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Marzilibad

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Datei:Marzilibad Bern.jpg
Marzilibad, ungefähr vom Bundeshaus, Blick flussaufwärts (2005)
Datei:Wilhelm Stettler, Zu Bern beim Spitz.jpg
Badende Zu Bern beim Spitz (heute Badgasse, ungefähr 100 Meter unterhalb des heutigen Marzilibads), aquarellierte Federzeichnung von Wilhelm Stettler (um 1680)
Datei:Bundeshaus 1128.jpg
Menschen schwimmen entlang des Marzilibades, Blick flussabwärts, Richtung Bundeshaus (2010)

Das Marzilibad, kurz Marzili genannt, ist ein Freibad im Marziliquartier an der Aare in Bern und eines der meistbesuchten Bäder der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Den ersten schriftlichen Hinweis auf das Baden im Marzili findet man im Polizeibuch der Stadt Bern in einer Bekanntmachung vom 5. August 1619.<ref>Polizeibuch, Band 4, 19. März 1619 - 20. Juni 1634, A I 457 im Archivkatalog des Staatsarchivs Bern.; Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 208.</ref> Ein von Johann Adam Riediger 1721 aufgenommener Plan des Aarelaufs weist die Bezeichnungen Studenten Seeli und bueben Seeli auf.<ref>Johann Adam Riediger, Plan Aarelauf, 1721 (Original im Stadtarchiv) im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern; Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 208.</ref> Das historische Bubenseeli befand sich an der heutigen Stelle des Frauenabteils (Paradiesli). Im Sommer 1781 erhielt das städtische Bauamt den Auftrag, das Bubenseeli mit einem kleinen Projekt zu verbessern. Mit grossen Steinen und einer Palisade wurde ein sicheres Badebecken erstellt.<ref>Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 209.</ref> Die Stadt Bern überliess dem Zimmermeister Sigmund Emanuel Bogdan (1752–1800) 1794 die dortige Insel unter dem Vorbehalt «des freyen, ungestörten Badrechtes daselbst für die Jugend.»<ref>Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 210.</ref> Zu Beginn des 19. Jahrhunderts badeten beide Geschlechter an der Langmauer, was dazu führte, dass die Polizeikommission ausser beim «Dalmazien, im Studenten- und Buben-Seelein und dem Engegrien» das Baden in der Aare am 27. Juli 1806 verbot.<ref>Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 210.</ref>

Das heutige Marzilibad entstand in verschiedenen Bauetappen, das Areal war im Besitz verschiedener Privateigentümer.<ref name="bernch1">Historisches zum Bad auf bern.ch</ref> Nach und nach konnte die Stadt die einzelnen Parzellen auf der Aare-Insel aufkaufen.<ref name="bernch1"/> Das Baden wurde hauptsächlich durch Männer und Knaben ausgeübt, 1866 entstand ein erster öffentlicher Frauenplatz im Bad.<ref name="bernch1"/> In den 1920er Jahren wurde ein Familienbereich (Matteberndeutsch Famer) eingerichtet. Die Insel war von Norden nach Süden unterteilt in Bubenseeli (Matteberndeutsch Bueber), Männerbad, Familienbad mit Pavillon zur Aare, Dampfzentrale mit dem westlich davon gelegenen Frauenbad und der südlichen Fläche, welche vermutlich zur Promenade der Ryff-Fabrik gehörte. Mit der Fertigstellung der Umbauten erhielt das Marzilibad 1930 das Frauenabteil, wo nacktes Sonnenbaden erlaubt ist.<ref> </ref> 1968 wurde der Aarelauf (Löifu) zugeschüttet, und es kam das noch heute vorhandene 50-Meter-Becken hinzu.

Im Januar 1978 kassierte die Anklagekammer des Kantons Bern ein Zirkular von 1964, betreffend das Sonnenbaden oben-ohne. Das «ganze oder teilweise entblössen der weiblichen Brüste in öffentlichen Badeanstalten» falle nicht mehr unter die «schweren Fälle» von Unzucht, was das Sonnenbaden Oben ohne straflos ermöglichte.<ref></ref> 1979 reichte der damalige, aus der Ostschweiz stammende bernische Grossrat Werner Scherrer eine «Volksinitiative gegen die Verwilderung der Badesitten» ein. Die Initiative forderte, «Das Entblössen der weiblichen Brüste an öffentlich zugänglichen Orten ist verboten und strafrechtlich zu ahnden.»<ref></ref> Die Initiative wurde aufgrund von Formfehlern durch den Grossen Rat für ungültig erklärt.<ref>Grossratsbeschluss vom 12. Mai 1980.</ref>

Datei:Marzilibad 2026 nach Sanierung 1. Etappe 05.jpg
Das 2026 erneuerte 50-Meter-Becken

Im Jahr 2021 wurde ein Siegerprojekt zur Totalsanierung des Marzilibades vorgestellt.<ref>Sanierung Freibad Marzili: Siegerprojekt liegt vor. In: bern.ch. 4. November 2021, abgerufen am 4. September 2023.</ref> Bei der Volksabstimmung vom 18. Mai 2025 wurde ein Ausführungskredit mit 73 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen.<ref>Stadtberner Stimmbevölkerung stimmt allen drei Vorlagen zu. In: bern.ch. 18. Mai 2025, abgerufen am 18. Mai 2025.</ref> Die erste Bau-Etappe dauerte von September 2025 bis Juni 2026.<ref>Marzili/Gaswerkareal: Ende der Bauarbeiten entlang der Aare. In: bern.ch. 18. Mai 2026, abgerufen am 16. Juli 2026.</ref> Drei weitere Bau-Etappen sollen folgen. Das Ende der Sanierung ist auf die Badesaison 2029 vorgesehen.<ref>Freibad Marzili. In: bern.ch. Abgerufen am 8. März 2026.</ref>

Im Jahr 2020 wurden 655'534 Besucher gezählt und 2021 546'567.<ref>Badi-Bilanz 2021: Besucherzahlen unter einer Million. In: bern.ch. 24. September 2021, abgerufen am 29. September 2021.</ref> Im Jahr 2025 wurden 895'170 Besucher gezählt und 2026 916'309.<ref>Ein Rekordsommer – auch in Berns Freibädern. In: bern.ch. 16. September 2026, abgerufen am 24. September 2026.</ref>

Akademische Badeanstalt[Bearbeiten]

Datei:Berne, prise des nouveaux bains.jpg
Die akademische Badeanstalt, kolorierte Aquatinta von Franz Hegi nach Franz Schmid (um 1822)
Datei:Akademische Badeanstalt Bern, um 1925.jpg
Akademische Badeanstalt (um 1925)

Mit der Errichtung der bernischen Akademie 1805 wurde eine sichere Badeanstalt errichtet.<ref>Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 211.</ref> Das sich damals am heutigen Eingang Erlenweg befindliche Studenten-Seeli wurde hergerichtet.<ref>Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 211.</ref> 1806 wurde der Buchdrucker und Verleger Christian Albrecht Jenni (1786–1861) zum Schwimmlehrer gewählt.<ref>Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 212.</ref> Phokion Heinrich Clias eröffnete am 1. Juli 1822 auf der Höhe des Oktogons (ehemaliger Gasometer) die akademische Badeanstalt, getragen durch eine Aktiengesellschaft.<ref name="WB1822"></ref> Zu dem ovalen, aus der Aare gespeisten Schwimmbecken gehörte auch ein Gebäude zum Umkleiden, mit einem separaten Geschoss für Frauen.<ref>Hans Morgenthaler, Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern, S. 212–2013.</ref> Der Zutritt wurde aufgrund einer saisonalen Abonnementskarte gewährt, von 8 bis 10 Uhr konnten Frauen baden, von 11 bis 13 Uhr war das Bad für Männer reserviert, abends ab 17 Uhr für die Schwimmschule.<ref name="WB1822"/>

Betrieb[Bearbeiten]

Das Marzili steht unter öffentlich-rechtlicher Trägerschaft und der Eintritt ist deshalb frei. Die Besonderheit am Marzili ist das Schwimmen im Fluss Aare.<ref>Aareschwimmen in Bern, Die lebendigen Traditionen der Schweiz, Bundesamt für Kultur</ref> An mehreren Stellen am Bad und flussaufwärts davon sind Zugänge mit Treppen und Haltestangen in den Fluss gebaut. Badegäste ziehen sich im Bad um und gehen auf einem Weg flussaufwärts bis zur Einstiegsstelle ihrer Wahl (Schönausteg 1 km, Eichholz 2 km, Fähribeiz 3,5 km), von wo aus sie sich dann in der Strömung (bis 3 m/s, ca. 10 km/h) bis zu einem Ausstieg im Bereich des Bades bewegen.

Im Areal gibt es ein grosses Schwimmbecken, einen Sprungturm (1 m und 3 m), zwei kleinere Badebecken, ein Kinderbecken und das Buebenseeli (auch Bueber genannt). Darüber hinaus gibt es das Freiluft-Separé „Paradiesli“, in dem die weiblichen Besucher die Möglichkeit haben, unbekleidet sonnenzubaden. Im Frühjahr 2019 wurde ein Schwimmkanal aus der Aare in das Buebeseeli eröffnet.<ref>SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 6. Juni 2019: Von der Aare direkt ins Marzilibad schwimmen</ref>

Das Marzilibad liegt am Fusse des Hügels, auf dem das Bundeshaus steht, und gehört im Sommer zu den wichtigsten Treffpunkten der Stadt Bern. Wochentags verbringen viele Berner ihre verlängerte Mittagspause im Bad. Im Marzili-Areal gibt es zudem ein Restaurant.

Quellen[Bearbeiten]

Datei:Betonplastik Schrein (Walter Kretz 1979) 06.jpg
Betonplastik Schrein von Walter Kretz aus dem Jahr 1979 beim Südeingang des Marzilibads (2019)

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Gygax: Marzili. Berner Welt am Aareufer, Münsingen 1991.
  • Marcel Just: Der Sprung ins kalte Wasser. In: Kunst+Architektur in der Schweiz = Art+Architecture en Suisse = Arte+Architettura in Svizzera. Band 64. Bern 2013, S. 38–46, doi:10.5169/seals-685714.
  • Hans Morgenthaler: Das Marzili-Inseli und die Anfänge der Flussbadanstalt Bubenseeli in Bern. In: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern. Band 31. Bern 1932, doi:10.5169/seals-370940.
  • Stefan Rotzler: Das Marzilibad in Bern. In: Anthos : Zeitschrift für Landschaftsarchitektur = Une revue pour le paysage. Band 31. Bern 1989, S. 24–27, doi:10.5169/seals-136509.
  • Wilhelm Stein (Hrsg.): Max Fueter. Achtzig Bildtafeln, doi:10.5169/seals-624644#293. Eicher & Co., Bern 1960.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Marzilibad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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Koordinaten: 46° 56′ 32″ N, 7° 26′ 39″ O; CH1903: 600421 / 199015

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