Kloster Helgoland
Das Kloster Helgoland war ein Haus der Franziskanerinnen von der Heiligen Familie. Es wurde zunächst als Mutterhaus gegründet, nachdem die Gemeinschaft 1921 aus Belgien ausgewiesen worden war.<ref>Rhein-Zeitung, Kreis Cochem-Zell, 1. Oktober 2010, S, 15.</ref> Nahe Mayen in der Eifel übernahmen die Schwestern die Ruinen des Restaurants „Helgoland“, das kurz vor dem Ersten Weltkrieg abgebrannt war.<ref group="Anm.">Über die Herkunft des Namens „Helgoland“ gehen die Meinungen auseinander. Am nächsten könnte die Annahme liegen, dass der Begriff im Volksmund entstand, weil das Anwesen der Stadt vorgelagert ist, ähnlich wie die Nordseeinsel Helgoland dem Festland. Eine andere Vermutung besagt, der Gastwirt, der aus der ehemaligen Mühle ein Ausflugslokal machte, habe im vorbeifließenden kleinen Fluss eine Insel angelegt und „Helgoland“ genannt. Wieder andere meinen, die Nordseeinsel sei so beliebt gewesen, dass viele Gaststätten nach ihr benannt wurden und so auch dieses Haus etwas außerhalb von Mayen.</ref> Ende 2010 wurde das Kloster Helgoland geschlossen, weil dem Orden der Nachwuchs fehlte und die jüngste der letzten Schwestern bereits 70 Jahre alt war.<ref name="rz 2010">Elvira Bell: Nonnen müssen Nettetal verlassen. In: Rhein-Zeitung, 29. September 2010, S. 22.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Nach der Ordensgründung im Jahr 1857 hatten die Franziskanerinnen von der Heiligen Familie ihr Mutterhaus zunächst in Eupen. Seit 1875 war es in Leuven, bis die Gemeinschaft im Jahr 1921 aus Belgien ausgewiesen wurde. Wie es heißt, empfahl Elisabeth Le Hanne, eine Tochter des Zentrumspolitikers August Reichensperger, den Franziskanerinnen ein Grundstück im Nettetal nordwestlich von Mayen, ein 57.400 m²<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.eifel.de ( vom 14. März 2016 im Internet Archive) abgerufen am 14. März 2016.</ref> großes Areal mit alten Gebäuden, auf dem am 1. Juli 1922 der Grundstein zum Kloster Helgoland gelegt wurde; geweiht wurde das Kloster im September 1923. 1994 wurde das Mutterhaus nach Eupen zurückverlegt.<ref name="rz 2010" />
Haus des Gebets und der Besinnung[Bearbeiten]
Die Schwestern betrieben ihr Kloster bei Mayen als Stätte des Gebets und der Besinnung wie auch als Tagungshaus. Eine ständige Einrichtung der letzten 20 Jahre im Kloster Helgoland waren die Bet- und Besinnungstage des Kolpingwerks Diözesanverband Trier, die auf eine Initiative der Koblenzer Dominikanerin Schwester Eva Maria Graef (1906–1997) zurückgingen. Nach dem Vorbild der Gebetswache zur ewigen Anbetung in der Wallfahrtskirche auf dem Lindenberg bei St. Peter im Schwarzwald wollte Schwester Eva Maria in ihrer näheren Umgebung Ähnliches einrichten und fand in dem Franziskanerinnenkloster bei Mayen den Platz, an dem ihre Idee Wirklichkeit wurde. Schon seit 1935 durfte in der Kapelle des Klosters rund um die Uhr ewige Anbetung gehalten werden, die inzwischen jedoch eine schwer erfüllbare Verpflichtung geworden war, nachdem sich die Zahl der Schwestern im Laufe der Jahre beträchtlich verringert hatte. Am 29. Mai 1989 kamen die ersten Männer und Frauen aus verschiedenen Kolpingsfamilien in das idyllisch gelegene Haus, um zu beten, aber auch Ruhe und Entspannung zu finden. Mit einem Gottesdienst, den Kolping-Diözesanpräses Thomas Gerber zelebrierte, und einem gemeinsamen Mittagessen endeten am 9. November 2010, dem 13. Todestag von Schwester Eva Maria, nach über 20 Jahren die Bet- und Besinnungstage im Kloster Helgoland.<ref>Stadtjournal Mülheim-Kärlich, Ausgabe Dezember 2010.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Zwei Tage Kloster Helgoland soviel wie zehn Tage Urlaub. ( vom 14. März 2016 im Internet Archive) In: Pressedienst des Bistums Trier, 27. Mai 2002; abgerufen am 14. März 2016.</ref>
Ende nach 87 Jahren[Bearbeiten]
Am Donnerstag, 30. September 2010, hatte Weihbischof Jörg Michael Peters in Anwesenheit von Abt Benedikt Müntnich (Maria Laach) und der Mayener Oberbürgermeisterin Veronika Fischer sowie zahlreicher Gäste mit den Schwestern Abschied von ihrem Kloster genommen, das sie aus Altersgründen aufgeben mussten. Die Oberbürgermeisterin würdigte Helgoland und sagte: „Ich bin mir sicher, dass der Geist dieses Klosters seine Schließung überdauern wird“, und fügte hinzu: „All das, was uns in diesem Gebäude Gutes widerfahren ist, wird uns stets in Erinnerung bleiben.“<ref>Elvira Bell: Bewegender Abschied. In: Paulinus, Ausgabe 42/2010; abgerufen am 14. März 2016.</ref>
Acht der verbliebenen Schwestern zogen nach Polch in das Seniorenzentrum St. Stephanus, wo sie einen neuen kleinen Konvent einrichten konnten.<ref>Konvent St. Elisabeth. Seelsorge. sanktstephanus-polch.de; abgerufen am 14. März 2016.</ref> Schwester Clarissa Zitschke, Ansprechpartnerin für die Gäste,<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Orden im Bistum Trier, ( vom 14. März 2016 im Internet Archive) bistum-trier.de; abgerufen am 14. März 2016.</ref> hingegen ging nach Aachen in das Franziskushospital.<ref>Die Sehnsucht von neun Schwestern heißt Helgoland. In: Rhein-Zeitung, 23. Dezember 2012; abgerufen am 14. März 2016.</ref> Sie starb am 19. Oktober 2013 im 74. Lebensjahr.
Seit 2011 stand die Gesamtanlage des Klosters Helgoland mit dem denkmalgeschützten Gebäude mit 68 Zimmern, drei Apartments und der inzwischen profanierten Klosterkapelle zum Verkauf; gefordert war ein Kaufpreis von 2,1 Millionen Euro.<ref>Rhein-Zeitung, 29. Dezember 2011 abgerufen am 14. März 2016.</ref> Im März 2017 wurde es für 575.000 Euro an einen Investor versteigert. Das Mindestgebot war auf 365.000 Euro festgelegt.<ref>Hilko Röttgers: Kloster Helgoland: Bieter treiben Preis in die Höhe. In: Rhein-Zeitung, Ausgabe BO, 22. März 2017, S. 20.</ref>
Vorübergehend war geplant, die Immobilie in eine Senioreneinrichtung mit Tagespflege umzubauen.<ref>Kloster Helgoland – Es gibt Pläne für eine neue Nutzung. In: Rhein-Zeitung; abgerufen am 19. September 2017.</ref> Dieses Vorhaben sei jedoch gescheitert.<ref>Hilko Röttgers: Kloster Helgoland: Hotel statt Seniorenheim. In: Rhein-Zeitung; abgerufen am 3. Oktober 2017.</ref>
Nach rund acht Jahren Leerstand wurde das Anwesen im Mai 2018 an eine Familie aus Neustadt an der Weinstraße verkauft, die darin Wohnungen für Studenten und für Familien mit Kindern anlegte. Orgel, Altar und Kirchenbänke der Kapelle waren vorher ausgebaut und einem anderen Orden überlassen worden. Die religiösen Einrichtungen im Außengelände sollen jedoch vollständig erhalten bleiben, zumal der Kreuzweg unter Denkmalschutz stehe. Auch der Friedhof könne gemäß der grundbuchamtlichen Eintragung weiter betrieben werden.<ref>Hilko Röttgers: Nach acht Jahren Leerstand: Kloster Helgoland wird jetzt zum Wohnheim. In: Rhein-Zeitung, Mayen-Andernach, 23. März 2019. Abgerufen am 5. Februar 2026.</ref>
Anmerkungen[Bearbeiten]
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Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 50° 20′ 34,6″ N, 7° 11′ 36,2″ O
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