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Lynestrenol

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Strukturformel
Datei:Lynestrenol Structural Formulae V1.svg
Allgemeines
Name Lynestrenol
Andere Namen
  • Ethinylestrenol
  • (8R,9S,10R,13S,14S,17R)-17-Ethinyl-13-methyl-2,3,6,7,8,9,10,11,12,14,15,16-dodecahydro-1H-cyclopenta[a]phenanthren-17-ol
  • 17α-Ethinyl-3-desoxy-19-nortestosteron
  • (17α)-19-Norpregn-4-en-20-in-17-ol
Summenformel C20H28O
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff<ref name="TCI" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 200-151-4
ECHA-InfoCard 100.000.139
PubChem 5857
ChemSpider 5648
DrugBank DB12474
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 284,44 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="TCI" />

Schmelzpunkt

158–160 °C<ref name="MERCK_Index">The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals. 14. Auflage. Merck & Co., Whitehouse Station NJ 2006, ISBN 0-911910-00-X, S. 976.</ref>

Löslichkeit

löslich in Chloroform und Ethanol<ref name="TCI" />

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="TCI">Eintrag zu Lynestrenol bei TCI EuropeVorlage:Abrufdatum</ref>
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 351​‐​361fd
P: 201​‐​202​‐​280​‐​308+313​‐​405​‐​501<ref name="TCI" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Lynestrenol ist ein Abkömmling (Derivat) des 19-Nortestosterons. Es gehört zur Stoffgruppe der synthetischen Gestagene und entwickelt durch Verstoffwechselung zum Norethisteron eine progesteronähnliche Wirkung.

Chemisch gehört Lynestrenol zu den Steroiden.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Zur Synthese von Lynestrenol wird Nortestosteron (1) durch 1,2-Ethandithiol und Bortrifluorid in der 3-Stellung zum Dithioketal (2) umgewandelt und mit Natrium in Ammoniak zum 17β-Hydroxy-estr-4-en (3) reduziert, danach in 17-Stellung mit dem Jones-Reagenz zum Keton (4) oxidiert und mit Lithiummonoacetylid zum Lynestrenol (5) umgesetzt.<ref>M. S. de Winter, C. M. Siegman, S. A. Szpilfogel: Chem. Ind., 1959, 905. Reduktion I In: 4. Auflage. 1980, ISBN 3-13-200904-0, S. 668 (Houben-Weyl: Methods of Organic Chemistry, Vol IV/16).</ref>

Datei:Lynestrenol synthesis.svg
Lynestrenol-Synthese

Eigenschaften[Bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Es handelt sich um einen Feststoff.<ref name="MERCK_Index" /> Der spezifische Drehwert [α]20D beträgt −9,5° bis −11° (3,6 % m/v in 96 % Ethanol).<ref>Europäisches Arzneibuch, 6. Ausgabe, Grundwerk, Deutscher Apotheker-Verlag Stuttgart, 2008.</ref>

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Lynestrenol besitzt wie die natürlichen Steroidhormone ein Steran-Grundgerüst. Lynestrenol wird synthetisch hergestellt und unterscheidet sich von den natürlichen Steroidhormonen durch das Fehlen einer Ketogruppe am C-3-Atom des Sterangerüstes. Das Molekül ist chiral und besitzt sechs Stereozentren.

Geschichte und Verwendung[Bearbeiten]

Lynestrenol wurde 1969 in die medizinische Therapie eingeführt. Es gehört zu den synthetischen Gestagenen der ersten Generation<ref>H. Lüllmann, K. Mohr, A. Ziegler: Taschenatlas der Pharmakologie. Thieme Verlag, 1990, ISBN 3-13-707701-X, S. 232–235.</ref><ref>Annetine Gelijns: Innovation in Clinical Practice: The Dynamics of Medical Technology Development. National Academies, 1991, S. 167–. NAP:13513.</ref> und wurde zur Empfängnisverhütung verwendet – meistens in Kombination mit einem Östrogen (Antibabypille), aber auch allein (Minipille). Heute werden zur Empfängnisverhütung eher moderne Präparate der 3. und 4. Generation verordnet. Ferner ist Lynestrenol zur Behandlung klimakterischer Beschwerden angezeigt (postmenopausale Hormonersatzbehandlung). In den USA gibt es keine zugelassenen Medikamente mit Lynestrenol. Von Bedeutung ist Lynestrenol noch für die Entwicklungsgeschichte der hormonellen Verhütungsmittel (Kontrazeptiva), die sich im Laufe der Jahre verändert und verbessert haben.

Verstoffwechselung[Bearbeiten]

Lynestrenol ist ein Prodrug und wird nach oraler Einnahme im menschlichen Körper zu Norethisteron umgewandelt,<ref>V Odlind, E Weiner, A Victor, ED Johansson: Plasma levels of norethindrone after single oral dose administration of norethindrone and lynestrenol. In: Clin. Endocrinol. (Oxford), 1979, 10 (1), S. 29–38. PMID 436304.</ref> welches pharmakologisch aktiv ist.

Fertigarzneimittel[Bearbeiten]

Exluton (D, nicht mehr im Handel), Orgametril (A, NL)

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Lüllmann, K. Mohr, M. Wehling, L. Hein: Pharmakologie und Toxikologie. 18. Auflage. Thieme Verlag, 2016, ISBN 978-3-13-368518-4, S. 476–478.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein