471 und Nr. 455; S. 362f</ref> 1128 ist Werner I. als Ministerialer im Gefolge von König Lothar III. von Supplinburg nachgewiesen, den er im Kampf gegen die Staufer unterstützte.<ref>Wolfgang Petke: Kanzlei, Kapelle und königliche Kurie unter Lothar III. (1125-1137). Böhlau, Köln 1985, S. 118–129 (insbesondere S. 120).</ref> Er saß auf der untergegangenen Burg Alt-Bolanden, einer Motte mit Wassergraben beim heutigen Bolanderhof. Das Kloster gründete er westlich davon am Hofwiesbach. Dazu berief er Augustiner-Chorherren aus dem strengen, auch Nichtadligen offenstehenden Reformkloster Springiersbach nach Bolanden.
Einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Adalbert I. aus dem Jahr 1129 zufolge schenkte Werner I. von Bolanden sein Hauskloster dem bischöflichen Stuhl von Mainz, unter dem Vorbehalt der erblichen Schutzvogtei für sich und seine Nachkommen. Dort heißt es:
„Wir Adalbert, von Gottes Gnaden Erzbischof der Mainzer Kirche und Vertreter des päpstlichen Stuhles machen der jetzigen und zukünftigen Generation feierlich bekannt, wie Werner von Bolanden es für gut und Gott wohlgefällig haltend, an einem einsamen, zur Gottesverehrung passenden Ort in unserem Bistum, in der Nähe des Donnersberges, zu Ehren der Hl. Maria die Zelle, die Bolanden heißt, erbaut hat, in welcher die der Welt entsagenden und nur Gott lebenden Geistlichen nach den von dem Hl. Augustinus festgesetzten Regeln leben.“
Errichtet wurde eine romanische Klosterkirche in Form einer dreischiffigen Basilika, von der Mauerreste und Fundamente erhalten sind. Bald lebten dort auch Augustinerinnen – ein Doppelkloster war entstanden. Die Kirche war der Mutter Gottes geweiht und hieß ursprünglich „St. Maria Bolanden“, wurde aber bald in „Hagene“ umbenannt (volkstümlich Hane). Der Name meint Hagen als geschützten Ort.
Weitere Entwicklung[Bearbeiten]
Sehr schnell übernahm der Konvent die Regel des Norbert von Xanten, zu dem Werner I. persönliche Beziehungen hatte – so wurde die Gemeinschaft Teil des Prämonstratenser Ordens. Dem 1134 verstorbenen Klostergründer Werner I. gedachte man in der Abtei Floreffe, der zweiten Gründung des hl. Norbert nach Premontre.<ref>Bruno Krings: Die Frauenklöster der Prämonstratenser in der Pfalz. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Nr. 35, 2009, S. 175.</ref>
Um 1160 übersiedelten die Schwestern in das Kloster Rothenkirchen nördlich von Kirchheimbolanden – Werner II. von Bolanden hatte mit dem Bau begonnen, weil Rom auf eine Trennung der Geschlechter drängte. Zwei Jahrzehnte später wurde getauscht, die Brüder zogen nach Rothenkirchen und die Nonnen kehrten endgültig nach Hane zurück.
1171 besuchte Hildegard von Bingen beide Konvente auf der vierten und letzten Predigtreise. Die bei dieser Gelegenheit ausgesprochenen mahnenden Worte an die Kirchenfürsten wurden in der Reformation gern zitiert. Sie sind in ihrer Briefsammlung (Brief an Werner von Kirchheim) überliefert.<ref>Hildegard von Bingen: "Nun höre und lerne damit du errötest...", Briefwechsel nach den älteren Handschriften übersetzt und nach den Quellen erläutert. Herder, 2008, S. 174–177.</ref> Werner III. von Bolanden wurde einige Jahre später bei Hildegard auf dem Rupertsberg getauft.
Durch Schenkungen wurde das Kloster wohlhabend und verzeichnete viele Eintritte aus dem Adel. Zu den Schenkern gehörten Adlige, wie die Herren von Hüneburg/Homburg, die Stauferkönige, sowie das Kloster Hornbach und viele Lehens- und Eigenleute der Bolander. Mitte des 13. Jahrhunderts war der Zulauf so groß, dass die Nonnenzahl auf 50 beschränkt werden musste. Zum Klosterbesitz gehörten damals zahlreiche große Höfe, u. a. der Weierhof, der Elbisheimerhof und Güter in Ilbesheim, Ebersheim, Zornheim, sowie Nackenheim.<ref>Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Band 35, 2009, S. 183; (Ausschnittscan)</ref> Ab etwa 1280 lebte in Hane die als Selige verehrte Mystikerin Christina von Hane, welche wahrscheinlich eine Schwester König Adolfs von Nassau war.<ref>Racha Kirakosian: Die Vita der Christina von Hane. Berlin 2017, S. 4–6.</ref> Rechts zu sehen ist die bildliche Darstellung der in Kloster Hane verehrten Heiligen. Sie stammt aus einem im Skriptorium hergestellten Stundenbuch aus der Zeit der Christina von Hane. Das Original – das mit Abstand älteste Exemplar seiner Gattung – befindet sich in der Vatikanischen Sammlung.<ref>Eberhard König, Gabriele Bartz: Das Stundenbuch, Perlen der Buchkunst. Belser, Stuttgart 1998, S. 34 f.</ref>
Südlich des Klosters standen damals schon längst die repräsentative Burg Neu-Bolanden und Häuser der sich entwickelnden Gemeinde Bolanden.
Ab 1487 baute man die romanische Basilika in eine verkleinerte gotische Kirche um, wie sie heute noch weitgehend erhalten ist. Von 1495 an bezeichneten sich die Haner Meisterinnen als Äbtissinnen. 1521 befanden sich nur noch acht Schwestern im Kloster. Im Bauernkrieg plünderte man den Konvent 1525. Unter der vorletzten Äbtissin Margarethe von Engelstadt blühte Hane um 1540 nochmals in bescheidenem Umfang auf, wenige Jahre später führte jedoch der Herzog von Pfalz-Simmern als Landesherr den lutherischen Glauben ein und hob um 1564 das Kloster auf (eine andere Quelle nennt das Jahr 1545).
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurden Kloster Hane, der Ort Bolanden, sowie die Burg Neu-Bolanden 1689 von den Franzosen zerstört. 1708 fiel das Gebiet an die Grafen von Nassau-Weilburg, Ende des 18. Jahrhunderts an Frankreich und 1815 an das Königreich Bayern. Die Klosteranlage diente als landwirtschaftliches Gut, die halb verfallene Klosterkirche als Scheune. 1821 kaufte der Speyerer Bürgermeister Georg Friedrich Hilgard (1784–1859) den Besitz. Er war der Großvater des amerikanischen Eisenbahnmagnaten Heinrich Hilgard. Nach seinem Tod erwarb die Familie Stauffer das Anwesen und es blieb bis heute in Privatbesitz. 1957 bis 1992 fanden, initiiert vom Heimatverein, umfangreiche Sanierungs- und Sicherungsarbeiten an der Klosterkirche statt.
Baubestand[Bearbeiten]
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Die romanisch Klosteranlage zeigte sowohl im Bereich der Kirche wie der Klausurflügel Anlehnungen an Kloster Hornbach.<ref name=":0" details="S. 63, 69, 317f" />
Die heutige Kirche weist noch bedeutende Reste der romanischen Basilika auf. Langhaus und Chor sind außen durch Strebepfeiler gegliedert, das innere Gewölbe fehlt und ist durch eine Flachdecke ersetzt, beide Gebäudeteile besitzen spätere Satteldächer in einer Firstlinie, das des Langhauses ist nach Westen hin gewalmt. Innen an den Wänden befinden sich Dienste und Rippenfänger, die ehemals das Deckengewölbe trugen.
Zwischen Chor und Langhaus sitzt ein spitzbogiger Chorbogen. Der Chor hat einen 3/8 Schluss, Schiff und Chor besitzen nach Norden und Osten große, gotische Spitzbogenfenster mit Maßwerk. Die Westseite der Kirche blieb lediglich in ihrem Mauerwerk original. Das heutige Eingangsportal ist eine komplette Neuschöpfung aus jüngster Zeit und dem Chorbogen im Inneren verkleinert nachempfunden. Vor der Renovierung befand sich hier ein Scheunentor. Die Nordwand der Kirche ist noch identisch mit der des Vorgängerbaues. In ihr befindet sich ein schön gearbeitetes, romanisches Seitenportal zum angrenzenden Friedhof hin.
Die Südmauer des Gotteshauses entspricht der früheren Trennwand zum südlichen Seitenschiff der romanischen Kirche. Deutlich zu sehen sind drei freigelegte, romanische Rundbogenarkaden, die einst die Verbindung vom Mittelschiff ins Seitenschiff darstellten. In der Kirche sind diverse Spolien von Grabplatten eingemauert, ebenso ist der Rest eines gotischen Taufsteins aufgestellt. Im Chor befinden sich als Teile der dortigen Wanddienste, rechts eine kielbogige Lavabonische und links ein Sakramentshaus. Innen ist der Chor durch stichbogige Wandnischen gegliedert. Die profanierte Kirche ist bestuhlt und dient als Konzert- beziehungsweise Festsaal.
Der Kirchturm befand sich südwestlich, wurde jedoch im 19. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgetragen. Auch die Sakristei auf der Südseite des Chores ist abgängig, der Eingang jedoch erhalten. Nördlich der Kirche schließt sich der Friedhof an, der wohl noch aus der Klosterzeit stammt. Später wurden auch Bewohner des Gehöftes hier begraben. Ein reich verzierter Barockgrabstein der Anna Margareta Kamb († 1734) steht an der äußeren Kirchenmauer, ebenso ein Sakramentshaus aus dem Kloster Münsterdreisen. Die anderen Grabsteine gehören dem 19. Jahrhundert an und stammen von den Besitzerfamilien Hilgard und Staufer.
Südöstlich der Kirche folgen in L-Form ehemalige, mittlerweile umgebaute Klostergebäude, wovon eines eine Schildgiebelwand mit dreiteiligem, gotischen Fenster aufweist. Nordwestlich der Kirche befindet sich eine weitere Hofanlage in Rechteckform (nach Süden hin offen). Trotz reichlicher Überformung stammt auch ihre Bausubstanz im Wesentlichen aus der Klosterzeit. Ein Gebäude besitzt einen gotischen Schildgiebel mit Profilstein.
Besonderheiten[Bearbeiten]
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Historische Fliesen:
In der Klosterkirche findet sich eine kleine Ausstellung von historischen Bodenfliesen aus dem 13. Jahrhundert, die in der Kirche und der Burg Neubolanden gefunden wurden. Deren Herstellung wird erläutert. Die Verwendung von Bodenfliesen war eine Neuerung. Die Funden gleicher Fliesen an verschiedenen Orten geben Auskunft über die Beziehungsnetzwerke von Klöstern und Familien.
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Klosterkirche von Süden, mit erkennbaren Arkadenbögen des romanischen Vorgängerbaues
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Chor der Kirche, von Nordosten
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Kirche, Nordseite, mit romanischem Nordeingang
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Kirche, romanischer Nordeingang
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Chor der Kirche, Innenaufnahme
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Taufsteinrest in der Kirche
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Sakramentshaus im Chor der Kirche
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Lavabonische im Chor der Kirche
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Grabplattenrest in der Kirche
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Spolien am Choraufgang in der Kirche.
Literatur[Bearbeiten]
- Bernhard Hermann Röttger, Karl Busch, Max Goering: Die Kunstdenkmäler der Pfalz, Heft 7, Band 6: Bezirkskarte Kirchheimbolanden (= Die Kunstdenkmäler von Bayern). Regierungsbezirk Pfalz, VII. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege. Bezirksamt Kirchheimbolanden, Oldenbourg Verlag, München, 1938, DNB 366496794, S. 195–203
- Landesamt für Denkmalpflege: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 15: Donnersbergkreis. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms, 1997, ISBN 3-88462-153-X, S. 274–277
- Karl Obry: 850 Jahre Reformbasilika Hane, Bolanden: 1129–1179. Hrsg. vom Bolander Heimatverein. Heimatverein, Bolanden, 1979, ²1982, DNB 890449333
- Franz Xaver Remling: Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im jetzigen Rheinbayern. Band 1, Neustadt an der Haardt, 1836, S. 151–164 (Digitalscan)
- Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des königlich bayerischen Rheinkreises, Band 1.F. C. Neidhard, Speyer 1837, S. 257–270 (Digitalscan)
- Gerald F. W. Müller: Secessit clarissimi viri ... primogenitus – Fragment einer Grabinschrift in der Klosterkirche Hane. In: Donnersberg-Jahrbuch 2015 – Jahrbuch für das Land um den Donnersberg Jahrgang 38. Kirchheimbolanden 2014, ISBN 978-3-926306-71-5, S. 86–89
- Pfälzisches Klosterlexikon; Hrsg. J. Keddigkeit et al. Band 2, Kaiserslautern 2014
- Bruno Krings: „Die Frauenklöster der Prämonstratenser in der Pfalz“, Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 35 (2009), S. 172–188
Weblinks[Bearbeiten]
- Bolanden – Kloster. Donnersberg-Touristik-Verband
- Aus der Geschichte von Bolanden. Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden, 9. Juni 2017
- Hartmut Geißler: Die Bolander und ihre Bedeutung für Ingelheim. Ingelheimer Geschichte, 25. Februar 2017
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Seiten mit TemplateStyles-Fehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Ehemaliges Kloster in Rheinland-Pfalz
- Kloster (12. Jahrhundert)
- Aufgelöst im 16. Jahrhundert
- Kirchengebäude im Donnersbergkreis
- Kulturdenkmal im Donnersbergkreis
- Romanische Kirche
- Baugruppe (Städtebau) der Romanik
- Gotisierte Kirche
- Bauwerk in Bolanden
- Ehemaliges Augustinerinnenkloster in Deutschland
- Klosterkirche in Deutschland
- Marienkloster
- Profaniertes Kirchengebäude in Rheinland-Pfalz
- Rekonstruiertes Bauwerk in Rheinland-Pfalz
- Veranstaltungsstätte in Rheinland-Pfalz
- Klosteranlage in Deutschland
- Baugruppe (Städtebau) in Rheinland-Pfalz
- Baugruppe (Städtebau) in Europa
- Geschichte (Donnersbergkreis)
- Organisation (Donnersbergkreis)
- Kirchengebäude in Europa
- Denkmalzone (Rheinland-Pfalz)