Lernkompetenz
Lernkompetenz ist ein pädagogisches Konzept. Sie ist der Oberbegriff mehrerer Teilkompetenzen, durch die Menschen selbstständig und selbstgesteuert Wissen, Kenntnisse, Informationen über Sachverhalte und Zusammenhänge verstehen, auswerten und in gedankliche Strukturen einordnen können. Sie ist eine Vorbedingung für systematisches, absichtliches Lernen.<ref name=":0">Heinz Klippert: Selbstständiges Lernen fördern: Strategien für Schule, Unterricht und Elternarbeit. Mit E-Book inside. 1. Auflage. Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim 2022, ISBN 978-3-407-63251-7, S. 199.</ref>
Pädagogisches Ziel der Lernkompetenz ist, dass Lernende dauerhaft am Leben in der sich wandelnden Gesellschaft aktiv und selbstbestimmt teilnehmen können.<ref name=":1">Heinz Mandl, Ulrike-Marie Krause: Lernkompetenz für die Wissensgesellschaft. Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Pädagogische Psychologie und Empirische Pädagogik, November 2001, abgerufen am 20. Mai 2026.</ref>
Teilbereiche der Lernkompetenz[Bearbeiten]
Lernkompetenz kann in Fach-, Methoden-, Sozial-, Medien- und persönliche Kompetenz unterteilt werden.<ref name=":0" /> Sie sollte als Teil der Bildung vermittelt werden.<ref name=":1" />
Um Fachkompetenzen zu erwerben, können in Schulen fachspezifische Eigenheiten und Herangehensweisen erarbeitet werden<ref>Fachkompetenz • Was ist Fachliche Kompetenz? Studyflix GmbH, 2026, abgerufen am 20. Mai 2026.</ref> wie beispielsweise Textverstehen im Deutschunterricht.
Für das Erlernen von Methoden können bei jüngeren Personen in Schulen einfachere Fertigkeiten wie das vollständige Bereithalten des eigenen Materials und strukturiertes Sprechen über ein bekanntes Thema beigebracht und eingeübt werden.<ref name=":0" /> Bei erfahreneren Personen können beispielsweise die Materialbeschaffung, Strukturierung und Darbietungsweise von längeren Texten als Referate oder als schriftliche Arbeiten vermittelt werden.<ref name=":0" />
Bei allen Schulgruppen kann von der Einzel- über die Paar- und die Gruppenarbeit eine höhere Komplexität verwendet werden, sodass soziale Kompetenzen mit vermittelt und erlebt werden können.<ref name=":0" />
Zum Lernen benötigen Lerner aller Altersstufen automatisierte Kenntnisse der Mediennutzung, um sich effizient mit den Inhalten statt der Technik auseinandersetzen zu können. Außerdem muss der Lerner die Relevanz und Zuverlässigkeit der Medienquellen bewerten können.<ref name=":1" /> Die Verwendung von Medien kann und soll in allen Schulfächern, die Bewertung von Authentizität und Relevanz von Quellen und Bildern kann und soll schrittweise in geeigneten Fächern geübt werden.<ref>Medienbildung. Ministerium für Kultus Baden-Württemberg, abgerufen am 20. Mai 2026.</ref>
Im beruflichen Kontext wird Lernkompetenz auch lebenslanges Lernen genannt.<ref name=":1" /> Dies umzusetzen setzt Lernkompetenz voraus und kann beispielsweise die Erarbeitung fachlicher Darstellungen, wie Fachbücher, -artikel, Zeichnungen, Schaltbilder sowie den kompetente Umgang in sozialen Beziehungen in Gruppen umfassen. Die Fähigkeit und Bereitschaft, im Beruf und über den Berufsbereich hinaus Lerntechniken und Lernstrategien zu entwickeln und diese zur Weiterbildung zu nutzen, wird in zahlreichen Berufsbildern erwartet.<ref>Jonathan Dyrna, Jana Riedel et al.: Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Weiterbildung: Ein Handbuch für Theorie und Praxis. Waxmann Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-8309-4364-8.</ref>
Herkunft des Begriffs[Bearbeiten]
Der Begriff der Lernkompetenz ist im Fachbereich der Pädagogischen Psychologie angesiedelt, die ab der Jahrtausendwende eine konstruktivistische Lehr-Lern-Philosophie vertritt. Dies bedeutet, dass Lernen ein vom Lerner selbstgesteuerter, aktiver Prozess ist und keine reine Übernahme des Lehrerwissens oder von Sachverhalten. Der Lerner integriert dargebotene oder zur Verfügung stehende Inhalte entsprechend der eigenen Vorkenntnisse, Erfahrungen und Überzeugungen.<ref name=":1" />
Durch die Idee der sich verringernden Halbwertszeit von Wissen gewinnt der Begriff der Lernkompetenz ab den 2010er Jahren zunehmend an Bedeutung, da das Lernen als aktive Fähigkeit garantieren soll, dass Personen sich selbst die jeweils nötigen Inhalte zur richtigen Zeit erarbeiten können, wenn sie lernkompetent sind.<ref>Klaus Konrad: Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen: Reclam Bildung und Unterricht. 1. Auflage. Reclam Verlag, Ditzingen 2023, ISBN 978-3-15-014296-7.</ref>
(Vor-)Bedingungen der Lernkompetenz[Bearbeiten]
Lernmotivation[Bearbeiten]
Um die Lernmotivation zu aktivieren, benötigt man ein Ziel, außerdem ein Interesse am Lernen der Inhalte und die Erwartung der gelingenden Selbstwirksamkeit, wie sie zuerst A. Bandura in den 1980ern formulierte.<ref name=":1" /><ref>Selbstwirksamkeit und Motivationsprozesse in Bildungsinstitutionen. In: Zeitschrift für Pädagogik, 44. Beiheft. Matthias Jerusalem, Diether Hopf, 2002, abgerufen am 20. Mai 2026.</ref>
Vorwissen[Bearbeiten]
Bei erfolgreichen Lernvorgängen werden vorhandene Konzepte beim Lerner aktiviert und die neuen Bestandteile in die bestehenden integriert und miteinander verknüpft. Dabei werden Basiswissen wie Kulturtechniken (Fertigkeiten in Sprachen) und Orientierungswissen (Anwendungssituationen) voneinander unterschieden. Beide Wissensarten sind Teil der Lernkompetenzen und werden für Lernen benötigt.<ref name=":1" />
Selbststeuerungskompetenz[Bearbeiten]
Unter den zahlreichen Möglichkeiten der Zeitgestaltung ist es erforderlich, zur richtigen Zeit für das Lernen förderliche Mechanismen auszuwählen (Weinert)<ref>Franz E. Weinert: Selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung, Methode und Ziel des Unterrichts. Belz Juventa, 1982, abgerufen am 20. Mai 2026.</ref> und andere Arten der Zeitgestaltung für den Moment des Lernens zurückzustellen.<ref name=":1" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Albert Bandura: Self efficacy: the exercise of control. W. H. Freeman, New York (N.Y.) 1997, ISBN 978-0-7167-2850-4.
- Jonathan Dyrna, Jana Riedel et al.: Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Weiterbildung: Ein Handbuch für Theorie und Praxis. Waxmann Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-8309-4364-8.
- Andrea Erkert: Kinder brauchen Lernspaß: Lernkompetenz anders fördern - selbstständiges Lernen lernen. Verlag modernes lernen, Dortmund 2022, ISBN 978-3-8080-0898-0.
- Heinz Klippert: Selbstständiges Lernen fördern: Strategien für Schule, Unterricht und Elternarbeit. Mit E-Book inside. 1. Auflage. Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim 2022, ISBN 978-3-407-63251-7.
- Klaus Konrad: Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen: Reclam Bildung und Unterricht. 1. Auflage. Reclam Verlag, Ditzingen 2023, ISBN 978-3-15-014296-7.
Weblinks[Bearbeiten]
- Heinz Mandl, Ulrike-Marie Krause, Lernkompetenz für die Wissensgesellschaft (PDF; 123 kB), 2001.
- Franz E. Weinert, Selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung, Methode und Ziel des Unterrichts 1982.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />