Messtechnik
Die Messtechnik befasst sich mit Geräten und Methoden zur Bestimmung (Messung) physikalischer Größen wie beispielsweise Länge, Masse, Kraft, Druck, elektrische Stromstärke, Temperatur oder Zeit. Zu den Aufgaben und Zielen der Messtechnik zählt die Entwicklung von Messsystemen und Messmethoden sowie die Erfassung von Messgrößen, der Modellierung und Reduktion (Korrektur) von Messabweichungen und unerwünschten Einflüssen. Dazu gehört auch die Justierung und Kalibrierung von Messgeräten sowie die korrekte Reduktion der Messungen auf einheitliche Bedingungen.
Die Messtechnik spielt in vielen wissenschaftlich-technischen Fachgebieten und für Technologien, speziell in der Metrologie, eine wichtige Rolle. Teilgebiete der Messtechnik sind die elektrische Messtechnik (siehe unten), die digitale Messtechnik und auch die Sensorik. In letzterem Fall werden Messgrößen über elektrische Signale oder Größen, beispielsweise Strom, Spannung oder Widerstand, zu digitalen Daten, die anschließend digital weiterverarbeitet werden.
Die für die Messtechnik grundlegende Norm ist in Deutschland DIN 1319.
Messmethoden[Bearbeiten]
Die Messtechnik lässt sich nach verschiedenen Arten des Vorgehens bei einer Messung (Messmethoden) gliedern:
Ausschlags-Methode, Nullabgleichs-Methode und Konkurrierendes[Bearbeiten]
Bei der Ausschlags-Messmethode wird der Messwert aus dem Ausschlag oder einer anderen Anzeige eines Messgerätes ermittelt.
- Beispiel: Federwaage mit Skalenbeschriftung in Gramm.
- Bei dieser Methode muss die Waage justiert sein.
Bei der Nullabgleichs- oder Kompensations-Messmethode wird eine bekannte Größe so eingestellt, dass die Differenz mit der zu messenden Größe den Wert null ergibt.
- Beispiel: Balkenwaage mit Anzeige für Drehmomentengleichgewicht.
- Bei dieser Methode verwendet man einen Satz von Gewichtsstücken oder verschiebbare Gewichte.
- Abwandlungen dieser Grundformen; Beispiele
Bei der Vergleichs- oder Substitutions-Messmethode wird die (zur quantitativen Auswertung ungeeignete) Anzeige der zu messenden Größe nachgebildet durch eine gleich große Anzeige mittels einer einstellbaren bekannten Größe.
- Beispiel: Federwaage mit Skalenbeschriftung in Millimeter.
- Bei dieser Methode muss für die Waage ein Satz von Gewichten zur Verfügung stehen. Bei der Messung wird dann der gleiche Ausschlag mit Gewichtstücken hergestellt wie der vom unbekannten Objekt verursachte. (Die Masse des unbekannten Objektes wird durch Gewichtstücke „substituiert“.)
Bei der Differenz-Messmethode wird statt der zu messenden Größe ihr Unterschied zu einer Vergleichsgröße ermittelt.
- Beispiel: Balkenwaage mit Skale (also mehr als nur Nullpunkt-Anzeige).
- Bei dieser Methode entsteht ein Ausschlag, mit dem kleine Änderungen einer Größe wesentlich genauer messbar sind als durch Differenzbildung nach Messungen der Größe selber.
Bei der integrierenden Messmethode wird die zu messende Größe aus Augenblickswerten durch Integration (je nach Technik auch durch Summation oder Zählung) gewonnen, vorzugsweise über der Zeit.
- Beispiel: Zählwerk zur Entfernungsmessung, das die Umdrehungen eines Rades erfasst.
- Bei dieser Methode kann auch bei starken Schwankungen (im Beispiel in der Drehzahl) eine zuverlässige Aussage gewonnen werden.
Analoge oder digitale Methode[Bearbeiten]
Siehe hierzu – auch zu einer Gegenüberstellung der Methoden – den Artikel Digitale Messtechnik.
Direkte oder indirekte Methode[Bearbeiten]
Direkte Messtechnik[Bearbeiten]
Bei der direkten Messmethode wird die Messgröße unmittelbar mit einem Maßstab oder einem Normal verglichen. Beispiele einer direkten Messung sind das Anlegen eines Maßstabes an die zu bestimmende Länge oder der direkte Vergleich einer zu messenden elektrischen Spannung mit einer einstellbaren Referenzspannung auf einem Spannungs-Kompensator.
Indirekte Messtechnik[Bearbeiten]
Die Messsysteme und indirekte Messmethoden machen Größen auch dann messbar, wenn sie auf direktem Wege nicht zugänglich sind. Man misst eine andere Größe und bestimmt daraus die Messgröße, wenn zwischen beiden aufgrund eines Messprinzips ein bekannter eindeutiger Zusammenhang besteht. Beispielsweise wäre der Abstand von Erde und Mond durch direkten Vergleich mit einem Maßstab niemals bestimmbar. Nach der Postierung von Retroreflektoren auf dem Mond 1969 gelingt dies hingegen über die Laufzeitmessung eines LASER-Strahls, seit 2007 liegt die Unsicherheit schon im Millimeterbereich.<ref>James B. R. Battat u. a.: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. (PDF; 515 kB) In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. The Astronomical Society of the Pacific, Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden. ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar).Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref>
Eine sehr verbreitete Methode der indirekten Entfernungsmessung, mit der auch der Radius der Mondbahn bestimmt werden kann, ist die Triangulation. Von den beiden Endpunkten einer Standlinie bekannter Länge aus bestimmt man die Winkel, unter denen ein dritter Punkt zu sehen ist. Aus den Winkeln und der bekannten Distanz kann der Abstand des dritten Punktes zur Standlinie berechnet werden. Ähnlich kann der Abstand des Mondes durch indirekten Vergleich mit einem relativ kurzen Maßstab bestimmt werden.
Die Mehrzahl der in Alltag, Wissenschaft oder Industrie eingesetzten Messverfahren verwenden indirekte Methoden. Das unterstreicht auch die Bedeutung des Verständnisses von Messabweichungen und ihrer Fortpflanzung durch mehrstufige Messsysteme (siehe auch Ausgleichsrechnung und Varianzanalyse).
Als Variante bzw. Erweiterung der indirekten Messmethoden können sog. Simultanmessungen gelten. In vielen Bereichen von Naturwissenschaft und Technik werden gleichzeitige Messungen von verschiedenen Punkten aus vorgenommen. Der Zweck ist das Eliminieren von Zeitfehlern, das Minimieren der Messabweichung oder das Aufdecken von Quellen systematischer Messfehler je nach Toleranz.
Thematische Einteilung[Bearbeiten]
Die Teilgebiete und Themen der Messtechnik lassen sich wie folgt gruppieren:
| Thematische Gruppierung |
|---|
| Messgerät, Messeinrichtung, Multimeter, Messmittel |
| Messwert, Messergebnis, Messunsicherheit |
| Messabweichung, Messgeräteabweichung |
| Fehlergrenze, Fehlerfortpflanzung, Fehlerrechnung |
| Reduktion (Messung), Eichung |
| Sensor, Sensorik, Messprinzip |
| Messung (als Ausführen von geplanten Tätigkeiten)
Metrologie (als Wissenschaft vom Messen und ihre Anwendung) |
| Schaltzeichen zur Messtechnik |
Grundlagen der elektrischen Messtechnik[Bearbeiten]
Vertiefend zu den vorstehenden Themen sind zu nennen:
| Themengebiet | Vertiefung |
|---|---|
| Zeitabhängigkeit von Messgrößen |
|
| Elektromechanische anzeigende Messgeräte | z. B. Analogmultimeter |
| Digitalelektronische anzeigende Messgeräte | z. B. Digitalmultimeter |
| Registrierende Messgeräte | z. B. Oszilloskope, Messschreiber |
| Anpassende Messgeräte | z. B. Messumformer, Messumsetzer, Messverstärker
|
| Messverfahren |
|
Typen von Messgeräten[Bearbeiten]
Eine ausführliche Aufzählung von Messgeräten findet sich im Artikel Messgerät. Siehe auch die Liste von Messgeräten. Für die Anzeigen siehe dort. Einen Überblick, wie teilweise erst eine Kette aus Messgeräten von unterschiedlichem Typus zum gesuchten Messwert führt, findet sich im Artikel Messeinrichtung.
Physikalischen Messgrößen (Auswahl)[Bearbeiten]
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| Größe | Messgerät | Einheit |
|---|---|---|
| Druck | Druckmessgerät, Dehnungsmessstreifen, Barometer | Pa, Bar |
| Durchfluss | Durchflussmesser, Durchflusssensor | m³/s, l/min, kg/s |
| Elektrische Spannung | Spannungsmessgerät | V |
| Elektrischer Strom | Strommessgerät | A |
| Frequenz | Frequenzmesser, Frequenzzähler | Hz |
| Geschwindigkeit | Geschwindigkeitsmessung, Tachometer | m/s |
| Kraft | Kraftmessung, Kraftaufnehmer | N |
| Länge/Weg/Tiefe | Entfernungsmessung, Wegsensor | m |
| Temperatur | Thermometer, Widerstandsthermometer, Thermoelemente | K, °C, °F |
Anwendungen[Bearbeiten]
Die Messtechnik ist in Verbindung mit der Steuerungs- und Regelungstechnik eine Voraussetzung der Automatisierungstechnik. Für die Methoden und Produkte der industriellen Fertigung kennt man den Begriff der Fertigungsmesstechnik.
Organisationen[Bearbeiten]
- Committee on Data for Science and Technology (CODATA)
- Arbeitskreis der Hochschullehrer für Messtechnik (AHMT)
- National Institute of Standards and Technology (NIST)
- Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
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- Elmar Schrüfer, Leonhard Reindl, Bernhard Zagar: Elektrische Messtechnik. 12. Auflage. Carl Hanser Fachbuchverlag, München 2018, ISBN 978-3-446-45654-9.
- Albert Weckenmann, Teresa Werner: Messen und Prüfen. Kapitel 27 in: Tilo Pfeifer, Robert Schmitt (Hrsg.): Masing Handbuch Qualitätsmanagement. 6., überarbeitete Auflage. Carl Hanser Fachbuchverlag, München / Wien 2014, ISBN 978-3-446-43431-8.
- Norbert Weichert: Messtechnik und Messdatenerfassung. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2010, ISBN 978-3-486-59773-8.
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- Jörg Hoffmann: Handbuch der Messtechnik. 3. Auflage. Carl Hanser, München 2007, ISBN 978-3-446-40750-3.
- Jörg Hoffmann: Taschenbuch der Messtechnik. 5. Auflage. Fachbuchverlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-446-40993-4.
- Werner Kriesel, Hans Rohr, Andreas Koch: Geschichte und Zukunft der Meß- und Automatisierungstechnik. VDI-Verlag, Düsseldorf 1995, ISBN 3-18-150047-X.
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- F. X. Eder, Moderne Messmethoden der Physik, Bände 1–3, siehe die Hochschulbücher für Physik
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />