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Lydia Kindermann

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Lydia Kindermann (1920)

Lydia Kindermann (21. September 1892 in Łódź, Russisches Kaiserreich – 4. Dezember 1953 in Wien) war eine polnische, später argentinische Opernsängerin (Mezzosopran/Alt), die vor dem NS-Regime zuerst nach Prag, dann nach Buenos Aires flüchten musste.

Leben[Bearbeiten]

Lydia Kindermann debütierte 1917 am Theater von Teplitz-Schönau (Teplice), wo sie in der Spielzeit 1917/18 ihr erstes Festengagement hatte.<ref>Lydia Kindermann. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1918. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. 29. Jahrgang, Berlin 1918, S. 582/583 [Teplitz-Schönau] und S. 723 [Register].</ref>

Im Frühjahr 1918 gastierte sie als Frau Reich in Die lustigen Weiber von Windsor und als Azucena in Der Troubadour am Opernhaus der Stadt Graz und wurde daraufhin zur Spielzeit 1918/19 fest engagiert.<ref>Die lustigen Weiber von Windsor. Besetzung vom 3. Februar 1918. Spielplanarchiv Oper Graz. Abgerufen am 3. Mai 2025</ref><ref>Il Trovatore. Besetzung vom 14. April 1918. Spielplanarchiv Oper Graz. Abgerufen am 3. Mai 2025</ref><ref>Lydia Kindermann. Vorstellungen 1918–1921. Spielplanarchiv Oper Graz. Abgerufen am 3. Mai 2025</ref>

Zur Spielzeit 1921/22 wechselte sie an die Württembergische Staatsoper in Stuttgart.<ref>Lydia Kindermann. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1922. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. 33. Jahrgang, Berlin 1922, S. 537 [Stuttgart I] und S. 776 [Register].</ref> In der Spielzeit 1926/27 war sie am Opernhaus der Stadt Köln engagiert.<ref>Lydia Kindermann. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1927. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. 38. Jahrgang, Berlin 1927, S. 427 [Köln I] und S. 701 [Register].</ref> Dort sang sie unter anderem im Januar 1927 in der Uraufführung von Arthur Honeggers biblischem Drama Judith. Von 1927 bis 1931 gehörte Kindermann dem Ensemble der Berliner Staatsoper unter den Linden an und sang dort unter anderem 1929 in der deutschen Erstaufführung von Umberto Giordanos letzter Oper Il Re.

Ab 1927 gastierte Kindermann im europäischen Ausland. 1927 sang sie in Madrid die Fricka. 1928 trat sie am Teatro Liceu in Barcelona auf. 1931 sang sie in Amsterdam die Magdalene in Die Meistersinger von Nürnberg und die Brangäne in Tristan und Isolde. 1931 wirkte sie in Paris in einem Wagner-Konzert mit. Als Konzertsängerin hatte sie insbesondere in Amsterdam große Erfolge, wo sie mehrfach als Solistin des Concertgebouw-Orchesters unter Willem Mengelberg zu hören war. 1931 war sie im Film Die Koffer des Herrn O.F. von Alexis Granowsky zu sehen.

Bereits 1932 – „möglicherweise wegen der zunehmenden antisemitischen Hetze“<ref>Hannes Heer; Jürgen Kesting; Peter Schmidt: Verstummte Stimmen: Die Bayreuther Festspiele und die „Juden“ 1876 bis 1945 ; eine Ausstellung. Metropol 2012, ISBN 978-3-86331-087-5.</ref> – ging sie nach Prag, wo sie sechs Jahre lang dem Ensemble des Deutschen Theaters angehörte. Sie sang dort ein breites Spektrum von Rollen, von Mozarts Marzelline (in Le nozze di Figaro) über Verdis Ulrica (in Ein Maskenball) bis hin zu zahlreichen Wagner-Partien. Im Mai 1933 übernahm sie dort die Rolle der Nastasja in der Uraufführung der Oper Verlobung im Traum von Hans Krása.<ref>Hans Krása: Verlobung im Traum. Aufführungsgeschichte. Musica non grata.cz. Abgerufen am 3. Mai 2025</ref> Im Juni 1938 wirkte sie am Deutschen Theater Prag in der Uraufführung von Ernst Kreneks Oper Karl V. in der Rolle der Juana mit.<ref>Karl V, Bühnenwerk mit Musik in zwei Teilen, op. 73. Details zur Uraufführung. Abgerufen am 3. Mai 2025</ref> Zu ihren Wagner-Rollen zählten Fricka und Waltraute (in Die Walküre), Brangäne und die Ortrud (in Lohengrin).

Im Oktober 1937 gastierte sie erstmals an der Seite von Max Lorenz unter der musikalischen Leitung von Erich Kleiber als Magdalene in Die Meistersinger von Nürnberg am Teatro Colón von Buenos Aires.<ref>Temporada 1937. Offizielle Internetpräsenz des Teatro Colón. Abgerufen am 3. Mai 2025</ref><ref>Lydia Kindermann. Aufführungsdatenbank. Offizielle Internetpräsenz des Teatro Colón. Abgerufen am 3. Mai 2025</ref> Am 22. September 1938 stand sie zum letzten Mal in Prag auf der Bühne, als Amalia in Verdis Schiller-Vertonung Luisa Miller.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei am 1. Oktober 1938 floh Lydia Kindermann nach Südamerika. Sie folgte einer Einladung Kleibers und sang in den folgenden zehn Jahren am Teatro Colón, gab aber auch Liederabende und Orchesterkonzerte in einer Reihe argentinischer Städte, in Chile und in Uruguay. 1939 nahm sie die argentinische Staatsbürgerschaft an. 1940 sang sie unter Arturo Toscanini das Altsolo in Beethovens 9. Sinfonie – mit dem Bass Alexander Kipnis und dem Tenor René Maison. Neben Ortrud, Brangäne, Erda (in Das Rheingold), Fricka und Waltraute (auch in Götterdämmerung), sowie Ulrica sang sie am Teatro Colón auch die Geneviève (in Pelléas et Mélisande), die Mrs. Quickly (in Falstaff), die Klytämnestra (in Elektra), die Herodias (in Salome) und die Iokaste (in Oedipus Rex), letztere 1942 unter dem Dirigat von Juan José Castro. Besonderen Zuspruch bei Publikum und Presse fanden drei Aufführungsserien am Teatro Colón: Tristan und Isolde mit Helen Traubel und Lauritz Melchior, dirigiert von Fritz Busch, Daphne mit Rose Bampton und Anton Dermota, dirigiert von Kleiber (Kindermann sang die Gaea), und schließlich 1948 eine prominent besetzte Götterdämmerung mit Kirsten Flagstad, Set Svanholm, Hans Hotter, Rose Bampton, Ludwig Weber und Lydia Kindermann, wiederum dirigiert von Erich Kleiber.

1949 kehrte Lydia Kindermann nach Wien zurück und wirkte als Gesangspädagogin. Zu ihren Schülerinnen zählten Nina Carini und Myrtha Garbarini. 1949 gab sie in Innsbruck noch einmal einen Liederabend.

1953 erkrankte sie an einem bereits 1935 einmal von Ferdinand Sauerbruch in Wien operierten Gehirntumor und starb kurz darauf. Ihre letzte Ruhestätte befand sich auf dem Neustifter Friedhof in Wien. Das Grab ist mittlerweile aufgelassen.

Tondokumente[Bearbeiten]

Schellackplatten

ELECTROLA. Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Teilmitschnitt der Aufführungen vom 29. April 1928, Dirigent Leo Blech und vom 22. Mai 1928, Dirigent Erich Kleiber

ELECTROLA. Berlin, Singakademie, 10. September 1928. Orchester der Staatsoper Berlin, Leo Blech (Dirigent)

TELEFUNKEN. Berlin, Singakademie, 11. Juni 1932. Orchester der Staatsoper Berlin, Selmar Meyrowitz (Dirigent)

  • Aida (Verdi): Finale 2. Akt. Mit Pearl Yorder (Aida), Lydia Kindermann (Amneris), Louis Graveure (Radames), Hans Reinmar (König), Louis van de Sande (Ramphis), Chor der Staatsoper Berlin. Telefunken F 1161
  • Die Meistersinger von Nürnberg (Wagner): Selig wie die Sonne. Mit Pearl Yorder (Eva), Lydia Kindermann (Magdalene), Helge Rosvaenge (Stolzing), Max Kuttner (David), Hans Reinmar (Sachs). Telefunken SK 1162
  • Rigoletto (Verdi): Holdes Mädchen, sieh mein Leiden. Mit Pearl Yorder (Gilda), Lydia Kindermann (Maddalena), Helge Rosvaenge (Herzog), Hans Reinmar (Rigoletto). Telefunken SK 1162.

Mitschnitte (z. T. gekürzt) von Aufführungen des Teateo Colón, Buenos Aires.<ref>Kinderman/Kindermann in: Andreas Ommer: Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen: von 1907 bis zur Gegenwart. Zweite, erweiterte und überarbeitete Ausgabe. Directmedia Publishing, Berlin 2007. CD-ROM (= Zeno.org 20)</ref> Orquesta Estable del Teatro Colón Buenos Aires

  • Die Walküre (Wagner). Mit Majorie Lawrence (Brünnhilde), René Maison (Siegmund), Emanuel List (Hunding), Herbert Janssen (Wotan), Irene Jessner (Sieglinde), Rise Stevens (Fricka), Lydia Kindermann (Rossweisse). Erich Kleiber (Dirigent). Vorstellung vom August 1940
  • 9. Sinfonie (Beethoven). Mit Judith Hellwig, Lydia Kindermann, René Maison, Alexander Kipnis. Arturo Toscanini (Dirigent). Aufführung vom 24. Juli 1941
  • Matthäus-Passion (J. S. Bach). Mit Alvaro Bandini (Evangelist), Victor Damiani (Christus), Martial Singer, Delia Rigal, Lydia Kindermann. Fritz Busch (Dirigent). Aufführung vom 18. April 1943, Spanisch gesungen
  • Tristan und Isolde (Wagner). Mit Helen Traubel (Isolde), Lauritz Melchior (Tristan), Lydia Kindermann (Brangäne), Emanuel List (Marke) Herbert Janssen (Kurwenal), Renato Cesari (Melot). Fritz Busch (Dirigent). Vorstellung vom 7. August 1943
  • Parsifal (Wagner). Mit Herbert Janssen (Amfortas), Hans Braun (Titurel), Emanuel List (Gurnemanz), Günther Treptow (Parsifal), Felipe Romito (Klingsor), Rose Bampton (Kundry), Lydia Kindermann (Stimme aus der Höhe). Erich Kleiber (Dirigent). Vorstellung vom September 1946
  • Missa Solemnis (Beethoven). Mit Nilda Hofmann, Mafalda Rinaldi, Lydia Kindermann, Emanuel List, Koloman von Pataky. Erich Kleiber (Dirigent). Aufführung vom 1. Oktober 1946
  • Das Rheingold (Wagner). Herbert Janssen (Wotan), Angelo Mattiello (Donner); Umberto di Toto (Froh), Set Svanholm (Loge), Elsa Cavelti (Fricka), Lydia Kindemann (Erda), Fred Destal (Alberich), Roberto Maggiolo (Mime), Emanuel List (Fafner), Jorge Danton (Fasolt). Erich Kleiber (Dirigent). Vorstellung vom August 1947
  • Götterdämmerung (Wagner) Mit Astrid Varnay (Brünnhilde), Set Svanholm (Siegfried), Fred Destal (Gunther), Rose Bampton (Gutrune), Emanuel List (Hagnen) Lydia Kindermann (1. Norn und Waltraute). Erich Kleiber (Dirigent). Vorstellung vom 2. September 1947
  • Daphne (R. Strauss). Mit Rose Bampton (Daphne), Set Savanholm (Apollo), Ludwig Weber (Peneios), Anton Dermota (Leukippos), Lydia Kindermann (Gaea). Erich Kleiber. (Dirigent) Vorstellung vom 17. September 1949.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Lydia Kindermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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