Kurt Melcher
Kurt Melcher (* 8. Juli 1881 in Barop bei Dortmund; † 14. Oktober 1970 in West-Berlin) war ein deutscher Verwaltungsjurist und preußischer Beamter. Er war Polizeipräsident in Essen und Berlin. In der NS-Zeit war er von 1933 bis 1945 Mitglied des Preußischen Staatsrats sowie von 1934 bis 1945 Sonder- bzw. Reichstreuhänder der Arbeit für den öffentlichen Dienst.
Leben[Bearbeiten]
Der aus Dortmund stammende Melcher studierte Jura in Tübingen und war seit 1899 Angehöriger des Corps Suevia Tübingen.<ref>Kösener Korps-Listen 1910, 197, 725</ref> Mit einer zivilrechtlichen Arbeit (Leistung an Erfüllungsstatt und Leistung Erfüllungshalber nach gemeinem Recht und dem damals neu in Kraft getretenen Bürgerlichen Gesetzbuch) wurde er 1902 an der Universität Leipzig zum Dr. jur. promoviert. Nach dem Gerichtsreferendariat bestand er 1907 das Assessorexamen. Ab 1909 war er Amtsrichter<ref name="AdRk">Melcher, Kurt, in: Personenregistereintrag der Edition „Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik“ (Stand 2005-2007), Bundesarchiv, abgerufen am 16. September 2026.</ref> in Herne.<ref>KKL 1910</ref>
Melcher wechselte 1913 von der Justiz- in die Verwaltungslaufbahn, wurde zuerst Probejustitiar, dann Regierungsrat bei der Bezirksregierung in Düsseldorf. Im Ersten Weltkrieg leistete er von 1914 bis 1918 Kriegsdienst. In der Zeit der Weimarer Republik war Melcher von 1919 bis 1932 Polizeipräsident in Essen. Während der Ruhrbesetzung wies ihn die französische Besatzungsmacht von 1923 bis 1925 aus, dann konnte er in sein Amt zurückkehren. Er trat 1931 der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) bei, die er aber im Folgejahr wieder verließ.<ref name="AdRk"/>
Nach dem Preußenschlag im Juli 1932, der Entmachtung der SPD-geführten preußischen Landesregierung durch die Reichsregierung von Papen, wurden zahlreiche sozialdemokratische und republiktreue politische Beamte durch rechtsgerichtete ersetzt. Im Zuge dessen war Melcher als Nachfolger des abgesetzten Albert Grzesinski (SPD) für einige Monate kommissarischer Polizeipräsident in Berlin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er am 15. Februar 1933 durch das NSDAP-Mitglied Konteradmiral a. D. Magnus von Levetzow abgelöst.
Melcher übernahm im Februar 1933<ref>Karl Teppe: Die preußischen Oberpräsidenten 1933–1945. In: Klaus Schwabe (Hrsg.): Die Preußischen Oberpräsidenten als Elite 1815–1945. Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1985, S. 219–248, hier S. 221.</ref> kommissarisch den Posten des Oberpräsidenten der preußischen Provinz Sachsen mit Sitz in Magdeburg. Bereits im September 1933 wurde er jedoch in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Das Amt des Oberpräsidenten übernahm NSDAP-Mitglied und SA-Führer Curt von Ulrich.
Im NS-Staat berief der preußische Ministerpräsident Hermann Göring Melcher 1933 in den Preußischen Staatsrat, eine Auszeichnung ohne politische Befugnisse. Von 1934 bis 1945 war er Sonder- bzw. Reichstreuhänder der Arbeit für den öffentlichen Dienst, eine nach der Gleichschaltung der Tarifparteien geschaffene Vermittlungsinstanz zwischen Dienstherren und Beschäftigten. Melcher war ab 1937 außerdem Überleitungskommissar des Landes Preußen für die Eingliederung des Landes Freie und Hansestadt Lübeck in das Land Preußen nach dem Groß-Hamburg-Gesetz.<ref>Gerhard Schneider: Lübecks Bankenpolitik im Wandel der Zeiten (1898–1978), Schmidt-Römhild, Lübeck 1979, S. 217</ref>
Schriften[Bearbeiten]
- mit Emil Schilling: Allgemeine Tarifordnung nebst Tarifordnung A für Gefolgschaftsmitglieder im öffentlichen Dienst. Handausgabe mit Bemerkungen. Berlin: Trowitzsch 1938.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Kurt Melcher im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Friedrich von Bülow (1816–1821) | Friedrich von Motz (1821/24–1825) | Wilhelm Anton von Klewiz (1825–1837) | Anton zu Stolberg-Wernigerode (1837–1840) | Eduard von Flottwell (1841–1844) | Wilhelm von Wedell (1844–1845) | Gustav von Bonin (1845–1850) | Hartmann von Witzleben (1850–1872) | Robert von Patow (1873–1881) | Arthur von Wolff (1881–1890) | Albert von Pommer Esche (1890–1897) | Karl Heinrich von Boetticher (1898–1906) | Kurt von Wilmowsky (1906–1908) | Wilhelm von Hegel (1908–1917) | Rudolf von der Schulenburg (1917–1919) | Otto Hörsing (1920–1927) | Heinrich Waentig (1927–1930) | Carl Falck (1930–1932) | Friedrich von Velsen (1933) | Kurt Melcher (1933) | Curt von Ulrich (1933–1944)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Melcher, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Verwaltungsbeamter |
| GEBURTSDATUM | 8. Juli 1881 |
| GEBURTSORT | Dortmund |
| STERBEDATUM | 14. Oktober 1970 |
| STERBEORT | Berlin |
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- Oberpräsident (Provinz Sachsen)
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- Verwaltungsjurist
- Richter (Amtsgericht)
- Mitglied des Preußischen Staatsrats (ab 1933)
- Polizeipräsident (Berlin)
- Polizeipräsident (Essen)
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- DVP-Mitglied
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- Gestorben 1970
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