Leo Ubbelohde
Leo Karl Eduard Ubbelohde (* 4. Januar 1877 in Hannover; † 28. Februar 1964 in Düsseldorf) war ein deutscher Physikochemiker.
Leben und Wirken[Bearbeiten]
Leo wurde als siebtes Kind des Rechtsanwalts Carl Julius Eduard Ubbelohde (1827–1894) und dessen Frau Johanna Friederike Karoline Charlotte Philippine Wilhelmine Emilie, genannt Amelie, geborene Poppe (1844–1938), einer der ersten Unternehmerinnen sowie Patentinhaberinnen ihrer Zeit, geboren.
Nach seiner Schulzeit und Abitur 1897 in Celle begann er ein Chemiestudium in Berlin an der Friedrich-Wilhelms-Universität, der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin. Er promovierte 1903 in Berlin am II. Chemischen Institut („Technologisches Institut“) bei Wilhelm Pfitzinger<ref>Leo Ubbelohde: Ueber Kondensationen der Isatinsäure und des o-Amidobenzaldehyds mit Isonitrosoaceton. In: Journal für Praktische Chemie 66, 263–264 (1902). Digitalisat auf Gallica</ref> mit einer Arbeit Ueber Kondensationen der Isatinsäure und des o-Amidobenzaldehyds mit Isonitrosoaceton. Danach war er bis 1908 am Königlichen Materialprüfungsamt Berlin-Großlichterfelde<ref>Leo Ubbelohde: Der wahre Tropfpunkt und ein Apparat zu seiner Bestimmung. In: Angewandte Chemie 18, 1220–1225 (1905). doi:10.1002/ange.19050183104</ref> als Assistent von David Holde im Forschungsbereich Öle und Fette tätig. Hier entwickelte er 1905 eine nützliche Apparatur zur Bestimmung des „wahren Tropfpunkts“<ref>Die Fettanalyse und die Fettchemie im Jahre 1905. In: Angewandte Chemie 19, Seite 987 (1906). doi:10.1002/ange.19060192203</ref> sowie 1907 eine verbesserte Form der Ostwald-Kapillare.<ref>Leo Ubbelohde, Chemiker-Zeitung 31, 38 (1907).</ref><ref>Houben-Weyl Methods of Organic Chemistry Vol. I, 2nd Edition. Georg Thieme Verlag, 2014, ISBN 978-3-131-99182-9, S. 1019 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> In dieser Zeit verwendete er viel Aufwand, die Ausflusszeiten des Engler-Viskosimeters mit Viskositäten zu vergleichen und erstellte hierfür umfangreiche Tabellenwerke.<ref>Houben-Weyl Methods of Organic Chemistry Vol. I, 3rd Edition. Georg Thieme Verlag, 2014, ISBN 978-3-131-99263-5, S. 1205 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). (Tabellen zum Englerschen Viskosimeter)</ref>
1907 erhielt er von Carl Engler die Möglichkeit zur Habilitation an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Im selben Jahr wurde er anlässlich eines internationalen Erdölkongresses in Bukarest zum Generalsekretär der International Petroleum Commission gewählt. Nach der Habilitation 1910 erhielt er 1911 eine Professur in der dortigen Technischen Chemie; Carl Engler und Hans Bunte emeritierten 1919. 1932 meldete er sein verbessertes „Ubbelohde-Viskosimeter mit hängendem Niveau“<ref>Mineralöle und verwandte Produkte. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-53011-1, S. 52 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). (Funktion des neuen Viskosimeters)</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Viskosimeter Ubbelohde ( vom 2. November 2007 im Internet Archive)</ref> zum Patent an.<ref>Patent US2048305A: Viscosimeter. Angemeldet am 27. Juli 1933, veröffentlicht am 21. Juli 1936, Erfinder: Leo Ubbelohde.</ref>
1933 beendete er seine wissenschaftliche Karriere durch seinen Umzug an die Technische Hochschule zu Berlin.<ref>L. Ubbelohde: Chemie, Rohstoffproblem und nationale Wirtschafts-Steuerung. In: Angewandte Chemie 47, 4–7 (1934). doi:10.1002/ange.19340470104</ref><ref>Helmut Maier: Chemiker im "Dritten Reich". John Wiley & Sons, 2015, ISBN 978-3-527-69134-0, S. 106 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> 1933 war Leo Ubbelohde auch Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Erdölforschung.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Artikel zu 75 Jahre DGMK 2008 ( vom 18. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 439 kB)</ref> Zum 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.566.284).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/45360035</ref><ref>Ute Deichmann: Flüchten, mitmachen, vergessen: Chemiker und Biochemiker in der NS-Zeit. Wiley-VCH, Weinheim 2001, ISBN 978-3-527-30264-2, S. 232.</ref>
Ubbelohde wurde 1932 als erster Deutscher zum Ehrenmitglied der Institution of Petroleum Technologists in London und 1937 zum Ehrenmitglied der Association Française du Pétrole ernannt. 1950 wurde er Honorary Fellow des Institute of Petroleum in London.<ref>Erich Herwig Kadmer: Professor Dr. Leo Ubbelohde zum Gedenken. In: Erdöl und Kohle, 17. Jg. Nr. 1, April 1964, S. 320.</ref>
Er wurde bekannt durch seine Forschungsarbeiten über Mineralöle, Katalyse der Fetthärtung und Viskosität.<ref>Ralph E. Oesper: Leo Ubbelohde. In: J. Chem. Educ., 1953, 30 (8), S. 414</ref> Nach 1920 befasste er sich bis ins hohe Alter vorrangig mit der Verarbeitung viskoser Textilfasern.<ref>Patent DE428526C: Verfahren zur Erhöhung der Spinnfähigkeit kotonisierter Fasern aus Leinenstroh, Flachs und Hanf. Angemeldet am 16. Februar 1922, veröffentlicht am 5. Mai 1926, Erfinder: Leo Ubbelohnde.</ref><ref>Gebrauchsmuster DE1690568U: Kräuselvorrichtung. Angemeldet am 27. Oktober 1954, veröffentlicht am 5. Januar 1955, Erfinder: Leo Ubbelohde.</ref>
Leo Ubbelohde starb 1964 bei einem Verkehrsunfall im Alter von 88 Jahren. Er wurde in der Familiengruft auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover bestattet.
Literatur[Bearbeiten]
- Norbert A. Skiera: Leo Ubbelohde. Persönlichkeit und wissenschaftliche Leistungen unter besonderer Berücksichtigung der Viskosimetrie. Hamburg 1990 (Studienarbeit).
- Horst Remane: Ubbelohde, Leo. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
Publikationen[Bearbeiten]
- Handbuch der Chemie und Technologie der Öle und Fette: Chemie, Analyse, Gewinnung und Verarbeitung der Öle, Fette, Wachse und Harze
- Zur Viskosimetrie. Anhang: Umwandlungstabellen für Viskositätszahlen, 1940<ref>Worldcat Identities (Werkverzeichnis Leo Ubbelohde)</ref>
- Vita Leo Ubbelohde, Anna und Leo Ubbelohde-Stiftung (2014 gegründet)
- Universität Karlsruhe
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ubbelohde, Leo |
| ALTERNATIVNAMEN | Ubbelohde, Leo Karl Eduard (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Physikochemiker |
| GEBURTSDATUM | 4. Januar 1877 |
| GEBURTSORT | Hannover |
| STERBEDATUM | 28. Februar 1964 |
| STERBEORT | Düsseldorf |