Michael Alberti
Michael Alberti (* 13. November 1682 in Nürnberg; † 17. Mai 1757 in Halle (Saale)) war ein deutscher Mediziner, Naturphilosoph und Hochschullehrer. An der Universität Halle lehrte er Medizin und Physik. Er gehörte zu den wichtigsten Vertretern der von Georg Ernst Stahl geprägten animistischen Medizin und beschäftigte sich insbesondere mit dem Verhältnis von Seele und Körper sowie mit Fragen der Gerichtsmedizin.<ref name="Rydberg">Andreas Rydberg: Michael Alberti and the Medical Therapy of the Internal Senses. In: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences. Band 74, Nr. 3, 2019, S. 245–266, doi:10.1093/jhmas/jrz030.</ref>
Leben[Bearbeiten]
Michael Alberti war ein Sohn des Nürnberger Pfarrers Paul Martin Alberti d. Ä. (1640–1705) und seiner Frau Clara. Wie seine Brüder Paul Martin Alberti d. J. (1666–1729) und August Alberti (1672–1738) sollte er anfänglich auch den Beruf des Vaters ergreifen. Er besuchte das Gymnasium St. Aegidien in Nürnberg und begann anschließend an der Universität Altdorf ein Studium, zunächst vor allem in den theologischen und philosophischen Fächern. Zu seinen Lehrern gehörten Johann Christoph Sturm in Naturlehre und Mathematik, Georg Paul Rötenbeck in Philosophie, Daniel Wilhelm Moller und Johann Christoph Wagenseil in Geschichte und Geographie, Magnus Daniel Omeis in Rhetorik, Christoph Sonntag in den orientalischen Sprachen und Johann Michael Lang in der Theologie.
Im Anschluss begab er sich als Hofmeister an die Universität Jena, besuchte die Vorlesungen von Georg Wolfgang Wedel, Rudolph Wilhelm Krause sowie Johann Philipp Slevogt und entwickelte hier eine Leidenschaft für die Medizin. Anschließend bezog er die Universität Halle, wo er von August Hermann Francke an den Hofrat Georg Ernst Stahl vermittelt wurde. Dort besuchte er neben den medizinischen Vorlesungen auch die von Christoph Cellarius in den schönen Wissenschaften und Johann Franz Buddeus in Philosophie. 1704 promovierte er unter Stahl zum Doktor der Medizin und fing an, Vorlesungen abzuhalten. Sein Vater, der im Alter vorgerückt war und Hilfe bedurfte, rief ihn zurück nach Nürnberg.
Dort gab er mitgereisten Studenten weiter Unterricht und übte sich in der medizinischen Praxis. Bald erhielt er das Amt eines Physikus in Windsheim, das er jedoch wegen des Todes seines Vaters nicht antrat. Da er aber in Nürnberg keinen Fuß an der Altdorfer Universität fassen konnte, begab er sich zurück nach Halle, wo er medizinische und philosophische Vorlesungen abhielt. 1710 wurde er außerordentlicher Professor in Halle. 1713 wurde er in die Kaiserliche Akademie der Naturforscher (Leopoldina) unter dem Namen Andronicus aufgenommen<ref>Mitgliedseintrag von Michael Alberti (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher LeopoldinaVorlage:Abrufdatum</ref> und 1716 ordentlicher Professor an der medizinischen Fakultät in Halle. Bald darauf erhielt er auch eine außerordentliche Professur in der Physik, außerdem wurde ihm die Aufsicht über die königlichen Freitische aufgetragen. Während seiner 42 Jahre währenden Tätigkeit als Professor in Halle war er 34 Mal Dekan der Medizinischen und 9 Mal Dekan der Philosophischen Fakultät sowie drei Mal (1726/27, im Wintersemester 1737 und 1753/54) Prorektor der Hallenser Hochschule. 1717 wurde er königlicher Hofrat und 1719 war er Konsistorialrat im Konsistorium des Herzogtums Magdeburg. Alberti war darüber hinaus seit 1726 auswärtiges Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin.<ref>Mitglieder der Vorgängerakademien. Michael Alberti. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 13. Februar 2015.</ref> 1729 übernahm er die Leitung des Botanischen Gartens in Halle und am 17. Oktober 1736 bekam er von der Universität Wittenberg den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie verliehen.
Alberti war seit 1705 verheiratet mit Anna Magdalena (* um 1684; † 7. November 1741 in Halle), der Tochter des Knopfmachers und Ratsherren in Halle Georg Wendt. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, die jedoch größtenteils jung starben. Sein einzig überlebender Sohn Heinrich Christian Alberti (1722–1782) wurde ebenfalls außerordentlicher Professor der Medizin in Halle.
Michael Alberti wurde auf dem halleschen Stadtgottesacker bestattet, sein Grab befindet sich im Bogen 75.
Wirken[Bearbeiten]
Alberti war Schüler und Nachfolger Georg Ernst Stahls und einer der wichtigsten Vermittler von dessen medizinischem System. Stahl wandte sich gegen eine rein mechanistische Erklärung des menschlichen Organismus und verstand die Seele als wesentliches Prinzip der Lebensvorgänge. Alberti entwickelte diesen Ansatz in zahlreichen Lehrschriften und akademischen Disputationen weiter.<ref name="Rydberg2">Andreas Rydberg: Michael Alberti and the Medical Therapy of the Internal Senses. In: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences. Band 74, Nr. 3, 2019, S. 245–266, doi:10.1093/jhmas/jrz030.</ref> Die Hallenser Universität würdigt ihn entsprechend als einen maßgeblichen Vertreter, Verteidiger und Verbreiter der von Stahl begründeten animistischen Lehre.<ref>Der Historische Sessionssaal. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, abgerufen am 4. September 2026.</ref>
Ein besonderer Schwerpunkt Albertis lag auf der Wechselwirkung zwischen psychischen Vorgängen und körperlicher Gesundheit. Er beschäftigte sich mit den sogenannten „inneren Sinnen“, darunter Vorstellungskraft, Phantasie und Gedächtnis. Nach seiner Auffassung konnten seelische Vorstellungen und Affekte sowohl Krankheiten hervorrufen als auch therapeutisch wirksam werden. Diese Überlegungen standen zugleich in engem Zusammenhang mit dem Halleschen Pietismus und der Vorstellung einer sittlichen und religiösen Formung der Seele.<ref name="Rydberg2" /> Beispiele hierfür sind die unter seinem Vorsitz entstandenen Disputationen De therapia morborum morali (1714) und De sensuum internorum usu in oeconomia vitali (1726).<ref>Dissertatio Medica Practica De Therapia Morborum Morali. Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, abgerufen am 4. September 2026.</ref><ref>Dissertatio Inauguralis Medica, De Sensuum Internorum Usu In Oeconomia Vitali. Universitätsbibliothek Heidelberg, abgerufen am 4. September 2026.</ref>
Ein weiterer Schwerpunkt war die medizinische Begutachtung in Rechtsfällen. Sein sechsbändiges Systema jurisprudentiae medicae erschien zwischen 1725 und 1747 und behandelte zahlreiche Grenzfragen zwischen Medizin und Recht. Es zählt zu seinen bekanntesten Werken zur frühen Gerichtsmedizin.<ref>Wolfram Kaiser: Michael Alberti (1682 bis 1757) und sein „Systema Jurisprudentiae Medicae“ von 1725. In: Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit Zentralblatt. Band 66, Nr. 1, 1977, S. 55–67, PMID 150162.</ref> Auch einzelne von Alberti betreute Gutachten und Disputationen werden in der neueren Forschung zur Entwicklung der forensisch-medizinischen Befundaufnahme herangezogen.<ref>Records of the invisible: Visa reperta in 18th- and 19th-century forensic medicine and their role as promoters of pathological-anatomical knowledge. 2011, PMID 21328919.</ref>
Schriften[Bearbeiten]
Alberti war an mehreren hundert Dissertationen und Disputationen beteiligt. Bei frühneuzeitlichen Universitätsdissertationen lässt sich die Autorschaft jedoch nicht ohne Weiteres nach heutigem Verständnis dem Professor oder dem Respondenten allein zuschreiben. Die Forschung betrachtet die unter Albertis Vorsitz entstandenen Arbeiten daher als akademische Gemeinschaftsprodukte, die zugleich der Verbreitung seiner medizinischen Vorstellungen dienten.<ref name="Rydberg3">Andreas Rydberg: Michael Alberti and the Medical Therapy of the Internal Senses. In: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences. Band 74, Nr. 3, 2019, S. 245–266, doi:10.1093/jhmas/jrz030.</ref> Eine vollständige Aufzählung dieser Hochschulschriften ist in bibliographischen Datenbanken nachgewiesen; für Albertis wissenschaftliches Profil sind insbesondere seine größeren selbständigen und zusammenfassenden Werke von Bedeutung.<ref>Michael Alberti. In: Deutsche Digitale Bibliothek. Abgerufen am 4. September 2026.</ref>
Auswahl[Bearbeiten]
- Introductio in universam medicinam tam theoreticam quam practicam. 3 Teile, Halle 1718, 1719 und 1721.
- Systema jurisprudentiae medicae. 6 Bände, Halle/Schneeberg/Leipzig/Görlitz 1725–1747.
- Specimen medicinae theologicae. Halle 1726.
- Tentamen lexici realis observationum medicarum. 2 Teile, Halle 1727 und 1730.
- Tractatus de natura humana. Halle 1732.
- Tractatus medico-historicus de tribus impostoribus. unter dem Namen Andronicus, 1738.<ref>Tractatus medico-historicus de tribus impostoribus. Wienbibliothek im Rathaus, abgerufen am 4. September 2026.</ref>
- Commentatio in Constitutionem criminalem Carolinam medica. Halle 1739.
Literatur[Bearbeiten]
- August Hirsch: Alberti, Michael. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 214 f.
- Wolfram Kaiser, Arina Völker: Michael Alberti (1682–1757). Abt. Wissenschaftspublizistik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 1981
- Wolfram Kaiser: Michael Alberti (1682 bis 1757) und sein „Systema Jurisprudentiae Medicae“ von 1725. In: Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit Zentralblatt. Band 66, Nr. 1, 1977, S. 55–67.
- Johann Georg Meusel: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Gerhard Fleischer d. J., Leipzig, 1802 (Online bei Google Buchsuche)
- Hugo Magnus: Alberti, Michael. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. (BÄL) Urban & Schwarzenberg, Wien & Leipzig, 1884, 1. Band Aaskow–Chavasse, S. 85
- Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletizi et Nudzici, oder ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des zum ehemaligen Primat und Ertz-Stifft, nunmehr aber durch den westphälischen Friedens-Schluß secularisirten Herzogthum Magdeburg gehörigen Saal-Kreyses und aller darinnen befindlichen Städte, Schlösser, Aemter, Rittergüter, adelichen Familien, Kirchen, Clöster, Pfarren und Dörffer, insonderheit der Städte Halle, Neumarckt, Glaucha, Wettin, Löbegün, Cönnern und Alsleben; aus Actis publicis und glaubwürdigen … Nachrichten mit Fleiß zusammengetragen, mit vielen ungedruckten Dacumenten bestärcket, mit Kupferstichen und Abrissen gezieret, und mit den nöthigen Registern versehen. Emanuel Schneider, Halle 1749/50. Bd. 2, S. 573, Pos. 5
- Andreas Rydberg: Michael Alberti and the Medical Therapy of the Internal Senses. In: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences. Band 74, Nr. 3, 2019, S. 245–266, doi:10.1093/jhmas/jrz030.
- Georg Andreas Will: Nürnbergisches Gelehrten – Lexicon oder Beschreibung aller Nürnbergischen Gelehrten beyderley Geschlechts... 1802, S. 19.
- Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 1. Section, Teil 2, S. 362
Weblinks[Bearbeiten]
- Werke von und über Michael Alberti in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Eintrag zu Michael Alberti im Catalogus Professorum Halensis
- museum-digital: Porträt D. Michael Alberti (1682-1757)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Alberti, Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mediziner, Physiker und Philosoph |
| GEBURTSDATUM | 13. November 1682 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |
| STERBEDATUM | 17. Mai 1757 |
| STERBEORT | Halle (Saale) |
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