Leonhard Moog
Leonhard Moog (* 11. Oktober 1882 in Ansbach; † 6. Januar 1962 in München) war ein deutscher Politiker (DDP, LDP) und von 1946 bis 1950 Finanzminister des Landes Thüringen. Er wurde 1950 in einem Schauprozess der DDR in Abwesenheit nach seiner Flucht aus der DDR zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt.
Leben[Bearbeiten]
Leonhard Moog, Sohn eines Gaswerkmeisters, absolvierte nach Besuch der Volks- und der Handelsschule eine kaufmännische Lehre. Danach arbeitete er als reisender Kaufmann und Handelsvertreter. Im Jahr 1900 zog er von Bayern nach Thüringen.<ref name="Hoffmeister06_56">Hans Hoffmeister: Wie alles begann. Thüringische Landeszeitung 1945/46. Burkhardt Verlag, Erfurt 2006, S. 56.</ref>
1899 trat er der Deutschen Angestellten Gewerkschaft bei, dem späteren Gewerkschaftsbund der Angestellten (Teil der liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine) und war von 1920 bis zur Zwangsauflösung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten 1933 dessen Gauvorsteher (Vorsitzender) in Thüringen.<ref name="BaumgartnerHebig1996">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. Band 1+2. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Walter de Gruyter, Vorlage:Cite book/Date, ISBN 978-3-11-169913-4, [ ], S. 556– (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -11-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Von 1933 bis 1945 arbeitete er wieder als Handelsvertreter.
Politik[Bearbeiten]
In der Zeit des Deutschen Kaiserreichs trat Moog 1906 der Freisinnigen Vereinigung bei, die später in der Fortschrittlichen Volkspartei und 1918 in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) aufging.<ref name="Hoffmeister06_56"/> Während der Weimarer Republik war er von 1919 bis 1933 Stadtverordneter in Weimar. 1925 bis 1930 war er zudem DDP-Abgeordneter im Thüringer Landtag. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten löste sich die Deutsche Staatspartei (die DDP hatte sich 1930 umbenannt) im Juni 1933 auf.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schloss sich Moog kurz nach der Einnahme Weimars durch die Amerikaner Ende April 1945 mit Vertretern anderer antinazistischer Parteien mit Billigung der Militärregierung zu einem „Politischen Beirat beim Oberbürgermeister“ (Erich Kloss bzw. ab Mai Fritz Behr) zusammen, innerhalb dessen er als Finanzexperte hervortrat. Im Mai 1945 ernannte ihn die amerikanische Besatzungsmacht zum Direktor des Landesamtes für Finanzen der Provinzialverwaltung Thüringen, was etwa der Funktion eines Finanzministers im Kabinett Brill entsprach.<ref>Manfred Overesch: Hermann Brill und die Neuanfänge deutscher Politik in Thüringen 1945. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Band 27 (1979), Nr. 4, S. 524–569, hier S. 543.</ref> Nach der Übergabe Thüringens von der amerikanischen an die sowjetische Besatzungsmacht bestätigte diese ihn im Juli 1945 in seinem Amt (Kabinett Paul I).
Im Juli 1945 war Moog Mitbegründer der Demokratischen Partei Thüringens, die kurz darauf zum Landesverband Thüringen der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDP) wurde. Am 29. Juli 1945 wurde er auf der ersten Landesausschusssitzung zum Landesvorsitzenden seiner Partei gewählt, was er bis 1949 blieb. Bei den halbfreien Landtagswahlen in der SBZ 1946 wurde Leonhard Moog in den Thüringer Landtag gewählt. Von Dezember 1946 bis Januar 1950 trug er auch offiziell den Titel eines thüringischen Finanzministers (Kabinett Paul II und Kabinett Eggerath I).
Von 1945 bis 1950 war Leonhard Moog Mitglied des Zentralvorstandes der LDP, bis 1948 war er dort stellvertretender Vorsitzender. Nach dem Tod von Wilhelm Külz im April 1948 bildete er zusammen mit Hermann Kastner, Erich Damerow und Arthur Lieutenant das Direktorium, das die Partei interimsweise bis zum nächsten Parteitag im Februar 1949 führte.<ref>Monika Faßbender (Hrsg.): Wolfgang Schollwer. Potsdamer Tagebuch 1948–1950 – Liberale Politik unter sowjetischer Besatzung. R. Oldenbourg Verlag, München 1988, S. 197, Anm. 22.</ref>
1948 wurde Leonhard Moog in den 1. Deutschen Volksrat und 1949 in die vorläufige Volkskammer der DDR entsandt.
Flucht und Schauprozess in der DDR[Bearbeiten]
Anfang 1950 eskalierten die Angriffe der SED gegen Leonhard Moog. In der SED-Presse wurde Moog wegen „Spionagediensten für den Westen“ angegriffen und ihm später im Prozess „Schädlingstätigkeit“ gegen den „Steuer- und Finanzapparat“ vorgeworfen.<ref name="EngelmannVollnhals2010" /><ref>http://www.munzinger.de/search/go/document.jsp?id=00000001881</ref> Um der Verhaftung zu entgehen, musste Moog im Januar 1950 nach West-Berlin fliehen, wo er am 18. Januar 1950 seinen Rücktritt als Minister erklärte.
In der Folge kam es in Abwesenheit zu einem Schauprozess<ref name="EngelmannVollnhals2010">Roger Engelmann, Clemens Vollnhals: Justiz im Dienste der Parteiherrschaft: Rechtspraxis und Staatssicherheit in der DDR. Ch. Links, 2010, ISBN 978-3-86284-030-4, S. 125–126 (google.com).</ref> gegen Moog. Am 8. Dezember 1950 wurde Moog durch das Oberste Gericht der DDR, nach persönlicher Begutachtung und Absegnung der Anklageschrift durch Walter Ulbricht, wegen „finanzieller Schädigung des Landes Thüringen“, zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt.<ref>Dierk Hoffmann, Hermann Wentker: Das letzte Jahr der SBZ: politische Weichenstellungen und Kontinuitäten im Prozess der Gründung der DDR. 2000, ISBN 3-486-64506-4, Seite 182 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)</ref><ref name="GerhardtRauh2001">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Anfänge der DDR-Philosophie: Ansprüche, Ohnmacht, Scheitern. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Ch. Links Verlag, Vorlage:Cite book/Date, ISBN 978-3-86153-225-5, [ ], S. 342– (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -11-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Martin Broszat, Gerhard Braas, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg, München 1993 (2. Auflage), ISBN 3-486-55262-7, Seite 981 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
- Schauprozess. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1950 (online).
- Moog, Leonhard. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
- Petra Weber: "Die Kriminalisierung der "bürgerlichen Opposition in Politik und Verwaltung: Die Prozesse gegen Leonhard Moog, Heinrich Gillessen u. a." in "Justiz und Diktatur: Justizverwaltung und politische Strafjustiz in Thüringen 1945-1961", S. 209ff; ISBN 3-486-59607-1
- Bernhard Post, Volker Mahl, Dieter Marek: Thüringen-Handbuch – Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1999, ISBN 3-7400-0962-4, S. 609f.
Weblinks[Bearbeiten]
- Leonhard Moog im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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Leonhard Moog (1945–1949) | Hans Loch (1949–1951) | Hans Meier (1951–1952)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Moog, Leonhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (LDP), MdV |
| GEBURTSDATUM | 11. Oktober 1882 |
| GEBURTSORT | Ansbach |
| STERBEDATUM | 6. Januar 1962 |
| STERBEORT | München |
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