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Luftangriff

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Vorlage:Hinweisbaustein

Datei:Air superiority (16626151685).jpg
Formationsflug
Datei:USN F-18E Iraq 230914.jpg
Rotte von F-18-Kampfflugzeugen
Datei:French Mirage 2000D Refueling (25786379793).jpg
Luftbetankung einer Mirage
Datei:Airstrikes in Syria 141002-F-UL677-134.jpg
E-3B Sentry AWACS koordiniert einen Nachtangriff auf ISIS-Stellungen im Irak
Datei:Airstrikes in Syria 140923-F-UL677-654.jpg
F-15-Maschinen im Anflug auf ein Ziel in Syrien
Datei:Awacs-trails.jpg
AWACS-Flugzeug
Datei:F-14A VF-114 Over Iraq-1991.JPEG
Eine F-14 überfliegt ein bombardiertes Flugfeld im Irak
Datei:Simulated Napalm Airstrike.jpg
Simulierter Napalmangriff
Datei:Coalition Airstrike on ISIL position in Kobane.jpg
Luftangriff der Koalition auf Kobane
Datei:Baghdad airstrike 20070712 148s548to196s963.ogv
Video über einen Luftangriff in Bagdad durch einen Apache-Kampfhubschrauber
Datei:Luftangriffsverband.svg
Typischer Luftangriffsverband der 1980er Jahre

Ein Luftschlag oder Luftangriff ist eine Angriffsoperation, die von Kampfflugzeugen (in der Regel Jagdbombern oder Erdkampfflugzeugen) oder Kampfhubschraubern durchgeführt wird. Dies umfasst Schläge gegen Feindziele aller Art (auch Luftziele). Im allgemeinen Sprachgebrauch sind damit taktische Angriffe kleinerer Einheiten auf Boden- und Seeziele gemeint. Bei Luftschlägen werden Bordmaschinenwaffen (Maschinengewehre und Maschinenkanonen), Bomben (Freifallbomben und Smart Bombs) und Raketen eingesetzt. Bei der Gefechtsfeldabriegelung und Luftnahunterstützung (Close Air Support – CAS) werden Luftschläge, ähnlich wie Artilleriefeuer, von einem Forward Air Controller (FAC) geleitet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste Luftangriff der Geschichte fand im Italienisch-Türkischen Krieg am 1. November 1911 auf eine Oase im damals osmanischen Libyen statt. Während des Ersten Weltkrieges begann der Bombenkrieg schon in den ersten Kriegstagen, unter anderem mit Zeppelin-Angriffen auf die Festung Lüttich. In der Schlacht von Neuve-Chapelle wurde erstmals der englische Begriff air strike geprägt. Im Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg nahm die Entwicklung von Präzisionsmunition ihren Anfang, was dazu führte, dass Luftschläge von reinen Flächenbombardement mit Freifallbomben auf gezielte Angriffe gegen Punktziele ausgeweitet werden konnten. Die große Bedeutung von Präzisionsangriffen wird durch statistische Erhebungen untermauert. Während des Zweiten Weltkrieges waren häufig über 100 Flächenbombenangriffe nötig, um ein einziges Punktziel auszuschalten. Im Golfkrieg war die US Air Force in der Lage, mithilfe von lasergesteuerten Bomben direkte Treffer auf geplante Ziele zu setzen, ohne größere Kollateralschäden zu verursachen. Navigationssysteme wie LANTIRN ermöglichen zum Beispiel Tiefflugeinsätze auch bei Nacht. Luftschläge können aus strategischen Zwecken auch außerhalb von Kriegen stattfinden. Ein Beispiel hierfür ist die israelische Operation Opera 1981 auf einen irakischen Kernreaktor, die ohne eine vorherige Kriegserklärung stattfand. In der US-amerikanischen Militärdoktrin haben Luftschläge eine hohe Gewichtung, da diese ein Eingreifen von Bodentruppen (boots on the ground) verhindern sollen. Im syrischen Bürgerkrieg werden auch von der Russischen Föderation Luftangriffe geflogen, die aufgrund ihrer Konfliktsituation<ref>Russland will US-Flugzeuge in Syrien als Ziele behandeln. Das US-Militär schießt einen syrischen Kampfjet ab; Assads Verbündeter Russland reagiert mit Drohungen gegen Washington. Die USA wollen die Lage schnell entspannen. Zeit Online, 19. Juni 2017</ref> eine Konfrontation mit den USA auslösen könnten.

Bekannte Luftangriffe[Bearbeiten]

Planung von Luftangriffen[Bearbeiten]

Vorlage:Hinweisbaustein Moderne Luftschläge werden in folgende Phasen gegliedert:<ref>Decision Aiding Concepts for Air Strike Planning. Technical Report 1454-A. J.R. Simpson, 1980</ref>

Zielauswahl[Bearbeiten]

An erster Stelle bei der Planung eines Lufteinsatzes steht die Zielauswahl und die Definition des prozentualen Zerstörungsgrades. Art des Ziels und Stärke der gegnerischen Luftverteidigung bestimmen die Wahl der eingesetzten Kampfflugzeuge und Waffen. Ziele mit unterschiedlicher Wertigkeit können Flugplätze, Versorgungseinrichtungen, Kasernen, Bunkeranlagen, Depots, Erdölraffinerien, Kommunikationszentren, Munitionsfabriken, Brücken, Gefechtsstände und Kommandostellen, Silos von Interkontinentalraketen, Schiffe und dergleichen mehr sein. Flugplätze sind aufgrund ihrer großen Bedeutung zumeist auch die am stärksten verteidigten und gesicherten Ziele.<ref>Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, S. 184, ISBN 978-3-613-01926-3.</ref> So hatte zum Beispiel während des Falklandkrieges die Ausschaltung des Flugplatzes von Port Stanley eine zentrale Bedeutung.

Waffeneinsatz[Bearbeiten]

Bei der Wahl des Waffeneinsatzes müssen einerseits die Waffensysteme und Ausrüstung für die Zerstörung/Bekämpfung des Ziels sowie für das Niederhalten des feindlichen Flugabwehrfeuers berücksichtigt werden. Die Kampfbeladung der Angriffsflugzeuge richtet sich in erster Linie nach der jeweiligen Ladekapazität und bestimmt die Angriffstaktik. Die Waffenbeladung bestimmt Geschwindigkeit, Flughöhe, Beschleunigung, Treibstoffverbrauch (Zusatztanks), sowie die allgemeine Manövrierbarkeit des Kampfflugzeuges. Eine hohe Kampfbeladung ist beispielsweise mit einer verringerten Reichweite korreliert. Typische Jagdbomber für Luftschläge sind auf westlicher Seite Grumman F-14 Tomcat, Mehrzweckkampfflugzeug Tornado, McDonnell Douglas F-15 Eagle und General Dynamics F-16 Fighting Falcon.<ref>Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, S. 186, ISBN 978-3-613-01926-3.</ref> Bei der Raketenlenkung unterscheidet man folgende Verfahren<ref>Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, S. 188, ISBN 978-3-613-01926-3.</ref>:

  • aktives Radar (Fire-and-Forget): Rakete sucht selbstständig Ziel mit eigenem Radar
  • halb-aktives Radar (SAR): Flugzeug muss dem Ziel folgen und die Rakete folgt den Strahlen, die vom Ziel reflektiert werden
  • IR-Lenkung (Fire-and-Forget): Rakete folgt der Wärmestrahlung des Ziels

Taktische Grundlagen[Bearbeiten]

Aufgrund seiner großen Komplexität ergeben sich hierbei verschiedene Interaktionen. Ein Luftschlag besteht aus folgenden Blöcken:

  • Aufklärung

Grundlegende Bedingung für einen Luftschlag ist die hinreichende Aufklärung des Zielgebietes.

  • Angriffseinsatz (Strike Mission) und Eskorteinsatz (Escort Mission)

Hierbei werden die eingesetzten Flugzeuge in Angriffs- und begleitende Eskortrotten unterteilt. Die Aufgabe der Eskortrotten besteht darin, feindliches Flugabwehrfeuer niederzuhalten oder durch ECM nachhaltig zu stören, bis der Einsatz beendet ist.

Entscheidend für den Erfolg eines Luftschlags ist die Unterdrückung der feindlichen Luftabwehr (SEAD – Suppression of Enemy Air Defences), für die lange Zeit vorrangig Tornado ECR, F-16 und F-4 taktische Jäger vorgesehen waren. Auf Seiten des Warschauer Paktes waren es MiG-25 und Tupolew Tu-22M. Außerdem kommt ELOKA-Flugzeugen wie dem EF-111A<ref>Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, S. 60, ISBN 978-3-613-01926-3.</ref> dabei eine große Bedeutung zu. Während des Kalten Krieges sollten sie nur wenig hinter der vordersten Frontlinie in bestimmten Umlaufbahnen fliegen, um bei Bedarf für einen eigenen Luftangriff herangezogen zu werden. Bei einem Angriff kam diesen Maschinen verschiedene Aufgaben zu. So konnten sie beispielsweise durch Abstandsstörung (SOJ stand-off jamming) den Anflug feindlicher Abfangjäger nachhaltig irritieren. Der Angriff selbst wurde zumeist mit hoher Geschwindigkeit im Tiefflug unterhalb der Radarreichweite ausgeführt, wobei der Störung des feindlichen SAM- und AAM-Radar (Surface to Air Missile und Air to Air Missile) die Hauptaufgabe zukam. Die EF-111A begleiteten die Jagdbomber auf ihren Missionen. Eine einzelne EF-111A war in der Lage, für einen größeren Verband eigener Flugzeuge, einen Korridor durch die feindliche Radarabtastung zu öffnen. Beim Aufeinandertreffen der Kampfflugzeuge der Strike Force auf feindliche Abfangjäger kann es zu Air Combat Manoeuvres (ACM oder Dogfight) kommen. Bei Ortung und anschließender Bekämpfung unterscheidet man nach Sichtbereich (WVR – within visual range) oder außerhalb des Sichtbereichs (BVR – beyond visual range). Luftkämpfe am bedeckten Himmel Mitteleuropas<ref>Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, S. 186, ISBN 978-3-613-01926-3.</ref> hätten daher überwiegend unter BVR-Bedingungen stattgefunden. Die fünf Phasen des modernen Luftkampfes<ref>Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, S. 175, ISBN 978-3-613-01926-3.</ref> bestehen aus: Ortung (elektronisch, visuell oder durch Wärmeabgabe), Annäherung in eine günstige Angriffsposition, Manöver und Abflug.

  • Leitung
    • Route und Zeitplan von Leitungsorganen der Führungsebene (command and control platforms): ASP (Airstrike Planner) und Stab. Auf Seiten der NATO waren das unter anderen das RAF Strike Command und das Tactical Air Command. AWACS-Flugzeuge wie die US-amerikanische Boeing E-3 „Sentry“ und die sowjetische Berijew A-50 „Mainstay“, die als „fliegende Gefechtsstände“ aufgrund ihres leistungsfähigen Radarsystems Luftangriffe koordinieren können. AWACS als „fliegende Warn- und Kontrollsysteme“<ref>Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, S. 186, ISBN 978-3-613-01926-3.</ref> entdecken tieffliegende Luftfahrzeuge früher als Radarstationen am Boden und gehören daher auch zu den Hochwertzielen feindlicher Luftangriffe. AWACS benötigen einen starken Jagdschutz, um ungestört operieren zu können.
    • Funkregelung (EMCON – Emission Control – Sendeverbot)
  • Luftbetankung
    • Flugroute und Zeitplan der Tankflugzeuge
    • Unterstellung von Tankflugzeugen und Treibstoffbedarf

Rechnergestützte Entscheidungshilfen bieten Programme wie das WAASP (Weapon Allocation Aid for Strike Planning). Eine fünfstufige Einsatzplanung ist in Grundzügen auch noch im 21. Jahrhundert gültig.

Vorlage:Hinweisbaustein Bei den Kampfpiloten läuft in der letzten Phase des Angriffs die zeitsensitive Zielauffassung (Time-Sensitive Targeting/Dynamic Targeting) ab.

  • Find: Aufspüren des Ziels
  • Fix: Fixieren des Ziels
  • Track: Sensoren nehmen die Bewegungen des Ziels auf und geben diese an die Waffenleitanlage des Kampfflugzeuges weiter
  • Target: Nach einer raschen Entscheidungskette erfolgt der Befehl, das Ziel zu bekämpfen
  • Engage: Auslösen der Waffenanlage
  • Assess: Feststellung, ob das Ziel getroffen oder verfehlt wurde (hits vs. miss). Beurteilung, welche Schäden der Luftschlag bewirkt hat und ob ein zweiter Angriff notwendig ist


  • Notfallpläne

Diese können alternative Ziele beinhalten, falls die Ersten aufgrund starker Abwehrmaßnahmen nicht bekämpft werden können. Auch können veränderte Witterungsbedingungen eine grundlegende Änderung des Angriffsplans herbeiführen. Situationen, bei der die Funkstille unterbrochen werden darf, müssen vorher festgelegt werden. Dazu gehören auch Umstände, die zu einem kompletten Abbruch der Mission führen. Search and Rescue beinhaltet die Maßnahmen, die zum Tragen kommen, wenn Piloten abgeschossen werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Gräff: Tod im Luftangriff. Ergebnisse pathologisch-anatomischer Untersuchungen anlässlich der Angriffe auf Hamburg in den Jahren 1943–45. Nölke, Hamburg 1948; 2., erweiterte Ausgabe 1955, DNB-Link.
  • Bill Gunston und Mike Spick: Moderne Kampfflugzeuge, Motorbuch Verlag, 2001, ISBN 978-3-613-01926-3.
  • Thomas Hippler, aus dem Französischen von Daniel Fastner: Die Regierung des Himmels: Globalgeschichte des Luftkriegs. Matthes & Seitz Verlag Berlin. 2017, ISBN 978-3-95757-336-0.
  • Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverl. d. DDR. Berlin, 1981, ISBN 978-3-327-00218-6.
  • Dana Bell: Air War Over Vietnam: volume 4. Arms & Armour Press. 1984, ISBN 978-0-85368-635-4.
  • Norman Friedmann: Fighters Over the Fleet: Naval Air Defence from Biplanes to the Cold War. Pen & Sword Books Ltd. 2016, ISBN 978-1-84832-404-6.
  • Santiago Rivas: Wings of the Malvinas: The Argentine Air War Over the Falklands. Hikoki Publications. 2012, ISBN 978-1-902109-22-0.
  • Tim Ripley: Air War Iraq. Wharncliffe Books. 2004, ISBN 978-1-84415-069-4.
  • Jim Corrigan: Desert Storm Air War: The Aerial Campaign against Saddam's Iraq in the 1991 Gulf War. Rowman & Littlefield, 2017, ISBN 978-0-8117-1776-2.
  • Babak Taghvaee: Air War on Terror. Helion & Company Limited. 2018, ISBN 978-1-911096-53-5.
  • Jakub Marszalkiewicz: Air Combat During Arab-israeli Wars (Library of Armed Conflicts). Kagero Verlag. 2017, ISBN 978-83-65437-49-5.
  • Hugh Harkins: Air War over Syria – Tu-160, Tu-95MS & Tu-22M3: Cruise Missile and Bombing Strikes on Syria, November 2015 – February 2016. Centurion Publishing. 2016, ISBN 978-1-903630-65-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Luftangriff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Luftangriff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />