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M80 Zolja

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
M80 Zolja
RBR_M80_Rocket_Launcher.jpg
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung M80 Zolja, Ručni Raketni Bacač (RBR) M80
Einsatzland Serbien, Mazedonien u. a.
Entwickler/Hersteller Militärtechnisches Institut Belgrad (VTI)
Produktionszeit 1979 bis jetzt
Waffenkategorie Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe
Ausstattung
Gesamtlänge 860–1200 mm
Lauflänge 860–1200 mm
Technische Daten
Kaliber 64 mm
Munitionszufuhr Einweg-Waffe
Feuerarten Einzelfeuer
Visier Offene Visierung
Listen zum Thema

Die M80 Zolja (deutsch: M80 Wespe, serbisch: M80 Зоља) ist eine rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe mit Kaliber 64 mm aus Jugoslawien.

Entwicklung[Bearbeiten]

In den 1970er-Jahren wurde in Jugoslawien die aus der Sowjetunion stammende Panzerabwehrhandwaffe RPG-18 im Lizenzbau hergestellt. Basierend auf der RPG-18 entstand Ende der 1970er-Jahre im Militärtechnischen Institut Belgrad (VTI) die M80 Zolja. Die Waffe wird noch heute in Serbien bei Jugoimport SDPR und in Nordmazedonien bei Eurokompozit gefertigt.<ref name="janes-infantry2011">Richard D. Jones & Leland S. Ness: Jane's Infantry Weapons 2010–2011. 2011, S. 488.</ref><ref name="yugo">Yugoimport.com: 64 mm, RBR M80 Hand-held antitank rocket (PDF; 0,3 MB)</ref>

Technik[Bearbeiten]

Die M80 Zolja ist eine Einweg-Panzerabwehrhandwaffe zur Bekämpfung von Kampfpanzern und Panzerfahrzeugen. Die Waffe hat ein Kaliber von 64 mm und wiegt schussbereit 3 kg. Sie hat beim Transport eine Länge von 0,86 m und schussbereit 1,2 m.<ref name="janes-infantry2011" />

Die Waffe besteht aus einer Rakete in einem Abschussrohr. Dieses ist ein Teleskoprohr mit zwei Teilröhren aus Polyamid. Oben auf dem Abschussrohr befinden sich eine Spannstange, der unter Gummischutz liegende Abschussknopf sowie die Klappvisiere. Diese bestehen aus einem hinten liegenden Klappvisier mit Diopter sowie einer vorne montierten Zielmarke (Korn bzw. Rahmenvisier). In letzterer sind Entfernungsmarkierungen für 150, 200, 250, 300, 350 und 400 m vorhanden. Seitlich am Abschussrohr ist ein Tragriemen angebracht und die Rohrenden sind mit Kunststoffkappen verschlossen.<ref name="schützenwaffen">Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Schützenwaffen – Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt, Band 1 & 2. 1999, S. 317–318.</ref><ref name="scribd">Scribd.com: Manuale m80 Zolja</ref>

Im Abschussrohr befindet sich die 0,655 m lange Rakete mit einem Gewicht von 1,58 kg. Die Rakete besteht aus dem überkalibrigen Gefechtskopf (Durchmesser 64 mm) im vorderen Teil sowie dem dahinter verbauten Feststoffraketentriebwerk. Das Raketentriebwerk verwendet einen schnell abbrennenden Raketentreibstoff, der bereits komplett abgebrannt ist, wenn die Rakete das Abschussrohr verlässt. Hinten am Raketentriebwerk sind neben der Lavaldüse sechs federgespannte Stabilisierungsflügel mit knapp 200 mm Spannweite montiert. Als Gefechtskopf wird eine Hohlladung verwendet. In dieser befindet sich vorne ein Kupfertrichter und dahinter ist 300 g OKFOL eingepresst. Der Gefechtskopf ist in einer Aluminiumhülle verbaut. Über diese Hülle und dem Kupfertrichter wird die Zündspannung vom UT-PE-Piezoelement den Bodenzünder hinter der Hohlladung übertragen.<ref name="scribd">Scribd.com: Manuale m80 Zolja</ref><ref name="gichd">Explosive Ordnance Guide for Ukraine – Third Edition 2025. (PDF) In: gichd.org. Geneva International Centre for Humanitarian Demining, abgerufen am 24. Juli 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Funktion & Einsatz[Bearbeiten]

Bei der Bekämpfung von Fahrzeugen hat die M80 Zolja eine Effektive Reichweite von 220 bis 250 m. Die maximale Schussdistanz liegt bei 1280 m.<ref name="janes-infantry2011" /><ref name="scribd" />

Die M80 Zolja kann von einem einzelnen Soldaten getragen und eingesetzt werden. Die Waffe kann geschultert, liegend, kniend oder stehend abgefeuert werden. Aufgrund der nach hinten austretenden Verbrennungsgase besteht hinter der Waffe in einem Winkel von 90° ein Gefahrenbereich von 30 m Länge, der beim Abschuss nicht betreten werden darf. Aufgrund des Abgasstrahls kann die M80 Zolja nicht aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden. Um die M80 Zolja feuerbereit zu machen, werden weniger 10 Sekunden benötigt. Dazu muss der Schütze hinten am Rohrende einen Splint ziehen und dann das Teleskoprohr nach hinten ausziehen. Dabei wird die Waffe gespannt und oben auf dem Rohr springen die Klappvisiere in vertikale Position. Die Zolja ist nun schussbereit und entsichert. Wird die Rakete nicht abgefeuert, können die Teilröhren wieder ineinandergeschoben werden, um die Waffe zu transportieren. Beim Betätigen des Abzuges wird ein im hinteren Teil der Waffe verschraubtes Anzündhütchen gezündet. Dieses ist über ein dünnes Kunststoff-Röhrchen mit dem Raketentriebwerk verbunden und gibt den Zündimpuls wie eine Zündschnur weiter, woraufhin die Rakete gestartet wird. Dabei beträgt die Mündungsgeschwindigkeit rund 190 m/s. Beim Verlassen des Abschussrohrs entfalten sich die Stabilisierungsflügel und die Rakete wird in langsame Drehung um die Längsachse versetzt. Nach einer Flugdistanz von spätestens 20 m ist der Zünder scharf. Beim Auftreffen im Ziel wird durch den Aufschlagzünder die Hohlladung zur Detonation gebracht. Der Zünder spricht auch bei einem flachen Auftreffwinkel von rund 25° an. Die Hohlladung hat eine Durchschlagsleistung etwas mehr als 300 mm Panzerstahl, 0,5 m Stahlbeton oder 1 m Mauerwerk. Die Rakete hat einen Selbstzerstörungs-Mechanismus, welcher den Gefechtskopf etwa 6 Sekunden nach dem Abschuss zündet. Das leergeschossene Abschussrohr wird nach Gebrauch weggeworfen.<ref name="scribd" /><ref name="weaponsystems">Weaponsystems.net: RBR M80 Zolja</ref><ref name="combatoperators">Combatoperators.com: M80 Zolja: Similar to M72 LAW but with better accuracy and effective range</ref>

Logistik und Kennzeichnung[Bearbeiten]

Die Auslieferung ab Werk erfolgt in etwa 25 kg wiegenden Holzkisten. Darin befinden sich vier in Plastikbeuteln verschweißte M80.<ref>Generalequipment.info: M80 ZOLJA</ref>

Das Abschussrohr und der Raketengefechtskopf sind mit einem grünen Tarnanstrich versehen, der Raketenmotor mit einem grauen. Abschussrohr, Gefechtskopf und Raketenmotor haben eine gelbe Beschriftung. Am Abschussrohr ist in weißer Schrift eine Anleitung mit Bildfolge und Text, zum Bedienen der Waffe aufgeklebt.

Einsätze[Bearbeiten]

Die M80 wurde in großem Umfang während der Jugoslawienkriege von sämtlichen Konfliktparteien eingesetzt. Nach den Kriegen gerieten eine unbekannte Anzahl dieser Waffen in die Hände der organisierten Kriminalität sowie von Zivilpersonen und wurden bei Anschlägen und anderen kriminellen Handlungen verwendet.

Im November 1999 wurde in Zagreb mit einer M80 ein Attentat auf das Fahrzeug von Vjeko Sliško, einem mutmaßlichen Mitglied der organisierten Kriminalität verübt; die Rakete verfehlte das Fahrzeug jedoch und tötete einen unbeteiligten Passanten.<ref>Je li Jelavić kriv za smrt Zorana Dominija – odluka u ponedjeljak</ref><ref>Jelavić drugi put oslobođen za pokušaje ubojstva Vjeke Sliška i ubojstvo Zorana Dominija</ref><ref>Ubojica Zorana Dominija nepoznat i 11 godina nakon tragedije</ref>

Im September 2008 erklärten Vertreter der Strafverfolgungsbehörden Sloweniens und Bosniens, dass ein internationaler Waffenring zerschlagen worden sei, der Waffen für die organisierte Kriminalität aus dem Westbalkan in die Europäische Union geschmuggelt habe. Im Rahmen der gemeinsamen Operation wurden unter anderem 18 Raketenwerfer vom Typ M80 beschlagnahmt und Strafanzeigen gegen acht Personen aus Slowenien, Bosnien, Kroatien und Frankreich eingeleitet.<ref>International police cooperation successfully uncovers arms smuggling ring – information from press conference</ref>

Im Juni 2014 wurde eine M80 gegen ein Wohnhaus im Raum Belgrad abgefeuert, wobei es sich um einen Anschlag im Zusammenhang mit der organisierten Erpresserkriminalität gehandelt haben soll.<ref>Zoljom gađali kuću reketaša</ref>

Im Oktober 2016 beschlagnahmten serbische Sicherheitskräfte in einem Waldstück in Voždovac unter anderem eine Panzerabwehrwaffe vom Typ M80, welche von einem Passanten gefunden worden war. Die Fundstelle befand sich nahe des Wohnhauses des Vaters von Ministerpräsident Aleksandar Vučić, weshalb dieser vorläufig an einem sicheren Ort untergebracht wurde.<ref>Serbian PM at safe location after police discover arsenal nearby family home</ref>

Im Januar 2020 wurde in Brooklyn ein Mann aus Staten Island wegen Beteiligung an einem internationalen Waffenhandelsnetzwerk, das zum Kauf und Weiterverkauf eines Raketenwerfers M80 im Kosovo an mutmaßliche Drogenkartelle in Mexiko führen sollte, zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte hatte sich im Februar 2019 schuldig bekannt.<ref>Staten Island Man Charged With Brokering Sale of Anti-Tank Rocket Launcher and Fifteen AK-47 Rifles in Kosovo</ref><ref>Staten Island Man Sentenced to Nine Years’ Imprisonment for International Arms Trafficking and Money Laundering</ref>

Im September 2022 beschlagnahmten serbische Sicherheitsbehörden unter anderem eine M80 im Wohnhaus eines Drogen- und Waffenhändlers in Palilula.<ref>PU za grad Beograd</ref>

Laut Erkenntnissen des österreichischen Bundeskriminalamts und serbischer Polizeibehörden soll ein in Österreich inhaftierter Serbe einen Mordauftrag erteilt haben, der am 25. August 2023 in Belgrad mit einer M80 gegen das Wohnhaus des Opfers erfolgte, welches jedoch nicht zu Hause war.<ref>Häftling soll Mordaufträge per Handy erteilt haben</ref><ref>Prisoner Allegedly Issued Murder Orders via Mobile Phone</ref>

Nach dem Überfall in Banjska im September 2023 erhob die Sonderstaatsanwaltschaft des Kosovo Anklage gegen 45 Personen im Zusammenhang mit dem Angriff einer bewaffneten serbischen Gruppe, wobei zu den nach dem Angriff beschlagnahmten Waffen auch Raketenwerfer vom Typ M80 zählten, welche laut Balkan Insight zu serbischen Armeebeständen zurückverfolgt worden seien.<ref>Kosovo Indicts 45 for Deadly Attack by Armed Serb Group in Banjska</ref>

Verbreitung[Bearbeiten]

  1. redirect Vorlage:SYR-2024

Neben den offiziellen Nutzerstaaten befinden sich eine unbekannte Anzahl M80 in den Händen von Paramilitärs, Widerstandsgruppen und Terrororganisationen.<ref>Vijesti.me: Werden „Zolje“-Waffen über Serbien in Drittländer geschmuggelt? Daten der Zollverwaltung zeigen, dass Waffen aus den VCG-Lagern in Nachbarländer gelangen.</ref><ref>072info.com: M80 zolja, mitraljez Zastava M93 BGA, dron: Kurti iznio detalje o zaplijenjenom oružju u Banjskoj</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Schützenwaffen – Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt, Band 1 & 2. Brandenburgisches Verlagshaus, Deutschland, 1999, ISBN 978-3-89488-059-0.
  • Richard D. Jones & Leland S. Ness: Jane's Infantry Weapons 2010–2011. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2908-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: M80 Rocket Launcher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />