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Lueshit

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Lueshit
Datei:Lueshite-md35a.jpg
Lueshitkristall aus der Typlokalität „Lueshe Mine“, Kivu, Demokratische Republik Kongo (Größe: 0,6 × 0,6 × 0,6 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1962 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Lue<ref name="Warr" />

Andere Namen

Igdloit

Chemische Formel NaNbO3<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/C.07
IV/C.10-060<ref name="Lapis" />

4.CC.30
04.03.03.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m
Raumgruppe Pbma (Nr. 57, Stellung 5)Vorlage:Raumgruppe/57.5<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 5,57 Å; b = 15,52 Å; c = 5,50 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 8<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,44; berechnet: [4,58]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit unvollkommen nach {001}
Bruch; Tenazität nicht definiert
Farbe schwarz, rötlichbraun bis braunviolett
Strichfarbe grau
Transparenz undurchsichtig, kantendurchscheinend
Glanz schwacher Metallglanz
Kristalloptik
Brechungsindex n 2,29 bis 2,30<ref name="Handbookofmineralogy" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 46 bis 90°<ref name="Handbookofmineralogy" />

Lueshit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung NaNbO3<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein zu den Oxidmineralen zählendes Natriumniobat.

Lueshit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist würfelähnliche oder unregelmäßig oktaedrische Kristalle bis etwa 1,5 Zentimeter Größe mit einem schwachen Metallglanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und von schwarzer Farbe. Nur dünne Ecken und Kanten sind rötlichbraun bis braunviolett durchscheinend. Die Strichfarbe ist allerdings grau.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Entdeckt wurde Lueshit in der „Lueshe Mine“, etwa 180 km nördlich von Goma (Nord-Kivu) in der Demokratischen Republik Kongo. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Alexandre Safiannikoff,<ref name="Congominerals" /> der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte. Seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen veröffentlichte er 1959 im französischen Fachmagazin Bulletin des Séances der Académie Royal des Sciences d’Outre-Mer.

Da die International Mineralogical Association (IMA) zwar schon 1958 gegründet wurde, aber die für die Nomenklatur und An- bzw. Aberkennung zuständige Commission on New Minerals and Mineral Names (CNMMN; später Commission on new Minerals, Nomenclature and Classification, CNMNC) erst 1960 ihre Arbeit aufnahm, gehört Lueshit zu den „Übergangsmineralen“, die keine offizielle IMA-Nummer haben. Stattdessen wurde das Mineral zusammen mit vielen anderen durch eine Abstimmung der Mitglieder mit einer Stimmenmehrheit von über 60 % nachträglich anerkannt und diese Summenanerkennung 1962 publiziert.<ref name="IMA-1962" /> Lueshit wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA/CNMNC unter der Summenanerkennung „IMA 1962 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" /> Die 2021 ebenfalls offiziell anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Lueshit lautet „Lue“.<ref name="Warr" />

Klassifikation[Bearbeiten]

Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Lueshit zur Gruppe der stöchiometrischen Einfachperowskite in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Bariolakargiit, Barioperowskit, Isolueshit, Goldschmidtit, Lakargiit, Loparit, Heamanit-(Ce), Macedonit, Megawit, Perowskit und Tausonit die Perowskit-Untergruppe.<ref name="Mitchell et al. 2017" />

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Lueshit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „M2O3- und verwandte Verbindungen“, wo er zusammen mit Latrappit, Loparit-(Ce) (ehemals Loparit), Perowskit und Zirkelit sowie den inzwischen diskreditierten Mitgliedern Dysanalyt (Varietät von Perowskit), Nioboloparit (Varietät von Loparit-(Ce)) und Uhligit die „Perowskit-Gruppe“ mit der System-Nr. IV/C.07 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/C.10-060. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3 (M2O3 und verwandte Verbindungen)“, wo Lueshit zusammen mit Barioperowskit, Isolueshit, Lakargiit, Latrappit, Loparit-(Ce), Macedonit, Megawit, Natroniobit, Pauloabibit, Perowskit, Tausonit und Vapnikit die „Perowskitreihe“ mit der System-Nr. IV/C.10 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Lueshit in die erweiterte Abteilung der „Metall : Sauerstoff = 2 : 3, 3 : 5 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Barioperowskit, Lakargiit, Latrappit, Natroniobit und Perowskit die „Perowskit-Lueshit-Gruppe“ mit der System-Nr. 4.CC.30 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Lueshit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxide“ ein. Hier ist er zusammen mit Barioperowskit, Isolueshit, Lakargiit, Latrappit, Loparit-(Ce), Perowskit, Tausonit in der „Perowskit-Gruppe“ mit der System-Nr. 04.03.03 innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Lueshit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pbma (Raumgruppen-Nr. 57, Stellung 5)Vorlage:Raumgruppe/57.5 mit den Gitterparametern a = 5,57 Å; b = 15,52 Å und c = 5,50 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Die Verbindung NaNbO3 ist dimorph und kommt in der Natur neben dem orthorhombisch kristallisierenden Lueshit noch als kubisch kristallisierender Isolueshit vor; möglicherweise auch als monoklin kristallisierender Natroniobit, wobei dessen Mineralstatus bisher noch fraglich ist.<ref name="IMA-Liste" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Lueshit bildet sich in niobhaltigen Calcit-Karbonatiten. Als Begleitminerale können unter anderem Dolomit, Eudialyt, Fersmit, verschiedene Glimmer, Griceit, Ilmenit, Lovozerit, Perowskit, Pyrochlor, Sodalith, Steenstrupin, Thorianit, Ussingit, Vermiculit, Villiaumit auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Lueshit bisher nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen<ref name="Mindat-Anzahl" /> dokumentiert sind (Stand 2023). Seine Typlokalität „Lueshe Mine“ ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Demokratischen Republik Kongo.<ref name="Fundorte" />

Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem die sogenannte „Pegmatit-Provinz“ (ca. 120 km² großes Gebiet mit Seltene-Erden-haltigen Pegmatiten) am Roten Meer in Ägypten, die Lagerstätte für Metalle der Seltenen Erden „Toongi“ im Gordon County von New South Wales in Australien, die Gruben „Demix-Varennes“ nahe Saint-Amable und „Poudrette“ am Mont Saint-Hilaire in der kanadischen Provinz Québec, einige Fundpunkte im Ilimmaasaq-Komplex (auch Ilimaussaq-Komplex oder englisch Ilímaussaq complex) in der Kommune Kujalleq in Grönland, Afrikanda, Kowdor, Lowosero und Sallanlatvi auf der russischen Halbinsel Kola sowie die „Vermiculit Mine“ im Fremont County des US-Bundesstaates Colorado.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Lueshite – Sammlung von Bildern
  • Lueshit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Lueshite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 25. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: Lueshite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 25. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • IMA Database of Mineral Properties – Lueshite. In: rruff.info. RRUFF Project; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Lueshite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Lueshite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Congominerals"> The minerals of the Democratic Republic of Congo. In: euromin.w3sites.net. The EUROMIN project, abgerufen am 25. Juni 2023. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Lueshit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 25. Juni 2023. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-1962"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Lueshite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 26. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mitchell et al. 2017"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>