Choschen
Als Choschen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) wird eine Brusttasche bezeichnet, die zum Ornat des jüdischen Hohenpriesters gehörte.
Biblische Beschreibung[Bearbeiten]
Der Choschen wurde nach biblischer Darstellung für Aaron, den Bruder des Mose, angefertigt (Vorlage:Bibel/Link).
Grundmaterial des Choschen war ein textiles Material, näher definiert als „Kunstweber-Machart“. Gemeint ist eine Webtechnik. Der Hohepriester trug ein violettes Obergewand, zu dem die buntgemusterten Textilien Efod und Choschen einen Kontrast bildeten.<ref>Claudia Bender: Die Sprache des Textilen. ISBN 978-3-17-020102-6, S. 66.</ref> Farblich entsprach der Ornat der Farbgebung des Heiligtums (Mischkan), wodurch die Zugehörigkeit Aarons und seiner Amtsnachfolger zur göttlichen Sphäre augenfällig war.
Der Choschen erfüllte seine Funktion nur, wenn er am Efod, einem weiteren Stück des hohepriesterlichen Ornats, befestigt war.
Der Text ist sehr daran interessiert, dass der Choschen fest sitzt. An den vier Ecken der Tasche sind deshalb goldene Ringe angebracht. Durch die beiden oberen Ringe gehen goldene Kettchen, denn der Choschen ist durch seine zwölf Schmucksteine relativ schwer. Zur Befestigung an den beiden unteren Ringen sind dagegen Purpurschnüre vorgesehen. Sie sollen verhindern, dass der Choschen verrutscht.<ref>Claudia Bender: Die Sprache des Textilen. ISBN 978-3-17-020102-6, S. 239.</ref>
Der Ornat des Hohenpriesters, wie er hier beschrieben ist, entspricht den Gegebenheiten des Zweiten Tempels, auch wenn einzelne Elemente älter sein können. Einige Exegeten nehmen an, dass der Choschen in der komplizierten Form von Ex 28 eine kreative Leistung der Priesterschrift ist, die damit mehrere Zwecke verfolgt:
- Lostasche für die Urim und Tummim. Zur Zeit des Zweiten Tempels war das Losorakel längst außer Gebrauch.<ref name="Staubli">Thomas Staubli: Kleider in biblischer Zeit. S. 71.</ref> Die Lose, deren Gestalt unbekannt ist (vielleicht Stäbchen<ref name="Staubli" />), sind aber wegen ihrer Namen (Luther übersetzte: „Licht und Recht“) symbolisch interessant. Der Hohepriester brachte im Ritual die gerechte Weltordnung vor JHWH. Ähnliches ist, bezogen auf die Ma’at, aus dem ptolemäischen Ägypten bekannt.<ref name="Staubli" />
- Feste Verbindung der Lostasche mit dem Efod: Die Utensilien für das Orakel sind damit im Wortsinn an den Hohenpriester gebunden.<ref>Claudia Bender: Die Sprache des Textilen. ISBN 978-3-17-020102-6, S. 241.</ref>
- Der Hohepriester trägt bei seinem Dienst am Heiligtum die Namen der zwölf Stämme „über seinem Herzen“ – eine Art stummes Gebet für die ganze Gemeinde (nach Benno Jacob).<ref>Benno Jacob: Der Pentateuch. Leipzig 1905, S. 315.</ref>
Identifikationsversuche der Edelsteine[Bearbeiten]
Für jeden der zwölf Stämme Israels war an der Brusttasche ein Edelstein befestigt (drei Steine in vier Reihen), auf dem der Name des Stammes eingraviert war. Es gibt verschiedene Modelle, wie die Stämme auf die einzelnen Edelsteine verteilt werden; nach Raschi und Ramban waren sie nach dem Alter geordnet.<ref>Ludwig Philippson (Hrsg.): Die israelitische Bibel. Enthaltend: Den heiligen Urtext, die deutsche Übertragung, die allgemeine ausführliche Erläuterung mit mehr als 500 englischen Holzschnitten. Band 1. Leipzig 1844, S. 479.</ref>
| Name des Stammes | Masoretischer Text | Septuaginta | Septuaginta Deutsch<ref>Wolfgang Kraus, Martin Karrer (Hrsg.): Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung. Stuttgart 2009, ISBN 978-3-438-05122-6, S. 84.</ref> | Identifikation der Steine nach der jüdischen Tradition (Ludwig Philippson<ref>Ludwig Philippson: Die israelitische Bibel. Band 1, S. 478–479.</ref>) | Zürcher Bibel | Einheitsübersetzung 2016 | Lutherbibel 2017 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ruben | Odem {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Sarder | Ein roter Stein. | Rubin | Rubin | Sarder |
| Simeon | Pitda {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Topas | Da der Topas in der Antike als goldgelb oder grün bezeichnet wird, wird dieser Stein mit dem grünlichen Chrysolith aus Ägypten identifiziert. | Chrysolith | Topas | Topas |
| Levi | Bareqet {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Smaragd | Smaragd: grasgrün, glänzend und durchsichtig. | Smaragd | Smaragd | Smaragd |
| Juda | Nofech {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Karbunkel | In der Antike ein Stein wie eine glühende Kohle, daher mit Rubin oder Granat identifiziert. | Malachit | Karfunkel | Rubin |
| Dan | Sappir {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Saphir | Ein himmelblauer Stein. | Lapislazuli | Saphir | Saphir |
| Naftali | Jahalom {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Jaspis | Völlig ungewiss, vielleicht eine Varietät des Chalcedon: fleischfarben mit milchweißen Streifen. | Jaspis | Jaspis | Diamant |
| Gad | Leschem {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Ligyrion | Hyazinth: „ponceauroth“ und durchsichtig. | Hyazinth | Achat | Lynkurer |
| Ascher | Schvo {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Achat | Achat: mit allen Grundfarben und Streifen. | Achat | Hyazinth | Achat |
| Isaschar | Achlama {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Amethyst | Amethyst: violettblau und durchsichtig. | Amethyst | Amethyst | Amethyst |
| Sebulon | Tarschisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Chrysolyth | Chrysolyth: blassgrün oder gelb. Nach Plinius in Spanien zu finden, was zum hebräischen Namen passt (vgl. die Stadt Tarschisch). | Topas | Chrysolith | Türkis |
| Josef | Schoham {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | kleiner Beryll | Schohamstein: Beryll oder Onyx. | Karneol | Karneol | Onyx |
| Benjamin | Jaschfe {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) | Onyx | Jaspis: verschiedene Farben, undurchsichtig. Ägyptischer Jaspis ist braun. | Onyx | Onyx | Jaspis |
Rezeption[Bearbeiten]
Choschen ha-Mischpat, „Brusttasche des Rechtsentscheids“, heißt der vierte Teil des Schulchan Aruch.
Die Vulgata übersetzt den Choschen mit rationale: „Rationale quoque judicii facies opere polymito juxta texturam superhumeralis...“ (Ex 28,15a). „Vom B(rustschild) des Hohepriesters ist offenbar abhängig ein bischöflicher Brustschmuck, der vom 11. bis zum 13. Jh. mehrfach in den Schriftquellen als Rationale erwähnt und auf Denkmälern dargestellt, aber in keinem einzigen Beispiel erhalten ist.“<ref>Otto Schmitt: Brustschild (Rationale). In: RDK Labor. Abgerufen am 19. August 2018.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Claudia Bender: Die Sprache des Textilen. Untersuchungen zu Kleidung und Textilien im Alten Testament. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020102-6.
- Othmar Keel: Die Brusttasche des Hohenpriesters als Element priesterschriftlicher Theologie. In: Frank-Lothar Hossfeld, Ludger Schwienhorst-Schönberger (Hrsg.): Das Manna fällt auch heute noch. Beiträge zur Geschichte und Theologie des Ersten Testaments (FS Erich Zenger). Freiburg 2004, S. 379–391.
- Thomas Staubli: Kleider in biblischer Zeit. Bibel & Orient Museum Fribourg, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-940743-77-0.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />