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Lein

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Lein
Datei:Illustration Linum usitatissimum0.jpg

Gemeiner Flachs oder Gemeiner Lein
(Linum usitatissimum), Illustration

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Leingewächse (Linaceae)
Gattung: Lein
Wissenschaftlicher Name
Linum
L.

Lein (Linum), auch Flachs genannt, ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Leingewächse (Linaceae).<ref name="FoC2008" /> Die 180 bis 200 Arten sind in den subtropischen bis gemäßigten Gebieten fast weltweit verbreitet.<ref name="FoC2008" /><ref name="Westcott2003" />

Beschreibung[Bearbeiten]

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Datei:Linum austriacum sl7.jpg
Frucht und Samen des Österreichischen Leins (Linum austriacum)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Bei Lein-Arten handelt es sich um ein- oder zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, Halbsträucher oder Sträucher, einige von ihnen immergrün, mit aufrechten Stängeln.

Sie haben ungestielte, ganzrandige Laubblätter. Meist sind keine Nebenblätter vorhanden.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die kurzlebigen Blüten sind fünfzählig und radiärsymmetrisch, in der Regel frei, gelegentlich am Ansatz verwachsen und blühen blau, gelb, rot, rosa oder weiß. Die zehnfächrigen Kapselfrüchte enthalten je einen schwarzen oder braunen Samen in jedem Fach.

Verbreitung[Bearbeiten]

Vorlage:Hinweisbaustein Lein-Arten findet sich in den gemäßigten und subtropischen Regionen beider Hemisphären.

Datei:Linum bienne, Livorno.JPG
Sektion Linum: Zweijähriger Lein (Linum bienne)
Datei:Linum-grandiflorum-20080330.JPG
Sektion Linum: Roter Lein (Linum grandiflorum)
Datei:Linum narbonense flor.jpg
Sektion Linum: Narbonne-Lein (Linum narbonense)
Datei:Linum viscosum 20060702113155wp.jpg
Sektion Dasylinum: Klebriger Lein (Linum viscosum)
Datei:Linum tenuifolium.JPG
Sektion Linastrum: Schmalblättriger Lein (Linum tenuifolium)
Datei:Becklinger MoorPurgier-Lein.jpg
Sektion Cathartolinum: Purgier-Lein (Linum catharticum)
Datei:Linum campanulatum 1.JPG
Sektion Syllinum: Linum campanulatum
Datei:Linum flavum0.jpg
Sektion Syllinum: Gelber Lein (Linum flavum)

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Linum (deutsch Lein, mittelhochdeutsch lein und älter līn ‚Flachs‘, ‚leinenes Gewand‘, ‚Gemeiner Lein‘, auch ‚Leinsamen‘; verwandt mit gleichbedeutend lateinisch linum<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 434.</ref>) ist die artenreichste in der Familie der Leingewächse und wird dort in die Unterfamilie Linoideae eingeordnet.

Die innere Systematik der Gattung ist 2003 nicht gefestigt, obwohl sie stets intensiv bearbeitet wurde. Insbesondere für die amerikanischen Arten war jahrzehntelang ein System aus Artkomplexen und Gruppen in Gebrauch. Als Referenz für die gesamte Gattung dient daher auch 2003 noch H. Winklers Gliederung der Gattung in sechs Sektionen aus dem Jahre 1931, hier wiedergegeben in einer durch Axel Diederichsen und Ken Richards geringfügig aktualisierten Fassung entsprechend morphologischer Merkmale. Die häufig in der Literatur angeführte Sektion Eulinum wird 2003 auf die beiden Sektionen Linum und Dasylinum aufgeteilt.<ref name="Diederichsen2003" /> Doch entsprechend molekulargenetischer Daten haben einige der damaligen Sektionen bei McDill et al. 2009 den Rang von Gattungen und die verbleibenden und neuen Sektionen haben einen anderen Umfang.<ref name="McDill2009" />

Die folgende Aufzählung ist nicht vollständig; es ist eine Auswahl (Stand 2003):<ref name="Diederichsen2003" />

Datei:Grand-Reng JPG01.jpg
Flachsfeld

Verwendung[Bearbeiten]

Siehe auch: Flachsfaser, Leinenindustrie

Einige Arten (Gemeiner Lein, Ausdauernder Lein, Zweijähriger Lein) werden oder wurden zur Fasergewinnung genutzt. Die Geschichte seiner Verwendung reicht 6.000 bis 10.000 Jahre zurück, damit stellt die Gattung Lein einige der ältesten Kulturpflanzen. Neben der textilen Verwendung finden Leinarten auch Verwendung als technische Fasern, als Heilpflanzen (zum Beispiel Purgier-Lein), als Lebensmittel (Leinsamen) und zur Gewinnung des Leinöls mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten (zum Beispiel Ölfarbe).

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Die wichtigsten Samen-Ölpflanzen im vorgeschichtlichen Mitteleuropa waren Lein (mittelhochdeutsch līn, ‚Lein, Leinsamen‘,<ref>Vgl. etwa Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 392 (lîn).</ref> lateinisch linum) und Mohn. Angesichts der vergleichsweise geringen Nachweisbarkeit – Leinsamen blähen beim Verkohlen auf und sind als Fragmente kaum erkennbar – dürfte ihre Bedeutung größer gewesen sein, als es das Fundbild nahelegt. Leindotter (Camelina sp.) scheint mit dem Lein auf gemeinsamen Flächen gewachsen zu sein. Beim Lein lässt sich an den Samen nicht erkennen, ob er als Öllein oder Faserlein verwendet wurde. Funde aus Langweiler im Rheinland und Eisenberg in Thüringen legen nahe, dass es sich um Springlein (Linum usitatissimum subsp. crepitans Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Elladi) handelt. Rheinische Vorratsfunde geben Hinweise auf Schließlein (Dresch-Lein) (Linum usitatissimum subsp. usitatissimum). Die Samenfunde zeigen, dass der Lein getrennt von anderen Kulturpflanzen angebaut und als Fettlieferant verwendet wurde.

Der Lein ist in der westlichen Bandkeramik verbreiteter und kommt unter Aussparung Böhmens nur westlich der Elbe vor. An der vorderasiatischen Herkunft des Kulturleins besteht indes kein Zweifel. Die Wildform ist im zirkummediterranen Raum und in Vorder- und Mittelasien verbreitet. In Mitteleuropa wird die Pflanze heute als Sommerlein angebaut, nur im Voralpenland als Winterlein, wie in der Vorzeit. Im Mittelneolithikum wird Lein seltener gefunden. Im Rheinland und in der Michelsberger Kultur fehlt er während dieser Zeit völlig.

Die jung- bis spätneolithische Geschichte des Leins ist am Zürichsee besonders gut erforscht. Sein Aufstieg begann während der jüngeren Pfyner Kultur. Er erreichte seinen Höhepunkt in der Horgener Kultur und verblieb auch während der Schnurkeramik auf einem relativ hohen Niveau. Ähnlich verlief seine Verbreitung am Bodensee. Im Jung- und Spätneolithikum des Federseegebietes, in der Pfyn-Altheimer-Kultur und in der Goldberg-III-Gruppe, ist exzessive Nutzung nachgewiesen.

Lange war unklar, ob bereits in bandkeramischer Zeit Samen und Leinstengel genutzt wurden. Ein Brunnenfund in Mohelnice bei Brünn lieferte Schnüre aus Leinfasern. In der Levante wurde Flachs bereits im 8. vorchristlichen Jahrtausend (PPNB) zu Textilien verarbeitet. Im südlichen Karpatenbecken im 2. Viertel des 5. vorchristlichen Jahrtausends. Für das Jung- und Spätneolithikum ist die Doppelnutzung des Leins als Faser- und Nahrungspflanze gesichert. Die Verwendung der Fasern wird durch die Funde von Flachshecheln aus Knochen und vor allem von aus Flachs gefertigten Textilien und Netzen bezeugt, die sich in den Feuchtbodensiedlungen des Voralpenlandes erhalten haben.

Die ältesten Anzeichen für Leinanbau in Schweden stammen aus der Wikingerzeit (800–1150 n. Chr.).

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Lüning: Steinzeitliche Bauern in Deutschland. Die Landwirtschaft im Neolithikum (= Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie. Bd. 58). Habelt, Bonn 2000, ISBN 3-7749-2953-X, S. 85ff.
  • David Jeffrey Ockendon, Stuart Max Walters: Linum L. In:
  • Sergei Vasilievich Juzepczuk: Linaceae Dumort. In: Vladimir Leontyevich Komarov (Begr.), B. K. Schischkin, E. G. Bobrov (Hrsg.), R. Lavoot (Übers.): Flora of the USSR. Volume XIV: Geraniales, Sapindales, Rhamnales. Keter, Jerusalem 1974, ISBN 07065-1360-6, S. 68–112 (Russ. Original: Izdatel'stvo Akademii Nauk SSSR, Moskau/Leningrad 1949, S. 84–146), Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fbiodiversitylibrary.org%2Fpage%2F30403373~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
  • Quanru Liu, Lihua Zhou: Linaceae., S. 34, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 11 – Oxalidaceae through Aceraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2008, ISBN 978-1-930723-73-3. Linum Linnaeus., S. 35–36 - textgleich online wie gedrucktes Werk. (Beschreibung und Bestimmungsschlüssel der chinesischen Taxa.)
  • Joshua R. McDill, Miriam Repplinger, Beryl B. Simpson, Joachim W. Kadereit: The Phylogeny of Linum and Linaceae subfamily Linoideae, with Implications for Their Systematics, Biogeography, and Evolution of Heterostyly. In: Systematic Botany, Volume 34, Issue 2, 2009, S. 386–405. doi:10.1600/036364409788606244 PDF.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Greuter1989"> Werner Greuter, H. M. Burdet, G. Long: Med-Checklist. Band 4, Seite 216–226, Conservatoire et Jardin botaniques, Genève 1989, ISBN 2-8277-0154-5. </ref> <ref name="Westcott2003"> Neil D. Westcott, Alister D. Muir: Chemical Studies on the constituents of Linum spp. In: Neil D. Westcott, Alister D. Muir (Hrsg.): Flax. The Genus Linum (= Medicinal and aromatic plants – industrial profiles. Band 34). Taylor & Francis, New York u. a. 2003, ISBN 0-415-30807-0, S. 55–73. </ref> <ref name="Diederichsen2003"> Axel Diederichsen, Ken Richards: Cultivated flax and the genus „Linum“ L. Taxonomy and germplasm conservation. In: Neil D. Westcott, Alister D. Muir (Hrsg.): Flax. The Genus Linum (= Medicinal and aromatic plants – industrial profiles. Band 34). Taylor & Francis, New York u. a. 2003, ISBN 0-415-30807-0, S. 22–54. </ref> <ref name="Schönfelder2008"> Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart 2008. ISBN 978-3-440-10742-3. S. 270. </ref> <ref name="Zander2008"> Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7. </ref> <ref name="FoC2008"> Quanru Liu, Lihua Zhou: Linaceae., S. 34, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 11 – Oxalidaceae through Aceraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2008, ISBN 978-1-930723-73-3. Linum Linnaeus., S. 35–36 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="McDill2009"> Joshua R. McDill, Miriam Repplinger, Beryl B. Simpson, Joachim W. Kadereit: The Phylogeny of Linum and Linaceae subfamily Linoideae, with Implications for Their Systematics, Biogeography, and Evolution of Heterostyly. In: Systematic Botany, Volume 34, Issue 2, 2009, S. 386–405. doi:10.1600/036364409788606244 PDF. </ref> <ref name="Euro+Med"> Eckhard von Raab-Straube (2018+): Linaceae. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Linum. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Lein (Linum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Joshua Robert McDill: Molecular Phylogenetic Studies in the Linaceae and Linum, with Implications for their Systematics and Historical Biogeography. Dissertation presented to the Faculty of the Graduate School of The University of Texas at Austin in Partial Fulfillment of the Requirements for the Degree of Doctor of Philosophy. The University of Texas at Austin Dezember 2009. doi:10.13140/RG.2.1.1523.5281 online.
  • Masoud Sheidai, S. Darini, Seyed Mehdi Talebi, F. Koohdar, S. Ghasemzadeh-Baraki: Molecular systematic study in the genus Linum (Linaceae) in Iran. In: Acta Botanica Hungarica, Volume 61, Issue 3–4, September 2019, S. 21–434. doi:10.1556/034.61.2019.3-4.11

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