Michael Martens
Michael Alexander Martens (* 1973 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist und Autor. Seit 2002 ist er bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung politischer Korrespondent für verschiedene Länder in Südosteuropa.
Leben[Bearbeiten]
Martens wuchs in Hamburg und in der Lüneburger Heide auf.<ref name="faz" /> Sein Großvater Hans-Hermann Martens (1904–1988) war während der Zeit des Nationalsozialismus Staatsanwalt und Offizier im Wehrmachtsführungsstab.<ref>Nahostkonflikt: Die falsche Lehre aus dem Holocaust. 13. Oktober 2024, abgerufen am 15. Oktober 2024.</ref>
Schon als Schüler arbeitete Martens für verschiedene Tageszeitungen in Norddeutschland, nach dem Abitur ging er für ein Jahr nach Chicago. Von 1995 bis 2000 arbeitete er – unterstützt vom Auswärtigen Amt – als Redakteur für verschiedene russlanddeutsche Zeitungen in Bischkek, Almaty, Kiew und in St. Petersburg, etwa die Zeitung der Deutschen Kyrgyzstans und die St. Petersburgische Zeitung. 2001 ging er zur Nachrichtenredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er wurde 2002 als Südosteuropa-Korrespondent nach Belgrad entsandt. Von 2009 bis 2018 war er auch für die Türkei zuständig und berichtete aus Istanbul, ab 2015 aus Athen.<ref>Bülend Ürük: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.„FAZ“ stärkt Berichterstattung aus Griechenland: Michael Martens berichtet zukünftig aus Athen. ( des Vorlage:IconExternal vom 21. Juli 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. kress.de, 14. Juli 2015.</ref> Seit 2019 berichtet er mit Sitz in Wien über den Südosten Europas.<ref name="faz">Website der FAZ: Michael Martens. faz.net, 20. Februar 2020.</ref>
Werk[Bearbeiten]
2011 publizierte Martens das Buch Heldensuche – Die Geschichte des Soldaten, der nicht töten wollte.<ref>Michael Martens: Heldensuche. Die Geschichte des Soldaten, der nicht töten wollte. Paul Zsolnay Verlag, 2011, ISBN 978-3-552-05531-5.</ref> Es thematisiert einen Wehrmachtsoldaten namens Josef Schulz, der 1941 im Zweiten Weltkrieg während der Besetzung Jugoslawiens durch die deutsche Wehrmacht von seinen eigenen Leuten erschossen worden sein soll, nachdem er sich geweigert haben soll, Geiseln zu erschießen. Das Buch wurde mehrfach positiv besprochen.<ref>Dirk Auer: Die Legende vom guten Soldaten: Michael Martens: „Heldensuche“, Paul Zsolnay Verlag. Deutschlandfunk, 12. Dezember 2011.</ref><ref>Adelheid Wölfl: „Heldensuche“: Die Geschichte vom Soldaten, der nicht töten wollte. Der Standard, 30. September 2011.</ref><ref>Rayna Breuer: Wer war Josef Schulz? Deutsche Welle, 19. Juli 2011.</ref>
2019 veröffentlichte Martens unter dem Titel Im Brand der Welten. Ivo Andrić. Ein europäisches Leben eine Biografie des Diplomaten und Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić. Das Buch wurde vielfach positiv besprochen<ref>Wolfgang Schneider: Opportunist mit elegantem Stil Deutschlandfunk Kultur, 14. November 2019.</ref><ref>Karl-Markus Gauß: Land und Werk Süddeutsche Zeitung, 26. November 2019.</ref><ref>Andreas Breitenstein: Hauptsache, Jugoslawien Neue Zürcher Zeitung, 29. Oktober 2019.</ref> und für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik nominiert.<ref name=":0" />
Öffentliche Auseinandersetzungen und Reaktionen[Bearbeiten]
Interview mit Alexis Tsipras[Bearbeiten]
Im Sommer 2013 führte Martens ein Interview mit dem damaligen griechischen Oppositionsführer Alexis Tsipras. Das Interview wurde von Tsipras nach der fünften Frage beendet. Der Politiker beschwerte sich danach über angeblich „unethische Fragen“ von Michael Martens. Daraufhin veröffentlichte Martens den kompletten Audio-Mitschnitt des Interviews. Laut Martens war es das erste Mal, dass sich ein Interviewpartner über seine Fragen beschwert hatte.<ref>Bülend Ürük: FAZ-Korrespondent Michael Martens: Beim nächsten Mal würde ich nach seinem Lieblingsessen fragen. newsroom.de, 29. Juli 2013.</ref>
Vorgehen russischer Behörden gegen Martens[Bearbeiten]
Bei einer Pressekonferenz in Belgrad im August 2026 fragte Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, „mehr Russen, mehr russische Soldaten“ zu töten („Can you tell us Europeans, what can we concretely do to help you to kill more Russians – more Russian soldiers, of course?“).<ref>FULL PRESSER: Zelenskiy Calls for ‘Worthy Peace’ During Historic Talks With Serbia’s Vucic AC1G. Abgerufen am 11. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die FAZ-Redaktion bezeichnete die gewählte Formulierung als missverständlich, distanzierte sich jedoch nicht von Martens.<ref>Stellungnahme der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu einer Frage ihres Korrespondenten bei einer Pressekonferenz in Belgrad. Abgerufen am 12. August 2026.</ref> In Russland wurde daraufhin ein Strafverfahren gegen Martens eingeleitet.<ref>Russland leitet Strafverfahren gegen FAZ-Journalist ein. In: FAZ.net. 16. August 2026, abgerufen am 16. August 2026.</ref> Der Deutsche Journalisten-Verband und das Auswärtige Amt protestierten gegen das Ermittlungsverfahren.<ref>DJV kritisiert Ermittlungen gegen F.A.Z.-Korrespondent. In: FAZ.net. 17. August 2026, abgerufen am 17. August 2026.</ref><ref>Eckart Lohse: Berlin weist Moskaus Drohung gegen F.A.Z.-Korrespondent zurück. In: FAZ.net. 19. August 2026, abgerufen am 20. August 2026.</ref> Die russischen Behörden schrieben Martens daraufhin zur Fahndung aus, was die FAZ als Einschüchterungsversuch wertete.<ref>Michael Martens: Russland schreibt FAZ-Journalist zur Fahndung aus. 21. August 2026, abgerufen am 21. August 2026.</ref> Der Herausgeber und Leitartikler Berthold Kohler der FAZ distanzierte sich am 22. August 2026 und schrieb u. a., dass es an der Frage des Korrespondenten, so wie sie gestellt worden sei, „berechtigte Kritik“ gebe, denn das „wir“ in ihr habe als „aktivistische Distanzlosigkeit“ gedeutet werden können. Vergebens suche man in diesem „Shitstorm“ aber nach ähnlicher Empörung darüber, dass Putin erklärtermaßen die Ukraine als Staat und die Ukrainer als Nation auslöschen wolle und im russischen Fernsehen Propagandisten dazu aufriefen, europäische Hauptstädte mit Atomwaffen zu beschießen.<ref>Berthold Kohler, Putins Angriff auf die Pressefreiheit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. August 2026, S. 1.</ref>
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 2020: Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse<ref name=":0">Angel Igovs »Die Sanftmütigen« und Michael Martens für Leipziger Buchpreis nominiert – Traduki. 3. März 2020, abgerufen am 11. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2025: Deutscher Reporter:innenpreis in der Kategorie Bestes Interview<ref>Deutscher Reporterpreis: Michael Martens in der Kategorie Bestes Interview. 9. Dezember 2025, abgerufen am 11. August 2026.</ref>
Bücher (Auswahl)[Bearbeiten]
- Ohne Lüge können wir nicht existieren. Ein Gespräch zur Person und über die Zeit mit Friedensreich Hundertwasser. Boldt, Winsen 1998, ISBN 3-928788-24-8.
- Mein Lebensziel ist das Schaffen. Ein Gespräch zur Person und über die Zeit mit Tschingis Aitmatow. Boldt, Winsen 1998, ISBN 3-928788-26-4.
- Ist Kunst unsterblich? Ein Gespräch zur Person und über die Zeit mit Christo und Jeanne-Claude. Boldt, Winsen 1999, ISBN 3-928788-30-2.
- Ich werde die Wunde offen halten. Ein Gespräch zur Person und über die Zeit mit Günter Grass. Boldt, Winsen 1999, ISBN 3-928788-31-0.
- Ich möchte keine tragische Figur sein. Ein Gespräch zur Person und über die Zeit mit Dieter Hildebrandt. Boldt, Winsen 2000, ISBN 3-928788-33-7.
- mit Josef Burg: Irrfahrten. Ein ostjüdisches Leben. Boldt, Winsen 2000, ISBN 3-928788-35-3.
- Es gibt Ideen, die Jahrtausende überstehen. Ein Gespräch zur Person und über die Zeit mit Stefan Heym. Boldt, Winsen 2001, ISBN 3-928788-38-8.
- Eine Wohnungsbegehung. Erinnerungen. Boldt, Winsen 2010, ISBN 978-3-928788-68-7.
- Heldensuche. Die Geschichte des Soldaten, der nicht töten wollte. Zsolnay, Wien 2011, ISBN 978-3-552-05531-5.
- Im Brand der Welten. Ivo Andrić. Ein europäisches Leben. Zsolnay, Wien 2019, ISBN 978-3-552-05960-3.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Michael Martens im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Selbstporträt auf FAZ.net
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Michael Martens bei Perlentaucher
- Michael Martens: Kommt Ihre Kunst ohne Lüge nicht aus, Herr Hundertwasser? In: Die Welt, 2. November 1998
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Martens, Michael |
| ALTERNATIVNAMEN | Martens, Michael Alexander |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Zeitungsredakteur und Buchautor |
| GEBURTSDATUM | 1973 |
| GEBURTSORT | Hamburg |