Martin Staab
Martin Reiner Staab (* 19. März 1964 in Königsbronn) ist ein ehemaliger deutscher parteiloser Kommunalpolitiker. Von 2013 bis 2021 war er Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Radolfzell am Bodensee.
Leben[Bearbeiten]
Staab besuchte von 1974 bis 1983 das Gymnasium in Oberkochen. Nach dem Wehrdienst studierte er von 1985 bis 1990 Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz. Nach dem dreijährigen Referendariat legte er 1994 das Staatsexamen für den höheren allgemeinen Verwaltungsdienst ab. Von 1994 bis 2000 war er Hauptamtsleiter der Stadt Singen am Hohentwiel.
Staab ist geschieden und hat drei Kinder. Er ist Mitglied des Serviceclubs Round Table/Old Table.
Politik[Bearbeiten]
Von 2000 bis 2013 war Staab Erster Bürgermeister in Waiblingen.
Am 20. Oktober 2013 wurde er mit 54,3 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Radolfzell am Bodensee gewählt. Das Amt trat er am 1. Dezember 2013 an. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren:
- Klimaschutz (Sonnendorf Liggeringen, erster klimaneutraler Gewerbepark Deutschlands, European Energy Award)
- Öffentlicher Personennahverkehr (1-Euro-Ticket für Erwachsene)
- Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder
- Neubau und Sanierung von Schulen
- Bürgerbeteiligung (Stadtentwicklungsplanung mit Workshops, Zukunftswerkstätten, regelmäßige Bürgerbefragungen)
- Ausbau des Kulturangebots
- Tourismusförderung
Im Dezember 2017 erhoben 14 Radolfzeller Gemeinderäte verschiedener Fraktionen in einem Offenen Brief Vorwürfe gegen Staab und übten Kritik an dessen Personalpolitik; es habe zudem illegale Gesprächsaufzeichnungen mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung gegeben.<ref>Georg Becker: Offener Brief an Rathaus-Chef. Stadträte kritisieren massiv Personalpolitik von OB Staab, Südkurier, 1. Dezember 2017; Georg Becker: Klima der Angst im Radolfzeller Rathaus: Massive Vorwürfe gegen OB Martin Staab, Südkurier, 10. Dezember 2017.</ref> Die Staatsanwaltschaft Konstanz leitete wegen des „Verdachts der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ am 25. Januar 2018 ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen Martin Staab ein.<ref>Georg Becker: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Martin Staab, Südkurier, 25. Januar 2018.</ref> Am 18. September 2018 wurde bekannt, dass die Ermittlungen gegen Staab eingestellt wurden. Es haben sich laut Staatsanwaltschaft Konstanz keine hinreichenden Hinweise auf eine Straftat ergeben.<ref>Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen OB Martin Staab ein, Südkurier, 19. September 2018.</ref>
Staab verstand sich schlecht mit seinen Untergebenen, es kam zu mehreren Kündigungen von Führungskräften. Die Zeitung schrieb von einem zerrütteten Verhältnis. Die Öffentlichkeit brachte er gegen sich auf, als er ein Naturschutzgebiet illegal roden ließ, und den Neubau eines Hotels in einem geschützten Biotop förderte.<ref>Anna-Maria Schneider: Eine Zerrüttung in mehreren Etappen: Warum die Radolfzeller ihren amtierenden Oberbürgermeister abgewählt haben. In: Südkurier. 18. Oktober 2021, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref> Zur Oberbürgermeisterwahl am 17. Oktober 2021 stellten die Radolfzeller Grünen, CDU, und SPD einen gemeinsamen Gegenkandidaten auf. Staab unterlag mit 13,92 Prozent der abgegebenen Stimmen seinem Herausforderer Simon Gröger (parteilos), der 83,32 Prozent im ersten Wahlgang erhielt.<ref>Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl, unter Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.www.radolfzell.de ( des Vorlage:IconExternal vom 17. Oktober 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 17. Oktober 2021.</ref> Noch am Wahlabend kündigte Staab an, nach der Amtsübergabe an seinen Nachfolger am 1. Dezember 2021 in Ruhestand gehen zu wollen.<ref>Mirjam Moll: 57 und Pensionär: Kann der abgewählte Radolfzeller Oberbürgermeister Martin Staab jetzt wirklich direkt und ohne Abschläge in den Ruhestand?, in: Südkurier, 18. Oktober 2021, abgerufen am 19. Oktober 2021.</ref>
Neben seiner Tätigkeit als Radolfzeller Oberbürgermeister hatte er folgende Funktionen und Mitgliedschaften inne:
- Ab 2008 Mitglied im Präsidium des Verbandes Baden-Württembergischer Bürgermeister
- Ab 2010 Ehrenamtlicher Richter an den Arbeitsgerichten Stuttgart und Lörrach und Villingen-Schwenningen
- Ab 2013 Vorsitzender des Stiftungsrats des Spitalfonds Radolfzell
- Ab 2013 Aufsichtsratsvorsitzender Stadtwerke Radolfzell
- Ab 2014 Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse Hegau-Bodensee
- Ab 2014 Kreisrat der Freien Wähler, seit 2019 Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag
- Ab 2019 Mitglied in der Regionalversammlung Hochrhein-Bodensee
Staab war Mitglied der Freie Wähler/FW-Fraktion des Kreistages des Landkreises Konstanz, seit 2019 als deren Vorsitzender, und saß im Technischen und Umweltausschuss (Mitglied) und Sozialausschuss (stv. Mitglied), Verwaltungs- und Finanzausschuss (stv. Mitglied) sowie AG Haushalt (stv. Mitglied).<ref>Eintrag Kreistag Landkreis Konstanz, abgerufen am 20. März 2016</ref> 2024 scheiterte er bei der Wiederwahl in den Kreistag.<ref>So hat Kreis Konstanz gewählt: Stimmen der Kandidaten für den Kreistag im Detail. 11. Juni 2024, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Bei der Wahl zum Baden-Württembergischen Landtag 2026 kandidierte Staab als Direktkandidat für die Freien Wähler im Wahlkreis 56 (Konstanz). Er stand zudem auf Platz 6 der Landesliste der Freien Wähler Baden-Württemberg.<ref>wochenblatt.net: Alt-OB Martin Staab tritt für die Freien Wähler an. 1. Dezember 2025, abgerufen am 16. Mai 2026.</ref> Im Wahlkreis 56 (Konstanz) erreichte Martin Staab bei der Landtagswahl ein Erststimmenergebnis von 2,7 % (1.952 Stimmen). Die Zweitstimmen für seine Partei lagen im Wahlkreis bei 1,5 %. Das Direktmandat im Wahlkreis Konstanz ging erneut an Nese Erikli von den Grünen (36,8 %).<ref>wahlergebnisse.komm.one: Landtagswahl Baden-Württemberg 2026. Amtliches Endergebnis 8. März 2026, Konstanz. 8. März 2026, abgerufen am 16. Mai 2026.</ref>
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive />
Anton Leibes (1793–1808) | Josef Hermanuz (1808–1814) | Max Frey (1815–1816) | Peter Mayer (1817–1822) | Josef Grüner (1823–1825) | Anton Spachholz (1825–1838) | Johann Baptist Mohr (1838–1851) | Josef Spachholz (1851–1852) | Johann Häusler (1852–1864) | Johann Drescher (1864–1865) | Dominik Noppel (1866–1867) | Josef Anton Vogt (1867–1880) | Konstantin Noppel (1880–1891) | August Sommer (1891–1894) | Franz Mattes (1894–1902) | Heinrich Riedlinger (1902–1911) | Otto Blesch (1911–1934) | Eugen Speer (1934–1935) | Josef Jöhle (1935–1942) | August Kratt (1942–1945, komm.) | Rainer Schlegel (1.-21. April 1945) | Otto Blesch (1945) | Wilhelm Gohl (1945–1955) | Hermann Albrecht (1955–1968) | Fritz Riester (1968–1976) | Günter Neurohr (1976–2000) | Jörg Schmidt (2000–2013) | Martin Staab (2013–2021) | Simon Gröger (seit 2021)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Staab, Martin |
| ALTERNATIVNAMEN | Staab, Martin Reiner (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher parteiloser Kommunalpolitiker |
| GEBURTSDATUM | 19. März 1964 |
| GEBURTSORT | Königsbronn, Landkreis Heidenheim, Baden-Württemberg, Deutschland |
- Seiten mit TemplateStyles-Fehlern
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2026-05
- Wikipedia:GND fehlt 2023-08
- Wikipedia:GND in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:VIAF in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Bürgermeister (Radolfzell am Bodensee)
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Deutscher
- Geboren 1964
- Mann