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Megalocystidium

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Megalocystidium
Datei:2012-06-20 Gloeocystidiellum leucoxanthum (Bres.) Boidin 229408.jpg

Megalocystidium leucoxanthum

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Täublingsartige (Russulales)
Familie: Schichtpilzverwandte (Stereaceae)
Gattung: Megalocystidium
Wissenschaftlicher Name
Megalocystidium
Jülich

Megalocystidium ist eine Pilzgattung innerhalb der Familie der Schichtpilzverwandten (Stereaceae).<ref name="Juelich1978" /> Die Gattung ist eine der ersten Gattungen, die vom Gloeocystidiellum-Komplex abgetrennt wurden. Der Weißfäulepilz hat resupinate, membranöse bis wachsartige Fruchtkörper, die das Substrat krustenartig überziehen. Die schmalkeuligen Basidien sind meist etwas länger und die in der Regel glatten, amyloiden Basidiosporen etwas größer, als bei anderen Arten des Gloeocystidiellum-Komplexes. Seine Hyphen haben meist Schnallen und die Gloeozystiden sind (wenn auch oft nur schwach) sulfoaldehyd-positiv. Die Typusart ist Megalocystidium leucoxanthum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Bres.) Jülich.

Merkmale[Bearbeiten]

Die einjährigen, resupinaten Fruchtkörper werden bis zu 1,5 mm dick und sind membranös bis wachsartig. Der Rand ist oft byssoid oder ausgedünnt. Die Hymeniumoberfläche ist glatt oder leicht höckerig.
Das Hyphensystem ist monomitisch. Die Hyphen tragen an den Septen meist Schnallen. Neben den Basidien findet man zahlreiche, lange, gewundene Gloeozystiden mit öligem oder körnigem Inhalt. Sie sind sulfopositiv. Die viersporigen Basidien sind schmal keulig und ziemlich lang. Eine basale Schnalle kann vorhanden sein oder fehlen. Die mehr oder weniger dünnwandigen Basidiosporen sind zylindrisch bis ellipsoid und glatt, oder fast glatt, und haben nur einen kleinen Apiculus. Sie färben sich mit Jodreagenzien bläulich schwarz, sind aber acyanophil.<ref name="Bernicchia2010" /><ref name="Juelich1978" /><ref name="Wu1996" />

Ökologie und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Vertreter der Gattung Megalocystidium sind Weißfäulepilze, die saprobiontisch leben und auf Totholz (überwiegend auf Laubholz) wachsen. Zwei Arten (Megalocystidium leucoxanthum und Megalocystidium luridum) bevorzugen die temperate Klimazone und kommen in Nordamerika und Europa vor.<ref name="Bernicchia2010a" /><ref name="Bernicchia2010b" /><ref name="Ginns1994a" /> M. leucoxanthum wurde aber auch in Afrika (Elfenbeinküste und Gabun) und Thailand<ref name="Wu1996" /> nachgewiesen. Megalocystidium montanum wächst in Nordamerika auf Holz von verschiedenen Tannenarten (Abies concolor, A. lasiocarpa und A. magnifica),<ref name="Ginns1994b" /> während Megalocystidium wakullum in der südlichen USA (Florida und Mississippi) verbreitet ist und auf Laubholz wächst. Außerdem wurde er auf Guadeloupe und in Tansania nachgewiesen. Megalocystidium minutisporum (Gabun),<ref name="Boidin1997a" /> Megalocystidium africanum (Zentralafrikanische Republik),<ref name="Boidin1997b" /> Megalocystidium gloeocapitulatum (auf Réunion)<ref name="Boidin2000" /> kommen im tropischen und subtropischen Afrika vor. Megalocystidium luteocystidiatum wurde in Afrika (Natal, Gabun, Elfenbeinküste) und Asien (Indien, Thailand, Taiwan) nachgewiesen.<ref name="Boidin1997" />

Systematik[Bearbeiten]

Datei:Megalocystidium-Minimum Evolution-Tree.svg
Abb. 1: Minimum Evolution-Stammbaum der Megalocystidium-Verwandtschaft: Neben den Ästen sind die Bootstrap-Werte angegeben, hinter den Artnamen steht die Genbank-Sequenz-Nummer. Alle weiteren Angaben zur Berechnung des Baumes finden unter der Bildbeschreibung.
Datei:Megalocystidium-Mamximum-Likelihood-Tree.svg
Abb. 2: Mamximum-Likelihood-Stammbaum der Megalocystidium-Verwandtschaft

Die Gattung Megalocystidium wurde 1978 von W. Jülich vorgeschlagen. Sie fasste die 1975 von J. Eriksson und L. Ryvarden vorgeschlagene Gloeocystidiellum-luridum- und G.-lactescens-Gruppe in einer Gattung zusammen.<ref name="Eriksson1975" /> In seine Gattung stellte er die drei Arten: M. leucoxanthum, M. lactescens und M. luridum. Megalocystidium enthielt also Arten mit glatten Basidiosporen, sulfopositiven Gloeozystiden und Hyphen mit Schnallen (G. luridum Gruppe) und ohne Schnallen (G. lactescens Gruppe). Allerdings macht Jülich in seiner Originalbeschreibung der Gattung keine Angaben zur Sulfoaldehydreaktion und gibt auch nicht an, durch welche Merkmale sich seine Gattung von nah verwandten Gattungen unterscheidet. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum viele Mykologen Jülichs neuer Gattung skeptisch gegenüberstanden. So stellten Boidin und Lanquetin 1983 Megalocystidium in Synonymie zu Vesiculomyces<ref name="Boidin1983" /> und K. Hjortstam, der 1987 die Gattungen der corticioiden Pilze einer umfangreichen Revision unterzog, stellte M. leucoxanthum und M. luridum wieder zurück in die Gattung Gloeocystidiellum. Außerdem erkannte er, dass die Hauptmerkmale von M. lactescens mit denen von Gloiothele lamellosa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Henn.) Bres. (der Typusart der Gattung Gloiothele) übereinstimmen. Daher stellte er M. lactescens in die Gattung Gloiothele. Seine Umgruppierung wurde 2003 von E. und K.-H. Larsson durch rDNA-Sequenzanalysen bestätigt.

Besonders zwei Merkmale sind bei der Gattungsdefinition umstritten. Zum einen die Sulfoaldehydreaktion der Gloeozystiden, zum anderen das Vorkommen von Schnallen. Während die meisten Autoren Megalocystidium als Gattung mit sulfopositiven Gloeozystiden definieren, benennen Ginns & G.W. Freeman (1994) sulfo-negative Gloeozystiden als wichtiges Gattungsmerkmal. Ein weiteres Hauptmerkmal sind für sie das Vorkommen von Schnallen, einer Meinung, der sich auch S.-H. Wu 1996 anschließt. Allerdings haben neuere molekularbiologische Untersuchungen klar gezeigt, dass Schnallen als Merkmal in der Vergangenheit zumindest innerhalb der Täublingsverwandten taxonomisch überbewertet wurde. Die unterschiedliche Bewertung der Sulfobenzaldehydreaktion ist auf die schwache oder variable Reaktion bei M. leucoxanthum und M. luridum zurückzuführen.<ref name="Bernicchia2010" /><ref name="Ginns1994" /><ref name="Wu1996" />

E. und K.-H Larsson untersuchten 2003 die rDNA Gene (5.8S, ITS2 und LSU-rDNA) von über 100 überwiegend corticioider Pilze aus der Ordnung der Täublingsartigen. Mit ihrer Arbeit konnten sie zeigen, dass M. leucoxanthum, M. luridum und Gloeocystidiellum wakullum eine Abstammungsgemeinschaft bilden. Eine nähere Verwandtschaft von M. luridum und G. wakullum hatten bereits Boidin und seine Mitautoren festgestellt,<ref name="Boidin1998" /> die die rDNA (ITS1, 5,8S und ITS2 rDNA) bereits 1998 von zahlreichen corticioiden Pilzen untersucht hatten. Die Gloeocystiden der subtropischen Art wurde in Originalbeschreibung als sulfo-negativ bezeichnet. Laut Boidin et al. sind sie deutlich sulfo-positiv (wenn auch schwach), was durch E. K.-H. Larsson bestätigt wird. 1996 hatte S.-H. Wu den Pilz aufgrund der einfach septierten Hyphen, der glatten, amyloiden Sporen und seiner Acanthohyphidien in die Gattung Stereum gestellt. Die resupinate Fruchtkörper, die relativ großen, glatten, amyloiden Sporen und die schwach sulfoaldehydpositiven Gloeozystiden, sprechen allerdings eher für eine Aufnahme in die Gattung Megalocystidium. Der Pilz unterscheidet sich jedoch von den anderen Arten dieser Gattung durch seine Acanthohyphiden und die einfach septierten Hyphen. Sollten weitere molekularbiologische Untersuchungen seine Zugehörigkeit in der Gattung bestätigen, müsste Lülichs Gattungskonzept erweitert werden.<ref name="Larsson2003" />

Arten[Bearbeiten]

In die Gattung werden heute (Stand 2014) etwa 9 Arten gestellt, wobei einige Arten umstritten sind und von einigen Mykologen in andere Gattungen gestellt werden. Molekularbiologische Sequenzdaten liegen nur für drei der hier aufgeführten Arten vor.

Die Arten der Gattung Megalocystidium
Artname Autor
Megalocystidium leucoxanthum
Gelbweißer Gloeozystidenrindenpilz
Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Bres.) Jülich (1978)
Megalocystidium luridum
Fahlgelber Gloeozystidenrindenpilz
Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Bres.) Jülich (1978)
Megalocystidium montanum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ginns & G.W. Freeman (1994)
Megalocystidium luteocystidiatum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(P.H.B. Talbot) Sheng H. Wu (1996)
Megalocystidium minutisporum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Boidin, Lanq. & Gilles (1997)
Megalocystidium africanum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Boidin, Lanq. & Gilles (1997)
Megalocystidium gloeocapitulatum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Boidin & Gilles (2000)
Megalocystidium gloeocapitulatum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Boidin & Gilles (2000)
Megalocystidium wakullum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Burds., Nakasone & G.W. Freeman) E. Larss. & K.H. Larss. (2003)

Quellen[Bearbeiten]

  • Megalocystidium. In: MycoBank.org. International Mycological Association, abgerufen am 19. Februar 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • A. Bernicchia, S.P. Gorjón (Hrsg.): Fungi Europaei. Corticiaceae s. l. Band 12, 2010.
  • Megalocystidium. Jülich, Persoonia 10(1): 139 (1978). In: www.indexfungorum.org. Abgerufen am 20. Februar 2013.
  • J. Boidin, P. Lanquetin, G. Gilles: Le genre Gloeocystidiellum sensu lato (Basidiomycotina). In: Bulletin de la Société Mycologique de France. Band 113, Nr. 1, 1997.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Bernicchia2010"> A. Bernicchia, S.P. Gorjón (Hrsg.): Fungi Europaei Vol.12. 2010, S. 430 (mycobank.org [abgerufen am 10. September 2014]). </ref> <ref name="Bernicchia2010a"> A. Bernicchia, S.P. Gorjón: Fungi Europaei Vol.12. 2010, S. 430 (mycobank.org – Beschreibung von M. leucoxanthum). </ref> <ref name="Bernicchia2010b"> A. Bernicchia, S.P. Gorjón: Fungi Europaei Vol.12. 2010, S. 431 (mycobank.org – Beschreibung von M. luridum). </ref> <ref name="Boidin1983"> J. Boidin, P. Lanquetin: Basidiomycetes Aphyllophorales épitheloïdes étales. In: Mycotaxon. Band 1983, Nr. 2, 1983, S. 492–493 (cybertruffle.org [abgerufen am 10. September 2014]). </ref> <ref name="Boidin1998"> J. Boidin, J. Mugnier, R. Canales: Taxonomie moléculaire des Aphyllophorales. In: Mycotaxon. Band 66, 1998, S. 464 (cybertruffle.org). </ref> <ref name="Boidin1997"> J. Boidin, P. Lanquetin, G. Gilles: Le genre Gloeocystidiellum sensu lato (Basidiomycotina). 1997, S. 69 (mycobank.org – Beschreibung von M. luteocystidiatum). </ref> <ref name="Boidin1997a"> J. Boidin, P. Lanquetin, G. Gilles: Le genre Gloeocystidiellum sensu lato (Basidiomycotina). 1997, S. 71 (mycobank.org – Beschreibung von M. minutosporum). </ref> <ref name="Boidin1997b"> J. Boidin, P. Lanquetin, G. Gilles: Le genre Gloeocystidiellum sensu lato (Basidiomycotina). 1997, S. 61 (mycobank.org – Beschreibung von M. africanum). </ref> <ref name="Boidin2000"> J. Boidin, G. Gilles: Basidiomycètes Aphyllophorales de l'ile de La Reunion. XXI – Suite. In: Mycotaxon. Band 75, Nr. 1, 2000, S. 357–387 (cybertruffle.org – Beschreibung von M. gloeocapitulatum auf Seite 370). </ref> <ref name="Eriksson1975"> J. Eriksson, L.Ryvarden: The Corticiaceae of North Europe. Band 3, 1975, S. 404 (mycobank.org). </ref> <ref name="Ginns1994"> J. Ginns, G.W. Freeman: The Gloeocystidiellaceae (Basidiomycota, Hericiales) of North America. In: Bibliotheca Mycologica. Band 157, Nr. 1, 1994, S. 118 (mycobank.org [abgerufen am 10. September 2014]). </ref> <ref name="Ginns1994a"> J. Ginns, G.W. Freeman: The Gloeocystidiellaceae (Basidiomycota, Hericiales) of North America. In: Bibliotheca Mycologica. Band 157, 1994, S. 78 (mycobank.org – Beschreibung M. leucoxanthum). </ref> <ref name="Ginns1994b"> J. Ginns, G.W. Freeman: The Gloeocystidiellaceae (Basidiomycota, Hericiales) of North America. In: Bibliotheca Mycologica. Band 157, 1994, S. 78 (mycobank.org – Beschreibung M. montanum). </ref> <ref name="Juelich1978"> W. Jülich: Studies in resupinate Basidiomycetes – V. Some new genera and species. In: Persoonia. Band 10, Nr. 1, 1978, S. 137–140 (cybertruffle.org [abgerufen am 10. September 2014] Mit einglischer und lateinischer Gattungs-Diagnose). </ref> <ref name="Larsson2003"> Ellen Larsson, Karl-Henrik Larsson: Phylogenetic relationships of russuloid basidiomycetes with emphasis on aphyllophoralean taxa. In: Mycological Society of America (Hrsg.): Mycologia. Band 95, Nr. 6. Lawrence 2003, S. 1037–1065 (mycologia.org). </ref> <ref name="Wu1996"> S. H. Wu: Studies on Gloeocystidiellum sensu lato (Basidiomycotina) in Taiwan. In: Mycotaxon. Band 58, 1996, S. 57 (cybertruffle.org [abgerufen am 10. September 2014]). </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Megalocystidium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien