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Lothar Cremer

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Datei:License Cremer.jpg
Lizenz für den Betrieb eines Gewerbes
Datei:Firmenschild Cremer.jpg
Das damalige Firmenschild

Lothar Cremer (* 16. August 1905 in München; † 16. Oktober 1990 in Miesbach) war ein deutscher Elektrotechniker und Akustiker. Ab 1954 war er ordentlicher Professor für Technische Akustik in Berlin. Cremer verfasste mehrere Bücher zum Thema Akustik und gilt als einer der führenden Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet der Technischen Akustik. Seit 1992 trägt der Nachwuchspreis der Deutschen Gesellschaft für Akustik ihm zu Ehren den Namen Lothar-Cremer-Preis.

Leben[Bearbeiten]

Lothar Cremer wurde 1905 in München als Sohn des Mediziners Max Cremer, Professor für Physiologie an der Universität in München, und Elisabeth oder Elsbeth Cremer, geborener Rothmund (Enkelin von August von Rothmund<ref>Cremer, Michael. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 197.</ref>), geboren. Er hatte einen acht Jahre älteren Bruder Hubert Cremer (1897–1983) und eine fünf Jahre ältere Schwester Erika Cremer (1900–1996). Hubert Cremer wurde später ordentlicher Professor der Mathematik an der TH Aachen und seine Schwester Professorin für physikalische Chemie an der Universität Innsbruck. Als Lothar Cremer sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Berlin. Sein Vater wurde dort Professor an der Universität. Am Kriegsende verschlug es Cremer mit seiner Familie nach Sielenbach.

Cremer spielte sehr gut Bratsche und wurde unterrichtet vom Virtuosen Oskar Sala, Trautonium. Er schwankte bei seiner Berufswahl zwischen Berufsmusiker und Ingenieur. Deshalb arbeitete er nach dem Abitur vorübergehend bei dem Unternehmen AEG und entschied sich dann für das Studium der Elektrotechnik. 1938 heiratete er im Freiburger Münster Lydia Richter. Der Ehe entsprossen drei Kinder: Cordula, Michael und Andreas. Michael Cremer (* 1942 in Berlin) wurde Ingenieur und 1978 Professor für Mess- und Regelungstechnik<ref>Cremer, Michael. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 197.</ref> an der Universität Hamburg.

Im Jahr 1930 legte Lothar Cremer an der Technischen Hochschule Berlin die Diplom-Prüfung in Elektrotechnik ab. Seine Diplomarbeit Zur Theorie der Frequenzabhängigkeit eines Wechselstromkreises mit Gleichstromgerät und Trockengleichrichter wurde von Franz Heinrich Ollendorff betreut. 1933 folgte die Promotion zum Dr.-Ing. unter Carl Ramsauer und Erwin Meyer zum Thema Theorie der Schallabsorption in porösen Wänden. 1940 habilitierte er sich an der Technischen Hochschule Berlin und begann dort seine Lehrtätigkeit als Dozent.

1946 erhielt Cremer die Genehmigung und Lizenz der amerikanischen Besatzungsmacht, ein Gewerbe als beratender Ingenieur für Schalltechnik im Hochbau in München zu betreiben. Das Unternehmen firmiert heute unter dem Namen Müller-BBM. Es wurde 1958 von Cremers Schüler Helmut A. Müller (1930–2015) übernommen und nahm 1962 weitere Partner auf, unter anderem den Schüler von Cremer Manfred Heckl und Leo Beranek (von Bolt, Beranek and Newman, kurz BBN). Cremer wirkte als Akustischer Berater unter anderem für die Liederhalle Stuttgart, den Herkulessaal und das Nationaltheater in München, die Deutsche Oper, die Philharmonie, den SFB-Sendesaal, das Internationale Kongresszentrum in Berlin, das Auditorium Manuel de Falla in Granada und die De Vos Hall in Grand Rapids (USA).

Ab 1949 lehrte Cremer in München an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Hochschule. 1951 wurde er außerplanmäßiger Professor. In seiner Münchner Zeit wirkte Cremer unter anderem zum ersten Mal beim Bau eines großen Konzertsaales mit, dem früheren Thronsaal in der zerstörten Münchner Residenz. Dieser Raum – wegen der flandrischen Wandteppiche mit den Taten des Herkules heute als Herkules-Saal bezeichnet – fasst 1200 Personen und war der erste mit frei hängenden Reflektoren.

1954 erhielt Cremer den Ruf an die Technischen Universität Berlin, wo er ordentlicher Professor für Technische Akustik und Direktor des neu gegründeten Instituts für Technische Akustik (ITA) und Abteilungsleiter am Heinrich-Hertz-Institut wurde. 1960 wurde er Direktor des Heinrich-Hertz-Instituts. Im Jahr 1970 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.<ref>Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Band 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Band 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 62.</ref> 1972 wurde er emeritiert.

1974 erhielt Cremer von der Acoustical Society of America den Wallace Clement Sabine Award und 1989 die Goldmedaille.

Lothar Cremer wurde auf dem Waldfriedhof in seinem Wohnort Miesbach bestattet.

Schriften[Bearbeiten]

  • Die wissenschaftlichen Grundlagen der Raumakustik. 3 Bände. S. Hirzel, Leipzig 1948–1950.
    • Band 1: Geometrische Raumakustik. 1948
    • Band 2: Statistische Raumakustik. 1961
    • Band 3: Wellentheoretische Raumakustik. 1950.
  • mit Helmut A. Müller: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Raumakustik. 2., neugegliederte und völlig neubearbeitete Auflage. 2 Bände, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1977–1978
    • Band 1 (Teil 1–3): Geometrische Raumakustik, Statistische Raumakustik, Psychologische Raumakustik. ISBN 978-3-7776-0315-5
    • Band 2 (Teil 4): Wellentheoretische Raumakustik. ISBN 978-3-7776-0317-9.
  • mit H. Heckl: Körperschall. 1967.
  • Vorlesung über Technische Akustik. 1971.
  • Physik der Geige. Hirzel, Stuttgart 1981.

Literatur[Bearbeiten]

  • Festkolloquium zu Prof. Lothar Cremers 100. Geburtstag. ITA TU Berlin, 25. November 2005.
  • Cremer, Lothar. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 197.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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