Marienfried
Marienfried ist eine Gebetsstätte nahe Pfaffenhofen an der Roth im Landkreis Neu-Ulm in Bayern. An der Gebetsstätte befinden sich die Gnadenkapelle, die Marienfriedkirche, die Pilgerheime Haus Marienfried, Haus Bethanien und Haus Tabor, eine Lourdes- und Fátima-Grotte, ein Rosenkranz- und Immaculata-Weg und ein Kreuzweg.
Geschichte[Bearbeiten]
Die Pfarrei St. Martin in Pfaffenhofen legte mit ihrem Pfarrer Martin Humpf (1907–1996) im Kriegsjahr 1944 folgendes Gelübde ab: „Wenn die Pfarrgemeinde von den Kriegsschäden verschont bleibt, bauen wir der Gottesmutter zum Dank eine Kapelle.“ Dieses Gelöbnis wurde von einer Gruppe der Schönstatt-Mädchenjugend aufgegriffen.<ref>Zum Verhältnis Schönstattbewegung – Marienfried vgl. „Anhang I“, in: Eizereif, Zeichen, S. 251-263. Der Anhang beginnt mit dem Hinweis (S. 251): „Es geht in diesem Exkurs nicht um einen Vergleich zwischen der Spiritualität der Schönstattbewegung und dem theologischen Gedankengut der Marienfriedbotschaft, sondern um die Klärung der beiden Fragen, ob zwischen ‚Marienfried‘ und ‚Schönstatt‘ eine wesentliche Beziehung besteht (A), und wie das Verhalten der Vertreter Schönstatts zu Marienfried von 1947 bis heute zu erklären ist (B).“</ref> Ab 1944 wird von Auditionen<ref>Vgl. Gutwenger, Die Seherin 2015, S. 34: „Bärbl fühlte sich dem Tod nahe. Zu dieser Zeit verlangte sie Anna Humpf zu sprechen, mit der sie bisher keinen persönlichen Kontakt gehabt hatte. (...) ‚Die Mutter Gottes sagte mir, ich solle mir von jemandem helfen lassen. Willst du das tun?‘[, fragte Bärbl.] Zum ersten Mal erfährt man, dass Bärbl mit der Mutter Gottes gesprochen hat.“</ref>, 1946 von kirchlich nicht anerkannten Visionen des Gruppenmitglieds Barbara „Bärbl“<ref>In der Marienfried-Literatur am häufigsten anzutreffende Variante. Bei Künzli wird dagegen die Kurzform „Bärbel“ verwendet.</ref> Rueß (1924–1996) berichtet, bei denen ihr die Gottesmutter Maria erschienen sein und ihr „Botschaften“ übermittelt haben soll. Zwei Jahre später (1948) soll die stigmatisierte „Seherin“, die 1944 an einer für sie lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung erkrankt war<ref>Vgl. Gutwenger, Die Seherin 2015, S. 34–35; Eizereif, Zeichen, S. 156 u. S. 333 En. 817: „Bärbls Hirnhautentzündung zeigte noch nach einem Jahr Auswirkungen in Form von ‚Lähmungserscheinungen und Ohnmachtsanfällen‘ (Pfr. Humpf, Brief vom 21.5.1947 an P. Max Schmid SJ, MEA/KII[Marienfried-Erscheinungsakten/Korrespondenz vom und an den Geistl. Rat Pfr. Martin Humpf], 308)“.</ref>, Opfer einer Entführung in der Karwoche und Zeugin eines mutmaßlich jüdischen Hostienfrevels geworden sein.<ref>Vgl. Eizereif, Zeichen, S. 52–58; Hanauer, Marienfried (1946), S. 49–51.</ref>
Um das Versprechen einzulösen, wurde eine der „Dreimal Wunderbaren Mutter und Mittlerin der Gnaden“ gewidmete Gnadenkapelle, auch Marienfriedkapelle genannt, erbaut und am 18. Mai 1947 mit bischöflicher Genehmigung benediziert. Am 4. Juli 1995 verlieh der Augsburger Diözesanbischof Viktor Josef Dammertz einer neu erbauten Kirche den Namen „Maria, Mutter der Kirche“ und errichtete Marienfried als Kirchenstiftung. In den Jahren 2010 und 2011 wurde die Marienfriedkirche grundlegend um- und neugebaut und am 23. Oktober 2011 von Bischof Konrad Zdarsa geweiht.
1974 wurde im südwestlichen Waldwinkel eine Fatima-Grotte geschaffen. Die Lourdes-Grotte entstand ebenfalls 30 Jahre nach dem Gelübde, 1974; sie wurde 2014 in den Gebetspark integriert. Auf der Festwiese wurde 2000 der große Freialtar errichtet. Der Kreuzweg – von der Gnadenkapelle in Richtung Süden – ist ein Werk des Bildhauers Wolfgang Klein (* 1931), errichtet in den Jahren 2000 bis 2002.
Seelsorge[Bearbeiten]
Neben regelmäßigen Gottesdiensten und Lichterprozessionen finden in Marienfried Gebets- und Einkehrtage sowie Exerzitien statt. Die Jugendbewegung Jugend 2000 führt dort gelegentlich eines ihrer internationalen Prayerfestivals durch.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Prayerfestivals: Was ist das? ( des Vorlage:IconExternal vom 22. Januar 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Jugend 2000, abgerufen am 1. Dezember 2016.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Heinrich Eizereif: Das Zeichen des lebendigen Gottes. Muttergottes-Erscheinungen in Marienfried. Christiana-Verlag, Stein am Rhein (CH) 1976. Ausgabe A mit Anmerkungen: ISBN 3-7171-0668-6, Ausgabe B ohne Anmerkungen: ISBN 3-7171-0669-4. Zweite Auflage 1994 mit Vorwort von Ferdinand Holböck, Kommentar von René Laurentin und Hinweis des Verlags (S. 4): „Aus Kostengründen hat sich der Verlag entschlossen, die 1496 Anmerkungen zu diesem Buch ab der zweiten Auflage nur noch an wissenschaftlich interessierte Leser abzugeben in Form eines hektographierten Registerbandes von 97 Buchseiten Umfang...“ ISBN 3-7171-0668-6. Beide Auflagen enthalten zu Beginn (jeweils S. 5–7) eine „programmatische Erklärung“ des damaligen Bischofs von Regensburg, Rudolf Graber, mit 16 für die „Echtheit“ Marienfrieds sprechenden Punkten aus einer Predigt, die er am 25. Juli 1976 in Marienfried gehalten hat. Eine vollständige Wiedergabe der Predigt ist zudem im „Anhang“ der 2. Auflage (S. 281–288) zu finden.
- Lisl Gutwenger: Die Seherin von Marienfried. Sind Bärbls Leben und Botschaft glaubwürdig? Vorwort von Altabt Thomas Niggl OSB, Kommentar von Bischof Dr. Rudolf Graber, Nachwort von Arnold Guillet. Christiana-Verlag, Stein am Rhein (CH), 2. Auflage 1999, ISBN 3-7171-1046-2. Lizenzausgabe: Miriam-Verlag, Jestetten 2015, ISBN 978-3-87449-406-9.
- Josef Hanauer: Marienfried (1946). In: Josef Hanauer: »Muttergottes-Erscheinungen«. Tatsachen oder Täuschungen? Karin Fischer, Aachen 1996, ISBN 3-89514-056-2, S. 44–57.
- Josef Künzli: Die Erscheinung in Marienfried. Geschichte und Bedeutung. 11., überarbeitete Auflage. Miriam-Verlag, Jestetten 2015, ISBN 978-3-87449-012-2.
Weblinks[Bearbeiten]
- Homepage der Gebetsstätte Marienfried
- Jens Carsten: Gebetstag: Marienfried erwartet tausende Gläubige. Augsburger Allgemeine, 17. Juli 2012.
- Wallfahrtsorte und Gebetsstätten. Bistum Augsburg.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Klosterkirche Andechs (Andechs) | Maria im Elend (Baar) | St. Benedikt (Benediktbeuern) | St. Jakobus, St. Laurentius und Hl. Kreuz (Biberbach) | Wallfahrtskirche Herrgottsruh (Friedberg) | Maria Hilf auf dem Lechfeld (Klosterlechfeld) | Marienfried (Pfaffenhofen an der Roth) | Maria Hilf (Speiden) | Zur Schmerzhaften Muttergottes (Vilgertshofen) | St. Michael (Violau) | St. Leonhard im Forst (Wessobrunn) | Wigratzbad | Maria Vesperbild (Ziemetshausen)
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